Changemanagement: Was Menschen in Transformationen bewegt
Welche Rolle Changemanagement in Transformationen spielt und warum der emotionale Faktor im KI-Zeitalter dabei an Bedeutung gewinnt.
Veröffentlicht
02. März 2026
Lesezeit
6 Minuten
Redaktion
IT-OnlineMagazin
Mit dem Clean-Core-Prinzip und dem Wechsel in Richtung S/4HANA Cloud geraten viele ABAP-Teams unter Druck. Doch statt eines Abschieds von ABAP zeichnet sich nach Einschätzung von Eduard Kumbeiz (Head of SAP Innovation & Cloud Transformation, COMLINE) ein klarer Paradigmenwechsel ab: Mit ABAP Cloud und dem ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) entstehe ein modernes Entwicklungsmodell, das Upgrade-Fähigkeit, API-Disziplin und Architekturqualität in den Mittelpunkt stellt. Wie dies konkret aussieht, schildert er in seinem Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin.
„Ist ABAP tot?“ – Diese Frage taucht überall dort auf, wo Unternehmen den Wechsel auf S/4HANA Cloud planen oder ihre bestehende S/4HANA-Landschaft zukunftsfähig machen wollen. Der Auslöser ist meist das Prinzip Clean Core: Der Standard bleibt unangetastet, Erweiterungen sollen upgrade-stabil und supportbar bleiben – anstatt sich über Modifikationen, implizite Abhängigkeiten oder interne Zugriffe in den Kern zu „bohren“.
Die gute Nachricht: ABAP verschwindet nicht – es bekommt einen klareren, moderneren Rahmen. SAP fasst diesen Ansatz unter ABAP Cloud zusammen: eine cloud-optimierte Entwicklungsweise mit eingeschränkter Sprachversion und dem Prinzip „released APIs statt interner Objekte“. Das reduziert technische Schuld und verbessert die Upgrade-Fähigkeit spürbar. Für viele Teams bedeutet das auch: Die über Jahre aufgebaute ABAP-Kompetenz bleibt wertvoll – sie muss nur neu ausgerichtet werden.
Die drei tragenden Säulen im Überblick:
Das Ergebnis ist eine API-first-Architektur, die Logik über UI und Integrationen hinweg wiederverwendbar macht – ohne den Clean Core zu gefährden. Teams, die diesen Ansatz konsequent verfolgen, berichten von deutlich reduzierten Aufwänden bei Upgrades, besserer Testbarkeit durch ABAP Unit und CDS Test Doubles sowie einem spürbar klareren Überblick über die eigene Systemlandschaft.
ABAP Cloud wird in Diskussionen oft mit „ABAP auf BTP“ gleichgesetzt. In der Praxis sind jedoch zwei Zielbilder relevant – und genau diese Unterscheidung ist entscheidend für Unternehmen mit bestehenden S/4HANA On-Premise-Systemen.
ABAP läuft hier in einer eigenen Laufzeitumgebung auf der SAP Business Technology Platform. Die Integration in S/4HANA erfolgt ausschließlich über released APIs (OData/REST). Dieses Muster eignet sich besonders, wenn Entkopplung, eigenständige Release-Zyklen oder die Kombination mit externen Services und Cloud-Diensten im Vordergrund stehen. SAP positioniert die BTP ABAP Environment explizit für diesen side-by-side Erweiterungsansatz.
Nicht jede Modernisierung lässt sich – oder soll – vollständig „neben dem System“ umgesetzt werden. Hier kommt das on-stack ABAP Cloud-Entwicklungsmodell ins Spiel, das in der Community auch als „Embedded Steampunk“ bekannt ist. Neue Entwicklungen folgen dabei denselben ABAP Cloud- und RAP-Standards wie auf der BTP: eingeschränkte Sprachversion, released APIs, keine internen Zugriffe. Der Altbestand wird parallel schrittweise entkoppelt, ersetzt oder neu aufgebaut – je nach Risiko und Wertbeitrag.
Dieser Pfad ist bewusst pragmatisch: Er setzt keine vollständige Systemablösung voraus, erlaubt inkrementelle Modernisierung und schützt gleichzeitig bestehende ABAP-Investitionen. Für viele Unternehmen ist er der realistischere Einstiegspunkt.
Ein konkretes Szenario aus der Praxis: Der Standard-Freigabeprozess für Bestellungen reicht nicht aus. Ab 50.000 € soll automatisch an den VP eskaliert werden, ab 100.000 € an den CFO. In klassischen Systemen wäre das oft als enger Eingriff in den Kern umgesetzt worden – mit allen bekannten Konsequenzen für Upgrades und Wartbarkeit.
Mit RAP lässt sich dieselbe Anforderung sauber als Erweiterung modellieren: Bestelldaten werden über eine freigegebene Schnittstelle konsumiert, eine Determination ermittelt die Freigabestufe anhand des Bestellwerts, eine Validation prüft die Vollständigkeit der Genehmigungskette, und über eine Action („Send for Approval“) wird der Workflow- oder API-Call ausgelöst. Die Fachlogik bleibt nachvollziehbar, testbar und upgrade-sicher – unabhängig davon, ob die Umsetzung side-by-side auf BTP oder on-stack im bestehenden S/4HANA erfolgt.
Der Umstieg auf ABAP Cloud ist weniger eine Frage neuer Transaktionen als vielmehr von Architektur- und Engineering-Disziplin. Vier Stellschrauben sind dabei entscheidend:
Wer früh mit einem klar umrissenen Pilot-Use-Case startet und verbindliche Leitplanken setzt, kann bestehende ABAP-Kompetenz sehr effektiv in moderne Clean-Core-Fähigkeit überführen – ohne das Team zu überfordern oder laufende Projekte zu gefährden.
Über den Autor
Eduard Kumbeiz ist Head of SAP Innovation & Cloud Transformation bei COMLINE SE. Mit über 20 Jahren SAP-Erfahrung begleitet er Unternehmen bei der strategischen Modernisierung ihrer SAP-Landschaften – von klassischem Custom Code hin zu ABAP Cloud, RAP und Clean-Core-konformen Architekturen auf S/4HANA, Private Cloud und SAP BTP. Bei COMLINE SE verantwortet er die Entwicklung moderner SAP-Services und unterstützt Teams dabei, ihre vorhandene Expertise in zukunftsfähige, skalierbare Architekturen zu überführen.
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