
Für Fertigungsunternehmen ist die Ablösung des klassischen SAP Warehouse Managements ein kritisches Thema im Logistikumfeld. So auch bei MAGNA Exteriors, ein Unternehmen der MAGNA Gruppe, einem der weltweit größten Automobilzulieferer. Vera Korbelova und Zdenek Vavra (msg) haben die Einführung von SAP Embedded EWM bei MAGNA Exteriors als Implementierungspartner begleitet. Gemeinsam mit Mohamed Battah (IT Director Europe, MAGNA Exteriors) berichten sie über Entscheidungsgrundlagen, Ziele, Ergebnisse und Learnings des Projekts.

MAGNA Exteriors hat bis vor kurzem noch ein über 25 Jahre altes SAP-ECC-System mit mehr als 1.000 Anwendern in Tschechien und Deutschland betrieben. Rund 600 klassische WM-Anwender arbeiteten an sieben Standorten im 24/7-Betrieb – entsprechend anspruchsvoll war die Modernisierung der Systemlandschaft. Zudem musste die neue Lösung in einem Umfeld, in dem Lagerprozesse die Produktionsversorgung sowie Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Abläufe unmittelbar unterstützen, nicht nur technisch tragfähig sein, sondern auch operativ, wirtschaftlich und organisatorisch.
Mit Blick auf den digitalen Wandel und die zunehmende Automatisierung in der Supply Chain wurde das Programm deshalb von Beginn an als Transformationsvorhaben aufgesetzt: mit klarem Managementfokus, starker Unterstützung durch das MAGNA-Management und einer durchgängigen Steuerung durch das Team von MSG Plaut. MAGNA Exteriors entschied sich für ein zweistufiges Vorgehen. Im ersten Schritt wurde das Gesamtsystem im Rahmen einer Bluefield-Conversion auf SAP S/4HANA migriert, der Go-live erfolgte im Januar 2025. Im zweiten Schritt folgte die Implementierung von SAP EWM mit Go-live im Januar 2026.
Klare Ziele: Weniger Komplexität, mehr Standard
Speziell mit dem EWM-Implementierungsprojekt verfolgte MAGNA Exteriors gleich mehrere strategische Ziele: die Reduktion kundenspezifischer Entwicklungen, die stärkere Annäherung an den SAP-Standard, die Harmonisierung standortübergreifender Prozesse sowie den Aufbau einer skalierbaren Basis für künftige Erweiterungen. Statt ein historisch gewachsenes, schwer wartbares System fortzuführen, sollte eine moderne Plattform entstehen, die Innovationen ermöglicht, die Zusammenarbeit zwischen Logistik, Produktion und IT verbessert und ein wirtschaftlich tragfähiges Betriebsmodell unterstützt.
Warum Embedded EWM die passende Wahl war
Dabei stand die Entscheidung für SAP EWM schon früh fest. Klar war, dass sich zukünftige Logistikprozesse nur mit einer modernen, zukunftssicheren und mit den ERP-Prozessen kompatiblen Plattform abbilden lassen. Die eigentliche Frage lautete daher: Embedded oder Decentralized EWM?
Für ein Multi-Standort-Umfeld in der Automobilproduktion wären beide Varianten möglich gewesen. Den Ausschlag für Embedded EWM gab letzten Endes die nahtlose Integration in SAP S/4HANA, die geringere System- und Betriebskomplexität sowie Vorteile in einem kostenoptimierten Betriebsmodell. Embedded EWM verzahnt Lagerprozesse enger mit dem ERP, stärkt die Durchgängigkeit entlang der Supply Chain und vermeidet den Aufwand einer zusätzlichen Systemlandschaft.
Ein weiterer Schlüsselfaktor war die Betriebssicherheit. In einem 24/7-Produktionsumfeld darf es weder im Cutover noch im laufenden Betrieb zu Systemstillständen kommen. Die integrierte Embedded-Architektur reduziert Schnittstellen und damit potenzielle Fehlerquellen. Für MAGNA Exteriors war damit schnell klar: SAP Embedded EWM bietet Stabilität, geringere Risiken, ein effizienteres Kostenmodell und zugleich eine konsistente Basis für künftige Prozessanpassungen.
Herausforderungen im Migrationsprojekt
SAP EWM überführt bewährte WM-Prozesse auf eine moderne Plattform. Durch den großen Umfang an Änderungen und die enge Integration mit angrenzenden Fachbereichen ähnelt ein EWM-Projekt jedoch in vielen Punkten einer vollständigen SAP-Einführung – insbesondere in Organisationen mit mehreren Standorten wie bei MAGNA Exteriors.
Eine wesentliche Herausforderung lag in der Komplexität des gewachsenen ECC-Systems. Über viele Jahre waren zahlreiche kundenspezifische Erweiterungen entstanden, insbesondere in scannerbasierten Abläufen, die oft nur unvollständig dokumentiert waren. Diese mussten identifiziert, bewertet und so weit wie möglich in eine standardorientierte EWM-Architektur überführt werden.
Auch die Schulung der rund 600 Lageranwender war von zentraler Bedeutung. Da EWM im Vergleich zu WM zentrale Elemente wie Benutzeroberflächen, Prozesslogik und Integration neugestaltet, war ein kompaktes und zielgerichtetes Schulungskonzept entscheidend, um die Mitarbeitenden sicher durch die Umstellung zu führen.
Eine zusätzliche Herausforderung stellte zudem das sehr kurze Zeitfenster für den Cutover dar. Da die Lagerprozesse die Produktionsversorgung unmittelbar beeinflussen, musste der Cutover präzise geplant werden. Ein klar definiertes Go-live-Vorgehen und mehrere Probeläufe waren unverzichtbar, um einen reibungslosen Start im 24/7-Betrieb sicherzustellen.
So konnte der Go-Live von SAP Embedded EWM bei MAGNA Exteriors erfolgreich und ohne Auswirkungen auf die Produktion oder den Kunden umgesetzt werden. Heute profitiert die Organisation von stabilen, standardnahen und entwicklungsfähigen Logistikprozessen.
Vier Empfehlungen für die Praxis
Im Nachhinein lassen sich aus dem Projektverlauf mehrere Empfehlungen für vergleichbare Implementierungen ableiten:
1. Analytische Tools konsequent nutzen:
Gerade im Logistikumfeld finden sich häufig historisch gewachsene, maßgeschneiderte Lösungen. Der strukturierte Einsatz von Werkzeugen zur Analyse des Ist-Zustands und zur Modellierung des Zielbilds schafft Transparenz, beschleunigt Entscheidungen und verbessert die Qualität der Zielarchitektur.
2. In Phasen denken:
Aufgrund der Breite und Wirkung einer SAP-EWM-Einführung empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen. Zunächst sollten die zwingend notwendigen Prozesse live gehen. Danach kann fundiert entschieden werden, welche zusätzlichen Funktionen wirklich noch benötigt werden.
3. Robuste Teststrategie aufbauen:
Da SAP EWM auch eine neue Barcode-Scanner-Lösung mit sich bringt, bringt das Projekt einen erheblichen Entwicklungsanteil mit sich, der umfangreiche Tests erfordert – häufig auch End-to-End. Eine klar definierte Teststrategie, idealerweise unterstützt durch Automatisierungstools, leistet daher einen wesentlichen Beitrag zum Projekterfolg.
4. Auf einen Pilot-Go-live setzen:
MAGNA Exteriors wählte bewusst ein kleineres, aber prozessrelevantes Warehouse als Pilotstandort. Dort konnten Erfahrungen gesammelt, Abläufe stabilisiert und die nachfolgenden Rollouts effizient vorbereitet werden.
Abschließend zeigt das Projekt – und das gilt nicht nur für EWM-Vorhaben: Nachhaltige Transformation gelingt dort, wo Technologie, Prozessharmonisierung, wirtschaftliche Ziele und Veränderungsbereitschaft zusammenspielen. Genau das war bei MAGNA Exteriors entscheidend für den Projekterfolg.
Über die Autoren
Mohamed Battah (links) fungiert als IT Director Europe bei Magna Exteriors als Schnittstelle zwischen IT und Fachbereichen und unterstützt die Abstimmung von technologischen Lösungen mit den Anforderungen der Produktion.
Vera Korbelova (mitte) verantwortet als Managing Director bei msg Plaut CZ s.r.o., die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie die Umsetzung komplexer technologischer Projekte.
Zdenek Vavra (rechts) ist ein erfahrener IT-Executive mit über 25 Jahren SAP-Erfahrung sowohl auf Kunden- als auch auf Beratungsseite. Aktuell ist er bei der msg group global für das SAP-Automotive-Segment verantwortlich.
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