„KI muss jetzt zum Topthema werden – und zwar als Chefsache“
Wie sich die Transformationzu Data Driven Organisation meistern lässt und wo die größten Herausforderungen liegen.
Bild: KI-generiert
Unternehmen möchten Künstliche Intelligenz endlich breit und produktiv nutzen. Aber häufig fehlen die technologischen Grundlagen, um KI sicher, skalierbar und wirklich nah am Geschäftsprozess einzusetzen. Die SAP-Vision „Autonomous Enterprise“ eröffnet hier neue Möglichkeiten: KI-Agenten automatisieren repetitive Geschäftsprozesse, darunter auch komplexe, mehrstufige nicht-deterministische Workflows und entlasten Mitarbeitende im Tagesgeschäft.
Stefan Maier (NTT DATA Business Solutions) sieht hierfür geringe Einstiegshürden. In seinem Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin benennt er neben den technischen Voraussetzungen auch schnell umsetzbare Use-Cases und betont: KI-Agenten sollen auch situativ auf Veränderungen und Ausnahmen reagieren können – schneller als die Mitarbeitenden, aber unter deren Aufsicht (Human-in-the-Loop).
Technisch entscheidend beim Einsatz von KI im SAP-Umfeld ist die Architektur der noch jungen SAP Business AI Platform (BAIP). Sie integriert die Fähigkeiten der SAP Business Technology Platform (BTP), der SAP Business Data Cloud (BDC) und der AI Foundation in einer gemeinsamen Plattformarchitektur. Auf der SAP BAIP können Unternehmen ihre KI-Anwendungen entwickeln, steuern und ausrollen. Dafür führt diese KI-Technologien, Unternehmensdaten, Prozesskontext und Governance zusammen.
Auf dem Fundament der SAP BAIP kombiniert dann die SAP Autonomous Suite Geschäftsanwendungen, Daten und Fachwissen, um wichtige Unternehmensprozesse eigenständiger abzuwickeln. Die Suite liefert dafür künftig über 50 domänenspezifische sogenannte Joule Assistants, die auf 200 spezialisierte KI-Agenten zugreifen. Zur Unterscheidung: Ein Agent kann komplexe Multi-Step-Tasks planen und ausführen, mehrere Agenten lassen sich zu einem Assistenten für den gewünschten Fachbereich kombinieren.
KI-Agenten gelten zurecht als der entscheidende Entwicklungsschritt. Anders als eine Chat-KI liefern sie nicht nur Antworten, sondern unterstützen ganze Geschäftsprozesse, indem sie eigenständig komplette Prozessschritte übernehmen und Entscheidungen innerhalb definierter Rahmenbedingungen treffen.
Der Mehrwert von SAP BAIP und SAP Autonomous Suite liegt in der die Kombination aus KI-Agenten, unternehmensspezifischem Kontext, Prozessautomatisierung und sicherer Dateninfrastruktur. So entstehen Lösungen, die bestehende SAP-Landschaften sinnvoll erweitern und gleichzeitig den Clean Core erhalten. Soweit die Architektur. Wie aber sieht die Praxis aus?
Ein interessantes Anwendungsbeispiel ist die Automatisierung der Auftragseingangsbearbeitung, die in fast allen Unternehmen vorkommt, manuell aufwändig und zudem fehleranfällig ist. Denn Aufträge können auch unstrukturiert per E-Mail oder Telefon eingehen und zunächst für Medienbrüche sorgen, bis ein Mitarbeitender mit vielen Mausklicks alle Informationen für eine Sales Order im ERP-System gesammelt hat.
In einem solchen Szenario analysiert der KI-Agent die unstrukturierten Dokumente und extrahiert alle relevanten Daten. Eine Validierung erfolgt über den Abgleich mit Business-Partner-Daten, Materialdaten und der Bestellungshistorie. Diese Kontextinformationen zieht der KI-Agent aus dem ERP-System und aus externen Datenquellen wie dem E-Mail-Verkehr.
Der Erfahrung nach ergeben sich dabei eine um bis zu 70 Prozent reduzierte Auftragserfassungszeit und eine um rund 60 Prozent gesenkte Fehlerquote. Wichtig: Das Prinzip Human-in-the-Loop ermöglicht den Start, die kontrollierte Freigabe und Abschluss dieses Prozesses durch Mitarbeitende, sodass letztendlich der Mensch die Kontrolle behält.
Zudem ist eine flexible Abstufung der Automatisierung je nach Unternehmensbedarf möglich. Die Sales-Mitarbeitenden können dafür und zur Überwachung der Ergebnisse verschiedene Oberflächen nutzen: das SAP Fiori Launchpad als zentrales Interface und Microsoft Teams sowie Outlook als ergänzende Bedienoberflächen. Das Launchpad stellt automatische Auftragsübersichten und Statusanzeigen bereit.
Nochmal zur Technik: Die KI-Agenten laufen in einer modernen Cloud-Umgebung auf der SAP BTP. Das BTP- bzw. BAIP-Hosting erfolgt in einem regionalen Rechenzentrum nach Wahl, zum Beispiel in Deutschland, EU oder USA. Flexibel ist auch die Entscheidung für einen Cloud-Anbieter (Microsoft Azure, AWS, Google Cloud) und das Large Language Model (GPT, Claude, Mistral usw.).
Da die SAP KI-Agenten losgelöst vom ERP-Kernsystem arbeiten, profitieren auch Anwender älterer On-Premises-Systeme, etwa SAP ECC, solange diese mit der SAP BTP verbunden sind. Dafür stellt der SAP Cloud Connector einen verschlüsselten Datentunnel bereit. Gegebenenfalls sind weitere individuelle Erweiterungen und Integrationen notwendig. Dann aber können KI-Agenten Daten in Echtzeit lesen und über Standard-Schnittstellen Aktionen im ECC zurückschreiben. Die rechenintensiven Aufgaben belasten dabei nicht das System, sondern werden in die Cloud ausgelagert.
Die Vision Autonomous Enterprise und die SAP Business AI Platform sind keine Laborprojekte mehr. Zahlreiche Unternehmen profitieren bereits von produktiven KI-Agenten in Geschäftsprozessen. Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Wir konnten ein Unternehmen im Bereich Professional Services mit KI-Agenten ausstatten. Der Zeitrahmen für erste Agentenlösungen lag dabei unter 12 Wochen (Time-to-Value). Unser Vorgehen umfasste dabei die Ideenfindung, die pragmatische Prozessanalyse und die individuelle KI-Agentenentwicklung nach unserem Framework.
Daher der Tipp: Unternehmen sollten die SAP Business AI Platform baldmöglichst nutzen und die nächste Welle ihrer digitalen Transformation anstoßen – für eine signifikante Effizienzsteigerung bei gleichzeitig erhöhter Resilienz. Die Einstiegshürden sind oft überraschend niedrig.
Stefan Maier ist Venture Manager AI Solutions bei NTT DATA Business Solutions. In seiner Rolle verbindet er Innovation, Künstliche Intelligenz und Geschäftsnutzen, um zukunftsfähige Lösungen für Unternehmen zu entwickeln. Mit seiner Erfahrung an der Schnittstelle von Technologie und Business begleitet er Organisationen auf ihrem Weg zu datengetriebenen und KI-gestützten Geschäftsmodellen.
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Redaktion
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