Warum SAP-Supply-Chain-Planung nur gemeinsam mit dem Business gelingt

Veröffentlicht

25. September 2026

Lesezeit

5 Minuten

Antonia-Maria Ring msg systems AG

Antonia Maria Ring

msg systems AG

Warum SAP-Supply-Chain-Planung nur gemeinsam mit dem Business gelingt

Foto: Peopleimages -YuriArcurs

Was tun, wenn das neue Planungssystem live ist – und Liefertermine trotzdem unsicher bleiben, Engpässe zu spät erkannt werden und Vertrieb, Supply Chain und Produktion aneinander vorbei arbeiten? Aus der Erfahrung von Antonia Maria Ring und Daniel Hirtreiter (beide msg) passiert genau das, wenn SAP-Projekte im Supply-Chain-Management als reine IT-Vorhaben behandelt werden. Ihr Gastbeitrag für das IT-OnlineMagazin steht daher unter der Prämisse: „IT-Projekte gibt es nicht mehr – nur noch IT-Business-Projekte“. Denn der Wechsel des Werkzeugs allein verändert weder Entscheidungen noch Zusammenarbeit.


Supply-Chain-Planung: Warum reine IT-Projekte scheitern

Ob Bedarfsplanung, S&OP, verfügbarkeitsbasierte Auftragsbestätigung oder integrierte Produktions- und Distributionsplanung – all das sind Geschäftsprozess-Projekte mit IT-Unterstützung, keine IT-Projekte mit Business am Rande. Doch auch heute noch starten viele Unternehmen, die eine durchgängige End-to-End-Planung einführen wollen, mit einem technischen Zielbild: ein System, ein Datenmodell, ein Rollout-Plan. Hier liegt der Fehler. Erfolgreiche Transformation entsteht, wenn Value Stream Leads von Beginn an die Führung übernehmen – weil sie Prozesse, Entscheidungen und Ergebnisse verantworten, Silos überwinden und IT mit Business verbinden.

Der Business-Value ist die informierte Planungsentscheidung des Planers vor dem System. Diese muss im Einklang mit der Geschäftsstrategie stehen – eine Herausforderung, die für nachhaltigen Erfolg entscheidend ist. Für APS-Implementierungen wie SAP IBP, SAP PP/DS, Kinaxis, o9 oder OMP sind diese Thesen durch Analystenforschung belegt. Gartner prognostiziert: Bis 2028 liefern 60 Prozent aller digitalen Supply-Chain-Adoptionsvorhaben den versprochenen Wert nicht.

Hauptursache sind unzureichende Investitionen in Skill-Aufbau und Weiterbildung, nicht die Technologie (Gartner Newsroom, Mai 2025). Und laut Supply Chain Management Review, April 2025, nennen 45 Prozent der Supply-Chain-Planungsverantwortlichen aktive Stakeholder-Kommunikation über den S&OP-Wertbeitrag als eine der drei wirkungsvollsten Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung.

Was Studien und die Praxis sagen

Das Problem liegt selten in der Technologie, sondern in Governance-Lücken, unklaren Entscheidungskompetenzen, mangelhafter Daten-Ownership und unzureichender Systemeinbindung. Ein technisch sauberes System, das reale Entscheidungswege nicht abbildet, wird umgangen – mit Excel-Schatten-Prozessen und Rückkehr zur alten Arbeitsweise. Verbesserungen entstehen nicht durch Software allein, sondern dadurch, dass Menschen neue Prozesse nutzen, ihnen vertrauen und in Entscheidungen einbauen.

Studien, Aussagen führender Analystenhäuser und Praxiserfahrungen von SAP-Kunden untermauern dies:

  • Gartner Newsroom, August 2024: 76 Prozent der Transformationsvorhaben scheitern an Budget-, Zeit- oder KPI-Zielen. Führungskräfte, die Widerstand aus der Organisation aktiv als Erkenntnisquelle nutzten und ihre Teams von Beginn an einbanden, erhöhten die Erfolgswahrscheinlichkeit um 62 Prozent – ein rein direktiver, technologiegetriebener Führungsstil senkte sie dagegen um 47 Prozent.
  • McKinsey & Company: 60 Prozent der Supply-Chain-Planungs-IT-Projekte erreichen ihre Ziele nicht. Hauptgründe: schlecht gestaltete Prozesse, fehlende Fähigkeiten, unzureichendes Change Management – nicht die Software.
  • Praxisbeispiel SLB: SLB verbesserte mit SAP IBP die Forecast-Genauigkeit von unter 50 Prozent auf rund 90 Prozent, reduzierte die Lagerbestandsreichweite um 37 Prozent und erzielte über vier Jahre mehr als 1 Milliarde US-Dollar Einsparungen. Entscheidend waren End-to-End-Prozesse und Change Management; Die Digitalisierung mit SAP IBP ermöglichte dies (SAP Newscenter).

Bedeutung für SAP IBP, ePP/DS und aATP

In E2E-Planungsprojekten geht es um Geschäftsentscheidungen mit finanzieller und kundenseitiger Tragweite. Wie viel Bestand wird vorgehalten? Welche Aufträge werden bei Engpässen priorisiert? Wie werden Lager-, Produktions- und Distributionsentscheidungen synchronisiert? Unternehmen, die IBP als Enabler für eine neu gedachte Prozesslandschaft nutzen, erzielen belastbare Ergebnisse.

Die fünf häufigsten Fehler:

  1. IT-Projekte als Bestellung, nicht als Transformation. Anforderungen werden isoliert geliefert, ohne bereichsübergreifende Validierung. Das System erfüllt Anforderungen, bildet aber nicht die bereichsübergreifende Entscheidungslogik ab.
  2. Kein Business-Sponsor mit Entscheidungsmacht. Zielkonflikte landen im Projektteam statt auf Entscheide-Ebene.
  3. Change Management als Nachgedanke. 30 bis 45 Prozent der SAP-IBP-Projekte überschreiten Zeitplan oder Budget oder liefern nicht die erwarteten Ergebnisse. Schulung und Change Management werden als Checkliste behandelt (Techbrainz Consulting, Juni 2026).
  4. Erfolgsmessung endet am Go-Live. Erfolg wird an Termin-, Budget- und technischer Fertigstellung gemessen, nicht an Nutzung und Wirkung.
  5. Digitalisierung statt Neugestaltung. Historische Planungslogiken werden unverändert übertragen. Der ineffiziente Prozess wird lediglich schneller und teurer.

Eine „Transformationszelle“ mit Entscheidungsbefugnis schaffen

Bereits drei Maßnahmen erhöhen die Erfolgswahrscheinlichkeit von SAP IBP-, ePP/DS- und aATP-Projekten drastisch:

  1. Besetzung des Projekts mit einem Business-Sponsor, der Zielkonflikte zwischen Vertrieb, Produktion und Supply Chain während der Konzeptionsphase verbindlich entscheidet.
  2. Change Management ist als eigenständigen Workstream mit eigenem Budget aufzusetzen – parallel zur technischen Implementierung.
  3. Das Projekt muss als Transformationsprojekt gedacht werden – nur so bietet sich die Chance, den Planungsprozess zu überdenken, Silos aufzulösen und Finanzen, IT, Vertrieb und Supply Chain eng zu verzahnen.

Nur ein interdisziplinäres Team – eine Transformationszelle – mit qualifizierten Mitarbeitern, Budget und Entscheidungsbefugnissen kann nachhaltige Veränderung verankern. Gartner beschreibt dies als „Fusion Teams“: Technologie- und Prozessverantwortung wird dauerhaft geteilt (Gartner, 2021).

Bereits in der Konzeptionsphase sollten organisatorische Umstrukturierungen mitberücksichtigt werden – etwa ein dauerhaftes Planungsteam, das die Weiterentwicklung auch nach Go-Live gemeinsam verantwortet.

IT-Projekte im klassischen Sinn gibt es in der Planungswelt nicht mehr. Es gibt nur noch IT-Business-Projekte – und ihr Erfolg entscheidet sich in den Köpfen und Entscheidungen der Menschen, die die neuen Prozesse tragen müssen.

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Entscheider-Guide: So starten Sie Ihre Transformation

Wer sich vor einem APO-Transformationsprojekt befindet, findet hier weitere Informationen und praktische Entscheidungshilfen. Nutzen Sie diese Ressourcen, um Ihre Planungstransformation strategisch, organisatorisch und technisch erfolgreich zu gestalten:

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Antonia-Maria Ring msg systems AG

Antonia Maria Ring

Antonia-Maria Ring ist Principal Business Consultant und leitet das Center of Excellence Supply Chain Planning bei der msg systems AG. Seit über 10 Jahren ist sie im Bereich Supply Chain Planning tätig, wo sie sowohl Industrieerfahrung als auch Beratungserfahrung gesammelt hat. Ihre Leidenschaft liegt im Bereich integrierter Planungsprozesse, wo System und Geschäftsprozess zusammenfinden und Mehrwert liefern.

Daniel Hirtreiter msg systems AG

Daniel Hirtreiter

Daniel Hirtreiter ist Lead Business Consultant bei msg systems und begleitet Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihrer Lieferketten- und Produktionsprozesse. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf SAP-Transformationen, Supply-Chain-Planung sowie dem praxisnahen Einsatz künstlicher Intelligenz in industriellen Wertschöpfungsketten.

In seiner Arbeit verbindet er technisches Verständnis mit einem klaren Blick für betriebliche Entscheidungsprozesse. Er entwickelt und erprobt neue Ansätze unter anderem mit Python, Simulationen und KI-Prototypen – stets mit dem Ziel, aus besseren Informationen tragfähige Entscheidungen und wirksame Veränderungen im Unternehmensalltag abzuleiten.

 

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