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SAP öffnet KI-Zugang für On-Premise-Kunden: Was steckt hinter dem Strategiewechsel?

Auf der SAP Sapphire 2026 in Orlando hat SAP heute die SAP Business AI Platform, die SAP Autonomous Suite mit über 50 Joule-Assistenten sowie die neue Benutzeroberfläche Joule Work vorgestellt. Zudem sollen künftig auch On-Premise-Kunden auf ECC oder S/4HANA Zugang zu ausgewählten KI-Szenarien erhalten – vorausgesetzt, sie verpflichten sich zur Migration auf SAP Cloud ERP.

 

SAPs Vision des autonomen Unternehmens

Im  Mittelpunkt des neuen KI-Portfolios steht die Vision des autonomen Unternehmens – sowie eine Reihe konkreter Produkte und Partnerschaften, die diesen Anspruch untermauern sollen. Damit reagiert SAP auf das wachsende Risiko, dass Kunden ihre KI-Anforderungen dauerhaft außerhalb des SAP-Ökosystems lösen könnten.

Die neu angekündigte SAP Business AI Platform führt als technologische Grundlage die SAP Business Technology Platform, SAP Business Data Cloud und SAP-eigene KI in einer kontrollierten Umgebung zusammen. „Bei den geschäftskritischen Prozessen unserer Kunden ist ‚annähernd richtig‘ nicht gut genug“, unterstrich SAP-Chef Christian Klein in seiner Keynote. Deshalb will SAP KI-Agenten tief in Geschäftsprozessen, Daten und Unternehmenssteuerung verankern.

Die ebenfalls neu vorgestellte SAP Autonomous Suite ergänzt bestehende SAP-Geschäftsanwendungen um KI-Agenten. Über 50 fachspezifische Joule-Assistenten sollen Abläufe in Finanzwesen, Lieferketten, Beschaffung, HR und Kundenerlebnis automatisieren und durch mehr als 200 spezialisierte Agenten im Hintergrund koordiniert werden. Abgerundet wird das KI-Portfolio durch Industry AI mit sieben branchenspezifischen autonomen Lösungen sowie die neue Benutzeroberfläche Joule Work.

 

Eingeschränkter KI-Zugang für On-Premise-Kunden 

Zugleich bestätigte Klein, dass die Angebote RISE with SAP und GROW with SAP ausgebaut werden, um den KI-Einstieg zu beschleunigen. Beide Programme beinhalten künftig Zugang zum Joule-Assistenten-Portfolio: RISE-Kunden erhalten im ersten Jahr drei aktivierte Assistenten, GROW-Kunden bekommen bereits beim Onboarding Zugriff auf das gesamte Portfolio. Auch On-Premise-Kunden – ob auf S/4HANA, SAP ECC oder einem anderen SAP-System – sollen so auch SAP-integrierte KI-Funktionen nutzen dürfen.

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Was auf den ersten Blick wie eine Abkehr vom Cloud-First-Kurs erscheint, ist tatsächlich alles andere als das: Denn nur wer sich verpflichtet, den Großteil der aktuellen Systemlandschaft auf SAP Cloud ERP umzustellen, erhält Zugang zu ausgewählten KI-Szenarien. „SAP öffnet On-Premise-Kunden die Tür zu KI also nur einen Spalt weit“, kommentiert IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose. Wer das volle Potenzial von SAP Business AI nutzen will, komme auf Dauer an der Cloud kaum vorbei.

 

KI als Treiber für den Cloud-Move

Dass SAP mit dem strategischen Schwenk wahrscheinlich einen echten Nerv trifft, lässt sich aus aktuellen Zahlen zur KI-Nutzung in SAP-Anwenderunternehmen deutlich ablesen. Laut Trendumfrage des IT-OnlineMagazins setzen bereits dreiviertel der Befragten (74 Prozent) eigenständige KI-Lösungen ein. Dagegen nutzt gerade mal jeder zehnte (11 Prozent) in SAP integrierte KI-Funktionen, weitere 35 Prozent planen dies. „SAP Business AI kommt in der Breite der SAP-Kundenbasis bislang kaum an“, stellt Maike Rose fest. „Die Öffnung ist auch ein Versuch, diese parallele KI-Adoption zurück in das SAP-Ökosystem zu holen, bevor sie sich verfestigt.“

Die Strategie könnte aufgehen: Immerhin ist die Nutzung von SAP Business AI laut Trendumfrage 2026 für mehr als jeden Dritten (39 Prozent) ein Grund für den Cloud-Umstieg. KI ist also bereits heute ein relevanter Migrationstreiber. Indem SAP On-Premise-Kunden einen begrenzten Vorgeschmack auf die Möglichkeiten von Business AI gibt, will der Konzern den Abfluss von On-Premise-Kunden zu KI-nativen Alternativen verhindern.

 

Strategische Partnerschaften sollen KI-Profil schärfen

Um das eigene KI-Portfolio weiter zu stärken hat SAP zudem eine Reihe strategischer Partnerschaften bekannt gegeben:

  • Anthropic soll mit Claude Foundation Models für Joule-Agenten in HR, Beschaffung und Lieferketten liefern,
  • Amazon Web Services Datenintegration ohne Kopien zwischen SAP Business Data Cloud und Amazon Athena ermöglichen.
  • Google Cloud und Microsoft wechselseitige Interoperabilität zwischen Joule und externen Agenten-Frameworks schaffen.
  • Für souveräne Modelloptionen in SAP-eigener Cloud-Infrastruktur kooperiert SAP mit Mistral AI und Cohere.
  • NVIDIA soll mit OpenShell eine sichere Laufzeitumgebung für Joule Studio bereitstellen.
  • Auf der Implementierungsseite arbeitet SAP mit Palantir, Accenture und Conduct für KI-gestützte ERP-Migrationen zusammen – und will so den Migrationsaufwand laut SAP um mehr als 35 Prozent senken.

 

Ziel: KI-Rollout beschleunigen

SAP legt einen Fonds von 100 Millionen Euro auf, aus dem Partner finanzielle Unterstützung bei der Implementierung von Joule-Assistenten und -Agenten erhalten können. Der Fonds steht auch Partnern offen, die über Joule Studio eigene Agenten auf der SAP Business AI Platform entwickeln oder erweitern.

Die Ankündigungen auf der Sapphire folgen einer klaren Linie: SAP baut seine KI-Architektur konsequent aus und verankert KI-Agenten tief in Geschäftsprozessen. „Wie schnell Anwenderunternehmen davon profitieren, hängt maßgeblich davon ab, wie weit sie auf ihrem Cloud-Weg bereits vorangekommen sind“, resümiert Chefredakteurin Maike Rose.

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