
Dirk Häußermann ist seit Januar 2026 der neue Geschäftsführer von SAP Deutschland. Mit Michael Fuchs (Senior SAP-Analyst, IT-OnlineMagazin) spricht Dirk Häußermann über seinen Werdegang, seine Prioritäten, seine Sicht auf den deutschen Markt und seine persönlichen Ziele für 2026.
Vom dualen Studium zur SAP-Geschäftsführung
Michael Fuchs: Zum Start würde mich natürlich interessieren: Was hast Du vor Deiner SAP-Zeit gemacht?
Dirk Häußermann: Ich könnte jetzt scherzhaft sagen: Das steht alles in meinem LinkedIn-Profil. Aber im Ernst: Im Kern ist es ein durchgängiger IT-Lebenslauf.
Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert – dual bei IBM. Dort war ich viele Jahre tätig, unter anderem als Vertriebsleiter und Vertriebsdirektor. Anschließend bin ich zur Heiler Software AG gewechselt, einem mittelständischen Unternehmen mit Fokus auf Product Information Management. Als ich dort startete, hatte das Unternehmen rund 120 Mitarbeitende. Gemeinsam mit dem Gründer haben wir die Firma weiterentwickelt und schließlich an Informatica verkauft – ein deutlich größeres, international aufgestelltes Technologieunternehmen mit starkem Fokus auf Integration und Datenmanagement.
2017 bin ich zu SAP gewechselt und habe in Mittel- und Osteuropa die Verantwortung für das übernommen, was wir heute als Business Technology Platform bezeichnen. Nach vier Jahren SAP folgte ein Ausflug als Co-CEO zur Atoss Software nach München, einem SDAX-Unternehmen im Bereich Workforce Management. 2024 bin ich dann zu SAP zurückgekehrt, zunächst mit Verantwortung für die Business Suite in Mittel- und Osteuropa – und seit dem 1. Januar nun als Geschäftsführer von SAP Deutschland.
Wenn man es zusammenfasst: unterschiedliche Unternehmensgrößen, unterschiedliche Unternehmenshistorien – aber immer mit klarem Fokus auf Technologie, Daten, Integration und auf die Region Deutschland, DACH oder Mitteleuropa.
Klares „Ja“ zur Rolle als SAP-Deutschlandchef
Michael Fuchs: Wenn man eine solche Rolle angeboten bekommt – Geschäftsführer SAP Deutschland – gehen einem sicher viele Dinge durch den Kopf. Was hat Dich letztlich bewogen, Ja zu sagen?
Dirk Häußermann: Der entscheidende Faktor war meine Begeisterung für SAP. Und als Deutscher ist die Verantwortung für die deutsche Market Unit natürlich besonders reizvoll.
SAP spielt im Heimatmarkt eine herausragende Rolle. Seit über 50 Jahren gestalten wir hier Unternehmensprozesse mit. An der Transformation des eigenen Unternehmens ebenso mitzuwirken, wie an der Transformation unserer Kunden und Partner – und damit letztlich auch an der Zukunft des Standorts Deutschland – das ist eine enorme Chance.
Hinzu kommt die aktuelle technologische Entwicklung rund um KI – da werden Spielregeln ganz neu geschrieben. In so einer Situation Verantwortung zu übernehmen, da musste ich nicht lange überlegen, sondern habe gerne gleich Ja gesagt.
Fokus auf Dialog, Wertbeitrag, Cloud und KI
Michael Fuchs: Wir stehen vor dem ECC-Supportende, aber die wirtschaftliche Situation der Unternehmen ist herausfordernd. Welche Prioritäten setzt Du in dieser Situation?
Dirk Häußermann: Erstens: den Dialog intensivieren. Auch wenn ich viele Themen aus meiner bisherigen Verantwortung kenne, ist es mir wichtig, die aktuellen Herausforderungen unserer Kunden und Partner noch genauer zu verstehen. SAP ist historisch stark geworden, weil wir eng mit unseren Kunden gearbeitet haben. Unsere Gründer haben das Produkt direkt beim Kunden programmiert – diese Nähe hat sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte gezogen.
Zweitens: den Wertbeitrag unserer Lösungen klarer herausstellen. Es geht nicht um Technologie um der Technologie willen, sondern um konkreten Nutzen.
Und drittens: konsequenter Fokus auf Cloud-Transformation und Business AI. Das Ende der ECC-Wartung wird häufig als Problem diskutiert. Ich sehe es strategischer: Ohne Cloud gibt es keine nachhaltige Innovationsfähigkeit. Und ohne Cloud fehlt die Grundlage für KI. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, braucht diese Basis.
Deutscher Markt: Anspruchsvoll und chancenreich
Michael Fuchs: Der deutsche Markt gilt als anspruchsvoll. Du warst für SAP auch in internationaler Rolle unterwegs. Wo siehst Du die Unterschiede, was ist speziell in Deutschland oder in der DACH-Region?
Dirk Häußermann: Die Anforderungen sind hoch – aber das gilt auch in anderen Ländern. Speziell ist vor allem, dass Deutschland unser Heimatmarkt ist. Viele Kunden begleiten wir seit Jahrzehnten. Diese gewachsenen Partnerschaften schaffen eine besondere Tiefe.
Natürlich spielen Themen wie Datenschutz, Regulatorik, souveräne Cloud oder branchenspezifische Lösungen für regulierte Sektoren in Deutschland eine wichtige Rolle. Gleichzeitig aber haben wir hier eine beeindruckende Unternehmenslandschaft: globale Konzerne ebenso wie Hidden Champions im Mittelstand, die in ihren Nischen Weltmarktführer sind.
Oft wird sehr kritisch auf den Standort Deutschland geschaut. Aber ich glaube, wir haben hier eine enorme Power und ein großes Potenzial in unseren Unternehmen. Wenn wir das gemeinsam nutzen, sehe ich eine sehr gute Zukunft für alle Beteiligten.
Innovationsadoption: Vorteile für Bestandskunden
Michael Fuchs: Die Adoption von Cloud, SAP BTP oder der Clean-Core-Strategie von SAP ist ein Riesenthema. Wenn du das aus deiner früheren Rolle auf MEE-Ebene siehst, wie siehst Du das im Vergleich mit dem deutschen Markt?
Dirk Häußermann: In meiner Verantwortung für Mittel- und Osteuropa – also inklusive DACH – habe ich gesehen: hier gibt es Märkte, die sehr ähnlich sind wie Deutschland, aber auch solche, die sich erst entwickeln.
Von daher glaube ich, dass viele der Unternehmen, die hier in Deutschland auch schon langjährig mit uns zusammenarbeiten, einen echten Sprung nach vorne gemacht haben oder die von Dir genannten Themen sehr schnell anpacken können. Aber auch Unternehmen, die bislang keine SAP Systeme im Einsatz hatten, profitieren von der Strategie – unsere Lösung GROW with SAP schafft schnell die Basis für nachhaltiges Wachstum.
Verlässlichkeit und Gestaltungskraft als Ziel
Michael Fuchs: Wenn Du ans Ende 2026 schaust – was sollen Kunden, Partner, Mitarbeitende über die Person Dirk Häußermann dann sagen? Was wäre Dein Wunsch?
Dirk Häußermann: Dass sie in mir einen Geschäftsführer haben, der verlässlich vorangeht und der gemeinsam mit Kunden und Partnern die SAP-Strategie zum Leben erweckt. Mein Maßstab ist, auf Entwicklungen nicht nur zu reagieren. Ich möchte aktiv gestalten – gemeinsam mit unserem Ökosystem. Dabei gilt es, Mehrwerte für alle Beteiligten zu schaffen. Es muss eine Win-win-Situation entstehen, das ist die Grundlage für langfristige Partnerschaften. Ich denke, wir machen hier schon einen guten Job – und wenn wir in einem Jahr sagen können, dass sich das gut fortgesetzt hat, dann wäre ich zufrieden.
Michael Fuchs: Dann vielen Dank für das Gespräch, Dirk – und wir werden die Entwicklung seitens des IT-OnlineMagazins natürlich aufmerksam verfolgen!
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