SAP baut KI-Datenarchitektur durch Übernahme von Dremio und Prior Labs gezielt aus

Foto: SAP

SAP hat Anfang Mai gleich zwei strategische Akquisitionen im KI-Bereich bekanntgegeben: Die Übernahme der Data-Lakehouse-Plattform Dremio sowie die geplante Übernahme der Freiburger Prior Labs. Beide Transaktionen reihen sich in SAPs Strategie ein, die SAP Business Data Cloud zur zentralen Plattform für KI-fähige Unternehmensdaten auszubauen, stehen aber noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Der Abschluss der Übernahmen ist für das dritte Quartal 2026 geplant. Kaufpreise wurden nicht genannt.

 

Dremio: Datenzugriff und Abfragen für SAP KI 

Mit der geplanten Übernahme von Dremio will SAP die SAP Business Data Cloud zu einem Apache‑Iceberg‑nativen Enterprise‑Lakehouse weiterentwickeln. Damit können SAP‑ und Nicht‑SAP‑Daten auf einer gemeinsamen, offenen Grundlage zusammengeführt werden, um agentische KI im Unternehmensmaßstab nutzbar zu machen.

Apache Iceberg hat sich als ein branchenweit etablierter offener Standard für große Datenmengen durchgesetzt. SAP Business Data Cloud wird dieses Open‑Table‑Format künftig nativ unterstützen.  „Unternehmens-KI scheitert nicht an den Modellen, sondern an den Daten“, so SAP-CTO Philipp Herzig. „Solange Geschäftsdaten fragmentiert und ohne Kontext bleiben, können KI‑Agenten ihr Potenzial nicht entfalten.“ Dremio soll nun genau diesen Engpass beseitigen und in Kombination mit der SAP Business Data Cloud „vertrauenswürdige, KI‑fähige Entscheidungsgrundlagen auf einer offenen Plattform“ ermöglichen.

 

Prior Labs: SAP investiert in KI für strukturierte Daten

Parallel dazu plant SAP die Übernahme von Prior Labs mit Sitz in Freiburg. Prior Labs gilt als Pionier der Tabular Foundation Models (TFMs), einer neuen KI-Kategorie, die speziell für strukturierte Daten entwickelt wurde. Das TabPFN-Modell von Prior Labs zählt SAP zufolge mit über drei Millionen Downloads es zu den meistgenutzten Open-Source-Werkzeugen im Bereich tabellarischer KI.

„SAP hat schon früh erkannt, dass die größte ungenutzte Chance in der Unternehmens-KI nicht in großen Sprachmodellen liegt, sondern in KI, die für die strukturierten Daten entwickelt wurde, auf denen die Unternehmen weltweit basieren,“ so SAP-CTO Herzig. Um Prior Labs zu einem weltweit führenden Frontier-KI-Labor für strukturierte Unternehmensdaten auszubauen, will SAP in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren. Prior Labs soll nach dem Abschluss der Transaktion als eigenständige Einheit weiteroperieren. Die Integration in das SAP-Portfolio ist über SAP AI Core, SAP Business Data Cloud sowie die agentische Schicht mit SAP Joule geplant.

 

Übernahmen sollen strukturelle Engpässe beseitigen

„SAP adressiert mit beiden Übernahmen strukturelle Engpässe auf dem Weg zur produktiven Unternehmens-KI: fragmentierte Datenhaltung und die Schwäche von Sprachmodellen bei tabellarischen Geschäftsdaten“, resümiert IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose.  Damit könnten SAP-Anwenderunternehmen künftig von einer breiteren Datenbasis für agentische Szenarien und präziseren KI-Modellen für strukturierte ERP-Daten profitieren. „Vor allem für Unternehmen, die ihre S/4HANA-Plattform künftig als Grundlage für KI-gestützte Entscheidungsprozesse nutzen wollen, ist dies ein wichtige Weichenstellung“, so Rose.

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