Wie SAP-Anwenderunternehmen Datensouveränität gewährleisten können

Veröffentlicht

15. September 2026

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Für Datensouveränität gilt es Datenarchitektur, Integrationsschicht und Infrastrukturbetrieb gemeinsam zu denken.

Foto: Alengo, Getty Images Signature

Innerhalb eines Jahres ist Datensouveränität vom Randthema zur strategischen Priorität geworden. SAP-Anwenderunternehmen trifft die Souveränitätsdebatte besonders hart, denn mit dem SAP S/4HANA-Umstieg ist die Verlagerung geschäftskritischer Daten und Prozesse in die Cloud unumgänglich. Datensouveränität lässt sich daher nicht auf eine einzelne Stellschraube reduzieren – vielmehr gilt es, Datenarchitektur, Integrationsschicht und Infrastrukturbetrieb gemeinsam zu denken.


Die aktuelle BARC-Studie „Data Sovereignty 2026: Reality, Relevance, Roadmap“ zeigt: mehr als die Hälfte (51 Prozent) der befragten Organisationen stuft Datensouveränität inzwischen als sehr wichtig ein, ein deutlicher Anstieg gegenüber 42 Prozent im Vorjahr. Insgesamt halten 89 Prozent das Thema für relevant. Die Frage, wieviel Kontrolle sie über ihre geschäftskritischen Daten behalten, wenn ERP-Prozesse zunehmend über Cloud-Plattformen, Integrationsschichten und KI-Dienste laufen, beschäftigt Entscheider in der SAP-Community entsprechend stark.

Geopolitik verstärkt Bedeutung der Datensouveränität

Durch die aktuelle, volatile geopolitische Lage kommt ein weiterer Aspekt hinzu: „Geopolitische Risiken sind ein zunehmendes Problem“, bestätigte zuletzt auch SAP-CEO Christian Klein auf der SAP Sapphire 2026 in Madrid. „Was ist, wenn durch Sanktionen plötzlich der Datenfluss über Grenzen hinweg blockiert wird? Oder wenn die neuesten großen Sprachmodelle in bestimmten Regionen nicht genutzt werden können?“

SAP reagiert auf die steigende Nachfrage nach mehr Souveränität mit der SAP Sovereign Cloud und spezialisierten Initiativen wie der Delos Cloud für die öffentliche Verwaltung. Sie sollen Kunden maßgeschneiderte Umgebungen bieten, um strenge europäische Vorgaben zu Datenschutz, Datensouveränität und KI-Nutzung zu erfüllen.

Wie viel Kontrolle bleibt bei SAP-Datenarchitekturen?

„In der aktuellen Diskussion über Datensouveränität steht meist der Speicherort im Mittelpunkt. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz“, warnt Michael Bässler, Chief Product and Technology Officer bei der Theobald Software GmbH. Seine Beobachtung: Native Cloud-Konnektoren, plattformspezifische Schnittstellen oder proprietäre Datenformate erschweren die Überführung von Daten in andere Umgebungen und erhöhen so das Risiko eines Vendor-Lock-In.

„Wer Datenquellen, Integrationsschicht und Zielsysteme in der Datenarchitektur konsequent entkoppelt, bleibt dagegen flexibel und souverän“, so Bäsler. Bei der 25. IT-OnlineKonferenz verdeutlicht er, was Datensouveränität für SAP-Anwender in der Praxis bedeutet und welche Weichenstellungen den Handlungsspielraum von morgen schon heute sichern oder einschränken können.

Welche Rolle spielt die Infrastruktur bei RISE with SAP

Neben der Architektur entscheidet aber auch der Betrieb der Infrastruktur darüber, wie souverän eine SAP-Cloud-Transformation tatsächlich ist. Für RISE-with-SAP-Kunden bedeutet das, dass Migration und Kontrolle über kritische Workloads von Anfang an zusammengedacht werden müssen, statt Souveränität nachträglich aufzusetzen. „RISE with SAP ist der logische Schritt für die Transformation von SAP-Landschaften in die Cloud“, ist Igor Kurkov, Geschäftsführer SAP Engagement bei der Schwarz Digits Cloud GmbH & Co. KG überzeugt. Dazu brauche es eine Infrastruktur-Basis als souveränes Fundament für kritische SAP-Workloads und die Möglichkeit, Prozesse sukzessive in Richtung KI zu öffnen.

Wie sich die digitale Transformation der SAP-Landschaft nahtlos mit einer souveränen Infrastruktur verbinden lässt, erläutert Kurkov auf der 25. IT-OnlineKonferenz anhand praxisnaher Beispiele.

Architektur und Infrastruktur als zwei Seiten derselben Frage

Datensouveränität ist kein einschichtiges Thema.  Datenarchitektur und Infrastrukturbetrieb bedingen sich gegenseitig, wer nur eine der beiden Ebenen betrachtet, erhält kein vollständiges Bild der eigenen Abhängigkeiten.  

Für CIOs übersetzt sich das in konkrete Fragen: Wie viel Kontrolle ist in modernen, verteilten Architekturen realistisch vorhanden? Wo ist Kontrollverzicht vertretbar, und wo wird er zum strategischen Risiko? Wie portabel sind Workloads tatsächlich, wenn ein Anbieterwechsel nötig wird?

All das sind Aspekte, die bedacht sein wollen. Entscheidend ist deshalb, Souveränität als festen Bestandteil der Architektur- und Investitionsplanung zu verankern, mit klaren Kriterien für Datenresidenz, Schlüsselhoheit und Wechselfähigkeit, statt sie als einmaliges Projekt zu behandeln, das nach der Migration abgeschlossen ist. Wie schnell und konsequent das in der Praxis gelingt, muss sich in den kommenden Migrationswellen noch zeigen.

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