SAP Business Data Cloud: Fundament für Business AI oder nur der nächste Datentopf?

Veröffentlicht

03. August 2026

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7 Minuten

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Dr. Torben Hügens spricht mit Maike Rose über die SAP Business Data Cloud (SAP BDC)

Dr. Torben Hügens (All for One) im Gespräch mit IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose, Foto: IT-OnlineMagazin

Obwohl längst abgekündigt, ist SAP Business Warehouse (BW) in vielen Unternehmen nach wie vor im Einsatz. Mit Blick auf Business AI stößt die jahrzehntealte Technologie jedoch massiv an ihre Grenzen. Vor allem für Planung, Reporting und KI-gestützte Analysen braucht es eine integrierte Datenbasis. Ob die SAP Business Data Cloud (SAP BDC) diesen Erwartungen gerecht werden kann und wie Unternehmen den Umstieg auf die Datenplattform bestmöglich vorbereiten – darüber spricht Dr. Torben Hügens (All for One) im Interview mit IT-Onlinemagazin-Chefredakteurin Maike Rose.


Warum SAP Business Warehouse nicht mehr ausreicht

Maike Rose: SAP BW läuft in vielen Unternehmen seit Jahrzehnten stabil. Warum reicht das für Business AI und autonome Prozesse trotzdem nicht mehr aus?

Dr. Torben Hügens: Die Technologie und die Konzepte auf der SAP BW basiert, sind mehr als 30 Jahre alt und den heutigen Anforderungen ganz einfach nicht mehr gewachsen. SAP BW ist traditionell stark auf reine SAP-Datenquellen fokussiert und kann externe Daten nur mit viel Aufwand integrieren. Moderne Datenplattformen binden externe Quellen über API-Schnittstellen ein, SAP BW setzt dabei nach wie vor auf ABAP-Coding. Und während moderne Modellierungen eher SQL-orientierte, flache Tabellenstrukturen erfordern, arbeitet SAP BW noch mit dem klassischen Sternschema. Außerdem ist die Lösung nur bedingt für die Cloud geeignet. All das erschwert die Konsolidierung und Harmonisierung der unternehmensweiten Daten. Genau die ist für den Einsatz von Business AI aber unabdingbar.

Was SAP Business Data Cloud verspricht – und was sie hält

Maike Rose: Die SAP Business Data Cloud (SAP BDC) ist ja jetzt gar nicht mehr so neu. Sie soll als eine Art „Unternehmensgedächtnis“ interne und externe Datenquellen nahtlos integrieren. Kann sie dieses Versprechen halten – oder ist die SAP BDC am Ende doch nur der nächste SAP-Datentopf mit neuem Namen?

Dr. Torben Hügens: Auf jeden Fall bietet SAP Business Data Cloud im Vergleich zu SAP BW deutlich mehr Schnittstellen zu externen Datenquellen und auch viel mehr Möglichkeiten, SAP- und Non-SAP-Daten für AI, für Agents, aber auch für Reporting und Planung nutzbar zu machen. Hinzu kommt der SAP Knowledge Graph, der die Nutzung von SAP-Daten im Rahmen von AI Agents auf ein ganz neues Level hebt. Er bildet ab, wie sämtliche Datenfelder und -objekte im SAP-System miteinander verknüpft sind und schafft damit die Grundlage für den sicheren Einsatz von Business AI und sprachgesteuerte Analysen. Eine Analyse von tabellenorientierten sowie strukturierten Daten wird somit deutlich vereinfacht, da die semantischen Zusammenhänge auslesbar sind.

Ganz uneingeschränkt kann SAP das Versprechen einer integrierten Datenplattform aus meiner Sicht vor allem bei unstrukturierten Daten noch nicht einlösen. Die SAP Business Data Cloud ist zwar deutlich offener als das alte BW, aber eben noch nicht auf dem Niveau von Databricks oder Microsoft Fabric. Um diese Lücke zu schließen, hat SAP sein Open Data Ecosystem mit Databricks, Snowflake, Microsoft Fabric, AWS und der Google Cloud Platform deutlich erweitert. Die kürzliche abgeschlossene Dremio-Übernahme dürfte ebenfalls dazu beitragen, dass SAP Business Data Cloud bei unstrukturierten Daten noch mal deutlich offener wird.

Maike Rose: Wie schätzen Sie den aktuellen Reifegrad der Plattform insgesamt ein?

Dr. Torben Hügens:  Man muss hier zwei Ebenen unterscheiden. Die Plattform selbst, also die SAP Business Data Cloud als solche, ist stabil, läuft produktiv bei Kunden und entwickelt sich – wie das bei Cloud-Lösungen üblich ist – kontinuierlich weiter.

Die zweite Ebene, also die Business-AI-Schicht mit SAP Joule und den Agents, wird derzeit erst ausgerollt und ist unterschiedlich weit fortgeschritten. In der SAP Analytics Cloud ist Joule beispielsweise bereits vollständig integriert und einsatzbereit. Die Datasphere-Integration soll dagegen erst im zweiten Halbjahr 2026 kommen. Und auch ein Großteil der AI-Agents, die den eigentlichen Unterschied für autonome Prozesse machen, wird erst ab der zweiten Jahreshälfte verfügbar sein.

Zusammengefasst heißt das: Die Basis steht. Aber die eigentliche Business-AI-Schicht, die das Versprechen einer modernen Datendrehscheibe als Grundlage für KI-gestützte Prozesse und Analysen einlöst, befindet sich noch im Aufbau.  

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Wo SAP Business Data Cloud konkrete Mehrwerte erschließt

Maike Rose: Womit sich die Frage stellt, ob und wo Unternehmen schon heute konkreten Nutzen aus der SAP BDC ziehen können?

Dr. Torben Hügens: Besonders konkret zeigt sich der Mehrwert beispielsweise in der strategischen Unternehmensplanung. Denn die SAP Analytics Cloud for Planning ist heute Teil der Business Data Cloud und über das Konzept Seamless Planning mit SAP Datasphere verzahnt. Dadurch lassen sich Finanzinformationen mit Vertrieb, Supply Chain sowie externen Datenquellen zusammenführen. Die Planung läuft also nicht mehr excel-basiert, nachgelagert und isoliert, sondern integriert auf einer gemeinsamen Datenbasis.

Darauf aufsetzend können AI Agents gezielt Optimierungspotenziale aufdecken und konkrete Handlungsvorschläge machen. Beispielsweise analysiert unser Margin Leak Agent, an welcher Stelle im Unternehmen Marge verlorengeht, und zeigt mögliche Lösungsansätze auf. Derzeit arbeiten wir in unserer Agent Factory an knapp 200 unterschiedlichen AI Agenten. Und jede Woche kommen zwei bis drei neue hinzu.

Was bei der SAP BDC-Einführung beachtet werden sollte

Maike Rose: Den Umstieg auf SAP BDC wünschen sich Unternehmen naturgemäß ohne Systembruch und neue technische Schulden. Ist das überhaupt machbar?  

Dr. Torben Hügens: Diese Frage muss im Vorfeld jedes Projekts anhand einer umfassenden Soll/Ist-Analyse individuell betrachtet werden. Um effizient zu ermitteln, was im BW tatsächlich noch aktiv genutzt wird und was Datenleichen sind, haben wir avantum voyager entwickelt. Dieser AI Agent analysiert das bestehende BW-System in allen Details, liefert eine vollständige Dokumentation inklusive Handlungsempfehlungen und wandelt das veraltete Modellierungsschema auch gleich in das neue, SQL-orientierte Format (Medaillon-Architektur) um. Der Effizienzgewinn ist beachtlich: Eine Analysephase, die früher je nach Komplexität bis zu sechs Monaten dauern konnte, erledigt unser Projektbeschleuniger heute in einem Tag. Was dann noch erfolgen muss, ist die Validierung der Ergebnisse und Bewertung der nächsten Schritte.  

Maike Rose: Ende 2027 läuft die reguläre BW-Wartung endgültig aus, eine erweiterte Wartung ist gegen Zusatzkosten bis 2030 möglich. Viel Zeit bleibt für den Umstieg also nicht mehr. Wie sollten Unternehmen diese Frist strategisch nutzen?

Dr. Torben Hügens: Statt den Countdown passiv abzuwarten, empfiehlt es sich, den Einstieg in die SAP Business Data Cloud aktiv vorzubereiten.

Alternativ könnte man den finalen Umstieg durch die (auf den ersten Blick bequeme) Zwischenlösung BW/4HANA noch etwas hinauszögern, die Wartungszusage reicht dort noch bis 2040. Aus unserer Sicht rechnet sich dieser Schritt aber nicht wirklich. Denn er kauft zwar Zeit, aber keine Zukunftssicherheit. Schließlich investiert SAP erkennbar nicht mehr in die Weiterentwicklung der Lösung, die Roadmap für neue Funktionen ist seit Monaten unverändert.

Wir empfehlen unseren Kunden deshalb, die verbleibende Zeit bis zum Wartungsende von SAP BW zu nutzen, um vorhandene Datenbestände aufzuräumen und mit der SAP BDC den Weg zum autonomen Unternehmen einzuschlagen.

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