IT-OnlineMagazin SAP-Trends 2026: Cloud-Realität und KI-Aufbruch

Die SAP-Community steht 2026 vor einer doppelten Bewährungsprobe: Einerseits gilt es, laufende S/4HANA-Programme sauber zu Ende zu bringen. Andererseits wächst der Druck, Cloud-Modelle und Künstliche Intelligenz strategisch zu verankern. Die aktuelle Trendumfrage des IT-OnlineMagazins mit 207 Teilnehmenden im DACH-Raum zeigt ein differenziertes Bild – mit klaren Prioritäten, aber auch spürbaren Vorbehalten.

 

SAP S/4HANA-Transformation bleibt größte Baustelle

Mit 44 Prozent nennen die Befragten den Abschluss des SAP-S/4HANA-Umstiegs als größte Herausforderung im SAP-Kontext. Damit bleibt die Transformation an sich das dominierende Thema – noch vor dem Management vielfältiger Veränderungen (37 Prozent) und dem  Cloud-Umstieg (36 Prozent).

Bemerkenswert ist: Obwohl viele Unternehmen sich seit Jahren mit S/4HANA beschäftigen, ist der Umstieg längst nicht flächendeckend abgeschlossen. Vielmehr zeigt sich, dass S/4HANA weniger ein technisches Projekt als ein organisatorisches Großvorhaben ist. „Die Aufgabe  wird oft unterschätzt – nicht technologisch, sondern kulturell und strukturell“, vermutet IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose. Hinzu kommen noch weitere Belastungsfaktoren: Kostenkontrolle und wirtschaftliche Unsicherheiten (28 Prozent) sowie fehlende Fachkräfte (26 Prozent). KI-Strategie (21 Prozent) und SAP Cybersecurity (12 Prozent) rangieren dahinter.

„Die Zahlen zeigen eine starke Fokussierung auf ERP-Modernisierung. Viele Organisationen stecken damit in einer klassischen Komplexitätsfalle: Mehrere Transformationen laufen parallel, während das Tagesgeschäft weiter funktionieren muss“, so Michael Benirschka, Geschäftsleitung FIS Informationssysteme und Consulting. „Genau hier entscheidet sich, ob Unternehmen Struktur und Tempo in die Transformation bringen.“

 

KI ist angekommen – aber selten industrialisiert 

Ein Blick auf die KI-Nutzung zeigt eine deutliche Dynamik. Stand-alone-KI-Lösungen sind mit 74 Prozent aktiver Nutzung am stärksten verbreitet bei Unternehmen. 71 Prozent beschäftigen sich bereits mit ersten Prototypen oder der Suche nach Anwendungsfällen, ein Anstieg von 10 Prozent innerhalb eines Jahres. Zusätzliche 19 Prozent planen dies. 50 Prozent nutzen KI in ausgewählten Anwendungsfällen, 32 Prozent sind in der Planungsphase. Das bedeutet: KI ist in der Breite angekommen – wenn auch häufig noch in der Erst-Erprobung. Denn nur 15 Prozent setzen KI tatsächlich in weiten Teilen des Unternehmens ein. Hier klafft also noch eine Lücke zwischen Pilotierung und Skalierung.

„Bei KI sehen wir ein klares Muster: Der Wille ist groß, die Umsetzung bleibt selektiv. Das zeigt: KI wird exploriert, aber selten industrialisiert.“, fasst Michael Benirschka die Zahlen zusammen. Zudem gebe es noch zu wenig strategische Auseinandersetzung mit KI-getriebener Wertschöpfung, damit aus einzelnen Use Cases ein skalierbarer Nutzen entstehen könne.

Maike Rose IT-Onlinemagazin
Maike Rose, Foto: IT-OnlineMagazin

Interessant ist auch der Blick auf SAP-spezifische KI-Funktionen. 11 Prozent setzen bereits darauf, ein leichter Anstieg um 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weitere 35 Prozent arbeiten darauf hin. Jeder zehnte Umfrageteilnehmende (9 Prozent) nutzt bereits SAP Joule, jeder dritte (32 Prozent) plant dies.

Im Vergleich zur Vorjahresumfrage, in der KI vielfach noch im Experimentierstadium steckte, verschiebt sich der Fokus langsam aber sicher in Richtung operative Nutzung, wenn auch der Anteil an genutzten SAP-integrierten KI-Funktionen noch verhältnismäßig gering ist. „2026 wird das Jahr der Konsolidierung – aus KI-Piloten müssen belastbare Business-Cases werden“, resümiert Maike Rose.

 

Cloud 2030: Hybrid scheint gesetzt

Besonders aufschlussreich sind die Antworten zur Cloud-Strategie bis 2030. Rund zwei Drittel der Befragten planen derzeit keinen Komplettumstieg in die Public Cloud: Die Hälfte (50 Prozent) lehnt das Szenario klar, weitere 17 Prozent eher ab. Auch bei der Frage nach einer Priorisierung der Public Cloud überwiegt immer noch Skepsis: Deutlich mehr als die Hälfte will geeignete Lösungen nicht (37 Prozent) oder eher nicht (18 Prozent) in die Public Cloud verlagern. Was hier auffällt: Gleichzeitig nimmt die Ablehnung gegenüber der Cloud ab und wirkt sich besonders auf den Anteil an Enthaltungen aus (2025: 6 Prozent, 2026: 13 Prozent).

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 Die höchste Zustimmung erhält die Private Cloud: Wo es geht, möchten 46 Prozent sie 2030 einsetzen. 34 Prozent unterstützen das nicht und ein ganzes Fünftel hat keine Meinung dazu. Das Szenario „Kern-ERP on-premise, Rest in der Cloud“ findet bei knapp jedem Dritten (29 Prozent) eher, bei jedem Zehnten (11 Prozent) klare Zustimmung. Damit bestätigt sich ein Trend, der sich bereits im Vorjahr abzeichnete: Die SAP-Community bewegt sich Richtung Cloud – aber pragmatisch, schrittweise und mit starkem Fokus auf Hybridmodelle.

 

Kontrollverlustängste: zentrales Cloud-Hemmnis?

Warum diese Zurückhaltung? 43 Prozent nennen die Sorge vor höherem Kontrollverlust im Betrieb als Grund, On-Premise zu bleiben, 42 Prozent verweisen auf größere Individualisierungsmöglichkeiten. Jeden Dritten halten Datenschutz- und Compliance-Bedenken (35 Prozent) sowie der große technische und organisatorische Aufwand (33 Prozent) vom Cloud-Umstieg ab. Cloud wird also nicht nur als reines Innovationsversprechen empfunden, sondern ist auch eine Governance-Frage für Unternehmen.

Dennoch: Wer in die Cloud wechselt, tut dies vor allem aufgrund des damit verbundenen höheren Innovationstempos und der automatisierten Updates (52 Prozent).

Michael Benirschka, Foto: FIS

Die SAP Business AI ist für 39 Prozent einer der Gründe für die Cloud. Nur für jeden Fünften sind geringere Investitionskosten und planbare Ausgaben ein Argument für den Cloudumstieg. „Innovation wiegt also deutlich stärker als reine Kosteneffekte“, so Rose.

Michael Benirschka erklärt weiter: „Cloud wird nicht mehr nur als Betriebsmodell verstanden, sondern als Plattform für kontinuierliche Innovation. Gleichzeitig zeigt der Wunsch nach Kontrolle durch On-Premise: Viele Unternehmen unterschätzen noch, dass Effizienz, Skalierung und Innovationsgeschwindigkeit heute primär aus Plattformlogiken entstehen. Erst auf diesem Fundament kann KI ihr volles Potenzial entfalten.“

 

SAP Cloud und KI: Pflicht oder doch nur Kür?

Die SAP-Trendumfrage 2026 zeigt: S/4HANA ist noch Pflichtprogramm, KI wird eher noch als strategische Kür angesehen. Die Cloud ist ein Abwägungsthema zwischen Innovation und Kontrolle.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich vor allem die KI-Dynamik beschleunigt. Während 2025 noch die Frage „Ob KI?“ dominierte, lautet 2026 die Herausforderung „Wie skalieren wir KI wirtschaftlich und sicher?“.

Weitere Informationen

Die ausführlichen Umfrageergebnisse der SAP-Trends 2026 mit Fokus auf Cloud und Künstliche Intelligenz sind beim IT-OnlineMagazin Kooperationspartner FIS Consulting und Informationssysteme zum Download verfügbar. Kostenlos anfordern

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