SAP-Payroll als Governance-Frage: Wieso die größten Hürden vor der Migration liegen
SAP HCM for S/4HANA oder SuccessFactors Employee Central Payroll? Warum die Technologiewahl wichtig, bei der Payroll-Migration aber erst der der zweite Schritt ist.
Veröffentlicht
06. Dezember 2018
Lesezeit
4 Minuten
Redaktion
IT-OnlineMagazin
In Jahrzehnte lang gewachsenen SAP-Systemen haben sich viele wertvolle, aber auch viele nutzlose Daten gesammelt. Der S/4HANA-Umstieg kann der richtige Zeitpunkt sein, um das System zu optimieren und den unnötigen Ballast zurückzulassen.
Von Gerd Hagmaier (Datavard AG) wollte ich wissen, wie man die nützlichen und die nutzlosen Daten unterscheiden kann, wie man seine S/4HANA-Datenbasis maßschneidert und worauf der betriebswirtschaftliche Fokus liegen sollte.
Gerd Hagmaier ist Gast eines Expert-Talks zur Onlinekonferenz 2019 „Der Umstieg auf SAP S/4HANA – wie machen es andere Unternehmen?“ und berichtet dort, wie man aktive Daten im SAP-System identifizieren kann, welche smarten Tools bei einer selektiven S/4HANA Migration unterstützen und welche Technologien zur Archivierung weniger wichtiger Daten genutzt werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei Erfahrungen aus abgeschlossenen Projekten, Best Practices und Trends.
Zum Expert-Talk mit Gerd Hagmaier registrieren … (15:00 Uhr | 31.01.19 – oder später Aufzeichnung ansehen)
Das Management von Daten wurde innerhalb eines SAP ECC Systems von einem Großteil der Kunden sehr stiefmütterlich behandelt — das bestätigen uns unsere Kunden und zeigen Umfragen bei SAP Bestandskunden.
Wäre S/4HANA nicht gekommen, würde weiterhin zusätzlicher Plattenplatz gekauft, weitere Daten gesammelt und das Thema mit Prio 9 abgehakt. Bei einem Umzug auf S/4HANA, verbunden mit deutlich teureren Hardwarekosten, kann das ein teures Unterfangen werden: Daher sollte die Priorität unbedingt auf 1 gesetzt werden.
Ich würde nicht nach nutzlos und wertvoll, sondern vielmehr nach aktiv und inaktiv unterscheiden. So wie die Sommerkleidung im Winter nicht nachgefragt wird, so sehe ich auch inaktive Daten an.
Geringe Nachfrage für Auswertungen, für manuelle Änderungen und zu Informationszwecken, aber auch fehlende Qualität der Daten. In unseren technischen Analysen prüfen wir zum Beispiel Stammdaten auf ihre tatsächliche Verwendung und gruppieren diese in drei Nutzungsklassen:
Die Nutzungsklasse aktive Nutzung beinhaltet Stammdaten mit zugehörigen, aktuellen Transaktionsdaten. Die Klasse inaktive Daten beinhaltet Stammdaten mit Sperrvermerken, die für keine Prozessbuchung verfügbar sind. In der Klasse veraltete Daten finden wir Stammdaten, die keine zugehörigen Transaktionsdaten innerhalb der letzten fünf Geschäftsjahre haben.
Diese Fragestellung ist eigentlich nicht neu mit S/4HANA-Umstellungen aufgekommen, sondern bereits aus klassischen Transformationsprojekten bekannt. Wurde in der Vergangenheit ein Firmenteil verkauft, so wurden exakt diese Fragestellungen beantwortet und in Softwarepakete gegossen.
Häufig wurde anhand von drei Dimensionen dieses Herausschneiden abgebildet. Eine Dimension ist das Organisationselement in einem SAP System, z.B. der Buchungskreis, zweitens die zeitliche Dimension, z.B. lediglich Daten der letzten zwei Jahre und drittens der Status des Transaktionsdatums, z.B. eine offene Bestellung. Mit diesen drei Dimensionen lassen sich alle Anforderungen des Kunden abbilden, unabhängig in welches Zielrelease der Kunde umziehen möchte.
Da wir eine „end-to-end“-Lösung der Daten anbieten, schlagen wir den Kunden vor, diese Daten in ein kostengünstigeres Speichermedium umzulagern, was aber weiterhin aus dem SAP System angesteuert werden kann.
Wir bieten dazu ein Produkt namens Glue an, das eine zertifizierte Anbindung von SAP erlaubt, beispielsweise an Hadoop. Damit können wir Kunden davon überzeugen, von ihrer Idee „wir lassen das SAP-System im Anzeigemodus stehen“ abzurücken, um auf unsere innovativere Lösung zurückzugreifen.
In meinen SLO-Workshops mit Kunden stelle ich zwei Fragen, um zu verstehen, ob es wirklich Sinn macht und sich damit auch rechnet:
Sobald mindestens eine Frage mit „ja“ beantwortet wird, wird sich das Vorhaben rechnen. Und glauben Sie mir, aktuell höre ich in mehr als 90 Prozent der Fälle mindestens einmal „ja“.
Welcher Weg nach S/4HANA wird der ideale für den einzelnen Kunden sein, fakten-, kosten-, zeitoptimiert und mit dem akzeptierbarem Risiko.
Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.
In einem Expert-Talk zur Onlinekonferenz „Ihr Weg nach SAP S/4HANA: Wie machen es andere Unternehmen“ diskutiert Gerd Hagmaier mit Helge Sanden über Praxisbeispiele, Best Practices und Empfehlungen aus abgeschlossenen Projekten.
Sie können diesen und alle Beiträge der Onlinekonferenz live (29.01. – 01.02.19) oder als Aufzeichnung verfolgen. Im Konferenzprogramm finden Sie Erfahrungsberichte aus mehr als 20 S/4HANA-Migrationen.
SAP HCM for S/4HANA oder SuccessFactors Employee Central Payroll? Warum die Technologiewahl wichtig, bei der Payroll-Migration aber erst der der zweite Schritt ist.
AI-Agents führen erstmals die Liste der gefragtesten SAP-KI-Funktionalitäten an. Sascha Göpfert (valantic) erklärt, was beim Einsatz von Business AI bedacht sein will.
Was passiert bei der SAP S/4HANA-Migration mit analogen Geschäftsunterlagen, die nie digital waren? Ein Blick auf ein oft unterschätztes Transformationsrisiko.