SAP Autonomous Enterprise: Wie Unternehmen Agenten vertrauen können
Veröffentlicht
27. August 2026
Lesezeit
5 Minuten
Roman Zednik
Tricentis
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Mit Autonomous Enterprise eröffnet SAP seinen Kunden ein neues Zielbild: Unternehmen, die ihre Prozesse zunehmend von KI-Agenten steuern lassen, können sich so auf strategische statt auf operative Aufgaben konzentrieren. Der Weg dorthin führt über eine schnellere SAP S/4HANA-Transformation. Doch mit dem Tempo wächst auch der Anspruch an die Quality Assurance (QA). Denn sie muss den Erfolg des Projekts nicht nur während der Migration, sondern auch im laufenden Betrieb danach absichern. Wie genau, erklärt Roman Zednik, Field CTO bei Tricentis, in seinem Gastbeitrag für das IT-Onlinemagazin.
Die Transformation wird schneller und komplexer
Roman Zednik, Foto: Tricentis
Auf der SAP Sapphire 2026 hat SAP CEO Christian Klein Autonomous Enterprise als neue strategische Ausrichtung des Konzerns vorgestellt: Geschäftsprozesse, die weitgehend eigenständig durch ein wachsendes Netz von KI-Agenten gesteuert werden können, orchestriert über eine gemeinsame SAP-Plattform. Ziel ist es, Abläufe zu beschleunigen und dabei präzise, regelkonforme und sichere Ergebnisse zu liefern – etwa beim Finanzabschluss, der sich durch automatisierte Buchungen und Abstimmungen deutlich verkürzen lässt.
Die S/4HANA-Migration bildet dabei die Grundlage, auf der diese Agenten produktiv werden. Zum Einsatz kommen sie aber nicht erst nach dem Umstieg: Neue, agentengeführte Transformationswerkzeuge sollen bereits den Aufwand für die Migration senken und sie beschleunigen. Denn bislang planten Großunternehmen für eine vollständige Transformation von SAP ECC auf S/4HANA gerne mehrere Jahre ein. Das ist ein Tempo, das angesichts der KI-Dynamik nicht zeitgemäß ist und die Wettbewerbsfähigkeit nicht gewährleistet. Hinzu kommt ein fester Termin: Der reguläre Mainstream-Support für SAP ECC endet Ende 2027, danach bleibt nur noch die kostenpflichtige Extended Maintenance bis 2030.
Für Unternehmen heißt das: Die Transformation wird schneller, aber auch komplexer. Wer diesem Tempo folgen will, kommt an einer Frage nicht vorbei: Wie stellt man sicher, dass Daten korrekt migriert werden, Geschäftsprozesse im neuen System zuverlässig laufen und Agenten auch im späteren Betrieb im Sinne des Unternehmens handeln?
Agent-led Toolchain als Rahmen
Um Kunden diesen Weg zu erleichtern, hat SAP seine bisherige Integrated Toolchain zur Agent-led Toolchain weiterentwickelt. Der Gedanke dahinter: Statt einzelne Werkzeuge nebeneinander zu betreiben, greifen sie ineinander und geben Informationen automatisch weiter. Wird ein Geschäftsprozess an einer Stelle modelliert oder verändert, muss das nicht erst mühsam in ein Projektsteuerungs-Tool übertragen werden, sondern fließt direkt dorthin. Auf diese Weise entsteht ein durchgängiger Workflow von der ersten Analyse über die eigentliche Umsetzung bis zum laufenden Betrieb.
Qualitätssicherung als unterschätzter Zeit- und Kostenfaktor
Quality Assurance nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein. Sie entscheidet zum einen, ob sich das Teilziel einer schnelleren Transformation erreichen lässt. Zum anderen macht Analysten zufolge dieser Bereich rund ein Drittel der Transformationskosten aus. Einen erheblichen Anteil daran hat der Parallelbetrieb von Alt- und Neusystem: Da der vollständige Umzug großer SAP-Landschaften oft mehrere Jahre dauert, müssen QA-Teams beide Umgebungen pflegen. Schon eine kleine Änderung kann dabei hohe Testaufwände nach sich ziehen.
Hinzu kommen Vergleichstests zwischen Alt- und Neusystem sowie Datenintegritätstests. Da SAP zugleich einen Clean-Core-Ansatz verfolgt und Eigenentwicklungen über die Business Technology Platform anbindet, verfügt ein SAP-Kernsystem heute im Schnitt über mehr als 100 Schnittstellen zu umliegenden Systemen, was regelmäßige Integrationstests unverzichtbar macht.
Testautomatisierung wird geschäftskritisch
Angesichts dieser Aufwände wird Testautomatisierung zur Voraussetzung für eine schnellere Transformation. Zudem müssen Testautomatisierung und Quality Assurance eng mit der Agent-led SAP-Toolchain verzahnt sein. Wird ein Geschäftsprozess in SAP Signavio modelliert, lassen sich diese Prozessinformationen automatisch an SAP Cloud ALM weitergeben. Testfälle werden mit den Prozessmodellen verbunden und lassen sich automatisiert ausführen. Wenn die Systeme bidirektional miteinander verbunden sind, fließen die Testergebnisse automatisch zurück. Eine KI-gestützte Change-Impact-Analyse sollte zudem identifizieren, welche Tests bei einer Änderung tatsächlich notwendig sind. Dies reduziert die Anzahl an wirklich notwendigen Testfällen deutlich.
Verstärkt können dabei KI-Agenten wesentliche Teilschritte übernehmen: Ein Agent erstellt aus einer Anforderung strukturierte Testfälle, ein zweiter erzeugt passende Testdaten, ein dritter führt den Test aus, ein vierter bewertet die Ergebnisse. Die Integration funktioniert dabei üblicherweise über MCP-Server-Schnittstellen.
Vertrauen auch nach dem Go-live sichern
Mit Autonomous Enterprise weitet sich die Bedeutung der Quality Assurance sogar noch aus, denn ihre Aufgabe endet nicht mit dem Go-live. Auch nach der Migration bleibt die Systemlandschaft in Bewegung: SAP liefert regelmäßig Updates und neue Agenten aus, Geschäftsprozesse werden weiter angepasst. Sobald Agenten Geschäftsprozesse eigenständig ausführen, etwa Vertragsänderungen prüfen oder Bestellungen freigeben, stellt sich deshalb die Frage, wer sicherstellt, dass sie auch Monate später noch im Sinne des Unternehmens handeln.
Der europäische AI Act macht daraus zunehmend eine Pflicht: Für als Hochrisiko eingestufte KI-Systeme – wozu auch viele Business-Agenten zählen dürften – wird schrittweise verlangt, dass getroffene Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden. So kann ein Auditor prüfen, wie ein Agent entschieden hat und warum. Risikobasiertes Testen wird damit vom methodischen Vorteil zur Compliance-Anforderung.
Fazit: Qualität als Fundament der Autonomie
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Weitere Informationen
Der Energieversorger OMV hat mit Testautomatisierung und KI-gestützter Impact-Analyse von Tricentis seine SAP-S/4HANA-Migration beschleunigt: 80 Prozent Testabdeckung geschäftskritischer Prozesse, 50 Prozent kürzere Testdauer.
Tiefe Einblicke in das Projekt geben OMV und Tricentis gemeinsam im Live-Webinar auf der IT-OnlineKonferenz.
Als zertifizierter Partner der SAP Agent-Led Toolchain zeigt Tricentis zudem, wie Agentic AI die Qualitätssicherung auf das nächste Level hebt – mit KI-Agenten, die Testfälle aus Prompts erstellen und sich selbst heilen.
Ob Autonomous Enterprise sein Versprechen einlöst, hängt davon ab, ob Daten korrekt migriert werden, Geschäftsprozesse zuverlässig laufen und Agenten auch im Betrieb im Sinne des Unternehmens handeln. Testautomatisierung und eine in die Toolchain integrierte Quality Assurance liefern dafür die Grundlage – während der Migration ebenso wie danach, wenn laufende Systemänderungen und Agenten dauerhaft überwacht und geprüft werden müssen.
Unternehmen sollten Quality Assurance deshalb von Anfang an als festen Bestandteil der Transformation einplanen. Da Testmethodik, Toolintegration und Nachweispflichten weiter an Bedeutung gewinnen, lohnt sich der Blick auf erfahrene Partner, die sich in der SAP-Toolchain ebenso auskennen wie in regulatorischen Fragen.
KI zählt zu den wichtigsten Treibern der SAP-Transformation. Bezüglich des sicheren, transparenten und wirtschaftlichen Einsatzes sind jedoch noch einige Fragen zu klären.