Der schnellste Weg zum Autonomous Enterprise? Was Charlie Munger raten würde

Veröffentlicht

14. Juli 2026

Lesezeit

4 Minuten

Thomas Pasquale - Experte für das Autonomous Enterprise

Thomas Pasquale

GAMBIT Consulting

Featurebild Autonomous Enterprise

Bild: GAMBIT Consulting

Der Weg zum Autonomous Enterprise wird selten an der Technologie scheitern. GAMBIT-Gründer Thomas Pasquale erklärt anhand von Charlie Mungers Prinzip der Umkehrung, welche fünf typischen Fehler Unternehmen aktuell ausbremsen.


Thomas Pasquale - Experte für das Autonomous Enterprise
Thomas Pasquale, Foto: GAMBIT

Am 13. Juni 1986 hielt Charlie Munger eine Alumni-Rede in Harvard. Der legendäre Investor und langjährige Geschäftspartner von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway überraschte sein Publikum. Statt zu erklären, wie Erfolg entsteht, sprach er darüber, wie man möglichst sicher scheitert.

Dieses Prinzip der Umkehrung (Munger: „Invert, always invert“) wurde später zu einem seiner bekanntesten Denkmodelle. Seine Überzeugung: Wer die wichtigsten Fehler kennt und vermeidet, kommt dem Erfolg oft näher als jemand, der nach der perfekten Lösung sucht.

Ein lohnender Perspektivwechsel

Genau dieser Perspektivwechsel hilft auch in der aktuellen Debatte rund um KI-Agenten und das Autonomous Enterprise. Statt zu fragen, wie Unternehmen möglichst schnell dorthin gelangen, lohnt sich eine andere Frage: Wie verhindert man das Autonomous Enterprise garantiert?

Klar ist: Die meisten Unternehmen scheitern nicht an KI als Technologie. Sie scheitern an ihren eigenen Strukturen. Datenprobleme, Legacy-Prozesse sowie fehlende Akzeptanz und fehlendes Change-Management werden den Weg zum Autonomous Enterprise weit häufiger als die Technologie selbst ausbremsen. Schauen wir uns also an, wie man den Weg zum Autonomous Enterprise möglichst effektiv sabotiert (um daraus passende Schlüsse zu ziehen).

5 Tipps, um das Autonomous Enterprise zu sabotieren

Tipp 1: Datensilos schützen
Sie verfügen über Datensilos, fehlerhafte, veraltete, unvollständige und nicht harmonisierte Daten? Hervorragend! Fangen Sie bloß nicht an, daran etwas zu ändern. Künstliche Intelligenz lebt von Kontext, Konsistenz und Datenqualität. Sorgen Sie daher dafür, dass die KI möglichst wenig davon bekommt.

Tipp 2: Jeden Prozess verteidigen
Sie haben viele Jahre daran gearbeitet, Ihre Prozesse zu individualisieren, und jetzt kommt jemand und empfiehlt den Standard? Lassen Sie sich nicht darauf ein. Ihre Z-Entwicklungen und Workflows verdienen jeden Schutz, den sie bekommen können. Autonome Prozesse funktionieren am schlechtesten, wenn jeder Bereich seine eigene Definition von „effizient“ entwickelt hat. Sorgen Sie dafür, dass das so bleibt.

Tipp 3: Cloud als reines IT-Projekt umsetzen
Sie müssen in die Cloud oder noch nach SAP S/4HANA wechseln? Dann machen Sie es so technisch wie möglich. Übernehmen Sie Prozesse, Daten und Programme exakt so, wie sie heute sind. Ein Clean-Core-Ansatz in der Cloud würde am Ende nur dazu führen, Komplexität abzubauen. Und die Fachbereiche einzubinden, könnte zur Folge haben, dass man echte Probleme löst. Und das kann niemand wollen.

Tipp 4: KI als Zusatzfunktion behandeln
Copilot hier. Assistent dort. Ein Chatbot irgendwo dazwischen. Exakt so sollte KI eingeführt werden: isoliert und ohne Kontext. Achten Sie darauf, dass jede Abteilung ihre eigene KI ausprobiert. Mit eigenen Daten. Und eigenen Regeln. Vor allem aber: Gehen Sie der Frage aus dem Weg, wie KI tatsächlich End-to-End-Prozesse automatisieren, Entscheidungen vorbereiten oder eigenständig ausführen könnte.

Tipp 5: Team von Veränderungen fernhalten
Vermeiden Sie es, Führungskräfte und Mitarbeitende frühzeitig einzubinden oder sie auf dem Weg zu begleiten. Kommunizieren Sie möglichst spät. Sorgen Sie dafür, dass KI als Bedrohung wahrgenommen wird. Schließlich entfalten neue Technologien ihr volles Potenzial am besten, wenn niemand sie akzeptiert.

Und jetzt? Hindernisse konsequent beseitigen!

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Die Ursachen, die Unternehmen auf dem Weg zum Autonomous Enterprise ausbremsen, ähneln sich erstaunlich oft: Datensilos, historisch gewachsene Prozesslandschaften, technisch geprägte Transformationsprogramme ohne konsequenten Clean Core, isolierte KI-Initiativen sowie fehlendes Change-Management. Keine dieser Herausforderungen ist neu, neu ist nur ihre Tragweite.
Richtig ist: KI-Agenten können nur in dem Maße autonom handeln, wie es die zugrunde liegenden Daten, Prozesse und Governance-Strukturen zulassen. Oder anders gesagt: Ohne Kontext ist keine „KI-Autonomie“ möglich. Künstliche Intelligenz löst leider bestehende Probleme nicht, sie legt sie eher schonungslos offen. Wer seine strukturellen Defizite nicht beseitigt, wird sie zunehmend zu spüren bekommen.

Der Einstieg in das Autonomous Enterprise beginnt deshalb nicht mit einer möglichst großen Zahl neuer KI-Anwendungsfälle. Er muss vielmehr damit beginnen, die strukturellen Defizite anzugehen und zu lösen. Erst wenn die Daten konsistent, die Geschäftsprozesse standardisiert und die Systemlandschaften konsequent cloudorientiert aufgebaut sind, entstehen die Voraussetzungen für Automatisierung mit KI-Agenten, die zuverlässig, skalierbar und vertrauenswürdig funktioniert.

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Ein strategisches Transformationsvorhaben

Ein Clean Core ist dabei weit mehr als eine technische Architekturentscheidung. Er schafft die Voraussetzung dafür, Innovationen kontinuierlich in die Unternehmenslandschaft zu integrieren, ohne neue technische Schulden aufzubauen. Gleichzeitig müssen Fachbereiche, IT und Management gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Wer das Autonomous Enterprise als reines „KI-Projekt“ versteht, hat den entscheidenden Punkt bereits verfehlt. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in den Agenten, sondern in den organisatorischen und prozessualen Voraussetzungen, die ihr autonomes Handeln überhaupt erst ermöglichen.

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Thomas Pasquale - Experte für das Autonomous Enterprise

Thomas Pasquale

Thomas Pasquale ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der GAMBIT Consulting GmbH. Seit über 30 Jahren berät er Unternehmen bei internationalen SAP-Transformationen und Digitalisierungsprojekten. Seine Schwerpunkte sind Top-Management-Beratung, Strategic IT und die Umsetzung komplexer Veränderungsvorhaben.

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