
Die SAP-Landschaft in Produktion und Logistik steht an einem Wendepunkt. Denn die Migration auf S/4HANA erzwingt eine grundlegende Neugestaltung, die weit über die technische Basis hinausgeht: Embedded EWM ersetzt das klassische SAP WM. SAP TM und EWM wachsen zu integrierten End-to-End-Plattformen zusammen. Zugleich eröffnen SAP Business Technology Platform (BTP) und SAP Business Data Cloud (BDC) neue Wege, für transparente Prozesse und fundierte Echtzeit-Entscheidungen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wann entfalten diese Technologien tatsächlich operativen Mehrwert?
BYK Chemie: Von SAP WM zu EWM im Brownfield
Wer seine Lagerverwaltung heute noch auf SAP WM betreibt, steht vor einer klaren Aufgabe. Mit dem Ende von SAP ECC entfällt das klassische Warehouse Management, der Wechsel auf SAP EWM ist also vorprogrammiert. Wie komplex dieser Schritt in einem laufenden, hochautomatisierten Betrieb sein kann, zeigt das Beispiel der BYK-Chemie GmbH. Das Chemieunternehmen betreibt am Hauptsitz in Wesel ein Distribution Center mit 11.000 Palettenstellplätzen, Elektrohängebahnen, Regalbediengeräten und Kommissionier-Robotern. Eine vollautomatisierte Anlage, die zu den anspruchsvollsten Umgebungen für eine Lagermigration zählt. Davon ließen sich die Verantwortlichen nicht abschrecken: Gemeinsam mit Implementierungspartner LogiPlus vollzog BYK parallel zur laufenden ERP-Transformation den Wechsel von WM auf SAP EWM im Brownfield-Ansatz.
SAP Embedded EWM bei Magna Exteriors
Noch komplexer wird es, wenn nicht ein einzelner Standort, sondern eine gesamte Region standardisiert werden soll. Ein Vorhaben, das Magna Exteriors bereits gemeistert hat. Mit Unterstützung von Implementierungspartner msg Plaut Tschechien vereinheitlichte der international operierende Automobilzulieferer seine Lagerlogistik in der CEE-Region auf SAP S/4HANA mit Embedded EWM und führte so sieben Standorte und mehr als 600 Anwender in einem System zusammen.
„Digitale Lösungen entfalten ihren Wert erst dann, wenn sie die Produktion spürbar effizienter, transparenter und stabiler machen“, sagt Mohamed Battah, IT Director Europe bei Magna Exteriors. Dementsprechend stand bei der Verbindung von Lagerlogistik und Produktion vor allem die Versorgung der Fertigungslinien im Fokus. Denn hier können Verzögerungen unmittelbar auf den Produktionsrhythmus durchschlagen.
Effiziente Outbound-Prozesse mit TM und EWM
Hinzu kommt die KI-Dimension: Aktuelle Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz eröffnen neue Anwendungsfelder im Zusammenspiel von TM und EWM: Beispielsweise in Form von vorausschauenden Routenoptimierungen oder der automatisierten Behandlung von Ausnahmefällen. „Der Mehrwert von KI setzt aber auch in Produktion und Logistik eine konsolidierte und integrierte Datenbasis voraus“, unterstreicht IT-OnlineMagazin-Chefredakteurin Maike Rose.
Feintool: Blaupause für operative BDC-Use Cases
Die soll vor allem die SAP Business Data Cloud (BDC) schaffen. Sie verbindet SAP Datasphere, Analytics Cloud und Business Warehouse in einer einheitlichen Cloud-Umgebung und bindet über die native Databricks-Integration auch externe Datenquellen ein. So entsteht eine gemeinsame semantische Schicht, auf der operative Intelligence-Szenarien direkt aufsetzen.
Automobilzulieferer Feintool zeigt, wie sich dieses Potenzial konkret einlösen lässt. Die SAP BDC in Kombination mit Databricks dient dem Unternehmen als strategische Plattform für eine datengetriebene Unternehmenssteuerung. „Die Zukunft der Finanzabteilung liegt in der intelligenten Nutzung von Daten“, ist Patricia Ahrend, Head Group Finance Transformation bei der Feintool überzeugt. Gemeinsam mit Implementierungspartner s-peers hat der Automobilzulieferer drei konkrete Use Cases für Finanzreporting, Cost Controlling und Reisekosten entwickelt, die als Blaupause dafür dienen können, wie sich die technische Architektur der BDC in messbaren operativen Mehrwert übersetzen lässt.
SAP BTP in der Getränkeproduktion
Ein strukturell anderes Problem adressiert SAP-Partner Varelmann mit einem Lösungsansatz auf der SAP Business Technology Platform. Er zielt darauf ab, die hochfragmentierten Prozesse in der Getränkeproduktion transparenter und nachvollziehbarer zu machen. Gemeinsam mit Co-Innovatoren aus der Branche entwickelte Varelmann eine SaaS-Lösung, die Prozessschritte über ein zentrales Cockpit bündelt – und dabei konsequent dem Clean-Core-Ansatz folgt. Derartige Lösungen entstehen nicht im Projektvakuum. Welche Entscheidungen sie tragen und welche sie begrenzen, zeigt sich erst im operativen Betrieb.
Go-Live als Auftakt der Transformation
„Der Go-Live beendet kein Transformationsprojekt. Vielmehr verschiebt er die Verantwortung vom IT-Projekt ins operative Geschäft“, bestätigt T.CON-Geschäftsführer Thomas Blöchl. Seine Erkenntnis aus vielfältigen Projekten in der Fertigungsindustrie: Wer vermeiden will, dass das Ergebnis nach dem Go-Live hinter den Erwartungen zurückbleibt, sollte Datenstrategie, Prozessgestaltung und Architekturentscheidungen von Beginn an gemeinsam betrachten.
Bedeutet konkret: Passen Daten zur operativen Realität? Wie weit kann Standardisierung im Werk gehen? Und welche Architekturentscheidung begrenzt spätere Anpassungen? Derartige Fragen bestimmen, ob SAP S/4HANA im Kern des Unternehmens wirkt oder lediglich als technischer Unterbau fungiert. „Egal, ob es um die EWM-Migration oder strategische Unternehmenssteuerung geht: Technologie kann die Plattform dafür schaffen. Ob sie wirkt, entscheiden aber die Menschen dahinter“, resümiert Maike Rose.
Auf der 24. IT-OnlineKonferenz geben SAP-Kunden und -Partner vom 04. bis 07. Mai umfassende Einblicke in konkrete Projekte aus Produktion, Logistik und Unternehmenssteuerung. Optimale Gelegenheit, den eigenen Wissenstand rund um die SAP-Transformation in der Industrie auszubauen. Folgende Konferenzbeiträge liefern wertvolle Informationen dazu:
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