Finanzprozesse in SAP: Wie Unternehmen KI und Automatisierung nutzen

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Die Finanzabteilung gehört zu den am stärksten regulierten und gleichzeitig am schnellsten digitalisierenden Bereichen eines Unternehmens. Geopolitische Fragmentierung, makroökonomischer Druck und der Aufstieg künstlicher Intelligenz verändern die Rolle des Finanzvorstandes (Chief Finance Officer/CFO) grundlegend.

So berichten laut der Economist-Impact-Studie fast 90 Prozent der befragten CFOs, dass sie inzwischen deutlich stärker in die digitale Transformation und das Risikomanagement eingebunden sind als noch vor drei Jahren. Zwei Drittel wirken zudem aktiv an der Gestaltung von Nachhaltigkeits- und ESG-Strategien mit. Das zeigt: Der Aufgabenbereich wächst – die Kapazitäten nicht.

 

KI braucht eine fundierte Basis

Ein Grund mehr, warum Künstliche Intelligenz (KI) im Finanzbereich an Bedeutung gewinnt. Zudem gelten Finanzprozesse wie Risikoerkennung, Cashflow-Prognose oder Compliance-Überwachung als prädestiniertes Anwendungsfeld für KI. Denn sie verbinden große Datenmengen, regelbasierte Abläufe und messbare Ergebnisse. „Finance findet mit KI die Balance aus Agilität, Effizienz und Compliance“, erklärt Kornelia Maier, Customer Advisory Finance & Risk bei SAP Deutschland, den Anspruch. Allein im Berichtswesen – so das SAP-Versprechen – könnte SAP Business AI durch KI-gestützte Zusammenfassungen, KPIs und Empfehlungen den Berichtsaufwand um die Hälfte reduzieren.

Der DSAG-Investitionsreport 2026 dämpft jedoch überhöhte Erwartungen: Demnach haben zwar 43 Prozent der DACH-Unternehmen bereits konkrete KI-Anwendungsfälle realisiert – 77 Prozent davon setzen jedoch auf Nicht-SAP-Lösungen. „Viele sind aktuell ganz einfach noch mit der S/4HANA-Migration beschäftigt und verfügen dementsprechend nicht über die erforderliche ERP-Plattform für einen ganzheitlichen KI-Einsatz wie er von SAP angedacht ist“, ordnet Maike Rose, Chefredakteurin des IT-OnlineMagazins die aktuelle Lage der SAP-Community ein.

 

Berliner Bäder Betriebe: Per Greenfield zu S/4HANA

Auch für die Berliner Bäder Betriebe (BBB) war der Umstieg auf S/4HANA kein typisches IT-Projekt, sondern eine strategische Entscheidung. Der größte kommunale Bäderbetrieb Deutschlands stand vor der Herausforderung, die über Jahre gewachsene Systemlandschaft in SAP S/4HANA zu konsolidieren – und hat diesen Kraftakt mit Unterstützung von Implementierungspartner Comline per Greenfield gemeistert. „Das Ergebnis: Beschaffung, Finanzen und Planung durchgängig integriert, einheitliche Daten, automatisierte Prozesse und eine Plattform, auf der wir heute und morgen aufbauen können“, verweist BBB-Finanzleiterin Sylvia Eckert. Zudem verfüge der Bäderbetrieb damit über eine Plattform, auf der KI und Automatisierung wirklich wirken.

 

Asklepios optimiert Dunkelbuchungsquote 

Im Gesundheitswesen, das traditionell unter hohem Kostendruck und engen Personalressourcen operiert, bieten automatisierte Prozesse ebenfalls vielfältige Hebel für Effizienzverbesserungen. Klinikkonzern Asklepios liefert dafür den Beweis. Der Krankenhausbetreiber verarbeitet in seinen mehr als 140 Buchungskreisen jährlich über 1,2 Millionen Eingangsrechnungen und hat seine Finanzprozesse in SAP S/4HANA grundlegend neu ausgerichtet. Ziel war es, „ein einheitliches, transparentes und effizientes Buchhaltungswesen zu schaffen und Rechnungsprozesse zu vereinfachen“, sagt Roland Pielach, Abteilungsleiter IT SAP Technologie bei der Asklepios Service IT GmbH. Gemeinsam mit dem SAP-Partner xSuite konnte Asklepios den Anteil vollautomatisch verarbeiteter Rechnungen ohne manuellen Eingriff deutlich erhöhen.

 

Remmers erzielt Vorteile durch E-Rechnungspflicht

Eine weitere Herausforderung für viele SAP-Anwenderunternehmen: Die E-Rechnung. Seit Januar 2025 müssen Unternehmen in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen, 2027 tritt die verbindliche Ausgabepflicht für strukturierte elektronische Rechnungen in Kraft.

Was viele Verantwortliche als lästige Bürokratie empfinden, ist aus Sicht von Sebastian Jurth eine echte Chance: „Wer E-Invoicing nur als gesetzliche Pflicht versteht, verschenkt strategisches Potenzial“, sagt der Director SAP Business Solutions bei der Remmers-Gruppe. Bei dem international tätigen Familienunternehmen sorgt heute eine managed SaaS-Lösung von SAP-Partner Softway dafür, dass Fachbereiche ihr Rechnungsvolumen über Self-Service-Strukturen eigenständig monitoren und steuern können – wodurch die IT spürbar entlastet wird.

 

Feintool: Blaupause für SAP Business Data Cloud

Der Automobilzulieferer Feintool hat sich für den Einsatz der SAP Business Data Cloud (BDC) und Databricks entschieden, um die Weichen für schnelle und zukunftsfähige Finanzprozesse zu stellen. „Die Zukunft der Finanzabteilung liegt in der intelligenten Nutzung von Daten“, ist Patricia Ahrend, Head Group Finance Transformation bei Feintool, überzeugt. Die Verknüpfung von Fachwissen mit Technologien wie SAP BDC und Databricks ermögliche eine effiziente, transparente und zukunftsfähige Unternehmenssteuerung, so ihre Erfahrung im Bereich Finanzreporting, Cost Controlling und Reisekosten.

„Technisch verdeutlicht der Feintool-Ansatz gut, wie SAP die Vision hinter der Business Data Cloud zeichnet“, resümiert Chefredakteurin Maike Rose. Die Plattform verbindet SAP Datasphere, Analytics Cloud und Business Warehouse in einer einheitlichen Cloud-Umgebung und bindet über die native Databricks-Integration auch externe Datenquellen ein. Das SAP-Versprechen: keine Datensilos mehr, keine aufwändige Harmonisierung zwischen Systemen – stattdessen eine gemeinsame semantische Schicht, auf der KI-Agenten und Finance-Intelligence-Szenarien direkt aufsetzen.

 

Erfolgsmuster für die Finance-Transformation

All das zeigt, wie vielfältig und damit auch anspruchsvoll die Digitalisierung des Finanzwesens ist: S/4HANA schafft die Datenbasis, Automatisierung erhöht die Effizienz, E-Invoicing erzwingt Prozessklarheit, SAP BDC macht aus Daten entscheidungsrelevante Erkenntnisse in Echtzeit. „Einen Königsweg für die Transformation gibt es nicht“, so Rose. „Aber die Praxisbeispiele zeigen: Es gibt mittlerweile deutliche Erfolgsmuster.“

24. IT-OnlineKonferenz "Next Level SAP in den Geschäftsbereichen" | Mai 2026

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