Maike Rose: Viele Arbeitnehmer fürchten trotzdem, dass KI und Automatisierung sie ersetzen wird. Wie schätzen Sie das ein?
Stephan Brand: Die Einführung von KI in eine große Organisation beeinflusst nicht nur die Ablauf-, sondern auch die Aufbauorganisation. Bedeutet: Automatisiert man Prozesse, werden Teams, die diese Prozesse vorher umgesetzt haben, eventuell nicht mehr benötigt. Repetitive Tätigkeiten in der Fertigung übernehmen bei uns beispielsweise inzwischen humanoide Roboter. War das ein toller Job für die Menschen, die das vorher gemacht haben? Nicht unbedingt.
Unser Ziel ist, Mitarbeiter zu entlasten und weiterzuentwickeln, nicht zu ersetzen. Mitarbeiter gehen mit den aktuellen Veränderungen unterschiedlich um. Es gibt die, die verharren und mit der alten Axt immer fester auf immer dicker werdende Bäume einschlagen. Und es gibt die, die sagen, ich schärfe lieber die Axt. Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne in der Organisation Change-Management betreibt und seinem Umfeld – um im Bild zu bleiben – die Vorteile einer scharfen Axt vermittelt. Diese Aufgabe wird häufig unterschätzt.