Trendthema: Mobile Anwendungen für SAP

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Posted 30. Mai 2012 by Redaktion IT-Onlinemagazin in Geschäftsführer

Interview mit Jens Beier, Geschäftsführer NEO Business Partners, über die Chancen und Herausforderungen beim Einsatz mobiler Anwendungen für SAP.

IT-Onlinemagazin: Herr Beier, seit mehr als zehn Jahren hat NEO Expertise für mobile SAP Lösungen aufgebaut und zahlreiche innovative Projekte realisiert. Was tut sich denn aktuell im Markt der mobilen Anwendungen?

IT-Onlinemagazin: Jens Beier

Jens Beier

Jens Beier: Es gibt Bewegung auf zwei Achsen: Nachdem sich in den letzten Jahren SAP Anwenderunternehmen primär in einzelnen Projekten mit dem Thema mobile SAP Lösungen beschäftigt haben, etwa in den Bereichen mobiler Vertrieb, Lagerlogistik oder mobiler Service, erkennen vorausschauende Manager inzwischen den Wandel, hin zu immer mehr mobilem Arbeiten über mehrere Anwendergruppen hinweg. Sie suchen nach einer Plattform, auf der nicht mehr nur eine, sondern diverse mobile Lösungen betrieben werden können, was die Betriebskosten durch Komplexitätsreduktion reduziert.

Die SAP hat durch die neue Sybase SUP Plattform die klar beste Position, da sie alle Endgerätebetriebssysteme, -formfaktoren unterstützt und gleichzeitig auch die erforderliche Offenheit besitzt, technisch alle Backend-Systeme zu integrieren, nicht nur SAP Backends. Auf der neuen Sybase Plattform laufen heute bereits viele mobile Lösungen, von SAP selbst und zertifizierte Partnerlösungen, wie die NEO Mobile Suite, so dass die SUP sich mehr und mehr durchsetzt.

Wir gehen daher davon aus, dass sich die SAP mit ihrer Mobility Strategie mittelfristig am Markt nachhaltig durchsetzt. Ferner glauben wir, dass kleinere Anbieter zunehmend ins Schwitzen kommen, da ihnen durch die hohen Entwicklungskosten für Middleware, Endgerätebetriebssystemunterstützung und weitere Anforderungen  finanziell schnell die Puste ausgehen kann. Von generischen Ansätzen wie HTML5 halten wir wenig, da native Anwendungen meist klar im Vorteil sind: sie sind schneller, nutzen endgerätespezifische Eigenschaften, laufen vollständig offline und haben nahezu keine Limitation der offline verfügbaren Datenmenge.

Und welches ist die zweite Achse?

Die Auswahl verfügbarer Standardsoftwareprodukte ist sehr viel breiter und besser geworden, was sich natürlich auf die Innovationskraft auswirkt. Was früher noch kundenindividuell entwickelt werde musste gibt es nun oft im Standard.

Beim Reifegrad von Produkten ist an der ein- oder anderen Stelle Vorsicht geboten. Nicht alles, was als Produkt angeboten wird, ist überhaupt ein Produkt. Anwenderunternehmen sollten die Angebote daher kritisch prüfen.

Für welche Unternehmensprozesse eignen sich mobile Lösungen besonders gut – wo liefern sie den größten Nutzen?

Die größten Nutzerzahlen gibt es sicher im mobilen Vertrieb, dem mobilen Kundenservice, der Werks-/Anlageninstandhaltung (mobiles Asset Management) und der mobilen Lagerlogistik (Warehouse-Management). Wir erwarten ferner, dass auch mehr- und mehr Endkunden, also Endanwender, durch easy-to-use Apps in die Unternehmensprozesse integriert werden.

Ein Beispiel sind mobile Self-Service-Anwendungen, um Serviceanforderungen abzusetzen oder Zählerstände zu übermitteln. NEO hat heute bereits auf Sybase SUP Basis eine mService App, mit der Service-Management Prozesse angestoßen werden können. Der Endanwender bekommt nicht mehr mit, dass er eigentlich ein SAP User ist … SAPGUI war gestern!

Lässt sich der ROI messen? Wie schnell rentiert sich eine Investition? Haben Sie Erfahrungswerte?

Ja, die Amortisation lässt sich vergleichsweise transparent ermitteln, wir haben dafür zum Beispiel einen ROI/TCO Kalkulator. Die Ist-Prozesse werden den Soll-Prozessen gegenübergestellt und die einzelnen Arbeitsschritte in Kosten / Zeiten oder Fehlerangaben quantifiziert und qualifiziert. Wie lange dauert die Erfassung eines Serviceberichtes bis zur Faktura, wie viele Nachfragen gibt es durch Plausibilitätsmangel, die man in einer mobilen Anwendung gleich abfangen kann.

Im Service und der Instandhaltung rechnet sich eine mobile Lösung bei mindestens 30 Technikern meist nach 12-15 Monaten, wenn man ehrlich kalkuliert. Qualitative Aspekte, wie beispielsweise die Steigerung der Datenqualität, sind nette nice-to-have Mitnahmeeffekte, die das Sahnehäubchen darstellen.

Auf welche mobile Technologie setzt man denn als Unternehmen, damit man einerseits die wichtigsten technischen Möglichkeiten nutzen kann und andererseits auch Investitionssicherheit hat?

Wie schon gesagt, wir sehen kleinere Anbieter, die fast alles anbieten, also Middleware, mobile Anwendung und mobiles Gerätemanagement sehr sehr kritisch. In Deutschland gibt es bereits zwei Firmen, die vom Markt verschwunden sind. Es ist eine vergleichbare Situation wie damals in der New-Economy: Der Markt hat sich damals auch binnen 2-3 Jahren massiv konsolidiert. Daher sehen wir die SAP mit ihrer SUP Plattform sehr gut aufgestellt.

Wir sehen Android, Windows und iOS als die drei führenden Betriebssysteme, Microsoft wird mit Windows 8 wieder Boden gut machen. Was die Endgeräte angeht, sind Consumer-Geräte inzwischen auch im geschäftlichen Alltag gut nutzbar. Ein Großteil unserer Kunde nutzt Smartphones und Tablets, die eigentlich Consumer-Geräte sind. Die Qualität und auch die Robustheit sind sehr gut.

Welche nachhaltigen Trends machen Sie aus und wo sehen Sie die mobilen Lösungen in fünf Jahren?

Mobile SAP Anwendungen

© Foto: SAP Deutschland AG & Co. KG

  • Etablierung einer echten mobilen Strategie für Unternehmensanwendungen – Entwicklung einer unternehmensspezifischen Roadmap, entlang der Prioritäten und Nutzergruppen.
  • Da die IT sich mit BYOD (bring your own device) Strategien beschäftigen muss, wird in 3-5 Jahren nahezu jedes Unternehmen eine MDM (Mobile Device Management) Lösung betreiben.
  • Der neue Mobilfunkstandard LTE wird sich zunehmend etabliert haben, da die Lösungen und Dienste mehr und mehr Bandbreite konsumieren.
  • Auto-ID Technologien wie RFID werden im technischen und logistischen Umfeld zunehmend selbstverständlicher genutzt, um die Assets intelligenter zu machen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Beier. Das Interview führte Helge Sanden.

 

 

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