Mit Predictive Analytics Finanzprozesse und Lieferkette optimieren

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Posted 15. September 2014 by Redaktion IT-Onlinemagazin in Geschäftsführer

Bei der Suche nach Unternehmen, die Predictive Analytics, Big Data und SAP HANA bereits praktisch nutzen, sind wir fündig geworden: Das Startup Trufa aus Heidelberg und Palo Alto hilft Unternehmen bei der Optimierung ihrer Lieferketten und Finanzprozesse. Das IT-Onlinemagazin interviewte den Trufa Gründer und CEO Ralph Treitz.

 

IT-Onlinemagazin: Herr Treitz, was bietet Trufa an?

SAP-HANA-Predictive-Trufa-Ralph-TreitzRalph Treitz: Wir machen Erfolg planbar. Aus Anwendersicht gesprochen, bieten wir Anwendungen für Entscheider im Bereich der Unternehmensfinanzen und der gesamten Lieferkette (Supply Chain). So wie ERP Systeme operative Prozesse mit Hilfe des Computers bewältigen, so helfen wir Entscheidern fundierte Entscheidungen zu treffen. Beispielfragen sind: Wie kann ich meine überfälligen Forderungen reduzieren, wie senken wir die Investitionen in Lagerbestände, welche Ziele in Bezug auf pünktliche Lieferungen sind im nächsten Jahr wirtschaftlich sinnvoll und auch erreichbar … und viele weitere Fragen.

Technisch gesprochen bieten wir Predictive Analytics für Daten operativer ERP Systeme. Im Gegensatz zu BI-Tools, die eher ein Bausatz sind, liefern wir schlüsselfertige Lösungen für Anwender – und Anwendungen von Trufa sind binnen einer Woche beim Kunden produktiv im Einsatz.

 

Wer sind Ihre typischen Kunden und welches Problem lösen Sie mit Ihrem Angebot?

Fangen wir mit dem Problem an. Man könnte sagen, wir lösen ein Billiarden Euro Problem. Nach einer Studie von Ernst & Young an der 2.000 Unternehmen teilnahmen, schlummert dieses enorme Potential im Bereich des Working Capital. Ein bisschen griffiger: Unternehmen könnten Cash Reserven in Höhe von 12% ihres Umsatzes heben. Das sind enorme Größenordnungen.

Nun kann man mit Recht fragen: Wenn das Potential wirklich so groß ist, dann wird doch jedes Unternehmen diese Chancen sofort nutzen. Leider ist das bisher nicht so einfach.

Die Geschäftsprozesse im Supply Chain und den Finanzen sind sehr komplex, haben oft Hunderte von Varianten und zusätzlich unüberschaubar viele Wechselwirkungen: Man kann nicht einfach Lagermengen reduzieren, ohne die Lieferfähigkeit zu betrachten. Man kann nicht einfach beim billigsten Anbieter kaufen, ohne dessen Fähigkeit zu pünktlicher und qualitativ verlässlicher Lieferung einzubeziehen. Die Existenz solcher Zusammenhänge ist zwar bekannt, aber sie kann bisher nur vereinzelt für Entscheidungen genutzt werden. Alleine die Datenbeschaffung dauert üblicherweise Wochen, gefolgt von weiteren Wochen mit intensivem Berater-Einsatz. Genau hier kommen nun neue Techniken wie Big Data Analysen und statistische Analytik ins Spiel.

Und natürlich braucht es nicht nur neue Algorithmen, sondern auch Daten. Hier nutzen wir die Investitionen der Unternehmen der letzten 20 Jahre, denn die flächendeckende Nutzung von ERP Systemen legt uns das Genom eines Unternehmens in sehr detaillierter Form geradezu bereit. Man muss diese Datenmengen aber lesen, verstehen und für „normale“ Business-User aufbereiten können.

 

Wenn Sie auf Ihre Kundenprojekte zurückblicken, welche besonderen Erkenntnisse hatten Kunden?

Predictive-Analytics-Trufa-iPadUnsere Kunden berichten von ganz unterschiedlichen Erkenntnissen. So hat ein Unternehmen über Monate wiederholt und ohne Ergebnis die Frage gewälzt, ob sich eine Umstellung auf auftragsbezogene Faktura lohnt. Die Frage, wieviel Kapital dadurch freigesetzt würde, konnte bereits nach wenigen Minuten präzise beantwortet werden.

Ein anderes Unternehmen wurde durch Trufa darauf aufmerksam, dass sich der Einsatz elektronischer Bestellungen lohnt. In der Branche honorieren viele Lieferanten elektronische Bestellungen mit besseren Einkaufskonditionen. Auch hier war es wichtig, das konkrete Einsparpotenzial beziffern zu können, hier waren es sage und schreibe 11 Mio. Euro. Damit konnte eindeutig entscheiden werden, dass sich der Umstellungsaufwand lohnen wird.

Manchmal kann man auch unwirtschaftliche Maßnahmen verhindern: Ein Kunde vermutete in der Unpünktlichkeit von Unterauftragnehmern einen schlechten Einfluss auf die Zahlungsdisziplin der Kunden. Das war nicht nachweisbar, also wurden weder Geld noch personelle Ressourcen für reinen Aktionismus investiert.

Man kann aus den Kundensituationen auch klar erkennen, dass Effizienz in vielen aufeinanderfolgenden Einzelmaßnahmen erarbeitet wird. Optimierung ist eben kein einzelnes Projekt, sondern ein Prozess.

 

Können Sie einen wirtschaftlichen Nutzen für Ihre Kunden beziffern?

Da sind wir natürlich besonders gut aufgestellt, weil ja die Ermittlung des wirtschaftlichen Nutzens von Maßnahmen der Gegenstand unserer Anwendungen ist. Die Beträge sind je nach Unternehmensgröße ganz unterschiedlich. Sie bewegen sich aber von einigen hunderttausend Euro bis deutlich über 100 Millionen Euro. Natürlich müssen dann die Aufwände zur Umsetzung im Unternehmen gegengerechnet werden. Aber auch hier gibt es quick-wins, wenn beispielsweise lediglich etwas an der Konfiguration des ERP Systems geändert werden muss.

Es ist auch interessant zu sehen, wo der wirtschaftliche Nutzen sichtbar wird. Da geht es nicht nur um verringerten Kapitaleinsatz ganz allgemein. Unternehmen in schlechter wirtschaftlicher Lage haben keinen Zugang zu billigem Kapital. Da werden neue Projekte erst durch freigesetztes Kapital ermöglicht. Auch die Börse honoriert Verbesserungen des Return on Capital employed (ROCE). Die Steuerung von Unternehmen über solche Kennzahlen ist die Basis von erstaunlichen und nachhaltigen Turnarounds, wie zum Beispiel bei Alcoa oder Linde.

 

Sie nutzen SAP HANA Technologie für Ihre Lösung. Warum sind Echtzeit-Analysen für Ihre Kunden wichtig?

Wir müssen enorm große Datenmengen in Sekunden verarbeiten. So etwas konnten IT Systeme immer nur durch Konfigurierung auf fest definierte Fragestellungen. Jeder SAP BW Anwender kennt Begriffe wie inkrementelles Laden oder den stundenlangen Aufbau von Cubes und Aggregaten. Daher war bisher jeder Report und damit jede Antwort auf ein Businessproblem vorhergedacht.

Trufa unterstützt den Anwender bei seinen täglichen Entscheidungen, egal welche Aspekte in seinem Unternehmen gerade interessant sind oder wo sich Probleme auftun – die Fragestellungen müssen wir zum Zeitpunkt der Programmierung nicht wissen. Die heute übliche durchschnittliche Fertigungszeit eines neuen BW-Reports von 3 Monaten ist da eher nicht die passende Antwort. Unsere Anwendung wird mit jedweder Datenlage unmittelbar und ohne weitere Anpassung fertig.

SAP HANA ermöglicht uns genau das: Wir können in beliebigen Dimensionen sehr große Datenmengen verarbeiten. Es ist genau das, was Hasso Plattner immer wieder anspricht: weg mit Aggregaten, Indizes, redundanter Aufbewahrung von verdichteten Zahlen.

Der technische Fortschritt im Bereich In-Memory-Datenbanken ist wirklich beeindruckend. Wir haben Auswertungen mit einer Laufzeit von mehr als hundert Stunden auf relationalen Datenbanken auf nun 3-4 Sekunden reduziert. Das ermöglicht – und erfordert! – aber auch ein ganz neues Anwendungsdesign, im Techno-Jargon data-driven applications genannt.

 

Was ist das Revolutionäre an Ihrer Lösung?

Da gäbe es viel für den technischen Gourmet zu berichten.

Für den Anwender ist es die Fähigkeit, hochkomplexe Algorithmen und statistische Verfahren zu nutzen, ohne selbst ein „data engineer“ oder auch liebevoll gemeinter „nerd“ zu sein. Normales Geschäftsknowhow reicht für die Nutzung unserer Anwendungen.

IT-Verantwortliche werden sicher revolutionär finden, dass man die Anwendungen ohne Einführungsprojekte innerhalb einer Woche mit Livedaten nutzen kann. Das ist im Umfeld SAP sicherlich eine neue Erfahrung.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Foto und Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Trufa GmbH.

 

 

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