Interviewserie: Wie verändert KI SAP-Karrieren? Die Personalberatungs-Perspektive

Veröffentlicht

23. September 2026

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6 Minuten

Redaktion IT-OnlineMagazin

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Michael Fuchs und Maike Rose im Gespräch

Michael Fuchs im Gespräch mit Maike Rose | Foto: IT-OnlineMagazin

Werden SAP-Berater künftig zunehmend durch KI-Tools ersetzt, oder verändert sich vor allem ihr Aufgabenprofil? Dieser Frage ist Chefredakteurin Maike Rose beim IT-OnlineMagazin-Karriere-Roundtable mit Experten von SAP, SAP-Anwenderunternehmen, Wissenschaft und Personalberatung nachgegangen. Im letzten Teil unserer Interviewreihe zum Event beleuchtet Dr. Michael Fuchs (dr. Fuchs Personalberatung) aktuelle Entwicklungen aus Sicht der Strategie- und Personalberatung.


Wie verändern sich die Stellenprofile im SAP-Umfeld?

Maike Rose: Michael, du berätst Unternehmen bei der Besetzung von SAP-Rollen. Welche Veränderungen siehst du aktuell in den Stellenprofilen?

Michael Fuchs: SAP hat mit dem Autonomous Enterprise das Zielbild vorgegeben. Der Weg dorthin ist aber noch weit. Damit die Vision Realität werden kann, müssen noch etliche Hürden gemeistert werden. Und das erfordert viele unterschiedliche Rollen.  

Wann ein Unternehmen welche Rolle wirklich braucht, ist auch im SAP-Umfeld oft noch nicht klar. Beispielsweise ist bei CIOs, die wir aktuell besetzen, oft eine echte Euphorie zu spüren: Endlich kann man sich im KI-Umfeld, in der Technologie, in der Cloud mit Use Cases austoben. Die Realität in den Unternehmen sieht allerdings anders aus. Viele sind mit der Umsetzung ganz einfach noch nicht so weit.

Nüchtern betrachtet gilt: Viele herkömmliche Rollen bleiben gefragt, da hat sich gar nicht so viel geändert. Daneben entstehen aber auch neue Rollen. Bei denen geht es vor allem um Fachbereichsthemen und das Enablement, Lösungen zu bauen, ohne technisch selbst tief drinstecken zu müssen. Gesucht werden vor allem erfahrene Projektleiter und Architekten mit Erfahrung in End-to-End-Prozessen und Datenintegration.

Wo zeichnen sich mögliche Engpässe ab?

Maike Rose: Welche Rollen werden künftig besonders gefragt bleiben, und welche Profile sind schon jetzt schwer zu besetzen?

Michael Fuchs: Juniorprofile werden sich dramatisch verändern. Früher hat ein Junior-Berater viel dokumentiert oder entwickelt und ist so in die Prozesse hineingewachsen. All das wird künftig KI erledigen. Dadurch wird die Latte für SAP-Einsteiger einfach höher gehängt. Das finde ich aber gar nicht schlimm, das ist eine natürliche Evolution. Für den Umgang mit KI-Tools braucht man Menschen, die das gewissenhaft machen und darauf vorbereitet werden.

Absehbar ist: Jeder sucht erfahrene Architekten, die es aber nur in limitierter Zahl gibt. Das sind Profile, die schwer zu besetzen, aber auch sehr erfolgsträchtig sind. Zugleich verändern sich die Anforderungsprofile. SAP-Anwenderunternehmen wollen oft mehr, als der Markt aktuell hergeben kann: Jemand der sich KI-technisch perfekt auskennt und über umfangreiche Cloud-Erfahrung verfügt. Das muss der Markt aber erst entwickeln. Die erforderliche Evolution der Rollen und Skills braucht Zeit. 

Welche Soft Skills gewinnen im KI-Zeitalter an Bedeutung? 

Maike Rose: Wie sieht es bei den Soft Skills aus?

Michael Fuchs: Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Empathie, Konfliktfähigkeit, das sind die Eigenschaften, auf die Entscheider bei der Neubesetzung von Stellen im SAP-Umfeld Wert legen. Und letztlich klassische Soft Skills, die seit jeher relevant sind. Wir sehen aber auch, dass diese Soft Skills im KI-Zeitalter für Unternehmen immer wichtiger werden.

Ebenfalls unverzichtbar: Ein unverbauter Blick von außen, der eingefahrene Denkmuster aufbricht. Wir selbst arbeiten mit Studententeams zusammen, die uns bei der eigenen Nutzung von KI-Tools ordentlich antreiben. Das ist cool, weil sie mit Ideen und Leidenschaft kommen. In den SAP-Anwenderunternehmen ist das nicht anders. Auch dort braucht es Mitarbeitende, die eine gewachsene Organisation wachrütteln.

Gefragt ist zudem Technologieaffinität – ein fast paradoxer Soft Skill, der selbst durch Technologie und KI getrieben ist. Bloßes Ausprobieren und Herumspielen mit neuen Tools ist damit allerdings nicht gemeint. Was Unternehmen vielmehr suchen, sind Problemlöser, die die neuen Technologien und Tools nicht nur beherrschen, sondern auch Verantwortungsbewusstsein im Umgang damit mitbringen. Ein gutes Beispiel dafür ist das von Jan Kuhfuss erwähnte Profil des AI Quality Assurers.  

Wie verändert KI die bereichsübergreifende Zusammenarbeit?

Maike Rose: Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereich? Was beobachtet ihr bei Stellenausschreibungen?

Michael Fuchs: Ich sag’s mal provokant: Ich fand die Silodenke schon immer furchtbar. Als Entscheider im Unternehmen interessiert mich nicht, ob Fachbereich oder IT ein Thema treiben. Mich interessiert der Wertbeitrag der Lösung. In der Zusammenarbeit zwischen den beiden Bereichen ändert sich gerade unglaublich viel, weil man einfach weniger IT braucht. Das finde ich erstmal sehr positiv.

Allerdings ist der Austausch zwischen IT und Fachbereich weiterhin wichtig, eigentlich sogar noch wichtiger als früher. Denn Transformationen sind bekanntlich keine reinen CIO-Projekte, sondern betreffen das ganze Unternehmen. Auf CEO-Ebene oder in Aufsichtsräten ist diese Erkenntnis immer noch zu wenig präsent. Doch je mehr über Use Cases gesprochen wird, desto mehr entwickelt sich auch dort ein entsprechendes Bewusstsein.

Sucht man im Netz oder auf Stellenportalen nach ausgeschriebenen Rollen für SAP-Berater, liegt der Fokus darin immer noch stark auf der Technologie. Es braucht es aber ein anderes Verständnis von KI als das rein technische. Anwenderunternehmen müssen verstehen, was KI für die Governance, die Rollen und den erforderlichen Entscheidungsspielraum der Anwender bedeutet – und dies bei der Besetzung von Stellen stärker berücksichtigen.

Womit können SAP-Experten in Zeiten von KI punkten?

Maike Rose: Was raten Sie jemandem, der gerade seinen Karriereweg im SAP-Umfeld plant?

Michael Fuchs: KI als Chance zu verstehen ist sicherlich das eine. Zu erkennen, dass niemand als Architekt oder als anderer Experte geboren ist, das andere.

Wer jung in den Markt kommt, sollte vom Kunden her denken: Was brauchen Unternehmen? Was kann ich dazu beitragen? Egal, ob das Datenverständnis ist, AI Governance oder Technologieaffinität.

Wer schon erfahrener ist, muss ebenfalls nicht um seine Karriere fürchten. Denn bestehende Rollen werden, wie bereits gesagt, nicht von heute auf morgen überflüssig. Sich auf dem eigenen Status Quo auszuruhen, ist allerdings keine Option. Lebenslanges Lernen lautet die Devise – heute mehr denn je! Es gibt überall im Netz Angebote, um die eigenen Kenntnisse rund um KI gezielt auszubauen. Bange machen gilt deshalb nicht, der Blick muss nach vorne gehen.

Interviewserie

Wie verändert KI SAP-Karrieren? Unsere Interviewserie beleuchtet diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

  1. Recap Roundtable SAP-Karrieren im KI-Zeitalter
  2. Die Herstellerperspektive | Jan Kuhfuss (SAP)
  3. Die Unternehmensperspektive | Stephan Brand (Bosch Mobility)
  4. Die Wissenschafts-Perspektive | Prof. Dr. Dietmar Kilian (MCI)

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