Automatisierung: SAP MDG und Verbesserung der Datenqualität

SAP MDG (Master Data Governance) kann man mit unterschiedlichen Detaillierungen einführen, was Auswirkungen auf den Individualisierungsgrad und die Projektlaufzeit hat.

Von Jana Murrweiss (IBsolution) wollte ich wissen, welche Fragen man sich vor einer Entscheidung für SAP MDG stellen sollte, wie man die Einführungszeiten kompakt hält, wie man das Projekt mit der S/4HANA-Umstellung synchronisiert und wie die Automatisierung der Verbesserung der Datenqualität gelingen kann.

 

Frau Murrweiss, für wen eignet sich SAP MDG besonders und welche Fragen wollte man sich vor einer Einführung stellen?

Jana Murrweiss: SAP MDG eignet sich besonders für Unternehmen, die aus einer dezentralen Organisation heraus Informationen für verteilte Systeme bereitstellen müssen. Wird in diesem Fall kein zentrales System zur Verwaltung der Stammdaten genutzt, besteht ein enorm hohes Risiko, dass Datenbestände auseinanderlaufen.

Das kann dramatische Auswirkungen mit sich bringen: Stellen Sie sich vor, was passieren könnte, wenn chemische Halbfertigprodukte, die nie miteinander in Berührung kommen dürfen, auf Grund fehlerhafter Stammdaten als unbedenklich eingestuft werden und zusammen reagieren. Oder es wird einfach nur die falsche Schraube geliefert, was einen Produktionsstillstand auslösen kann.

Wenn es um die zentrale Datenhaltung geschäftskritischer Stammdaten in heterogenen Landschaften geht, wenn man die Qualität der Daten nachhaltig sicherstellen und Governance-Prozesse etablieren möchte, dann empfehlen wir, sich mit SAP MDG auseinanderzusetzen.

Die grundlegende Frage, die sich Unternehmen demnach vor Einführung von SAP MDG stellen sollten, ist: Kann ich es mir erlauben, fehlerhafte oder unvollständige Stammdaten zu nutzen … und wie wirken sich diese Fehler im Zweifel auf mein Geschäft aus?

 

Stammdaten-Projekte haben den Ruf, dass sie lange dauern und komplex sind, weil es viele unterschiedliche Interessensgruppen gibt. Wie kann man ein MDG-Projekt kompakt halten?

Unsere Erfahrung ist, dass Stammdaten Projekte nur dann kompakt gehalten werden können, wenn man nicht „bei Null“ beginnt oder allen Beteiligten uneingeschränkten kreativen Freiraum einräumt.

Es empfiehlt sich also, nicht mit einem leeren SAP MDG-System zu starten, sondern fertigen Business-Content mit auszuliefern. Dabei handelt es sich um Best-Practice Prozesse, die in beinahe jedem MDG-Projekt gleich sind.

Diese bilden das Fundament und werden zusammen mit dem Fachbereich in kleinen abgegrenzten Arbeitsgruppen und Sprints weiter veredelt. So werden schnell und unkompliziert Quick-Wins erzielt, die priorisiert und zeitlich geplant realisiert werden können.

 

… und wie synchronisiert man ein SAP MDG-Projekt mit einer S/4HANA-Migration? Macht man das vorher, parallel oder nachher?

Aus unserer Erfahrung heraus empfehlen wir, ein MDG-Projekt vor einer S/4HANA abzuschließen. Dies hat mehrere Gründe.

Zum einen kann man dadurch vermeiden, dass man mit alten unvollständigen oder fehlerhaften Daten in einer neuen Systemlandschaft weiterarbeitet. Ferner muss man Datenmodelle anpassen, wie beispielsweise den „SAP Business Partner“, die Voraussetzung für die Einführung von S/4HANA sind.

 

Wie kann man Prozesse zur Verbesserung der Datenqualität automatisieren?

Hier gibt es zwei große Bereiche, die es Wert sind genauer betrachtet zu werden.

  1. Unterstützung der Anwender durch Automatismen
  2. Verteilung von Informationen in heterogenen Systemlandschaften

Viele Stammdaten-Fehler entstehen bereits bei deren Eingabe oder im Rahmen von Änderungen. Tippfehler, Auswahl eines falschen Wertes in Drop Down Listen und vieles mehr. Die Ursachen können vielfältig sein. Hier helfen Automatismen in Form von vorgefertigten Regelwerken, Fehler zu vermeiden. Dabei handelt es sich um Ableitungen und / oder Validierungen und auf Rollen angepasste Building Blocks, die Fehler gar nicht erst zulassen. Auch Online-Schnittstellen zu externen validierten Datenquellen, die vorgegebene Werte automatisch eintragen, helfen, die Qualität der Stammdaten zu steigern.

Sind die Daten in der zentralen Instanz sauber und Governance-konform gepflegt, gilt es nun, noch alle angeschlossenen Systeme über Schnittstellen automatisch zu bedienen und darüber eine Datenkonsistenz zu gewährleisten.

 

Was wird für Sie in den kommenden 12 Monaten das dominierende Thema bei den SAP-Stammdaten?

Das beherrschende Thema der nächsten 12 Monate wird nach wie vor das Thema Datenqualität bleiben – auch und gerade im Kontext von SAP S/4HANA. Inhaltlich werden sich allerdings gravierende Änderungen ergeben. Es wird immer mehr um die Vereinheitlichung von Datenmodellen gehen und darum, wie KI im Stammdaten-Management unterstützen kann.

Langfristig sehen wir noch weitere Herausforderungen auf der Agenda. Immer wichtiger wird das Thema Datenintelligenz: Wie komme ich an Daten? Wo kommen die Daten her?

 

 Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

 

Beim Thementag 2020 zur Automatisierung mit SAP ist Jana Murrweiss Gast eines Expert-Talks. Wir bekommen einen Projektbericht eines MDG-Rollouts und diskutieren über die Nutzung von MDG-Standardprozessen und zusätzliche Lösungen zur Verwaltung von Ableitungen, Validierungsregeln und Building Blocks.

Automatisierte Standardprozesse zur Verbesserung der Datenqualität
Hier registrieren …  | 27.05. | 15 Uhr (oder später als Aufzeichnung)

 

 

 

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