Digitale Transformation derzeit offenbar wichtiger als die SAP S/4HANA-Umstellung

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Posted 24. Januar 2018 by Redaktion IT-Onlinemagazin in IT-Leiter

Laut DSAG-Investitionsumfrage 2018 steigen die IT-Investitionen bei 40 Prozent der SAP-Anwenderunternehmen gegenüber dem Vorjahr, bei 49 Prozent bleibt sie auf gleichem Niveau. Interpretiert man die Ergebnisse, könnten die zusätzlichen Investitionen aktuell nicht unmittelbar in SAP-Technologien erfolgen, sondern vorrangig in Projekte zur Digitalen Transformation und in IT-Sicherheit.

Die Umstellungsgeschwindigkeit in Richtung SAP S/4HANA nimmt indes nur langsam an Fahrt zu, obwohl laut DSAG viele Projekte gestartet sind. Da bei S/4HANA-Umstellungen oft viele komplexe Fragen zu klären sind, dauern Umstellungsprojekte Richtung S/4HANA lange. Marco Lenck (DSAG) schätzt, dass dabei mehr Unternehmen den Greenfield-Ansatz verfolgen als eine Brownfield-Umstellung.

 

Erfreuliches Investitionsklima: SAP-Investitionen steigen stark

Bei 40 Prozent der 334 teilnehmenden SAP-Anwenderunternehmen steigen die IT-Investitionen in 2018 gegenüber dem Vorjahr und zwar um durchschnittlich 17 Prozent. Bei 49 Prozent bleibt die Investitionshöhe gleich. Ähnlich sieht es bei den SAP-Investitionen aus: bei 40 Prozent der Unternehmen steigen sie — und hier sogar um durchschnittlich 37 Prozent!

79 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Sie 2018 mehr in IT-Sicherheit wollen als 2017.

 

Digitale Transformation = bestehende Prozesse optimieren

SAP Investition in GeschäftsprozesseGegenüber dem Sommer 2017, als 31 Prozent der Befragten angaben, weit oder sehr weit im Transformationsprozess zu sein, sagen das nun 44 Prozent der Unternehmen (+ 13 Prozent).

In erster Linie wird weiterhin in die Verbesserung der bestehenden Geschäftsprozesse investiert. Hier gibt es einen Zuwachs um 33 Prozent. Aber auch die Investition in neue Geschäftsmodelle erreicht mit einer Steigerung um 30 Prozent ein beachtliches Niveau.

„85 Prozent der Befragten fokussieren sich auf eine Effizienzsteigerung bestehender Geschäftsprozesse im Zuge der Digitalisierung. Der Anteil hat gegenüber 2017 um mehr als 30 Prozentpunkte zugenommen“, wertet DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck die Ergebnisse. „Bestehende Geschäftsprozesse zu digitalisieren ist bei den DSAG-Mitgliedern nach wie vor wichtiger, als in neue Geschäftsmodelle zu investieren, auch wenn beides gestiegen ist“, interpretiert Marco Lenck ein weiteres Umfrageergebnis.

 

Wachstum außerhalb des Kerns bei SuccessFactors und Hybris

Cloud-Lösungen nehmen überall dort an Beliebtheit zu, wo sie die Kernanwendungen ergänzen: Im Personalbereich, im Vertrieb, Marketing und Service. Cloud-Investitionen erfolgen nach den Umfrageergebnissen vorrangig in die ergänzenden Produkte SuccessFactors (14 Prozent, + 2 Prozentpunkte) und Hybris (13 Prozent, + 1 Prozentpunkt). Es folgen Ariba mit 7 Prozent, die SAP Cloud Platform mit 6 Prozent und die HANA Enterprise Cloud mit knapp unter 6 Prozent.

 

SAP Leonardo und SAP Cloud Plattform: Gute Ausgangspositionen

Investitionen in SAP ProdukteRund 2 Prozent nutzen ausgewählte Bestandteile des SAP Leonardo Portfolios (Technologien, Anwendungen und Services) für das Internet der Dinge, weitere 10 Prozent wollen es 2018 nutzen. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer interessiert sich dafür. Diese Bekanntheits- und Popularitätssteigerung haben DSAG und SAP im letzten halben Jahr gemeinsam mit zahlreichen Initiativen geschafft.

Auch die SAP Cloud Plattform ist gut positioniert: 31 Prozent setzen auf die SAP Cloud Platform als präferierte Integrationsplattform, 22 Prozent auf Microsoft Azure, bei 7 Prozent auf Amazon Web Services, 41 Prozent setzen auf andere Plattformen als die genannten.

Das macht deutlich, dass es nicht die eine, sondern mehrere Plattformen von Bedeutung sind und für DSAG-Mitglieder auch Alternativlösungen und Plattformen anderer Anbieter für Digitalisierungsvorhaben in Betracht kommen. Die DSAG betont in diesem Zusammenhang immer wieder, dass die Interoperabilität untereinander und Kalkulierbarkeit bei den Lizenzkosten (siehe: „indirekte Nutzung“) sichergestellt sein muss.

 

Kaum Verschiebungen Richtung SAP S/4HANA

Die Investitionen in die traditionelle SAP Business Suite gehen im Vergleich zum Herbst 2017 um rund 10 Prozentpunkte auf 48 Prozent zurück. Diese wandern jedoch nicht gleichermaßen in S/4HANA-Investitionen, denn die bleiben nahezu konstant. Einen spürbaren Aufwärtstrend verzeichnet hingegen S/4HANA Cloud mit einem Zuwachs um 4 Prozentpunkte.

„Nach wie vor wird in beide Produkte investiert. Wir sehen aber deutlich, dass die Bedeutung der Business Suite ungebrochen ist. Lediglich ein Fünftel der DSAG-Mitglieder plant keine Projekte in diesem Umfeld“, kommentiert der DSAG-Vorstandsvorsitzende die Zahlen.

 

Wann auf S/4HANA umsteigen?

Wann auf S/4HANA umsteigen?3 Prozent der Mitglieder setzen bereits S/4HANA ein. 5 Prozent der Befragten wollen 2018 umsteigen, ein Drittel in drei Jahren. Ein Viertel hat sich diesbezüglich noch nicht entschieden und 13 Prozent planen auf der Business Suite zu verbleiben. Das sind die Ergebnisse der Frage nach dem Umstiegszeitpunkt.

„Der im vergangenen Jahr prognostizierte Zuwachs von 4 Prozent an Umstiegen auf S/4HANA wurde nicht realisiert“. Trotz zahlreicher Projekte hat die Zahl der Umstellungen nicht merklich zugenommen. „Das könnte daran liegen, dass der Übergang komplexer ist als gedacht und S/4HANA-Projekte daher noch nicht beendet werden konnten“, bemerkt der Dr. Marco Lenck. „Wir merken, dass viele Unternehmen sich mit S/4HANA beschäftigen. Ich bin gespannt, wann der Durchbruch mit abgeschlossenen Projekten im deutschsprachigen Raum kommen wird. Nach wie vor hat die Business Suite bei unseren Mitgliedern Bestand, weshalb eine Weiterentwicklung sichergestellt werden muss.“

 

Vermutung: Mehr Greenfield als Brownfield-Umstellungen

Auf unsere Nachfrage erläuterte Marco Lenck, dass die Unternehmen die Umstellung gründlich angehen. Seinen Beobachtungen nach präferieren viele Unternehmen den Greenfield-Ansatz, also eine Neuinstallation, bei der sich Unternehmen auch komplett neu über ihre Prozesse Gedanken machen müssen.

Ein Brownfield-Umstellung, bei der die bestehenden Prozesse übernommen werden, verfolgen seiner Meinung nach weniger Unternehmen. Diese Umstellungen seien in der Regel jedoch schneller zu realisieren.

„Ich finde es gut, dass Nutzen und nicht die Technologie im Vordergrund steht. Wenn aktuell offenbar vorrangig bestehende Prozesse (evolutionär) optimiert werden, scheint der präferierte Pfad zu sein, erst die Digitale Transformation und dann eine Umstellung auf S/4HANA zu machen. Will man jedoch neue Geschäftsmodelle entwickeln, sollte man sorgfältig prüfen, ob man das mit S/4HANA einfacher umsetzen kann“, kommentiert Helge Sanden (IT-Onlinemagazin) die DSAG-Umfrageergebnisse.

 

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