
Der Markt für SAP-Fachkräfte präsentierte sich in den vergangenen Monaten widerstandsfähiger als erwartet: Die Nachfrage wächst weiter, verliert allerdings im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an Geschwindigkeit. Die Analyse des Stellenmarkt-Spezialisten index research im Auftrag des IT-OnlineMagazins zeigt einen SAP-Arbeitsmarkt, der sich vom allgemeinen IT-Stellenmarkt spürbar abkoppelt. Grundlage der Auswertung sind Stellenanzeigen aus 197 Printmedien, 315 Onlinebörsen und rund 960.000 Firmenwebsites.
SAP-Stellenmarkt wächst 2025 moderat weiter

Insgesamt wurden demnach 2025 rund 105.600 Stellen für SAP-Experten ausgeschrieben, und damit 2,3 Prozent mehr als noch 2024. 2024 hatte der Markt allerdings im Vergleich zum Vorjahr noch um 6,5 Prozent zugelegt. Die Zahl der suchenden Unternehmen sank im vergangenen Jahr von 7.834 (2024) auf 7.625 (2025) leicht. „Trotz der Meldungen, dass die KI zu Einsparungen bei SAP-Spezialisten führen könnte, sind SAP-Experten weiterhin gefragt“, bringt Index-CEO Jürgen Grenz die Ergebnisse auf den Punkt.
Dies ist umso bemerkenswerter, da die Zahl der arbeitslos gemeldeten IT-Fachkräfte im März 2026 mit mehr als 61.000 (März 2026) einen historischen Höchststand erreichte. Ein deutliches Indiz dafür, dass wirtschaftliche Unsicherheit und der KI-bedingte Automatisierungsdruck auch im IT-Segment Spuren hinterlassen. „Der SAP-Markt ist gerade zusätzlich anders geprägt“, sagt Maike Rose, Chefredakteurin des IT-OnlineMagazin. „Angesichts des näher rückenden Wartungsendes von SAP ECC lassen sich Transformationsprojekte nicht länger aufschieben. Das stabilisiert aktuell die Nachfrage, auch wenn die Konjunktur generell schwächelt.“
Aussichten für erfahrene SAP-Experten weiter gut
Auf Hierarchieebene bestätigt sich dagegen der gesamtwirtschaftliche Trend: Akademische Einsteiger haben es heute auch im SAP-Umfeld schwer: Gesucht wurden 2025 vor allem Projektleitungen (rund 27.500 Stellen, plus 8 Prozent) und Fachkräfte mit Berufsausbildung (rund 29.600 Stellen, plus 58 Prozent gegenüber 2024). Der Bedarf an SAP-Fachkräften mit akademischer Bildung hingegen ging vergangenes Jahr im Vergleich zu 2024 um fast 24 Prozent zurück.
Besonders auffällig: Young Professionals verzeichnen einen Rückgang von rund 22 Prozent, Praktika- und Studentenstellen stagnieren. Die Zeiten, in denen Informatik-Absolventen nach dem Studium ohne nennenswerten Bewerbungsaufwand eine Stelle als SAP Consultant fanden, scheinen vorbei zu sein. index research zufolge suchten Unternehmen 2025 gezielt erfahrene Projektumsetzungskompetenz und praxisausgebildete SAP-Spezialisten, keine Einsteiger zum Anlernen.
KI-Kompetenzen auch im SAP-Kosmos gefragt
Auch daran hat der Siegeszug der Künstlichen Intelligenz durchaus seinen Anteil: Repetitive, regelbasierte Aufgaben wie Berichterstellung, Testskript-Generierung, Standardkonfigurationen, die bislang von Juniorberatern erledigt wurden, erledigen smarte Tools inzwischen häufig in Eigenregie.
Generell wirkt KI im SAP-Stellenmarkt allerdings weniger als Jobkiller, sondern als Selektionsfilter. „Dieser dürfte aufgrund der strategischen Ausrichtung von SAP – weg von klassischen ERP-Rollen, hin zu KI-gestützten Prozessen und Business-Data-Cloud-Szenarien – in den kommenden Jahren noch deutlich engmaschiger werden“, prognostiziert Chefredakteurin Maike Rose.
SAP-Stellenmarkt stabilisiert sich auf hohem Niveau
Das gilt seit Jahresbeginn zunehmend auch für wechselwillige erfahrene SAP-Experten: Die Nachfrage im SAP-Arbeitsmarkt stagniert. Mit rund 38.600 ausgeschriebenen Stellen im ersten Quartal 2026 liegt der Wert nahezu auf Vorjahresniveau (Q1/2025: 38.578). Ein Plus von weniger als 0,1 Prozent.
Der SAP-Arbeitsmarkt ist nach dem Wachstumsschub der Jahre 2023/2024 offenbar in eine Phase der Stabilisierung eingetreten. Zugleich verschiebt sich die Nachfrage weg von akademischen Fachkräften und Berufseinsteigern hin zu Projektverantwortlichen und ausgebildeten Spezialisten.
Stabilisierung auf Zeit: Fachkräftemangel bleibt
Nichtsdestotrotz prognostizierte das Institut der Deutschen Wirtschaft zuletzt, dass die Fachkräftelücke in Digitalisierungs- und IT-Berufen bis 2028 neue Höchststände erreichen könnte. Ein Szenario, dass angesichts der strategischen Neuausrichtung als KI-Company und der laufenden S/4HANA-Transformationswellen den SAP-Arbeitsmarkt besonders empfindlich treffen dürfte. „Umso wichtiger ist es, dass SAP-Anwenderunternehmen nicht nur den aktuellen, sondern auch den künftigen Bedarf an Fachkräften nicht aus dem Blick verlieren“, rät Rose.
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