Industrie 4.0 mit SAP und MES: RFID-Bauteil beauftragt nächsten Produktionsschritt selbst

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Posted 14. September 2016 by Redaktion IT-Onlinemagazin in IT-Leiter

In der Automobilindustrie sind zuverlässige Prüfungen und Kontrollen der Endprodukte Pflicht. In einem neu etablierten Reinigungsprozess beim Automobilzulieferer Alligator trägt jedes Bauteil nun die wichtigsten Informationen über sich selbst und die notwendigen Folgeschritte. Möglich macht dies ein RFID-Datenträger. Der Prozess ist komplett in SAP ERP und die MES-Lösung top MES abgebildet. So realisiert Alligator vollautomatisierte, sich selbst steuernde Abläufe im Sinne von Industrie 4.0.

 

SAP ERP um MES erweitert

Alligator entschied sich im Jahr 2013, auf ein zentrales SAP-System umzustellen. Neben der Abwicklung sämtlicher Geschäftsprozesse in einem ERP System, sollten auch entscheidende Dinge in der Produktion voran gebracht werden. „Insbesondere in der Produktion waren die Abläufe nicht transparent dargestellt“, schildert Hans-Jürgen Müller, IT-Leiter der Steiff-Gruppe, zu der auch der Automobilzulieferer Alligator gehört, die Ausgangssituation.

Das Ziel einer transparenten Fertigung – Produktionsdaten in Echtzeit sowie eine Übersicht über einzelne Aufträge und Schichtbelegungen – war allerdings mit der bloßen Umstellung auf SAP ERP kaum zu erreichen. „Wir haben uns deshalb dafür entschieden, das neu eingeführte SAP ERP um ein Manufacturing Execution System (MES) zu erweitern“, beschreibt Müller die Entscheidung.

Um die Erweiterung der IT-Infrastruktur in Richtung Industrie 4.0 zu forcieren, sollten zwei RFID-fähige (Radio Frequency Identification) Reinigungsanlagen implementiert werden und deren direkte Integration in SAP ERP und die MES-Lösung top MES erfolgen. „Auf diese Weise wollten wir zum einen unsere veralteten Maschinen ersetzen, zum anderen der Anforderung unserer Kunden nach einer besseren Reinigungsqualität unserer Endprodukte entsprechen“, erklärt Projektleiter Manfred Wiedenmann.

 

Auf dem Weg zu Industrie 4.0

sap rfid produktionIn dem Projekt spielte top MES, die MES-Lösung des Anbieters top flow, eine tragende Rolle. Dazu wurde folgender Prozess modelliert: Die fertigen Bauteile aus der Zerspanung landen in einem Behälter, der mit einem RFID-Datenträger versehen ist. Über eine Funktion des top MES werden direkt aus SAP ERP alle relevanten Daten zum Bauteil und dem Produktionsprozess auf den RFID-Datenträger übertragen.

Bei der nachfolgenden Reinigungsanlage lesen Sensoren – an dafür eingerichteten Schreib-/Lese-Stationen –die Informationen vom RFID-Datenträger aus und fahren vollautomatisch den für das ankommende Bauteil spezifischen Reinigungsprozess ab.

Daraus ergaben sich neue Herausforderungen: So mussten alle Hard- und Softwarekomponenten aufeinander abgestimmt werden, damit der Datenfluss aus SAP ERP zum Datenträger am Behälter, vom Datenträger zur Maschine und zurück reibungslos funktioniert. Darüber hinaus war aber auch ein Informationsaustausch mit Lieferanten und Dienstleistern erforderlich. Schließlich galt es auch, die passenden Behälter und entsprechend widerstandsfähige RFID-Datenträger zu finden.

 

Selbst steuernde Abläufe mit SAP-Integration

Im neu etablierten Prozess trägt das Bauteil selbst, über den RFID-Datenträger am Behälter, die wichtigsten Informationen über sich und den Folgeprozess. Nachdem die Bauteile das jeweilige Reinigungsprogramm durchlaufen haben, werden diese automatisiert in ein neues Behältnis umgeschüttet und das Gewicht ermittelt. Die Folgeschritte an der Reinigungsanlage steuern sich selbst, ganz ohne manuelles Zutun, wodurch menschliche Fehlerquellen reduziert werden.

Produktionsleiter Robert Binder resümiert: „Durch das Einsparen manueller Tätigkeiten wird unser Produktionsprozess zusätzlich effizienter. Mit der nahtlosen Integration unserer Reinigungsanlagen gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu Industrie 4.0.“

 

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Alligator

 

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