Interviewserie: Welche Kompetenzen SAP-Fachkräfte im KI-Zeitalter brauchen

Veröffentlicht

25. August 2026

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5 Minuten

Redaktion IT-OnlineMagazin

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SAP-Karriere was ändert sich

Foto: Shironosov, Getty Images

Business AI, autonome Agenten und eine beschleunigte Cloud-Transformation verändern SAP-Projekte grundlegend. Unsicherheit und Angst prägen derzeit den Karriere-Markt rund um SAP. Der Karriere-Roundtable des IT-OnlineMagazins liefert darauf einen 360-Grad Blick. Er beleuchtete im Juli aus Sicht von SAP-Kunde, Personaldienstleister, Hochschule und SAP selbst, welche Kompetenzen Fachkräfte künftig brauchen.

Stephan Brand (CDO Bosch Mobility), Jan Kuhfuss (Head of Customer Engagement & Adoption, SAP Deutschland), Prof. Dr. Dietmar Kilian (MCI Internationale Hochschule), Dr. Michael Fuchs (CEO dr. Fuchs Personalberatung) und Maike Rose (Chefredakteurin IT-OnlineMagazin) diskutierten über die aktuellen und zukünftigen Anforderungen des SAP-Arbeitsmarkts im KI-Zeitalter. Der einhellige Tenor der Runde: Klassische Rollen verschwinden nicht, sondern entwickeln sich weiter, während parallel neue Profile entstehen. Es gilt einiges zu beachten, um mit den aktuellen Entwicklungen mithalten zu können.

Welche neuen Rollen im SAP-Umfeld entstehen

Jan Kuhfuss SAP Deutschland spricht über SAP-Karrieren
Jan Kuhfuss, Foto: SAP

So ist Jan Kuhfuss (Head of Customer Engagement & Adoption Germany und Mitglied der Geschäftsleitung bei SAP Deutschland) sicher, dass Datenkompetenzen im KI-Zeitalter stärker denn je gefragt sein werden. Vor allem Business Data Strategists and Advisors dürften seiner Meinung nach künftig eine tragende Rolle spielen. „Daten bilden die Grundlage dafür, dass eine KI funktionieren und eigenständig Entscheidungen treffen kann“, so der SAP-Experte. „Deshalb braucht es Menschen, die Daten nicht nur auswerten, sondern auch semantische Daten für die KI erzeugen können.“

Weitere zukunftsorientierte Rollen aus SAP-Sicht könnten sein: 

  • der AI Quality Assurer, der Ergebnisse von KI-Systemen prüft,
  • der AI Adoption Lead, der den Reifegrad der Nutzung misst,
  • sowie der AI Process Owner als Weiterentwicklung klassischer Fachbereichsrollen.

Mit Blick auf die von SAP definierten ethischen KI-Grundsätze hält Kuhfuss zudem eine Ethics-and-Governance-Funktion für zentral.

Stephan Brand Bosch Mobility beim SAP Karriere-Roundtable
Stephan Brand, Foto: Bosch Mobility

Auch für Bosch Mobility-CDO Stephan Brand ist Governance alles andere als ein Nebenschauplatz. Deshalb entwickelt der Mobilitätsdienstleister aktuell die Rolle des „Process AI Architekten“. Sie stellt die Weichen dafür, dass sich Prozessexperten zu KI-Experten weiterentwickeln und Prozessverantwortliche beim Einsatz von Agenten kompetent unterstützen können. Ein wichtiger Aspekt: Immerhin treibt Bosch Mobility derzeit eine der größten S/4HANA-Transformationen voran. „Wir haben in unserem ERP-System keinen Spielraum für Halluzinationen. Das ist unser Book of Records und das muss korrekt sein“, so Brand. 

SAP-Karriere: Warum Erfahrung schwerer wiegt als früher

Dirk Kilian MCI Internationale Hochschule
Prof. Dr. Dietmar Kilian, Foto: MCI Hochschule

Insgesamt, so beobachtet Personalberater Dr. Michael Fuchs, verschärfen sich die Anforderungen der Unternehmen an SAP-Fachkräfte. Gesucht seien vor allem Architekten mit Erfahrung in End-to-End-Prozessen und Datenintegration, während klassische Aufgaben weitgehend unverändert bleiben. „Erfahrene Projektleiter und Architekten sind aktuell sehr gefragt“, so seine Praxiserfahrungen. An der Nachfrage nach anderen Rollen habe sich dagegen aktuell kaum etwas geändert.

Für den Fachkräftenachwuchs eine eher schlechte Nachricht: „Aktuell ist vor allem Erfahrung gefragt. Und die bringen junge Berufseinsteiger naturgemäß weniger mit“, bestätigt Prof. Dr. Dietmar Kilian von der MCI Internationalen Hochschule. Die Nachfrage nach jungen Talenten im SAP-Umfeld sei gegenüber den Vorjahren deutlich gesunken, weil Unternehmen zunehmend Erfahrung voraussetzen. Hochschulen reagieren mit mehr Praxisprojekten und einer stärkeren Nutzung kostenloser SAP-Zertifizierungsangebote.

Welche Soft Skills für SAP-Karrieren jetzt entscheidend werden

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass technisches Wissen allein nicht reicht. Kilian nennt Zuhören und das Stellen der richtigen Fragen als Schlüsselkompetenz, die im Umgang mit Kunden ebenso zählt wie im Prompting von KI-Systemen. Fuchs ergänzt, gefragt seien vor allem Problemlöser mit Verantwortungsbewusstsein, nicht bloße Technologie-Enthusiasten. Brand wünscht sich vor allem Mitarbeitende, die nach vorne schauen und nicht im Status Quo verharren.

Wie IT und Fachbereich künftig zusammenarbeiten müssen

Michael-Fuchs
Dr. Michael Fuchs, Foto: Dr. Fuchs Personalberatung

Das Thema KI macht sich auch bei der Verschmelzung von IT und Fachbereich bemerkbar: „Wenn Fachbereiche ohne IT-Beteiligung eigene Agenten bauen, kann das schnell zu Governance-Problemen führen“, befürchtet Brand.

Eine Sorge, die Jan Kuhfuss aus SAP-Sicht und eigener Erfahrung bestätigen kann. Bei einem Kunden agierte ein ohne IT-Unterstützung gebauter Agent auffällig fehlerhaft: „Dinge, die für uns selbstverständlich sind – wie etwa Berechtigungsmanagement, auditierte, geprüfte Prozesse oder Zugriffsrechte – haben diesen Agenten gar nicht groß interessiert“, berichtet er und plädiert deshalb für den Einsatz standardisierter, auditierter Entwicklungsplattformen, auf denen Fachbereich und IT gemeinsam Agenten bauen.

Erkenntnisse für SAP-Fachkräfte und HR-Verantwortliche

Die Diskussion zeigt vor allem, dass Vieles, was aktuell unter dem Label KI verhandelt wird, im Kern eine Weiterentwicklung altbekannter Themen ist. Nur das Tempo und der Handlungsdruck sind heute deutlich höher als früher. Dazu kommt: Wer als SAP-Fachkraft langfristig relevant bleiben will, muss die eigene Datenkompetenz in Kombination mit Prozessverständnis und klassischen Kommunikationsfähigkeiten konsequent weiter ausbauen.

Interviewserie

Wie verändert KI SAP-Karrieren? Unsere Interviewserie beleuchtet diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

  1. Die Hersteller-Perspektive | Jan Kuhfuss (SAP)
  2. Die Unternehmens-Perspektive | Stephan Brand (Bosch Mobility)
  3. Die Wissenschafts-Perspektive | Prof. Dr. Dietmar Kilian (MCI) – folgt
  4. Die Personalberatungs-Perspektive | Dr. Michael Fuchs /dr. Fuchs Personalberatung) – folgt

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