Interviewserie: Wie verändert KI SAP-Karrieren? Die Hersteller-Perspektive

Veröffentlicht

01. September 2026

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5 Minuten

Redaktion IT-OnlineMagazin

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Jan Kuhfuss und Maike Rose über SAP-Karrieren

Jan Kuhfuss (SAP Deutschland) im Gespräch mit Maike Rose (IT-OnlineMagazin), Foto: SAP | IT-OnlineMagazin

Bei unserem SAP-Karriere-Roundtable diskutierten im Juli 2026 Experten von SAP, SAP-Anwenderunternehmen, Personalvermittlung und Hochschulen, wie KI das Arbeiten im SAP-Umfeld künftig verändern wird. Im Rahmen unserer Interview-Serie erklärt Jan Kuhfuss, Head of Customer Engagement and Adoption bei SAP Deutschland, welche Rollen derzeit besonders gefragt sind und wie Jobstarter und -Experten ihre SAP-Karrieren aktiv gestalten können.


Worauf müssen sich SAP-Fachkräfte in Zukunft einstellen?  

Maike Rose: Jan, wo wird KI die Arbeit im SAP-Umfeld in den kommenden Jahren am stärksten verändern?

Jan Kuhfuss: Das lässt sich bei der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit nur schwer abschätzen. Denn drei bis fünf Jahre sind im KI-Zeitalter ein wahnsinnig langer Zeitraum. Trotzdem gibt es aus unserer Sicht fünf relevante Aspekte, die Unternehmen und SAP-Fachleute unbedingt auf dem Schirm haben sollten:

  1. Joule als immer wichtigere Benutzeroberfläche
  2. die Autonomous Suite mit Agenten in den Business-Dimensionen
  3. branchenspezifische KI-Anwendungen
  4. die SAP Business AI Platform als sichere Umgebung für den Geschäftskontext
  5. veränderte Arbeitsgrundlagen: Statt Lift-and-Shift oder Upgrade werden künftig AI-Agenten die Projektarbeit prägen.

Wie verändert KI den Expertenbedarf im SAP-Kosmos?

Maike Rose: Welche neuen Rollen entstehen dadurch im SAP-Umfeld?

Jan Kuhfuss: Zunächst einmal vorab: Ich gehe nicht davon aus, dass bestehende Rollen komplett wegfallen. Aber sie verändern sich. Wir werden weiter Finanzen, Einkauf, Supply Chain, Personalwesen und Vertrieb sehen, aber mit tiefem Branchen- und Prozesswissen, um KI-Anwendungen sinnvoll einzusetzen und regulatorische Logik einzuhalten.

Wir sehen aber vor allem im Datenkontext auch etliche neue Rollen. Aktuell im SAP-Umfeld sehr stark nachgefragt sind beispielsweise Business Data Strategists and Advisors. Im Gegensatz zum herkömmlichen BW-Berater, werten sie vorhandene Daten nicht nur aus, sondern sind in der Lage semantische Daten für die KI-Nutzung zu erzeugen. Sie schaffen also die Grundlage dafür, dass eine KI funktioniert und Entscheidungen treffen kann. Weitere Rollen mit Zukunft könnten sein

  • der AI Quality Assurer, der sicherstellt, dass die KI die richtigen Dinge tut,
  • der AI Adoption Lead, der die Nutzung im Unternehmen misst,
  • und der AI Process Owner als Weiterentwicklung der klassischen Fachbereichsrolle.

Ein weiteres Arbeitsfeld, das oft unterschätzt wird: Wir brauchen jemanden, der die Ethics-and-Governance-Struktur sicherstellt. Gerade in Europa spielt das eine große Rolle.

Bedroht KI im SAP-Umfeld menschliche Arbeitsplätze?  

Maike Rose: Braucht es in einem „Autonomous Enterprise“ überhaupt noch den Menschen?

Jan Kuhfuss:  Das ist eine Frage, die viele Menschen bewegt, auch weit über das Geschäftsleben hinaus. Allein dass wir diese Frage überhaupt stellen können, zeigt schon den Faktor Mensch. Diese Fähigkeit, Prozesse und Entscheidungen zu hinterfragen, unterscheidet uns von Maschinen. Der Mensch legt die Richtung fest, die KI übernimmt die Ausführung. Das sollte der Anspruch im Geschäftsleben sein. Bildlich gesprochen: Der Mensch arbeitet wie ein Dirigent in einem guten Orchester. Kontrolle und Zusammenspiel bleiben bei dem, der den Takt vorgibt.

Ziel des „Autonomous Enterprise“ ist es, Mitarbeitende von repetitiven Aufgaben zu befreien, damit sie sie sich strategischeren, wertschöpfenderen Aufgaben widmen können. Das sollte aktuell das Ziel in jedem Unternehmen sein.

Maike Rose: Wie verändert sich die Zusammenarbeit von IT und Fachbereich?

Jan Kuhfuss:  Wir erleben gerade ein Verschmelzen von Grenzen: Der Fachbereich fängt an, mit schnellen Prompts ohne Unterstützung der IT eigene Agenten zu bauen. Und das kann durchaus zu Problemen führen.

Wir hatten beispielsweise kürzlich einen Kundenfall, bei dem der vom Fachbereich in Eigenregie entwickelte Agent grundlegende Aspekte wie beispielsweise das Berechtigungsmanagement oder definierte Datenzugriffsrechte ganz einfach außen vorgelassen hat. Wir mussten ihn dann massiv zurückbauen und die IT wieder ins Spiel bringen. Das zeigt, wie wichtig es ist, sichere Entwicklungsplattformen mit Governance-Struktur bereitzustellen.

Wie lassen sich SAP-Karrieren erfolgreich gestalten?

Maike Rose: Was rätst du jungen SAP-Fachkräften für ihre Karriere?

Jan Kuhfuss: Erstmal ganz wichtig: Keiner wird als Architekt geboren. Kunden wünschen sich seit jeher erfahrene SAP-Experten. Aber die fallen nun einmal nicht vom Himmel. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle massiv in die Ausbildung junger Leute investieren.

Für erfahrenere SAP-Fachkräfte gelten die klassischen Dinge: Kontinuierliches Lernen ist gerade wichtiger als jemals zuvor. Agil bleiben, Veränderung aktiv angehen, statt sich verändern zu lassen. Und immer im Hinterkopf behalten, dass die Zukunft durch uns gestaltet wird, nicht durch die KI.

Außerdem empfehle ich, die eigenen menschlichen Stärken konsequent auszubauen: Kommunikation, Empathie, kritisches Denken und Hinterfragen. Daraus lässt sich ein klarer persönlicher Karriereplan entwickeln. KI eröffnet sowohl im fachlichen Umfeld als auch im Managementbereich vielfältige Chancen.

Interviewserie

Wie verändert KI SAP-Karrieren? Unsere Interviewserie beleuchtet diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

  1. Recap Roundtable SAP-Karrieren im KI-Zeitalter
  2. Die Unternehmens-Perspektive | Stephan Brand (Bosch Mobility)
  3. Die Wissenschafts-Perspektive | Prof. Dr. Dietmar Kilian (MCI) – folgt
  4. Die Personalberatungs-Perspektive | Dr. Michael Fuchs /dr. Fuchs Personalberatung) – folgt

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