SAP-Payroll als Governance-Frage: Wieso die größten Hürden vor der Migration liegen
SAP HCM for S/4HANA oder SuccessFactors Employee Central Payroll? Warum die Technologiewahl wichtig, bei der Payroll-Migration aber erst der der zweite Schritt ist.
Veröffentlicht
04. Oktober 2017
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4 Minuten
Redaktion
IT-OnlineMagazin
SAP-Anwenderunternehmen sind mitten in der digitalen Transformation. Das ergeben die Umfrageergebnisse der DSAG, die sie bei ihrem Jahreskongress in Bremen veröffentlichte. Zusätzlich haben wir uns in der SAP-Community umgehört, ein Stimmungsbild sowie Bewertungen vorgenommen.
Aufklärungsbedarf besteht zu den Lösungen der SAP, mit denen man Digitalisierungsvorhaben umsetzen kann. Machine Learning könnte die Prozessdigitalisierung revolutionieren. Lösungen von SAP-Partnern werden hier aufpassen müssen, nicht den Anschluss zu verlieren.
Nach Umfrageergebnissen der DSAG ist der digitale Transformationsprozess bei rund 31 Prozent der Teilnehmer weit oder sehr fortgeschritten. Die Auswirkungen auf die IT-Abteilungen bewerten 91 Prozent mit groß oder sehr groß.
Welche SAP-Lösungen haben bei der digitalen Transformation die größte Relevanz? Für 70 Prozent der Befragten hat S/4HANA eine hohe bis sehr hohe Relevanz. 57 Prozent messen der „traditionellen“ Business Suite eine wichtige Rolle zu.
Die DSAG fordert von der SAP daher die Weiterentwicklung der bisherigen Lösungen, um auch mit ihnen die weitere Digitalisierung vorantreiben zu können. Grenzen für Digitalisierungsvorhaben mit der Business Suite sieht die SAP (auf unsere Nachfrage) in der Nutzung neuer Möglichkeiten, wie beispielsweise „Machine Learning“. Auch für die Produktivität der Anwender nützliche Features, wie das Vorausahnen („Typeahead“) von Nutzeraktivitäten, brauchen Echtzeit-Funktionen, berichtete Marco Lenck (DSAG) im Rahmen der DSAG-Pressekonferenz.
Marco Lenck (DSAG) bemerkte, dass Unternehmen bezüglich der Planung ihrer Aktivitäten zunehmend vor einer schwierigen Entscheidung stehen: erst digitalisieren, dann die S/4HANA Umstellung durchführen oder umgekehrt, oder beides gemeinsam? Gerade die kleineren Unternehmen könnten mit „beides gemeinsam“ überfordert sein.
Wir vermuten folgendes: Sind die Digitalisierungsbemühungen eher evolutionär, dürfte man der Business Suite länger treu bleiben, als bei revolutionären Vorhaben: Will man alle technologischen Optionen nutzen können — und die Entwicklung ist rasant — dürfte ein frühzeitiger Umstieg auf S/4HANA förderlich sein.
Erstaunliches Ergebnis der Umfrage: Die „SAP Cloud Platform“ ist bei den Unternehmen als Digitalisierungswerkzeug noch weitgehend unbekannt. Das ist merkwürdig, denn sie ist das zentrale Werkzeug, um Digitalisierungsvorhaben zu realisieren. Wir vermuten multifaktorielle Ursachen:
Es wurden Fachbereiche und die IT befragt –Fachbereiche interessieren sich vermutlich vorrangig, was digitalisiert wird — und nicht wie, daher hat für sie die Plattform keine Relevanz. Die „SAP Cloud Plattform“ könnte als Sammelbegriff für die Cloud Aktivitäten interpretiert werden — und nicht als Lösung, zumal sie zusätzlich eine Umbenennung von „HANA Cloud Platform“ auf „SAP Cloud Platform“ hinter sich hat. Die SAP-Plattform ist auch nicht die alleinige Integrationsplattform am Markt. Ferner vermuten wir, dass der Funktionsumfang und die damit verbundenen Möglichkeiten der SAP Cloud Platform tatsächlich noch bei vielen Entscheidern und SAP-Experten unbekannt sein dürften.
Auch das „SAP Leonardo“ Portfolio ist bei Anwenderunternehmen noch weitgehend unbekannt. In beiden Bereichen liegen für SAP, DSAG und SAP-Partner zahlreiche Potenziale zur Aufklärung und Darstellung von Anwendungsszenarien.
Große Auswirkungen auf die SAP-Kunden könnten indes die Bemühungen der SAP zum „Machine Learning“ haben. Bernd Leukert (SAP) führte aus, dass sich SAP zukünftig auch um die Automatisierung der Ausnahmefälle in Unternehmensprozessen kümmern wolle. Bisherige Prozessdigitalisierung funktioniert gut, wenn alles wie geplant und standardmäßig läuft.
Immer wenn manuelles Eingreifen notwendig ist, werden jedoch die größten Bearbeitungskosten verursacht. Die Bearbeitung der Ausnahmen bei Abweichungen erfolgt heute durch Sachbearbeiter. Zukünftig soll das SAP-System durch das Nutzerverhalten lernen, Sachbearbeiter durch Entscheidungsvorschläge unterstützen oder einen Großteil der Ausnahmebehandlung selbst erledigen können. SAP-Partner mit eigenen Lösungen zur Prozessoptimierung werden hier wachsam sein müssen, wenn ihre Produkte langfristig nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden sollen.
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