SAP-Betrieb: Hybrid statt On-Premises in 2023

Nur noch rund ein Viertel der SAP-Anwenderunternehmen will 2023 seine produktiven SAP-Landschaften ausschließlich On-Premises betreiben. Hybrid, also die Mischung aus Cloud- und On-Premises, dominiert und wird bei über der Hälfte der Unternehmen das SAP-Betriebsmodell sein. Rund 6 Prozent wollen komplett in die Cloud.

Bei der S/4HANA-Migration palnen aktuell rund 36 Prozent eine selektive Transformation. Über 80 Prozent der Unternehmen haben vorbereitend auf den S/4HANA-Umstellung bereits Daten- und Prozessanalysen vorgenommen. Von 2022 bis 2024 planen etwa 38 Prozent der SAP-Kunden den Umstieg abzuschließen.

Das sind einige Ergebnisse einer SAP-Community Trendumfrage aus dem Februar 2021 im IT-Onlinemagazin, die von der Deutschen Telekom fachlich begleitet und gesponsert wurde. 121 Mitglieder aus der SAP-Community haben teilgenommen und online ihre Stimme abgegeben. Diese Trendumfrage ist nicht repräsentativ.

„Diese Ergebnisse spiegeln exakt das, was wir aktuell bei unseren Kunden erleben. Der Trend geht in die Cloud — und natürlich auch im SAP-Kontext. Hierbei zeigt es sich, dass, abhängig von der individuellen Situation des Kunden, unterschiedliche Cloudstrategien gefahren werden. Wir sprechen hier explizit von Multi-Cloud. Wir begleiten Unternehmen in allen Phasen der Transformation und können gerade in der ersten Phase, der Analyse, momentan viel Bewegung erkennen“, bewertet Sonja Stäglich vom Cloud Partner Sales der Deutschen Telekom die Trendergebnisse.

 

Wann soll SAP S/4HANA produktiv genutzt werden?

2021 wollen 9 Prozent, 2022 wollen 16 Prozent, 2023 und 2024 wollen je 11 Prozent und später wollen 15 Prozent umgestiegen sein. Bei 13 Prozent ist der Termin noch unklar. Das deckt sich fast genau mit DSAG-Umfrageergebnissen aus dem Januar 2021: Dort gaben 39 Prozent an, von 2022-2024 umsteigen zu wollen, in unserer aktuellen Trendumfrage sind es 38 Prozent.

SAP-S4HANA-Produktiv-nutzen

Rund 25 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen S/4HANA bereits produktiv. Das dürften überdurchschnittlich viele sein, denn wir schätzen, dass erst rund 15-20 Prozent aller Anwenderunternehmen S/4HANA produktiv nutzen.

„Ja, viele Kunden digitalisieren durch Corona jetzt schneller. Und auch im SAP-Umfeld ist die Planung und der Wille zu einer schnelleren Transformation zu erkennen. Wir sehen entsprechend auch momentan sehr viel Aktivitäten bei der Analyse der Ist-Situation. Zum Beispiel hinsichtlich Prozesse und Datenverkehr, um dann später die Transformation zu optimieren“, meint Siegfried Hannes, Fachexperte zu SAP bei der Deutschen Telekom.

 

Vorbereitende Daten- und Prozessanalysen durchgeführt

 43 Prozent haben nach eigenen Angaben bereits Daten- und Prozessanalysen für die S/4HANA-Transformation durchgeführt, weitere 40 Prozent haben das zum Teil erledigt. Bei 17 Prozent wurden diese wichtigen Voranalysen noch nicht durchgeführt.

„Viele Anwenderunternehmen verfolgen offenbar bereits ihren Plan für den S/4HANA-Umstieg, denn nur bei wenigen ist der Termin noch ungewiss — und mehr als 80 Prozent haben bereits Voranalysen durchgeführt. Diese hohe Zahl hat mich überrascht. Dass 2021 vergleichsweise wenige Unternehmen produktiv gehen, könnte auf Corona-Auswirkungen und Prioritätsverschiebungen hinweisen“, meint Helge Sanden (IT-Onlinemagazin).

 

S/4HANA-Umstieg: Greenfield, Brownfield oder selektiv?

Auch bei der Frage, ob die Transformation Greenfield, Brownfield oder selektiv präferiert wird, gibt es ein ähnliches Bild: 13 Prozent der Teilnehmenden haben noch keine Entscheidung zur Transformationsstrategie getroffen. 19 Prozent planen Greenfield, 32 Prozent Brownfield und 36 Prozent die selektive Transformation.

SAP-Greenfield-Brownfield-selektiv-2021

Auch diese Zahlen decken sich vom Trend mit Umfragen aus 2019 im IT-Onlinemagazin, als 1115 Stimmen abgegeben wurden. Damals gab es folgende Ergebnisse (Grafik): 35 Prozent Brownfield, 18 Prozent Greenfield, 36 Prozent selektiv und 11 Prozent noch unentschlossen. Die Ergebnisse von 2019 und 2021 sind fast identisch und Trendwechsel eher nicht erkennbar.

„Das Ergebnis deckt sich definitiv mit unseren Erfahrungen. In der Regel definieren die Unternehmen keine neuen Prozesse, sondern nehmen ihre vorhandene, optimierte Struktur und transformieren sukzessive und partiell zu S/4HANA.“
Siegfried Hannes

 

Wie werden produktive SAP-Landschaften 2023 betreiben?

Von einem Trendwechsel können wir jedoch beim SAP-Betriebsmodell sprechen: Nur noch 27 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihre produktiven SAP-Landschaften 2023 „ausschließlich On-Premises“ betreiben werden. 43 Prozent antworteten „Hybrid: überwiegend On-Premises“, 12 Prozent „Hybrid: überwiegend in der Cloud“ und 6 Prozent „ausschließlich in der Cloud“. Bei weiteren 12 Prozent ist das noch unklar.

06-SASAP-Betrieb-On-Premises-Cloud

Pascal_Brumm_DTAG„Genau! Hier ist deutlich zu sehen, dass — unabhängig von dem Anbieter der Cloud Plattform — der Trend zu Cloud-Betriebsmodellen besteht und meiner Meinung nach in den nächsten Jahren noch weiter fortgesetzt wird. Im weiteren Sinne können wir sagen, dass der angehende Transformationsprozess als Teil der Digitalisierungs- und Innovationsstrategie zu sehen sind“, erläutert Pascal Brumm, Head of SAP im Cloud Partner Sales der Deutschen Telekom.

„Einige SAP-Lösungen sind nur noch als SaaS-Lösungen verfügbar, beispielsweise SAP IBP, Ariba oder SuccessFactors. Dadurch werden SAP-Landschaften automatisch hybrid. IT-Organisation tun gut daran, Cloud-Knowhow auf- und auszubauen. Im ERP-Kern dürften viele Unternehmen weiterhin On-Premises präferieren“, vermutet Helge Sanden (IT-Onlinemagazin) mit Blick auf die Zahlen.

 

Wo haben SAP-Kunden Informationsbedarf?

Bei der Frage „Wo haben Sie den größten Informationsbedarf“ waren mehrere Antworten möglich. Spitzenreiter ist mit 47 Prozent die „Integration von SAP- und Non-SAP-Anwendungen“, gefolgt von „S/4HANA-Roadmap“ (44 Prozent), „Entwicklung einer neuen SAP-Strategie“ (35 Prozent), „Innovationspotenziale (Blockchain, AR, Sensorik / IoT, Bots)“ (32 Prozent), „Hybride Multi-Cloud Infrastruktur“ (32 Prozent), „SAP-Lizenzen“ (27 Prozent), „SAP-Betriebsmodelle“ (23 Prozent) und „Mobiles Arbeiten (Mobilfunk, Endgeräte, Prozesse) (16 Prozent).

„Das deutet wiederum eindeutig auf den Brownfield-Ansatz bzw. selektiven Ansatz hin und bestätigt uns in der Meinung, dass der Mittelstand nicht grundsätzlich neue Prozesse definiert, sondern handlungsschnell unterwegs ist und auf Basis fortlaufender, bestehender Prozesse umsetzt“, meint Siegfried Hannes.

Hinweis der Redaktion: Wer Informationsbedarf zu den Roadmaps der SAP-Produkte hat, beispielsweise zu S/4HANA oder S/4HANA Cloud, findet sie hier: Die SAP-Roadmaps werden regelmäßig aktualisiert.

 

Kommentare zu S/4HANA

Einige Teilnehmende haben Kommentare gesendet (Auswahl):

  • „In einem mittelständischen Unternehmen mit moderatem Datenwachstum sind die Vorteile einer HANA-Einführung zum Teil schwer zu vermitteln, da die Kosten direkt ins Auge springen, der Nutzen aber teilweise schwer zu quantifizieren ist.“
  • „Die Anwender werden wenig mitgenommen und haben eher Angst vor der Umstellung.“
  • „Senior Management Buy-in Argumente fehlen immer noch.“
  • „Wir verlieren Funktionalitäten beim Wechsel von SAP ECC zu S/4HANA, zum Beispiel in Modulen wie CS.“

Wir haben auch gefragt: „Wenn Sie beim S/4HANA-Umstieg einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?“ und bekamen u.a. folgende Antworten:

  • „Bessere out-of-the-box Unterstützung der SAP beim Brownfield-Ansatz.“
  • „Zeit, Zeit, Zeit“
  • „Die Teilnahme an einem Beispiel-Upgrade-Workshop.“
  • „Welche Kompetenzen sollte eine IT-Abteilung aufbauen, wenn sie erfolgreich auf HANA umsteigt und diese Umgebung dann weiterhin selbständig betreiben und weiterentwickeln will?“

 

Bewertung der Ergebnisse

Sonja Stäglich fasst es so zusammen: „Ein Großteil des deutschen Mittelstandes beschäftigt sich aktuell sehr intensiv mit der Thematik. Möglicherweise hat die Corona-Situation die Umsetzung von Maßnahmen zur Kostenreduktion und Verbesserung von Prozessen beschleunigt, auch in die Cloud, wie die Umfrageergebnisse widerspiegeln. Dazu zählt sicherlich auch die anstehende Transformation Richtung SAP S/4HANA.“

 

Zusammenfassung: SAP-Community Thesen

  • Die SAP-Landschaften werden hybrid, der reine On-Premises SAP-Betrieb dürfte bald die Ausnahme sein.
  • Die meisten Kunden wollen selektiv auf SAP S/4HANA umsteigen.
  • Rund 80 Prozent arbeiten ihren Plan Richtung S/4HANA ab.
  • 2022 – 2024 wollen weitere rund 38 Prozent der SAP-Kunden den Umstieg beenden.
  • Zur Integration von Non-SAP- und SAP-Lösungen gibt es großen Informationsbedarf in der SAP-Community.

 

 

 

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