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SAP Business Data Cloud: Drei Finance-Use-Cases aus der Praxis bei Feintool

Foto: tatyanakorenyugina, Canva Teams

Feintool International ist ein global agierender Zulieferer der Automobilindustrie – und verließ sich bis vor Kurzem beim Finanz-Reporting noch stark auf Excel und PowerPoint. Mit SAP Business Data Cloud (BDC), Datasphere und Databricks hat das Unternehmen sein Excel-Reporting in drei Schritten zur datengetriebenen Finanzsteuerung transformiert.

Patricia Ahrend, Foto: Feintool

Als Produzent von Sicherheitsteilen für Automobile betreibt die schweizerische Feintool Gruppe 18 Werke weltweit und erzielte 2025 einen Umsatz von 661 Millionen Schweizer Franken. „Ein modernes Finanzreporting gab es in der Vergangenheit jedoch nicht“, erinnert sich Patricia Ahrend. Als sie Ende 2024 ihre Position als Head of Group Finance Transformation bei Feintool aufnahm, fand sie drei historisch gewachsene SAP ECC-Systeme, ein weiteres ERP in den USA und eine fast vollständig auf Excel und PowerPoint basierte Reporting-Landschaft vor.

Die einzige gruppenweite Datenquelle war die Business-Intelligence-(BI)-Plattform Cognos. „Allerdings waren die dort enthaltenen Informationen hoch aggregiert, so dass tiefergreifende Analysen nicht möglich waren“, so Ahrend. Ein Grund mehr, die Modernisierung der Finanzlandschaft ins Auge zu fassen, fanden die Verantwortlichen und beauftragten damit den Implementierungspartner s-peers.

Um schnell erste Ergebnisse zu erzielen und die Komplexität der Datenintegration sukzessive zu bewältigen, wählte das Projektteam einen dreistufigen Ansatz.

 

Schritt 1: Konsolidiertes Gruppenreporting aus Cognos

Der Einstieg im April 2025 war bewusst pragmatisch gewählt: Das bestehende Konsolidierungssystem Cognos bildete den Ausgangspunkt für die Konsolidierung des gruppenweiten Reportings. „Für den Proof of Concept nutzten wir die 90-tägigen Trial-Versionen von SAP Analytics Cloud und Datasphere“, erklärt s-peers-Projektleiterin Joelle Strubel. Datasphere übernahm dabei die Rolle des Data Warehouse, SAC den Reporting-Layer, die Cognos-Daten wurden per Federated Access über Remote Tables angebunden.

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Da die kürzlich gelaunchte SAP Business Data Cloud im April für alle Kunden verfügbar war, passte der Zeitpunkt perfekt. „Wir waren genau mit dem POC fertig, als es hieß: Es gibt die BDC“, erinnert sich Ahrend. „Das war ein No-Brainer: Wir konnten mit dem gleichen Setup weitermachen und wussten, dass wir direkt auf einem modernen Fundament stehen, das uns für KI-Szenarien bereit macht.“

Das Ergebnis: Konzernzahlen auf Knopfdruck, Drilldown auf Teilkonzerne und einzelne Werke, P&L, Balance Sheet und Cash-Informationen auf weiteren Report-Seiten. Der Zeitaufwand für die manuelle Aufbereitung in Excel und PowerPoint sank spürbar.

 

Schritt 2: IT-Kostentransparenz aus drei SAP ECC-Systemen

Anschließend ging es darum, die Transaktionssysteme anzubinden. Ein Vorhaben, das alles andere als trivial war. Denn die drei bestehenden SAP ECC Systeme waren durch Zukäufe ins Unternehmen gekommen und nie vollständig integriert worden. Die Folge: Lokale Ausprägungen in den Tabellen, keine einheitliche Harmonisierung. „Sämtliche Kostenarten auf einmal anzugehen, war unrealistisch“, sagt Ahrendt.

Deshalb konzentrierte sich das Projektteam ab Oktober 2025 zunächst auf den abgegrenzten, klar definierten Bereich der IT-Kosten und erweiterte die Architektur um SAP Databricks – einerseits zum Auslesen der ECC-Daten, andererseits als AI-Plattform für LLM-basierte Analysen. „Die IT steuert dabei Compliance-seitig, wer welche Daten sehen darf“, erklärt Strubel. Auch Stammdatenanalysen können über die Plattform erfolgen.

Das vom CIO explizit eingeforderte IT-Kosten-Dashboard schlüsselt monatliche Gesamtkosten nach Top-15-Lieferanten und Kostenelementen auf. Aktuell arbeitet das Projektteam zudem an einer systemübergreifenden Kategorisierung der IT-Kosten über alle drei SAP-Systeme hinweg. Die Integration des US-amerikanischen ERP ist ebenfalls bereits geplant.

 

Schritt 3: Reisekostenreporting aus SAP Concur per REST-API

„Parallel zur Data-Analytics-Einführung haben wir SAP Concur für Deutschland und die Schweiz ausgerollt“, erzählt Patricia Ahrend. „Und festgestellt, dass das Standard-Reporting von SAP Concur alles andere als überzeugend war.“  Nach Rücksprache mit s-peers entschied man, die Reisekosten-Abrechnung per API an Datasphere anzubinden. „Der Aufwand dafür war mit 5 Tagen durchaus überschaubar“, so Ahrend.

Joelle Strubel, Foto: s-peers

Die technische Herausforderung bestand darin, dass Concur Reisekostendaten und auswertungen über REST-APIs als verschachtelte JSON-Dateien liefert. „Diese kann Datasphere aktuell jedoch nicht verarbeiten“, erklärt s-peers-Projektleiterin Strubel. Deshalb übernimmt Databricks die Rolle der Integrationsplattform. Die API-Calls werden ausgelesen, vorhandene Datensätze geprüft, die Daten transformiert, semantisch angereichert und schließlich als Analytic Model in SAC bereitgestellt.

Was das Reporting vorher nicht leisten konnte, ist jetzt auf einem Dashboard sichtbar: Anzahl eingereichter Reisekostenreports, die Reisekostenentwicklung nach Monaten, Kostenstellen und Company Codes, Aufschlüsselung nach Flügen, Hotels und Mietwagen.

 

Was Entscheider aus dem Projekt mitnehmen können

Feintool zeigt, dass der Einstieg in eine datengetriebene Finanzsteuerung nicht zwingend mit einer vollständigen S/4HANA-Migration beginnen muss. „Technisch lässt sich vieles integrieren“, resümiert Joelle Strubel. Die eigentliche Herausforderung besteht aus ihrer Sicht darin, die fachlichen Prozesse zu definieren. „Hier muss der Kunde liefern.“ Als Head of Group Finance Transformation übernahm bei Feintool Patricia Ahrend diese Aufgabe. Für Strubel ist eine derartige Position ein zentraler Faktor für den erfolgreichen Brückenschlag zwischen Business und Technik – und damit auch für den Projekterfolg.

Weitere Informationen

Wie die Reporting-Architektur bei Feintool im Detail aussieht und welche Lizenzierungsfragen sich rund um die SAP BDC ergeben, erläuterten Patricia Ahrend und Joelle Struble bei der 24. IT-OnlineKonferenz. Aufzeichnung ansehen

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