SAP Autonomous Enterprise: DSAG fordert Klarheit bei Kosten und Verträgen
Die DSAG unterstützt SAPs Vision vom Autonomous Enterprise, sieht aber noch erhebliche Hürden bei der Umsetzung. Was Fachvorstände konkret kritisieren.
Veröffentlicht
16. September 2026
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6 Minuten
Redaktion
IT-OnlineMagazin
Michael Fuchs (links) im Gespräch mit Viktor Bauer (SAP) | Foto: IT-OnlineMagazin
Viktor Bauer leitet als Senior Vice President bei der SAP die Branchen Public and Energy. In dieser Funktion ist er Teil der Geschäftsleitung der SAP Deutschland. Im Rahmen unserer Interviewserie „Karrieren rund um SAP“ spricht er mit Michael Fuchs (Senior SAP-Analyst, IT-OnlineMagazin) über seinen Werdegang, den Weg vom Werkstudenten zur Führungsrolle bei SAP und seinen heutigen Verantwortungsbereich.
Michael Fuchs: Wie bist du eigentlich zur SAP gekommen? Warum hattest du dich bei SAP beworben?
Viktor Bauer: Das war so ursprünglich gar nicht geplant. Ich habe Wirtschaftsingenieurswissenschaften studiert und wollte, wie viele Jungs, die in Deutschland aufgewachsen sind, eigentlich immer zu einem Autobauer – im Münchner Süden oder im Münchner Norden.
Dann habe ich in meinem Studium in Karlsruhe eine junge Frau kennengelernt, die heute meine Frau und die Mutter unserer zwei Töchter ist. Sie hat damals ein Praktikum bei SAP gemacht. Und weil wir zusammenziehen wollten, habe ich mich kurzerhand als Werkstudent bei SAP beworben – wohl wissend, dass ich eigentlich nicht vorhatte, dort zu bleiben.
Michael Fuchs: Das ist inzwischen mehr als zehn Jahre her und du bist trotzdem noch dort. Was hat dich bewogen, deine Meinung zu ändern?
Viktor Bauer: Mich hat beeindruckt, was SAP an Bewegung im Markt erzeugt, mit wie vielen spannenden Unternehmen wir zusammenarbeiten, welche Vielfalt die SAP mitbringt.
Ich habe nach meinem Start, als einer der ersten, die SAP Sales Academy abgeschlossen. Das ist das globale Sales- beziehungsweise Trainee-Programm von SAP. Anschließend hatte ich in unterschiedlichen Vertriebsrollen dann gleich die Möglichkeit, SAP auf der Kundenseite kennenzulernen. Dabei habe ich die SAP ganz einfach lieben gelernt.
Ich war viel im Vertrieb unterwegs und konnte die Cloud Transformationen etlicher Kunden – auch aus der Automobilindustrie – begleiten. 2019 habe ich dann die Leitung des Vertriebsbereichs Landes- und Kommunalverwaltungen übernommen, das war ein großer Verantwortungsschritt. Im Februar 2023 übernahm ich den Gesamtbereich Öffentliche Verwaltung im Geschäftsbereich Public & Energy, den ich seit Anfang letzten Jahres gesamthaft verantworten darf. Heute bin ich sehr happy und sehr stolz auf diese ständige Förderung und Weiterentwicklung und daher bin ich sehr gerne bei der SAP.
Michael Fuchs: Worauf führst du dieses Gefühl zurück? Was macht den Reiz von SAP heute noch aus?
Viktor Bauer: Neben dem gerade beschriebenen Werdegang, ist es eigentlich all das, was wir gemeinsam mit den SAP-Anwenderunternehmen erreichen. Vor allem die Tatsache, dass wir fest in der Steuerkammer, im Herz-Kreislauf-System unserer Kunden verankert sind. Das ist einerseits ein Riesenprivileg, andererseits aber auch eine unfassbar große Verantwortung. Denn unsere Aufgabe ist es, technologische Innovationen aus dem Markt in einen Geschäftsprozesskontext zu übersetzen, mit ganz konkreten Mehrwerten auszustatten und diese für unsere Kunden konsumierbar zu machen.
Gerade weil die Innovationsgeschwindigkeit inzwischen rasant hoch ist, wird diese Aufgabe mit jedem Monat spannender. Wir sind da mittendrin, bewegen uns mit, schieben aber als SAP neue Entwicklungen auch ganz aktiv mit an. Daran teilhaben zu können, ist für mich immer wieder ein ganz tolles Gefühl.
Michael Fuchs: Inzwischen bist du auch Teil der DACH-Geschäftsleitung in Deutschland. Was sind hier konkret deine Aufgaben?
Viktor Bauer: Ich leite den Sektor Public and Energy. Dieser umfasst alle Organisationen, die in Deutschland die sogenannte Daseinsvorsorge sicherstellen und das Leben hier ein Stück weit lebenswert machen, bzw. am Laufen halten. Dazu gehört einerseits der klassische Public Sector: also Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung mit allem, was dazugehört. Zudem fallen aber auch die Sozialversicherungsträger, die Bundesagentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung und die Berufsgenossenschaften in meinen Zuständigkeitsbereich.
Auf der anderen Seite umfasst mein Aufgabenbereich auch die gesamte Palette der Ver- und Entsorger – von der E.ON bis zu den Stadtwerken Remscheid. Die Wasserversorger sind dabei, die Abfallentsorger ebenfalls. Also alles, was sich unter dem Sammelbegriff Utilities oder Energy zusammenfassen lässt.
Und dann kommt ein dritter, hochspannender Bereich dazu: die Healthcare Provider. Darunter versteht man alle Krankenhausgesellschaften, Unikliniken sowie Non-Profit-Organisationen wie die Diakonien oder die Johanniter. Last but not least gehört natürlich auch die Bundeswehr mit allen nachgelagerten Behörden dazu. Ein Segment, das in den letzten Jahren zunehmend an Relevanz gewonnen hat.
Es gibt in diesem besonderen Branchenschwerpunkt nicht nur vertrieblich jede Menge zu tun. Zum Glück kann ich dabei auf ganz viele tolle und talentierte Menschen zählen.
Michael Fuchs: Was macht aus deiner Sicht diese Branchen so besonders?
Viktor Bauer: Aus der Innovationsperspektive heraus unterscheiden sie sich zunächst einmal nicht großartig von anderen Marktsegmenten. Aber im Sektor Public and Energy entsteht der Innovationsdruck aus anderen Beweggründen.
Während anderswo der Wettbewerb zu den wichtigsten Innovationstreibern zählt, geht es in der Verwaltung beispielsweise vielmehr darum, dem demografischen Wandel entgegenzutreten. Wie werden Ämter, Behörden und Kommunen ihre Aufgaben bewältigen können, wenn in einigen Jahren 30 bis 40 Prozent der Belegschaft altersbedingt ausscheiden? Diese Frage beschäftigt auch die Energie- und Gesundheitswirtschaft – wobei dort naturgemäß auch der Wettbewerb ein wichtiger Treiber ist.
Michael Fuchs: Was ist aus Deiner Sicht die besondere Herausforderung in diesem Spannungsfeld?
Viktor Bauer: Vor allem gilt hier eine ganz andere Regulatorik als im klassischen Umfeld. Ein gutes Beispiel dafür ist der 2024 verabschiedete Beschluss der Bundesnetzagentur zum 24-Stunden-Lieferantenwechsel. Er verpflichtet Energieversorger, gewünschte Anbieterwechsel innerhalb von 24 Stunden zu koordinieren und zu bestätigen. Das wirkt sich auf die Prozesse und deren konkrete Umsetzung in der Versorgungswirtschaft aus – und erfordert von uns eine ganz andere Perspektive, die teilweise auch hohen Innovationsdruck auslöst.
Hinzu kommt, dass viele Energieversorger auf historisch gewachsene, heterogene Systemlandschaften setzen – ein Erbe aus einer Zeit mit anderen regulatorischen und technologischen Rahmenbedingungen. Diese Heterogenität hat ihren Preis: finanziell in Pflege und Weiterentwicklung, taktisch durch die Abhängigkeit von einzelnen Implementierungsdienstleistern mit viel Individual-Know-how, und strategisch, weil sich isolierte Systeme häufig als Innovationsbremse entpuppen.
Gerade im sogenannten Meter-to-Cash-Prozess, der Abrechnung, Kundenservice und Vertrieb umfasst, setzen Energieversorger deshalb zunehmend auf standardisierte Plattformen und Prozesse. Die zugrundeliegenden Transformationsprojekte sind für die Unternehmen nicht nur ein Technologie-, sondern ein echter Paradigmenwechsel. Denn sie verändern die Art der Zusammenarbeit grundlegend. Das ist unseren Kunden und gerade auch den C-Leveln durchaus bewusst, wird aber von vielen als schmerzhaft empfunden.
Michael Fuchs: Lieber Viktor, vielen Dank zunächst für diese sehr persönlichen und offenen Einblicke in deinen Werdegang – in einem zweiten Teil des Interviews sprechen wir dann auch noch tiefergehend über die inhaltlich-technologische Seite Deiner Rolle.
In einen weiteren Interview spricht Viktor Bauer mit Michael Fuchs über die digitale Transformation in der Energiebranche und der öffentlichen Verwaltung.
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