Sind SAP-Anwenderunternehmen innovativ genug?

Bei der Digitalen Transformationen sehen sich nur 2 Prozent der SAP-Anwenderunternehmen „sehr weit“ und 27 Prozent „weit“ fortgeschritten. Zudem bewerten sich die Unternehmen hierbei schlechter aufgestellt als noch im Vorjahr. 19 Prozent der Firmen planen 2019 eher keine Innovationsprojekte. Diese Einblicke lieferte der DSAG-Investitionsreport 2019, und man muss die Frage stellen, ob die Unternehmen im deutschsprachigen Raum innovationsfreudig genug sind.

Helge Sanden beleuchtet, warum es regelmäßige kleine und große Innovationen braucht, wo die Hürden liegen und welche Ansätze es für eine bessere Innovationskraft und höhere Geschwindigkeit gibt. Warten ist keine Option!

 

Warum braucht man Innovationen?

SAP Innovationen Wer sich nicht schneller bewegt als seine Umgebung, wird über kurz oder lang an Relevanz im Unternehmen oder am Markt verlieren. Für Unternehmen, Produkte und Geschäftsmodelle gibt es keinen Endzustand, alles muss weiterentwickelt und regelmäßig mit kleinen Innovationen verbessert, mit großen Ideen revolutioniert oder effizienter gestaltet werden.

Disruption, also die Definition neuer Regeln in einem Marktsegment oder die Schaffung eines völlig neuen Marktes, verspricht in der Regel für mehrere Jahre Wachstum und Ertrag und eine gute Ausgangsposition führend zu werden und zu bleiben.

Die Veränderungsgeschwindigkeit in den Eco-Systemen hat sich in den letzten Jahren radikal erhöht. Sie dürfte aber vermutlich auch nie wieder so langsam sein, wie sie es heute ist. Ich frage Skeptiker der fortschreitenden Digitalisierung immer: „Wann haben Sie das letzte Mal eine Videothek besucht oder eine kostenpflichtige SMS geschrieben?“

 

Wo liegen die Hürden für Innovationsfähigkeit?

Einige Gedanken und Perspektiven von Experten zu möglichen Hürden habe ich gesammelt:

 Status Quo verwalten: In mehr als 25 Jahren Berufstätigkeit habe ich viele Unternehmen und Mitarbeiter kennen gelernt, die versucht haben den Status-Quo zu verwalten. Das Denkmuster „Es läuft ja einigermaßen gut, warum sollte ich etwas verändern“ ist nach meinen Beobachtungen weit verbreitet ist, verspricht aber bei schnellen Marktveränderungen eher keinen Erfolg.

Fehlendes Wissen über das Machbare: Beispielsweise in der IT und Technologie sind in den letzten Jahren Dinge möglich geworden, die vor wenigen Jahren noch undenkbar oder nur mit sehr viel Aufwand zu realisieren waren. Ich beobachte, dass es immer schwerer fällt (mich eingeschlossen), den Überblick zu behalten, alle Möglichkeiten zu kennen, bewerten, kombinieren oder anwenden zu können.

Warten auf kopierbare Beispiele: Ich beobachte ferner, dass Unternehmen solange mit Innovationsprojekten warten, bis man Ideen bei anderen Unternehmen finden und kopieren kann. Oft fehlt es an Kreativität, Mut, Lust, Freiräumen, den notwendigen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, Unternehmenskultur, Visionen oder anderen Grundlagen, die Innovation überhaupt erst möglich machen.

Change Projekte scheitern: Selbst wenn die Bewusstseinsschwelle überschritten wird und Innovationsprojekte gestartet werden, haben sie aus verschiedensten Gründen ein hohes Risiko des Scheiterns. Die Grundregeln für erfolgreiche Veränderungsprojekte von John P. Kotter dürfte nahezu jede Führungskraft kennen. Trotzdem scheitern immer noch schätzungsweise rund 70 Prozent der Veränderungsprojekte, vorrangig am Widerstand der Mitarbeiter und am Rückfall in alte (Denk-)muster.

Generationenkonflikt: Autor Douglas Adams beschreibt es in „Per Anhalter durch die Galaxis“ aus meiner Sicht sehr treffend. Er schrieb sinngemäß: Alles was bei der eigenen Geburt bereits existiert, ist normal und natürlicher Bestandteil, wie die Welt funktioniert. Alles was im Alter zwischen 19 und 35 Jahren hinzukommt, ist unglaublich spannend, aufregend und revolutionär und kann für die eigene Karriere förderlich sein. Alles was nach dem 35. Lebensjahr neu entsteht, bringt die natürliche Ordnung der eigenen Welt durcheinander und wird dadurch eher als Bedrohung gesehen. Welche Generation entscheidet vorrangig in den Unternehmen?

Innovator´s Dilemma: Innovationswillige und führende Unternehmen scheitern, obwohl sie „eigentlich“ alles richtig machen, also aufmerksam auf die Kunden hören, Markt und Wettbewerb im Auge haben und in Technologie investieren. So beschreibt Harvard Professor Clayton Christensen das „Innovator´s Dilemma“: Die Orientierung an klassischen Erfolgsfaktoren wie Kunden-, Ertrags- und Wachstumsorientierung funktioniert für disruptive Innovationen aus verschiedenen Gründen nicht. Stattdessen muss man beispielsweise mutig in wachstumsversprechende Nischen gehen und oder auch zukunftsorientierte Produkte mit geringen Margen in Kauf nehmen.

 

Was verspricht Erfolg für die Digitalisierung und die Umsetzung von Innovationen?

Auch hier habe ich einige Expertenmeinungen und eigene Erkenntnisse gesammelt:

Mindset für die Digitale Transformation: Eine Studie von SAP und Oxford Economics hat Unternehmen untersucht, die mit der Digitalen Transformation bereits weit fortgeschritten sind. Sie haben vier Gemeinsamkeiten: Sie definieren einen zentralen und ganzheitlichen Veränderungsprozess als Kern-Unternehmensziel, sie verändern die Schnittstellen zum Kunden, sie stärken digitale Kompetenz und Motivation und nutzen eine Bi-modale IT mit hoher Innovationskraft, setzen also in hohem Maße Cloud- und mobile Lösungen, Big-Data mit Analysemöglichkeiten und andere Innovationsbausteine ein.

Fachabteilungen und Generationen verbinden: Bei Innovationsfragen sitzen wir alle im gleichen Boot, wir brauchen die Perspektiven der anderen Experten, die der anderen Generationen und andere Meinungen und Sichtweisen. Wenn wir Brücken bauen und gegenseitig Wissen und Erfahrungen transferieren, profitieren alle davon.

Systematisch erfinderisch denken: Laut SIT-Methode (Systematic Inventive Thinking) gibt es fünf Innovationsmuster, mit denen sich Innovationen gezielt und systematisch entwickeln lassen: Subtraction (Kernkomponenten entfernen, z.B. Geräte ohne Display und Bedienung per Handy), Multiplication (Bestandteile mehrfach einsetzen, z.B. Wasserwaagen für gewolltes Gefälle), Division (Trennung von Netzteil und Gerät zwecks kompakterem Design), Task Unification (Zusätzliche Funktion für eine Komponente, z.B. Kopfhörerkabel als Antenne) und Attribute Dependency (unabhängige Komponenten verbinden, z.B. Ein-Aus-Schalter mit Fingerabdruck-Scanner). Natürlich sind diese und andere Kreativitätstechniken auch für Prozesse oder Dienstleistungen anwendbar.

Verlernen: In volatilen Zeiten und einer sich stark verändernden Umgebung muss man sich fragen, ob die erlernten Verhaltens- und Denkmuster noch passend sind. Vielleicht ist es sinnvoll, sich zu reflektieren und manche Dinge bewusst zu „entlernen“, um vorgefertigte Meinungen, Vorurteile, Denkmuster und intuitive (aber ggf. nicht mehr passende) Reaktionen an die veränderten Bedingungen anzupassen. Wer aufräumt, schafft Platz für Neues!

Langfristiger Nutzen statt schneller ROI: Wer Ideen an sofortigem Nutzen oder gar schnellem ROI misst, wird sich Optionen und langfristige Chancen verbauen. Innovationen mit Potenzial muss man hegen, pflegen und in Ruhe wachsen lassen. Und meiner Meinung nach, muss man auch mal spinnen dürfen!

Ganzheitlich denken: Die Marktforscher von IDG beschreiben in ihrer Studie „4-Digital“, dass für eine erfolgreiche und durchgehende Digitalisierung die vier Komponenten Leadership, Methodenwissen, Skills und technologisches Fundament berücksichtigt werden müssen.


 

Und was bringen Innovationen?

SAP vertieft in einem Newscenter-Beitrag „Digitalisierung zahlt sich aus“ die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen von Innovationen: 85 Prozent der innovationsfreudigen Unternehmen konnten demnach ihren Marktanteil steigern und rechnen mit einem 23 Prozent höheren Umsatzwachstum. 80 Prozent stellen eine höhere Profitabilität ihres Unternehmens fest und 70 Prozent verzeichnen eine höhere Kundenzufriedenheit sowie größeres Engagement der eigenen Mitarbeiter.

 

Deutschland hat Nachholbedarf bei der Produktivität

Im Bloomberg Innovation Index 2019 belegt Deutschland zwar den zweiten Platz in der Innovationsrangliste der 60 veröffentlichten Länder. Auffallend ist jedoch der Ausreißer beim Kriterium „Produktivität“, bei dem Deutschland nur einen Mittelplatz belegt. Ein wichtiger Einflussfaktor für hohe Produktivität sind gut funktionierende Prozesse.

 

Fazit: Warten ist keine Option

Warten ist keine Option in einem dynamischen Umfeld und starken globalen und technologischen Veränderungen. Wer jedoch in Bewegung bleibt, neue Möglichkeiten kennenlernt, adaptiert, ausprobiert und Erfahrungen sammelt, hat eine Chance: Nämlich auf dieser Reise kleine oder sogar bahnbrechende Innovationen zu schaffen, die lange Zeit für gute Geschäfte sorgen oder die Wirtschaftlichkeit und Produktivität weiter erhöhen.

Weiterführende Informationen:

SAP News Center: Digitalisierung zahlt sich aus

Innovationsranking 2019: Bloomberg Innovation Index 2019

 

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