Erika Dean wird Chief Information Security Officer bei Tricentis
Erika Dean wird künftig als Chief Information Security Officer (CISO) die globale Sicherheitsstrategie bei Tricentis verantworten.
Redaktion
IT-OnlineMagazin
Veröffentlicht
20. April 2026
Lesezeit
7 Minuten
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Mit SAP Logistics Management (LGM) schließt SAP eine Lücke, über die viele Unternehmen in der Logistik seit Jahren sprechen: Zwischen zu groß und zu komplex auf der einen Seite und zu alt und zu begrenzt auf der anderen fehlte bislang eine moderne Option für kleinere und mittelkomplexe Standorte. Hier setzt SAP LGM an. Wichtig dabei ist: SAP LGM ist keine Ablöse, sondern eine Ergänzung. Um sie richtig einzuordnen, sollten Entscheider sie deshalb jetzt auf die Roadmap setzen. Logistik-Experte Christian Toth (FIS Informationssysteme und Consulting) schafft Orientierung in seinem Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin.
LGM trifft einen Nerv, weil es eine Lücke schließt, die viele Unternehmen seit Jahren spüren. Auf der einen Seite stehen leistungsfähige, aber eben auch anspruchsvolle Logistikbausteine für große, hochautomatisierte Lagerzentren. Auf der anderen Seite laufen kleinere Standorte häufig mit Lösungen, die irgendwie funktionieren, aber erkennbar in die Jahre gekommen sind – sei es in der Bedienbarkeit oder in der Funktionstiefe. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Müssen wir sofort umstellen?“, sondern “Wo in unserer Standortlandschaft passt SAP LGM – und wo nicht?”. Wer dies nicht prüft, riskiert entweder eine überdimensionierte Lösung in der Fläche oder hält länger als sinnvoll an Setups fest, die modernem Betrieb und zukünftigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden.
Was LGM aus unserer Sicht so relevant macht: Es richtet sich nicht an die High-Tech-Standorte mit Robotik, automatisiertem Materialfluss, fahrerlosen Transportsystemen und hoher Automatisierungslogik – für solche Distributionszentren ist LGM nicht gedacht. Seine Bühne sind regionale Logistik-Hubs und Standorte mit niedriger bis mittlerer Komplexität: Ersatzteillager, Produktionsversorgungslager, kleinere Lager in der Fläche, in denen pragmatische Prozesse zählen, schnelle Einarbeitung wichtig ist und niemand Budget hat, sich für einen überschaubaren Standort ein System-Paket einzukaufen, das für ein großes Zentrallager gebaut wurde.
Es wird dabei bewusst nicht mit Mengengerüsten argumentiert, weil Sendungsvolumen allein wenig über Komplexität aussagen. Entscheidend ist vielmehr, wie unterschiedlich die Realität an den Standorten ist: Ein großes Zentrallager beispielsweise braucht andere Mechaniken als ein Standort, an dem fünf bis zehn Leute arbeiten und morgens ab halb sechs schon die ersten Handwerker vor der Tür stehen. Dort muss man vielleicht Touren planen und Ladung grob sinnvoll zusammenstellen – aber nicht die volle Planungs- und Ausführungskomplexität eines großen Transportmanagements ausreizen.
Und damit sind wir bei der Kernbotschaft: LGM ist in den meisten Fällen keine Lösung statt etwas, sondern eine zusätzliche Lösung. Es passt als Ergänzung in eine gemischte Landschaft – und genau das ist der Punkt, den viele im Markt lange vermisst haben. Denn bisher standen Unternehmen mit vielen Standorten häufig vor einer unbefriedigenden Wahl: Entweder man rollt auch in der Fläche eine sehr große Lösung mit entsprechendem Aufwand aus – oder man hält an alten, schlanken Varianten fest, die zwar laufen, aber nicht mehr in die Zeit passen. Das betrifft insbesondere Standorte, die historisch mit WM-/Stock Room-Management-Setups oder abgespeckten Lagerfunktionen betrieben werden, weil groß früher nicht gepasst hat.
Die Frage „Woran erkenne ich, ob wir überhaupt in diese LGM-Landschaft passen?“ lässt sich für Entscheider pragmatisch auf wenige Punkte verdichten:
Spannend ist dabei ein typisches Bild aus der Praxis: Ein Unternehmen kann ein großes, hochautomatisiertes Zentrallager haben, für das weiterhin die großen Logistikbausteine gesetzt sind – und zusätzlich eine ganze Reihe regionaler Standorte, für die LGM genau richtig ist. Weil es einfacher zu bedienen ist, nicht kompliziert wirkt und dennoch die Kernanforderungen abdeckt. Dass das nicht nur Theorie ist, zeigt der Blick auf konkrete Konstellationen: Ein Zentrallager mit hoher Automatisierung ist kein LGM-Terrain. Aber die vielen kleineren Lagerstandorte, in denen jeweils fünf bis zehn Leute arbeiten, sind plötzlich genau die Kategorie, in der sich Unternehmen fragen: Warum halten wir hier eigentlich an alten Lösungen fest – nur weil uns die Alternative bislang zu groß war?
Um aber realistisch zu bleiben: Niemand sollte jetzt hektisch Projekte starten, nur weil es eine neue Lösung gibt. Wer bereits auf SAP S/4HANA ist, alle Standorte gut modernisiert hat und in der Fläche stabil arbeitet, wird nicht einfach so umstellen. LGM ist kein Selbstzweck. Interessant wird es dort, wo ohnehin Bewegung in der Roadmap ist – und das ist bei vielen Unternehmen gerade der Fall. Denn wer eine Transition plant oder noch Altbestand mitschleppt, sollte LGM jetzt zumindest sauber einordnen, statt es später zwischen Tür und Angel einzuführen.
Die Frage nach der idealen Zeitachse? Es gibt selten den einen Stichtag – aber es gibt Handlungsdruck aus der Realität: Alte Lösungen, wenig Weiterentwicklung, schwierige Beraterverfügbarkeit, unmoderne Bedienlogik. Und es gibt Roadmap-Zwänge, die man nicht wegdiskutieren kann: LGM kann nicht vor einer S/4HANA-Umstellung umgesetzt werden, weil es eben erst ab S/4 greift. Wer also ohnehin Transition-Projekte plant, sollte das Thema rechtzeitig in die Planung ziehen – nicht, um Cloud-Grundsatzdebatten zu führen, sondern um Folgeprojekte zu vermeiden. Wenn Lager und Transport nacheinander und unkoordiniert angefasst werden, entstehen schnell doppelte Anpassungen, unnötige Schleifen und Projekte, die sich gegenseitig behindern.
Die Frage: „IT oder Logistik – wer wird zuerst aktiv?“ lässt sich pragmatisch beantworten. Der Impuls kommt häufig über die IT, weil SAP-Kommunikation dort aufschlägt. Die eigentliche Bewertung muss aber gemeinsam erfolgen. LGM ist weder reines IT- noch reines Logistik-Thema. Wer es nur auf einer Seite parkt, bekommt am Ende entweder eine Systementscheidung ohne Prozessrealität oder Prozesswünsche ohne technische Roadmap.
Auch auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit gibt es eine klare Antwort: LGM ist nicht automatisch eine Pflichtmodernisierung, aber es kann ein klarer Hebel sein. Für gut organisierte Unternehmen heißt das: effizienter werden, fehlerärmer, transparenter. Für sehr analoge, papierlastige oder stark vereinfachte Setups kann der Effekt deutlich spürbarer sein, weil das System dort erstmals Prozesse korrekt abbildet, Bestände sauberer führt und Abläufe stabiler macht. Entscheidend ist also nicht der Produktname, sondern die Ausgangslage.
Unsere Empfehlung lässt sich so zusammenfassen: LGM gehört jetzt als Bewertungs- und Roadmap-Thema auf die Agenda. Nicht als hektische Einführung, sondern als strukturierte Einordnung: Welche Standorte haben welche Komplexität? Wo ist groß überdimensioniert? Wo ist alt nicht mehr zukunftsfähig? Und wie plant man das so, dass Lager- und Transportthemen zusammenpassen, statt sich in Folgeprojekten zu verlieren? Genau dafür braucht es eine fundierte Standort- und Prozesssicht – etwa in Form eines strukturierten Checks, der die Landschaft segmentiert und in klare Handlungspfade übersetzt, d.h. Orientierung geben, Komplexität rausnehmen, und die Entscheidung leichter machen, wann und wie LGM sinnvoll wird.
Über den Autor:
Als Lead Sales Expert SAP Logistics bei der FIS Informationssysteme & Consulting GmbH unterstützt Christian Toth Unternehmen dabei, ihre Prozesse in der Lagerlogistik und im Transportmanagement bedarfsgerecht zu optimieren. In seinen Beiträgen teilt er Erfahrungen aus realen Projekten, zeigt typische Stolpersteine auf und gibt umsetzbare Tipps für SAP‑gestützte Logistikvorhaben.
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