Kolumne: Cloud oder nicht Cloud, das ist nicht mehr die Frage

SAP-Cloud-IT-Onlinemagazin-TitelbildViele Unternehmen haben den Einstieg in die Cloud-Welt mit ersten Cloud-Lösungen erfolgreich vollzogen. Das ist gut, reicht aber noch nicht.

SAP-Kunden sollten jetzt den nächsten Schritt gehen – den Umstieg mit SAP S/4HANA in die Cloud. Das meint Thomas Pasquale von GAMBIT Consulting in seiner Kolumne für das IT-Onlinemagazin und nennt Cloud-Entscheidungskriterien, die das C-Level kennen sollte.

 

„Bin ich schon drin?“ Das fragt 2024 kaum einer mehr

Das Thema Cloud ist in der Chefetage angekommen. Nahezu jedes Unternehmen setzt mittlerweile Cloud-Lösungen ein. Die Cloud ist heute längst ein Stück Normalität und nichts Exotisches mehr. Und dennoch: Wenn es um den Umstieg auf SAP S/4HANA geht, zögern viele Unternehmen immer noch.

In einer Umfrage des IT-Onlinemagazins kam neulich zum Beispiel heraus: 25 Prozent der Unternehmen wollen mit Blick auf 2027 mit SAP S/4HANA On-Premise bleiben. Jedes vierte Unternehmen also! Und weitere 18 Prozent setzen im Kern-ERP auf On-Premise und planen, dies mit Cloud-Komponenten zu ergänzen.

 

Mehr Aufwand, aber weitaus größerer Nutzen!

Cloud-oder-nicht-SAP-Public-CloudViele Unternehmen verstehen, dass der Betrieb ihres ERP-Systems in der Cloud einfacher und die Sicherheit heute häufig schon deutlich höher ist als das, was im eigenen Rechenzentrum möglich ist. Dennoch werden die vermeintlichen Nachteile eines Cloud-ERP-Systems oft überbewertet – und die Einführung eines solchen Systems eben nicht als strategisches Projekt gesehen, mit dem sie ihre Effizienz deutlich erhöhen und ihre Prozesse durch den hohen Standardisierungsgrad vereinfachen können.

Tatsache ist: Eine Lösung wie die SAP S/4HANA Public Cloud kann ihre ganze Stärke vor allem dann ausspielen, wenn Bestehendes aufgrund automatischer und regelmäßiger Updates, neuer technologischer Innovationen und einer maximalen Standardisierung auf den Prüfstand kommt.

Die Umstellung auf die Public Cloud kostet zwar viel Aufwand im Hinblick auf die Umstellung von den vorhandenen ECC-Prozessen auf die SAP S/4HANA Best Practices und von den Eigenentwicklungen auf die neuen Technologien, aber richtig ist eben auch: Nach dieser Umstellung hat man den technologischen Rückstand abgebaut!

Ja, die Public Cloud tut mitunter ein Stück weit weh, wenn Gewohntes nicht mehr so vorhanden ist, wie dies lange der Fall war. Aber letztlich bringt das Neue das Unternehmen voran. Das haben wir bei GAMBIT im vergangenen Jahr bei unserem Umstieg in die SAP Public Cloud selbst erlebt.

 

Zweifel an der Public Cloud? Sind alle meistens unbegründet!

Viele Unternehmen haben noch Themen auf dem Zettel, die ihnen gerade mit Blick auf den Umstieg in die Public Cloud Sorge bereiten. Im Grunde aber sind sie alle längst gelöst. Es gibt Antworten auf alle Kernfragen, die für Entscheider wichtig sind, wenn es jetzt um den Wechsel geht. Vier wichtige Aspekte sind:

  1. Der gewohnte Prozess- und Funktionsumfang ist auch in der Public Cloud gegeben. Das zeigen viele unserer Fit-to-Standard-Analysen in unseren Roadmap-Projekten. Außerdem gibt es in zeitgemäßen SAP-S/4HANA-Architekturen eine Reihe von Möglichkeiten, um selbst eine Public Cloud je nach Anforderung über externe, erlaubte Erweiterungen funktional oder prozessual zu erweitern. Die Erweiterung findet zwar an einer anderen Stelle statt – aber sie ist möglich!
  2. Investitionsschutz für das Vorhandene ist beim Wechsel in die standardisierte Public Cloud zwar nicht gegeben. So müssen Entwicklungen, die erhalten werden sollen, zum Beispiel auf der Business Technology Platform komplett neu entwickelt werden. Was aber viel wichtiger ist aus meiner Sicht: Unternehmen sollten immer bedenken, ob eine Investition in On-Premise heute mit Blick auf den Investitionsschutz tatsächlich noch die beste Option ist – oder doch auf lange Sicht eher Geld verbrennt, wenn dann doch in wenigen Jahren der Cloud-Umzug folgen muss. Auch das ist eine Frage des Innovationsschutzes!
  3. Individualisierung ist in Teilen nach wie vor möglich. Die Business Technology Platform zum Beispiel bietet die Möglichkeit, eigene Anwendungen zu entwickeln und vorhandene Systeme zu erweitern. Erweitern lässt sich auf der Public Cloud darüber hinaus auch mit Embedded Steampunk. In welchem Umfang Individualisierung immer sinnvoll ist, ist allerdings eine andere Frage. Denn der Umstieg in die SAP S/4HANA Public Cloud bedeutet, ganz bewusst auf den SAP-Standard (die „Best Practices“) zu setzen und sich damit gegen individuelle Lösungen zu entscheiden. Der Vorteil: Das erprobte und bewährte Wissen anderer – das ja im Standard steckt – ist sofort verfügbar und sorgt für mehr Einfachheit und effizientere Prozesse!
  4. Letzter Punkt, die vermeintlich höhere Sicherheit eines On-Premise-Systems. Unternehmen sollten sich zunächst klar machen, dass IT-Sicherheit kein Cloud-spezifisches Problem ist. Hinzu kommt: Die Sicherheit von Daten und Systemen in der Public Cloud ist heute vielfach sogar deutlich höher als in einem Rechenzentrum im eigenen Unternehmen. Ein Mehr an Sicherheit? Gibt es gerade in zeitgemäßen Lösungen wie der Public Cloud!

 

Fundierte Entscheidungen treffen

Angesichts dieser Antworten noch immer die Entscheidung für On-Premise zu treffen, kann sich auf lange Sicht meiner Meinung nach als fatal erweisen.

Wer als SAP-Kunde jetzt noch vor der Entscheidung über das Betriebsmodell für SAP S/4HANA steht, sollte diese Entscheidung meines Erachtens daher immer über ein Roadmap-Programm absichern und dabei alle Optionen in Betracht ziehen. Die SAP S/4HANA Public Cloud passt sicher nicht immer. Sie von vornherein auszuschließen, wäre aber ein Fehler.

Die Zukunftsfähigkeit ist bei der Entscheidungsfindung essenziell. Demografische Entwicklung. End-to-End-Prozessoptimierung. Harmonisierung. Standardisierung. Dynamisierung und Flexibilisierung. Das alles sind Faktoren, die den Wandel in die Public Cloud gerade massiv vorantreiben.

Ich bin fest überzeugt: Die Unternehmen, die sich jetzt vollumfänglich auf die Cloud-Transformation einlassen und diese Themen damit aktiv angehen, profitieren auf lange Sicht massiv von den Vorteilen von SAP S/4HANA. Die Entscheidung fällt heute für die Private Cloud? Dann sollte das neue System in jedem Fall technisch schon auf den nächsten Wechsel in ein Public-Cloud-System vorbereitet werden.

 

Bloß keinen Stillstand – oder sogar einen Schritt zurück!

Im Grunde führt erst der Umstieg in die Public Cloud dazu, dass Unternehmen das volle Potenzial von SAP S/4HANA heben können – ob nun im Hinblick auf das Innovationstempo, die Nutzung neuer Technologien wie KI oder eine höhere Skalierbarkeit. Oder anders gesagt: Mit einem rein technischen Brownfield-Umstieg auf On-Premise oder in eine Private Cloud (ohne RISE) können Unternehmen die vielen Vorteile von SAP S/4HANA eben nicht in Gänze nutzen. Das muss klar sein.

Sie hängen mit dem eigenen ERP-System noch in der alten Welt? Dann sollten Sie beim Umstieg auf SAP S/4HANA jetzt konsequent auf die Cloud setzen. Die Antworten liegen alle auf dem Tisch. Ob Private oder Public Cloud – die passenden Lösungen sind da!

 

Wer zu Entwicklungen in der SAP-Community kompakt informiert bleiben möchte, abonniert den IT-Onlinemagazin Newsletter.

 

Wir danken Ihnen, wenn Sie diesen Artikel jetzt weiterempfehlen:

Anzeige

Anzeige

Das IT-Onlinemagazin ist Medienpartner der Transformation World 2024

Über die Redaktion IT-Onlinemagazin

SAP-Community Nachrichten, die Entscheider kennen sollten: Abonnieren Sie jetzt unseren IT-Onlinemagazin Newsletter. Lesen Sie Umfrageergebnisse, Insights aus dem SAP-Ecosystem, Interviews und Artikel ... und Sie bleiben kompakt informiert.

Lesetipp für Sie:

Sven Holtmann

E-Rechnungspflicht: Wie bereitet man sich vor?

Die E-Rechnung wird in Deutschland künftig eine sehr viel wichtigere Rolle spielen als bisher. Eine …