Interviewserie: Wie verändert KI SAP-Karrieren? Die Wissenschafts-Perspektive

Veröffentlicht

15. September 2026

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6 Minuten

Redaktion IT-OnlineMagazin

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Maike Rose und Prof. Dietmar Kilian über die Auswirkungen von KI auf den SAP-Jobkosmos

Maike Rose im Gespräch mit Prof. Dr. Kilian | Foto: MCI/IT-OnlineMagazin

Welche Skills und Kompetenzen brauchen SAP-Experten künftig und wie können Nachwuchskräfte diese gezielt aufbauen? Unter anderem darum drehte sich das Gespräch beim SAP Karriere-Roundtable des IT-OnlineMagazins im Juli 2026. Prof. Dr. Dietmar Kilian vom Management Center Innsbruck (MCI) ordnet in unserer Interviewserie aktuelle Entwicklungen aus dem Blickwinkel von Hochschule und Wissenschaft ein.


Wie gelingt der Neueinstieg in den SAP-Jobkosmos? 

Maike Rose: Herr Prof. Kilian, Sie beobachten den Arbeitsmarkt auch aus der Hochschulperspektive. Was hat sich bei der Nachfrage nach jungen Talenten im SAP-Umfeld verändert, und wie können Hochschulen darauf reagieren?

Dietmar Kilian: Die Nachfrage nach jungen Talenten in diesem Umfeld ist drastisch gesunken. Vor drei, vier Jahren wurde im SAP-Umfeld händeringend nach Nachwuchskräften gesucht. Berufseinsteiger konnten aus einer Vielzahl von Jobangeboten wählen. Heute findet man in den Stellenausschreibungen dagegen kaum noch Rollen für Berufseinsteiger. Was gesucht wird, sind vor allem Personen mit Erfahrung – und die bringen Berufsanfänger naturgemäß nur selten mit. Als Hochschule versuchen wir diese Lücke zu schließen. Wir integrieren Unternehmensprojekte nun dediziert in das Studium, sodass Studierende gemeinsam mit Unternehmen an konkreten Problemlösungen arbeiten und entsprechende Praxiserfahrungen sammeln können.  

Zum anderen hat sich bei Studierenden aber auch die Nachfrage nach Zertifizierungsangeboten wie dem Learning Hub von SAP deutlich verändert. Früher hieß es oft: Das mache ich, wenn ich den Job habe. Seit SAP sowohl Lehrenden als auch Lernenden an Hochschulen kostenlosen Zugang zu learning.sap.com sowie zwei Zertifizierungen pro Jahr ermöglicht, wird das Angebot verstärkt auch studienbegleitend genutzt.

Aus meiner Sicht tragen die Integration praktischer Erfahrungen in Form von Praktika und Praxisprojekten in das Studium sowie die Nutzung studienbegleitender Lernangebote stark dazu bei, den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Ganz einfach, weil sie umgehend wirken. Das Curriculum selbst zu ändern, ist dagegen wesentlich zeitaufwändiger.

Welche Skills werden im KI-Zeitalter benötigt?

Maike Rose: Welche Qualifikationen werden aus wissenschaftlicher Sicht im IT- und SAP-Consulting künftig besonders gefragt sein?

Dietmar Kilian: Mit genau dieser Frage hat sich eine meiner Studentinnen in ihrer Masterarbeit beschäftigt. Ihr Ergebnis: KI ist auch im IT-Consulting ein großes Thema. Und zwar sowohl beim Einsatz der Technologie als auch bei den Qualifikationen, die für die KI-Nutzung notwendig sind. Schließlich ist es gerade im Consulting wichtig, dass KI-Vorschläge nicht unreflektiert übernommen, sondern fachlich fundiert bewertet werden: Ist das Ergebnis verwendbar? Ist es korrekt? Lässt es sich so umsetzen? Diese Reflexionsfähigkeit wird zur Kernqualifikation.

Ihre Arbeit zeigt aber auch, dass Social Skills weiter an Bedeutung gewinnen. Consulting-Projekte leben von der Interaktion zwischen Menschen. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Insofern gilt: KI wird viele Skills verändern. Der Mensch bleibt aber unverzichtbar, um Ergebnisse kritisch einzuordnen und daraus belastbare Entscheidungen abzuleiten.

Wo gibt es in der Lehre Optimierungspotenziale?   

Maike Rose: Welche menschlichen Fähigkeiten werden im SAP-Umfeld künftig wichtiger, und welche werden in Ausbildung und Studium noch unterschätzt?

Dietmar Kilian: Grundsätzlich glaube ich, dass Zuhören und Fragen stellen enorm wichtig sind, gerade wenn man in der Beratung tätig ist und mit Kunden umgeht. Dazu gehört erstens, die richtigen Fragen zu stellen. Das nennt man im Umgang mit KI heute prompten. Im Grunde verbirgt sich hinter diesem Begriff aber nichts anderes, als die Fragen an ein System so präzise zu stellen, dass es die richtigen Antworten generieren kann. Zum zweiten benötigen SAP-Consultants ein tieferes technisches Verständnis für KI und ihre Grundlagen sowie umfassendes Wissen über Business-Prozesse und deren Analysemethoden.

Beides hängt eng mit Social Skills zusammen: zuhören, verstehen, Fragen stellen – aber auch akzeptieren, dass man selbst mit KI-Unterstützung nicht alles selbst lösen kann, sondern auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Offenheit und Empathie werden auch künftig relevante Eigenschaften bleiben, um im Berufsleben erfolgreich zu sein. In der universitären Ausbildung kommen diese Themen bislang jedoch allenfalls am Rande vor, etwa in Teamarbeit und Präsentationen. Ich glaube sogar, es gab Zeiten, in denen man sich in der akademischen Ausbildung deutlich mehr um Social Skills bemüht hat.

Warum ist auf allen Seiten ein Umdenken gefragt?   

Maike Rose: Inwiefern verändert KI aus wissenschaftlicher Sicht Arbeitsalltag, Aufgaben und Rollen in den Unternehmen?

Dietmar Kilian: Vor allem gewinnt das bereits seit Jahren geforderte ganzheitliche Denken und Handeln weiter an Bedeutung. Gerade mit Blick auf KI heißt das: Verantwortung übernehmen, sich über die Folgen des eigenen Handelns klar werden und Entscheidungen zu Ende durchdenken. Diese Skills werden meiner Meinung nach zentrale Elemente, die erfolgreiche Mitarbeiter und Führungskräfte künftig in Unternehmen mitbringen müssen. KI-Projekte funktionieren nicht in Silos, sie müssen immer bereichsübergreifend gedacht werden. Genau das ist für mich der Kern des Paradigmenwechsels.

Ebenso wichtig ist dabei die Bereitschaft, Scheuklappen abzulegen und Dinge neutral und offen anzugehen. Das zeigt sich deutlich in unseren Studierendenprojekten mit Unternehmen: Firmen holen sich bewusst externe Perspektiven ins Haus. Denn diese ermöglichen, Prozessveränderungen und den KI-Einsatz im jeweiligen Fachbereich anders zu betrachten, als es eigene Mitarbeiter oder klassische Berater tun würden. Genau hierin liegt die Stärke der Studierenden: Junge Menschen gehen Themen kreativ an, probieren aus, testen – und eröffnen Unternehmen so ganz neue Blickwinkel und Denkansätze.

Was ist für SAP-Nachwuchskräfte jetzt wichtig?

Maike Rose: Welche Empfehlung geben Sie jungen Menschen, die gerade ihren Karriereweg im SAP-Umfeld planen?

Dietmar Kilian: Mein Rat an junge Menschen lautet: Bleibt neugierig und interessiert. Das ist untrennbar mit lebenslangem Lernen verbunden. Denn das berufliche Umfeld wird sich auch weiterhin rasant verändern. Wer flexibel, aktiv und agil auf diese Veränderungen zugeht, hält nicht nur das eigene Arbeitsumfeld spannend, sondern gestaltet auch den eigenen Wert fürs Unternehmen aktiv mit.

Aber auch die andere Seite ist gefordert. Wenn ich mit Unternehmen spreche, rate ich ihnen: Macht euch Gedanken, wie ihr junge Menschen weiterhin integrieren könnt. Wenn das nicht gelingt, werden wir in drei, vier Jahren massive Probleme haben. Denn dann geht ein Großteil der aktuellen Consultants in den Ruhestand. Wenn dann keine jungen, erfahrenen Personen nachrücken, werden Projekte ganz einfach nicht mehr bedient werden können.

Selbst wenn es im Moment so wirkt, als bräuchte man vor allem erfahrene Leute mit KI-Know-how, sollten Unternehmen den Beraternachwuchs nicht aus dem Blick verlieren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass wir auch künftig die hochqualifizierten Mitarbeiter haben, die unsere Wirtschaft benötigt. Das gehört zur Wahrheit ebenfalls dazu.

Interviewserie

Wie verändert KI SAP-Karrieren? Unsere Interviewserie beleuchtet diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

  1. Recap Roundtable SAP-Karrieren im KI-Zeitalter
  2. Die Herstellerperspektive | Jan Kuhfuss (SAP)
  3. Die Unternehmensperspektive | Stephan Brand (Bosch Mobility)
  4. Die Personalberatungsperspektive | Dr. Michael Fuchs (dr. Fuchs Personalberatung) – folgt

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