SAP S/4HANA Public Cloud: Für wen lohnt sich das Modell wirklich?

Verschiedene Motive, gleiches Ziel: SAP Cloud ERP scheint für drei Arten von Unternehmen besonders attraktiv zu sein: Laut xSuite Group-Expertin Dina Ziems entscheiden sich vor allem Konzerngesellschaften mit Bedarf an schnellen Implementierungszyklen, Wachstumsunternehmen ohne SAP-Vorgeschichte sowie Unternehmen mit konsequenter Cloud-only-Strategie überdurchschnittlich häufig für das Public-Cloud-Modell. Welche Merkmale diese Archetypen auszeichnen und wann der SAP-Public-Cloud-Einstieg strategisch sinnvoll ist, erläutert sie in ihrem Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin.

 

User-Typen der SAP Public Cloud

Dina Ziems, Foto: Fotostudio Cornelia Hansen

SAP Cloud ERP, die Public-Cloud-Variante von SAP S/4HANA, erfordert einen anderen Ansatz als klassische On-Premises- oder Private-Cloud-Projekte: standardisierte Kernprozesse, saubere Erweiterungsmuster und Workflows sowie Integrationen auf Basis der SAP BTP. Noch sind SAP-Kunden, die diesem von SAP präferierten Kurs folgen, in der Minderzahl, dies zeigen unter anderem Befragungen der DSAG immer wieder. Bestimmte „Archetypen“ gibt es allerdings, für die die Public-Cloud-Variante genau das richtige zu sein scheint, wobei jeder seine eigenen Treiber und Motive hat. Es sind: die Satelliten, die Newbies und die Mutigen.

 

Satelliten: Agilität im Konzernkontext

In vielen Konzernen gibt es neben der Zentrale auch kleinere, spezialisierte Einheiten: Tochtergesellschaften, Landesgesellschaften, neu erworbene Unternehmen oder eigenständige Business Units. Diese „Satelliten“ haben andere Geschäftsmodelle, andere Anforderungen an Geschwindigkeit und Skalierbarkeit sowie überhaupt einen dynamischeren Innovationsrhythmus als ihre Muttergesellschaft. Wo diese ein hochindividualisiertes SAP-System mit komplexen Prozessen nutzt, brauchen sie eine Lösung, die im Standard funktioniert, mit geringem Aufwand, einheitlichen Abläufen und schnellen Implementierungszyklen – klingt wie eine Originalbeschreibung der SAP Public Cloud!

Typische Einsatzszenarien sind in den Konzern integrierte Start-ups (oder auch Buyouts), die zeitnah ein Basis-ERP benötigen, aber ohne die Last des hochindividualisierten Hauptsystems. Vertriebseinheiten, die auf einfache Stammdaten und durchgängige Order-to-Cash-Prozesse angewiesen sind, anders als Produktionsgesellschaften mit ihren komplexen Logistik- und Planungsprozessen. Kleinere Landesgesellschaften, die schnell standardisierte Rechnungsprozesse einführen und trotzdem lokale Anforderungen erfüllen müssen, etwa E-Invoicing-Regeln. Public Cloud plus BTP basierte Rechnungsworkflows bieten hier eine Kombination aus Konzernstandard und Flexibilität.

Mit der flexiblen Public Cloud können dynamisch arbeitende Einheiten solche neuen Prozesse schnell und ohne langen Vorlauf implementieren. Das System wächst mit dem Unternehmen mit, Wartungsaufwand fällt bei der zentral gehosteten Lösung nicht an.

 

Newbies: aus der Any-ERP-Welt ins SAP-Universum

Es gibt nicht nur Um-, sondern auch Einsteiger. Unternehmen in der Wachstumsphase stellen zumeist irgendwann fest, dass ihr bisheriges ERP den Anforderungen nicht mehr genügt: weder im Hinblick auf die Unternehmensgröße, noch auf Skalierbarkeit, internationale Expansion oder neue Compliance-Anforderungen. Gerade bei den Finanz- und Beschaffungsprozessen erfordert Wachstum eine Professionalisierung, die so nur noch SAP bereitstellt.

Diese Newbies sind froh, dafür keine überindividualisierte ERP-Landschaft benötigen zu müssen. Mit der SAP S/4HANA Cloud Public Edition öffnet sich ihnen ein Einstiegspunkt, der auf bewährten SAP-Standards aufbaut, Newcomern eine verlässliche Orientierung bietet und ihnen den Zugang zur SAP-Prozesslogik erleichtert. Gleichzeitig ist die Public Edition deutlich weniger komplex als die Private Edition, da sie bewusst stärker standardisiert ist und damit typische Einstiegshürden reduziert.

Prozesse werden weitgehend im Standard aktiviert, damit entfallen langwierige Konzeptions- oder Entwicklungsphasen. Die Lösung ist von Grund auf Releasefähigkeit ausgelegt, sodass Unternehmen kontinuierlich von neuen Funktionen profitieren, ohne eigene Upgrade-Projekte einplanen zu müssen. Gerade Firmen ohne SAP-Historie erkennen den damit verbundenen Vorteil: Zugriff auf jahrzehntelange SAP-Erfahrung zu erlangen, ohne gleichzeitig mit den typischen Altlasten historisch gewachsener SAP-Landschaften konfrontiert zu werden.

Wer mit der Rechnungsverarbeitung startet, kann die Vorteile der Public Cloud besonders schnell quantifizieren – etwa über gesteigerte Automatisierungsquoten, kürzere Durchlaufzeiten oder eine verbesserte Compliance-Dokumentation. Die Lernkurve SAP folgt einer eigenen Architektur- und Prozesslogik. Für Newbies ist daher ein intensiver Onboarding-Prozess entscheidend. Doch sobald das Verständnis etabliert ist, ermöglicht die Public Cloud einen strukturierten, klar geführten Einstieg.

 

Mutige: Direktwechsel von SAP ERP auf Public Cloud

Noch wählen die meisten langjährigen und intensiven SAP-Anwenderunternehmen die S/4HANA Private Edition als Umweg – oder Sprungbrett – in die Public Cloud. Sie sind nicht verzagt, aber dennoch kritisch-abwartend. Anders die Mutigen: Sie verfolgen häufig eine konsequente Cloud-only-Strategie, sind eher dienstleistungsorientiert oder dezentral organisiert, zumeist visionär und betrachten Cloud-ERP als Wettbewerbsvorteil. Die Public Cloud ist für sie weniger Einschränkung denn wahre Zukunftsarchitektur.

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Der direkte Wechsel erfordert ein hohes Maß an Offenheit und Veränderungsbereitschaft. Das heißt die Akzeptanz, dass nicht jeder etablierte Prozess in der bisherigen Form wird weitergeführt werden können. Liebgewonnene Customizing-Freiheiten müssen losgelassen werden, man muss bereit sein, sich auf eine klar strukturierte, stärker standardisierte Systemwelt einzulassen.

Trotz dieser Veränderungsanforderungen zahlt sich der direkte Schritt in die Public Cloud nach Beobachtungen in der Praxis langfristig aus. Er vermeidet zusätzlichen Aufwand einer Zwischenmigration über die Private Edition und damit eine doppelte Transformation. Man erhält schneller Zugang zu neuen Funktionen und technologischen Entwicklungen und schafft eine moderne Architektur, die künftige Anforderungen deutlich besser bewältigen kann.

Womit die meisten noch die größten Schwierigkeiten haben dürften: Gewohnte SAP-Prozesse und Funktionalitäten sind in der Public Cloud teilweise anders oder weniger flexibel verfügbar. Außerdem sind viele Add-ons noch nicht für die Public Cloud zertifiziert. Das ist ein kritischer Faktor bei der Lösungswahl, insbesondere in zentralen Prozessen wie der Rechnungsverarbeitung. Unternehmen sollten daher gezielt nach Lösungen suchen, die nachweislich für die SAP S/4HANA Cloud Public Edition freigegeben bzw. zertifiziert, Clean-Core-konform und BTP-basiert sind.

 

Wann lohnt sich die SAP Public Cloud wirklich?

Noch längst nicht alle Unternehmen, ob SAP-Neu- oder Bestandskunden, trauen bereits dem von SAP bevorzugten Public-Cloud-Modell. Drei Usertypen entscheiden sich aber überdurchschnittlich oft für diese Variante. So unterschiedlich auch deren Profile sind, so ähnelt sich ihre Kernaussage: SAP Cloud ERP bringt dann den größten Nutzen, wenn man den Public-Cloud-Ansatz konsequent annimmt, statt zu versuchen, alte Prozesse 1:1 nachzubauen.

Über die Autorin

Dina Ziems, Foto: Fotostudio Cornelia Hansen

Dina Ziems ist Senior Lead Marketing bei der xSuite Group GmbH. Sie verantwortet dort das Group- und Produktmarketing – mit voller Begeisterung für moderne Technologien und smarte Prozesse. Ihr Fokus liegt auf der digitalen Prozessautomatisierung, der gesetzeskonformen Umsetzung von Themen wie der E-Rechnungspflicht, der effizienten Rechnungsverarbeitung in SAP sowie den Potenzialen Künstlicher Intelligenz. Ihr Antrieb: Unternehmen fit für die Zukunft machen – mit innovativen Lösungen, die echten Mehrwert schaffen.

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