Fundament für das Autonomous Enterprise: Die BDC-Strategie mit SAP BW  

Veröffentlicht

06. Juli 2026

Lesezeit

6 Minuten

Arson Nezovski

Arson Nezovski

Public Cloud Group (PCG)

Fundament für das Autonomous Enterprise: Die BDC-Strategie mit SAP BW  

Das Wartungsende von SAP Business Warehouse (BW) 7.5 im Jahr 2027 wird oft als technisches Problem diskutiert, die Herausforderung liegt aber tiefer. Denn das eigentliche Ziel ist das „Autonomous Enterprise“, mit der „Business AI Platform“ als Werkzeug. Doch ohne Modernisierung des „Knowledge Core“ bleibt KI nur Theorie. Der Weg in die SAP Business Data Cloud (SAP BDC) muss daher weit mehr sein als ein Infrastrukturwechsel. Was dabei zu beachten ist, beleuchtet Arson Nezovski (PCG) in einem Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin.

Warum das „Autonomous Enterprise“ saubere Daten braucht

Arson Nezovski, Foto: PCG

Die Vision ist klar: Ein Unternehmen, das durch KI-Agenten autonom operiert und Prozesse in Echtzeit optimiert. Doch massive Altlasten versperren oft den Weg. Jahrzehntelang gewachsene SAP-BW-Landschaften sind geprägt von starren Silos, undokumentiertem Custom Coding und komplexen Schnittstellen.

Allerdings ist eine Business AI nur so belastbar wie ihre Datengrundlage. Wer versucht, moderne Large Language Models (LLMs) auf eine fragmentierte Legacy-Struktur aufzusetzen, riskiert teure Fehlentscheidungen oder Falschaussagen durch KI. Deshalb benötigt das Autonomous Enterprise keinen bloßen Datentopf, sondern eine funktionierende Business Data Fabric. Ohne einen validen „Knowledge Core“, der den betriebswirtschaftlichen Kontext (Metadaten) über Systemgrenzen hinweg bewahrt, bleibt die Transformation in der Sackgasse stecken.

Die Vorarbeit: Optimize, Modernize, Innovate

Bevor der eigentliche technische Umzug („Lift“) des SAP BW in die Cloud erfolgen kann, ist eine strategische Konsolidierung zwingend. Ein bloßes „Copy-and-Paste“ der alten Strukturen in neue Cloud-Umgebungen würde die Betriebskosten (TCO) aufgrund des Daten Ballasts explodieren lassen. SAP empfiehlt daher drei essenzielle Schritte vorab:

1. Optimize: Vor dem Lift wird die gewachsene Landschaft konsequent bereinigt. Nicht mehr benötigte Daten werden archiviert oder gelöscht und obsolete InfoProvider und Datenflüsse ausgemustert, sodass nur geschäftskritische Daten und Prozesse den Weg in die Cloud antreten. Das senkt das Sizing und die laufenden Betriebskosten beim Hyperscaler und liefert zugleich saubere Daten als eine der Dimensionen eines Clean Core.

2. Modernize: Über den Data Product Generator werden klassische InfoProvider (wie DataStore Objects) in harmonisierte, unternehmensweit nutzbare Datenbausteine umgewandelt. Alte Abfragen laufen dabei unterbrechungsfrei weiter, während die neuen Datenprodukte in der SAP Datasphere bereitstehen.

3. Innovate: Gemeint ist damit die frühzeitige Identifikation von Cloud-Native-Szenarien, die alte BW-Workflows nicht nur ersetzen, sondern durch Automatisierung verbessern. SAP-Daten lassen sich im Open Data Ecosystem nahtlos mit Plattformen wie Google BigQuery oder Microsoft Fabric verknüpfen. Zudem können KI-Modelle über das Zero-Copy-Prinzip (Delta Sharing) direkt auf den Daten operieren, ohne teure Duplikate zu erzeugen. Langfristiges Ziel ist das geplante Decommissioning (der schrittweise Rückbau) des Altsystems.

Auf die strategische Konsolidierung folgt die technische Umsetzung mit Lift & Shift. Hierbei wird das bestehende On-Premise-System als Kernkomponente der SAP BDC in die Private Cloud Edition (PCE) migriert. Das System wird als Managed Service auf Hyperscalern betrieben. Die Vorteile liegen in der vollständigen Erhaltung bestehender Investitionen in Datenmodelle, einer TCO-Senkung durch den Wegfall von Hardwarewartung sowie einer sofortigen Supportverlängerung für SAP BW 7.5 bis mindestens 2030.

SAP Integration Suite: Mehr als nur ein Daten-Gateway

Eine der wichtigsten architektonischen Neuerungen betrifft die Rolle der SAP Integration Suite. Sie entwickelt sich vom reinen technischen Connector zum entscheidenden Bindeglied für den gesamten Business Context.

Zum Schlüssel wird dabei das Model Context Protocol (MCP), der offene Standard, über den KI-Agenten in standardisierter und kontrollierter Weise auf SAP-Funktionen und Datenquellen zugreifen, statt jede Anbindung über individuellen Glue-Code zu lösen. Über MCP-Server stellt die Integration Suite den Agenten genau die Funktionen und Daten bereit, die sie benötigen.  Zugleich behält  sie die Hoheit über Authentifizierung, Berechtigungen und Governance. Damit wird die Integration Suite zum orchestralen Kern, der die gesamte Kommunikation der Agenten absichert. Eine Grundvoraussetzung für vertrauenswürdige Business AI.

SAC: Native Analytik innerhalb der BDC

Zudem wird die SAP Analytics Cloud (SAC) wird nicht mehr als isoliertes Frontend vor der Datenlandschaft verstanden, sondern ist ein nativer Bestandteil der SAP Business Data Cloud (BDC). Innerhalb dieser Architektur führt die SAC Business Intelligence erweiterte Analysen und die Unternehmensplanung direkt auf dem gemeinsamen Fundament zusammen. Sie macht den „Knowledge Core“ für  Anwender:innen unmittelbar operativ nutzbar, ohne dass architektonische Brüche zwischen Datenmanagement und Analyse entstehen.

Da der Übergang von Altsystemen in die Cloud selten per virtuellem harten Schnitt erfolgt, fungiert die SAC während der hybriden Transformationsphase darüber hinaus als Brücke. Damit dieser Consumption Layer im Autonomous Enterprise skaliert, muss die Governance auch auf Identitätsebene greifen. Ein durchgängiges Identity & Access Management (IAM), etwa durch die Kopplung von Microsoft Entra ID mit den SAP Cloud Identity Services, stellt sicher, dass Berechtigungen, Single Sign-On (SSO) und Benutzer-Provisionierung nahtlos verzahnt sind. Nur so wird die SAC vom reinen Reporting-Tool zum vertrauenswürdigen Steuerungsinstrument der Data Fabric.

Joule Studio 2.0: Der Blick die Zukunft

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Den Ausblick liefert Joule Studio 2.0, die auf der Sapphire vorgestellte, KI-first Entwicklungsumgebung zum Bauen und Betreiben eigener Agenten, Anwendungen und Workflows. Statt mühsam Code zu schreiben, beschreiben Entwickler ein gewünschtes Geschäftsergebnis in natürlicher Sprache. Joule Studio generiert daraus Agentenspezifikation, Workflow-Logik und ein Test-Harness, die nur noch reviewt und verfeinert werden müssen. Über die native Einbindung von n8n lassen sich Agenten orchestrieren und ohne eigenen Integrationscode auch an Systeme außerhalb des SAP-Ökosystems anbinden; Werkzeuge wie Cursor und Claude Code sind in die Umgebung integriert. So entsteht ein durchgängiger Weg vom Agenten selbst bis zu seinen Erweiterungen, die über das Model Context Protocol an die SAP-Funktionen andocken.

Diese Vision einer agentischen Entwicklung setzt voraus, dass die zugrunde liegende SAP Business Data Cloud (BDC) als semantisches Fundament absolut stabil ist. Nur wenn der Knowledge Graph die Zusammenhänge korrekt abbildet, kann eine solche KI-Unterstützung im produktiven Betrieb tatsächlich einen Mehrwert bieten, ohne unvorhersehbare Halluzinationen in die Geschäftsprozesse zu tragen.

BDC-Strategie mit Methodik & Expertise

Angesichts der Komplexität ist ein „Do-it-yourself“-Ansatz oft riskant. Die Erfahrung zeigt, dass die Einbindung eines erfahrenen Partners, der sowohl die Legacy-Welt des BW und die Cloud-Architekturen der SAP Business Technology Platform (SAP BTP) beherrscht, den entscheidenden Unterschied macht. Angesichts der Komplexität und der drohenden Kostenfallen empfiehlt sich ein methodisches Vorgehen zur Validierung der individuellen BDC-Strategie. Darüber hinaus ist eine ganzheitliche Betrachtung sowie das Testing der Gesamtlösung unerlässlich:

  • Discovery: Eine Bestandsaufnahme der realen Architektur-Abhängigkeiten (SAP & Non-SAP).
  • Prototyping: Die Erstellung eines greifbaren „Proof of Value“ in einer hybriden Umgebung, um die Mechanismen von Zero-Copy und Delta Sharing über SAP Databricks direkt am echten Objekt zu validieren.
  • Roadmap: Die Ableitung eines Zielbildes, das den Rückbau der Legacy-Systeme (Decommissioning) planbar macht.

Weichenstellung für das nächste Jahrzehnt mit SAP BDC

Die Migration weg von BW 7.5 bietet die Chance, technische Schulden abzutragen. Das „Autonomous Enterprise“ entsteht durch eine Architektur, die Datenqualität und Integration priorisiert. Wer Knowledge Core und Integration Suite als Einheit begreift, nutzt die Business AI Platform erfolgreich als Innovationsmotor.

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Arson Nezovski

Arson Nezovski

Arson Nezovski ist Principal Architect SAP BTP bei der Public Cloud Group (PCG), wo er die BTP-Practice aufgebaut hat und leitet. Seine Schwerpunkte sind SAP Integration Suite, CAP, AI Core, Generative AI Hub sowie agentische MCP/A2A-Architekturen. Zuvor war er bei der KWS Group als Expert SAP BTP tätig. Er ist in der DSAG-Community aktiv und hält mehrere SAP-Zertifizierungen.

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