SAP TechEd 2026: Neue Funktionen für KI-Agenten, Governance und Daten

Veröffentlicht

29. Oktober 2026

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11 Minuten

Maike Rose

Maike Rose

Chefredakteurin

SAP TechEd 2026: Neue Funktionen für KI-Agenten, Governance und Daten

SAP TechEd 2026 | Foto: SAP

SAP hat auf der TechEd 2026 in Berlin neue Funktionen für die Entwicklung, Zusammenarbeit und zentrale Steuerung von KI-Agenten vorgestellt. Über offene Schnittstellen sollen künftig auch Agenten anderer Anbieter mit Joule-Agenten zusammenarbeiten können. Die DSAG begrüßt die stärkere Offenheit und die neuen Governance-Möglichkeiten. Sie fordert jedoch Klarheit darüber, wie sich die KI-Funktionen in bestehende hybride SAP-Landschaften integrieren lassen und welche Kosten im produktiven Betrieb entstehen. Wichtige Neuerungen sind für 2027 geplant.


Mit seiner Strategie für das Autonomous Enterprise verfolgt SAP das Ziel, KI-Agenten zunehmend eigenständig Aufgaben in Geschäftsprozessen übernehmen zu lassen. Auf der SAP TechEd vom 27. bis 29. Oktober 2026 in Berlin hat der Softwarehersteller nun weitere technische Voraussetzungen dafür vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen Joule Work, Joule Studio und die SAP Business AI Platform. Neue Werkzeuge sollen Unternehmen dabei unterstützen, KI-Agenten zu entwickeln, mit Geschäftsdaten zu verbinden und ihre Aktivitäten systemübergreifend zu steuern.

Damit rückt neben den Fähigkeiten der Agenten verstärkt deren kontrollierter Betrieb in den Vordergrund. Denn sobald KI nicht nur Informationen bereitstellt oder Empfehlungen formuliert, sondern Aktionen in ERP-Systemen ausführt, müssen Unternehmen festlegen können, welche Zugriffe zulässig sind, wann menschliche Freigaben erforderlich werden und wie sich Entscheidungen und Kosten nachvollziehen lassen.

SAP TechEd 2026: Die wichtigsten Neuerungen im Überblick

NeuerungFunktion und NutzenGeplante Verfügbarkeit
SAP Enterprise AI GatewayZentrale Steuerung von KI-Interaktionen, Richtlinien, Monitoring, Verbrauch und AuditierungQ1/2027 geplant
Agent GatewayKontrollierter Aufruf unterstützter SAP-Agenten durch Drittanbieter-Agenten über A2AInbound A2A seit Oktober 2026 allgemein verfügbar; Outbound A2A und MCP geplant
Joule WorkArbeitsumgebung und Orchestrierung mehrstufiger Geschäftsprozesse durch Assistenten und AgentenSchrittweise allgemein verfügbar
Joule StudioEntwicklung, Anpassung, Überwachung und Prüfung eigener KI-AgentenSchrittweise allgemein verfügbar
n8n-Workflows in Joule StudioGrafische Entwicklung und Ausführung systemübergreifender WorkflowsQ4/2026 geplant
KI-Governance-AssistentUnterstützung bei der Risikoeinstufung von KI-Anwendungen nach dem EU AI ActQ4/2026 geplant
SAP BDC Ontology ManagerSemantischer Geschäftskontext aus Begriffen, Regeln und DatenbeziehungenBeta November 2026 geplant
SAP Knowledge GraphErweiterungen zur Einbindung zusätzlicher SAP- und Nicht-SAP-DatenQ1/2027 geplant
SAP ReltioStammdatenmanagement bereits verfügbar; weitere Erweiterungen angekündigtBasis verfügbar; Erweiterungen Q1/2027 geplant
BDC-Lakehouse mit DremioOffene Datenformate, darunter Apache Iceberg, und DatenintegrationAngekündigt
Sovereign Cloud mit KIErweiterung um SAP AI Core, Joule und SAP DatasphereZunächst für UK, Australien und Kanada angekündigt; DACH-Termin offen
Edge Integration Cell für RISEVerwaltete Integrationsfunktionen innerhalb der Private-Cloud-UmgebungAngekündigt

SAP Enterprise AI Gateway soll KI-Zugriffe zentral steuern

Eine der wichtigsten Ankündigungen ist das neue SAP Enterprise AI Gateway. Es soll Unternehmen ermöglichen, die Kommunikation mit KI-Modellen, Agenten und angebundenen Anwendungen zentral zu verwalten. Vorgesehen sind unter anderem Authentifizierung, die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien, die Weiterleitung von Anfragen sowie Funktionen zur Überwachung, Verbrauchserfassung und Auditierung.

Damit adressiert SAP ein Problem, das mit dem zunehmenden Einsatz von KI-Agenten wächst: In heterogenen IT-Landschaften greifen unterschiedliche Agenten auf Anwendungen, Daten und Schnittstellen zu. Ohne übergreifende Steuerung besteht die Gefahr, dass Berechtigungen, Sicherheitsregeln und Kosten nur innerhalb einzelner Plattformen nachvollziehbar bleiben.

SAP TECHED 2026
Foto: SAP

Vom Enterprise AI Gateway zu unterscheiden ist das SAP Agent Gateway, das für eingehende Agent2Agent-Kommunikation (Inbound A2A) bereits seit Oktober 2026 allgemein verfügbar ist. Damit können KI-Agenten anderer Anbieter über das offene A2A-Protokoll unterstützte SAP-Agenten aufrufen. Das Gateway kontrolliert dabei die Zugriffsberechtigungen und protokolliert die Aktivitäten.

Die Zusammenarbeit funktioniert bislang allerdings nur in eine Richtung: Externe Agenten können SAP-Agenten beauftragen. Dass SAP-Agenten ihrerseits Aufgaben an Agenten anderer Anbieter delegieren oder über MCP auf externe Werkzeuge zugreifen, ist Teil der weiteren Roadmap. Konkrete Verfügbarkeitstermine nennt SAP dafür noch nicht.

Die allgemeine Verfügbarkeit des SAP Enterprise AI Gateway ist allerdings erst für das erste Quartal 2027 geplant. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie die angekündigte Architektur bereits in ihre Planungen einbeziehen können, die tatsächlichen Möglichkeiten der übergreifenden Steuerung aber erst mit der Produktverfügbarkeit überprüfen können.

Prozessautomatisierung mit Joule Work und Joule Studio

Auch Joule Work und Joule Studio werden erweitert. Über Joule Work sollen Anwender künftig Aufgaben formulieren können, die von mehreren spezialisierten Assistenten und Agenten gemeinsam bearbeitet werden. SAP entwickelt dafür zusätzliche Funktionen zur Planung und Orchestrierung mehrstufiger Arbeitsabläufe.

Joule Studio dient als Entwicklungsumgebung, in der Unternehmen eigene Agenten erstellen und vorhandene SAP-Agenten anpassen können. Neben grafischen Werkzeugen stehen Entwicklerfunktionen und der Zugriff auf mehr als 70 KI-Modelle zur Verfügung.

SAP kündigt außerdem eine engere Integration der Workflow-Automatisierungsplattform n8n an. Damit sollen sich auch Abläufe über SAP-Anwendungen hinaus gestalten und automatisieren lassen. Die Nutzung ist zunächst im Early-Adopter-Programm vorgesehen. Eine breitere Verfügbarkeit soll folgen.

Für SAP-Anwender ist insbesondere die Verbindung mit bestehenden Geschäftsprozessen relevant. Ein Agent, der beispielsweise einen Beschaffungsvorgang unterstützt, benötigt nicht nur Informationen über Lieferanten und Bestellungen. Er muss auch die geltenden Freigaberegeln berücksichtigen und darf nur die Aktionen ausführen, für die er autorisiert ist.

SAP will deshalb die Beobachtbarkeit von Agenten verbessern. Neue Funktionen in Joule Studio sollen Administratoren und Entwicklern Einblick in das Verhalten der Agenten, die Nutzung von KI-Modellen und den damit verbundenen Verbrauch geben. Ergänzend sind zusätzliche Tests vorgesehen, mit denen sich Agenten vor ihrem produktiven Einsatz unter anderem auf Manipulationsversuche durch Prompt-Injection prüfen lassen.

Die allgemeine Verfügbarkeit von Joule Work und Joule Studio läuft nach SAP-Angaben schrittweise an. Das Design und die Ausführung von n8n-Workflows in Joule Studio sind laut DSAG für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Nicht alle angekündigten Funktionen stehen bereits sämtlichen Kunden zur Verfügung.

DSAG fordert verlässliche Governance

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V. (DSAG) bewertet die Richtung der Ankündigungen positiv. Insbesondere die stärkere Kontrolle über KI-Agenten, offene Schnittstellen und die Einbindung von Nicht-SAP-Daten greifen nach Einschätzung des Verbands zentrale Anforderungen der Anwender auf. „Als DSAG begrüßen wir, dass SAP mit den TechEd-Ankündigungen zentrale Forderungen aufgreift, die wir bereits aus Anwendersicht formuliert haben“, erklärt Stefan Nogly, DSAG-Technologievorstand.

Für die Mitgliedsunternehmen kommt es nun darauf an, die Neuerungen produktiv, sicher und wirtschaftlich einsetzen zu können. Gerade die Integration in bestehende hybride Architekturen bleibt dabei eine Herausforderung. In vielen Unternehmen arbeiten SAP-Systeme mit Anwendungen unterschiedlicher Hersteller zusammen. KI-Agenten müssen deshalb über Plattformgrenzen hinweg funktionieren, ohne vorhandene Sicherheits- und Berechtigungskonzepte zu umgehen.

Die DSAG begrüßt außerdem den angekündigten KI-Governance-Assistenten im SAP AI Agent Hub. Er soll Unternehmen bei der Einordnung von KI-Anwendungen nach den Risikoklassen des EU AI Acts unterstützen und ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Solche Werkzeuge können Compliance-Prozesse erleichtern. Die Verantwortung für die rechtliche Bewertung und den zulässigen Einsatz von KI bleibt jedoch beim Unternehmen.

Was kosten eigene KI-Agenten nach der Einführungsphase?

Neben der technischen Kontrolle bleibt die Wirtschaftlichkeit ein offener Punkt. SAP bietet ausgewählten Kunden an, eigene Agenten auf der verwalteten Joule-Studio-Laufzeitumgebung bis Dezember 2026 kostenlos zu betreiben. Werkzeuge für Entwicklung und Tests sollen innerhalb bestimmter Fair-Use-Grenzen weiterhin kostenfrei nutzbar bleiben.

Für den langfristigen Produktivbetrieb benötigen Unternehmen jedoch verlässliche Angaben zu den entstehenden Kosten. Dabei geht es nicht nur um einzelne KI-Aufrufe, sondern auch um den Verbrauch innerhalb mehrstufiger Prozesse, bei denen mehrere Agenten und Modelle zusammenarbeiten.

Bereits beim DSAG-Jahreskongress hatte die Anwendervereinigung Kosten und Vertragsbedingungen des Autonomous Enterprise kritisch eingeordnet. Die DSAG fordert deshalb belastbare Erfahrungswerte zum tatsächlichen Verbrauch von Standardassistenten, individuellen Agenten und vollständigen agentischen Prozessketten. Ebenso wichtig sei ein übergreifendes Kostencontrolling in heterogenen IT-Landschaften.

Die neuen Überwachungs- und Verbrauchsfunktionen können hierfür eine Grundlage schaffen. Ob Unternehmen damit ihre Gesamtkosten ausreichend präzise kalkulieren können, muss sich allerdings im produktiven Betrieb zeigen.

SAP BDC: Dremio und Ontology Manager öffnen Daten für KI

Damit KI-Agenten komplexe Geschäftsprozesse bearbeiten können, benötigen sie nicht nur Zugriff auf Daten, sondern auch Informationen über deren fachliche Bedeutung. SAP hat auf der TechEd 2026 weitere Funktionen für die SAP Business Data Cloud (BDC) angekündigt. Dazu gehören ein neuer Ontology Manager und die Integration von Dremio-Technologie.

SAP hat die Übernahme des Lakehouse-Spezialisten Dremio im Juli 2026 abgeschlossen. Die Technologie soll die BDC um Unterstützung für das offene Tabellenformat Apache Iceberg, den Katalogstandard Apache Polaris und föderierte Datenabfragen erweitern. Unternehmen sollen damit SAP- und Nicht-SAP-Daten systemübergreifend nutzen können, ohne sie für jede Auswertung kopieren zu müssen. Die konkrete Produktverfügbarkeit dieser Erweiterungen ist noch nicht datiert.

Darüber hinaus plant SAP einen offenen Datenkatalog, der Metadaten und Informationen zur Datenherkunft zugänglich macht. Die Erweiterungen sollen auch den SAP Knowledge Graph unterstützen. Die DSAG nennt für zusätzliche Knowledge-Graph-Funktionen das erste Quartal 2027.

Der BDC Ontology Manager ergänzt die technische Datenintegration um eine fachliche Ebene: Unternehmen sollen Geschäftsbegriffe, Datenbeziehungen und Regeln beschreiben können, damit KI-Agenten Zusammenhänge in Geschäftsprozessen besser berücksichtigen. Laut DSAG ist eine Beta-Version für November 2026 vorgesehen.

Die DSAG begrüßt die geplante Öffnung für SAP- und Nicht-SAP-Daten. Für Anwender bleibt zu prüfen, wie sich die neuen Funktionen in bestehende Datenarchitekturen integrieren lassen und welcher Aufwand für Datenqualität, Berechtigungen und semantische Modelle entsteht. Föderierte Abfragen ersetzen weder die Pflege von Stammdaten noch die fachliche Abstimmung unterschiedlicher Datenmodelle.

Offene Baustellen: Souveräne KI und hybride SAP-Landschaften

SAP hat auf der TechEd zudem angekündigt, seine Sovereign Cloud um SAP AI Core, Joule und SAP Datasphere zu erweitern. Die neuen Angebote sollen zunächst in Großbritannien, Australien und Kanada verfügbar werden.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz nennt die DSAG-Stellungnahme noch keinen entsprechend konkreten Zeitplan. Die DSAG fordert insbesondere für öffentliche Verwaltungen, Finanzunternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen eine verlässliche Perspektive.

Fortschritte gibt es auch bei der hybriden Integration: Für RISE-Kunden bietet SAP eine zusätzliche verwaltete Edge Integration Cell an, mit der sich Funktionen der SAP Integration Suite innerhalb einer Private-Cloud-Umgebung ausführen lassen.

Damit adressiert SAP einen Teil der Integrationsanforderungen bestehender Landschaften. Die Frage, in welchem Umfang Kunden mit On-Premises-Systemen oder unterschiedlichen Cloud-Betriebsmodellen von den neuen KI-Funktionen profitieren können, bleibt jedoch weiterhin relevant.

Was bedeutet die SAP TechEd 2026 für Anwenderunternehmen?

Mit den Ankündigungen der TechEd konkretisiert SAP seine Vorstellung vom Autonomous Enterprise jetzt zunehmend. Die Entwicklung geht über einzelne KI-Assistenten hinaus: KI-Agenten sollen Geschäftsprozesse über Anwendungsgrenzen hinweg bearbeiten, während Unternehmen ihre Zugriffe, Aktivitäten und Kosten kontrollieren können.

Die neuen Funktionen für Governance, Integration und Datenkontext greifen damit Anforderungen auf, die SAP-Anwender seit Längerem formulieren. Besonders das Enterprise AI Gateway könnte künftig eine wichtige Rolle bei der zentralen Steuerung unterschiedlicher KI-Dienste übernehmen.

Allerdings ist ein erheblicher Teil der angekündigten Architektur noch nicht allgemein verfügbar. Für das Enterprise AI Gateway sowie Erweiterungen des SAP Knowledge Graph und von SAP Reltio ist das erste Quartal 2027 vorgesehen. Auch die langfristigen Kosten eigener Agenten und der Integrationsaufwand in bestehenden SAP-Landschaften lassen sich derzeit noch nicht abschließend bewerten.

Für CIOs und SAP-Verantwortliche empfiehlt es sich deshalb, die neuen Möglichkeiten anhand konkreter Geschäftsprozesse zu prüfen: Welche Agenten können bereits produktiv eingesetzt werden? Wie werden ihre Berechtigungen durchgesetzt? Welche menschlichen Freigaben bleiben notwendig? Und wie lässt sich der zusätzliche wirtschaftliche Nutzen gegenüber den Entwicklungs- und Betriebskosten nachweisen?

Die Ankündigungen auf der SAP TechEd liefern dafür neue technische Ansätze. Ob daraus ein sicherer und wirtschaftlich tragfähiger Betrieb autonomer Geschäftsprozesse entsteht, werden die kommenden Erfahrungen der Anwenderunternehmen zeigen.

KI-Agenten in einer vernetzten ERP-Landschaft mit Datenflüssen und Prozessüberwachung

Weitere Informationen

Wie Hersteller und Anwender den Einsatz von SAP-KI-Agenten einschätzen, zeigt auch die bisherige Berichterstattung des IT-OnlineMagazins.

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Maike Rose

Maike Rose ist Geschäftsführerin, Chefredakteurin und Moderatorin beim IT-OnlineMagazin. Die rasanten Entwicklungen im SAP-Umfeld einordnen und komplexe Themen auf den Punkt bringen für CIOs, IT- und Fachentscheider – das ist für sie Auftrag und Leidenschaft. Mit über 25 Jahren Erfahrung in Konzernen, IT-Unternehmen und Agenturen verbindet sie strategisches Kommunikations-Know-how mit fundierter SAP-Branchenkenntnis.

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