SAP S/4HANA Studie: Überraschende Zahlen zu Best Practices, Prozessanalysen, Cloud-Nutzung und Ressourcenengpässen

Prozessanalysen und Prozessdesign sind wichtige Bestandteile von SAP S/4HANA-Projekten: 36 Prozent der SAP-Kunden planen toolgestützte Prozessanalysen vor ihrer SAP S/4HANA-Transformation, weitere 13 Prozent führen diese sowieso kontinuierlich durch und bei weiteren 14 Prozent ist noch unklar, ob Analysen gemacht werden. Rund die Hälfte der Kunden setzt also auf Toolunterstützung.

Die Nutzung der SAP Best Practice Referenzprozesse ist für 27 Prozent der Unternehmen sehr wichtig und für 32 Prozent wichtig. Nur für 8 Prozent der Kunden sind die Prozess-Standards nicht wichtig. Rund 60 Prozent der Kunden wollen demnach die Standardprozesse nutzen.

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Bei 72 Prozent fehlen interne Ressourcen für S/4HANA-Projekt

Großen Einfluss auf die S/4HANA-Transformation hat derweil die Ressourcenfrage: 72 Prozent spüren fehlende interne Ressourcen für das Projekt — und auch am Beratungsmarkt wird es eng: 48 Prozent der SAP-Kunden spüren externe Ressourcenengpässe. Rund ein Viertel der Unternehmen meint, nicht in Zeitnot zum Wartungsende zu geraten: Im Umkehrschluss dürften sich viele Entscheider bereits Sorgen um den fixen Endtermin machen.

Das sind einige Ergebnisse einer aktuellen Umfrage im IT-Onlinemagazin zusammen mit dem Kooperationspartner und Prozess-Experten Scheer Group: 106 Personen aus der SAP-Community haben teilgenommen. Die Umfrage wurde im Juli und August erhoben, im September ausgewertet und im Oktober 2023 veröffentlicht.

Christian Mohr„Die rechtzeitige Einleitung der SAP S/4HANA-Transformation ist entscheidend, um sicherzustellen, dass alle Transformationspfade aufgrund der erforderlichen Projektlaufzeit und Ressourcenverfügbarkeit als Option offenbleiben – andernfalls könnte es zwangsläufig auf ein reines IT-Projekt mit Brownfield-Ansatz hinauslaufen – mit potenziell suboptimalen Ergebnissen“, meint Christian Mohr (Head of Presales S/4HANA, Scheer Group).

 

22 Prozent fehlt noch immer die S/4HANA-Strategie

Wir fragten die Teilnehmenden, mit welcher Strategie sie auf S/4HANA umsteigen wollen: 22 Prozent der Unternehmen haben sich noch nicht auf eine Migrationsstrategie festgelegt.

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14 Prozent der Unternehmen verfolgen eine Greenfield-Strategie und schaffen damit die Voraussetzungen, die SAP Best Practice Prozesse zu nutzen. 21 Prozent der Unternehmen wollen Brownfield (Lift & Shift) wechseln, weitere 40 Prozent streben die selektive S/4HANA-Umstellung an. 3 Prozent machen bereits das zweite S/4HANA-Projekt, um von einer frühen S/4HANA-Version auf ein aktuelles Release zu migrieren.

 

Toolgestützte Prozessanalysen beim S/4HANA-Umstieg verbreitet

Hohen Nutzen versprechen sich offenbar viele SAP-Kunden von der Prozess-Transparenz beim S/4HANA-Umstieg: Vor ihrer SAP S/4HANA-Transformation planen 36 Prozent der Unternehmen toolgestützte Prozessanalysen. 13 Prozent der Unternehmen sind hier schon weiter und nutzen toolgestützte Analysen sogar kontinuierlich.

Für 14 Prozent der Entscheider im Projekt ist noch unklar, ob Analysen gemacht werden sollen. 8 Prozent gehen die Analysen erst nach dem Umstieg an. Das dürften ausnahmslos Brownfield-Kunden sein. 29 Prozent der Unternehmen haben aktuell keine Analysen geplant.

„Der Begriff „toolgestützte Prozessanalyse“ mag etwas sperrig klingen. Und nicht jede Prozessanalyse bei Kunden ist toolgestützt. Wir beobachten aber eine verstärkte Fokussierung unserer Kunden auf eine prozessorientierte Denkweise und ein wachsendes Interesse an SAP-Tools wie Signavio“, betont Christian Mohr.

 

SAP Best Practice Prozesse haben hohe Relevanz

Die Nutzung der SAP Best Practice Prozesse ist 27 Prozent der SAP-Kunden sehr wichtig und 32 Prozent wichtig. Zusammen sind das 59 Prozent der Unternehmen, die sie gerne einsetzen würden. 8 Prozent haben sich diesbezüglich noch keine Meinung gebildet. Für 35 Prozent ist die Nutzung weniger wichtig und für 8 Prozent nicht wichtig.

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Laura Jakoby„In Bezug auf den Umzug nach S/4HANA betont SAP die Bedeutung von keep the core clean. Viele Kunden interpretieren das für sich auch als keep the core lean und streben eine Reduzierung der Prozessvarianten an – gerade auch globale Unternehmen. Kunden setzen verstärkt auf die Best Practices von SAP und nutzen den Umzug nach S/4HANA als Gelegenheit zur Prozessoptimierung“, beobachtet Laura Jakoby (Senior Consultant, Scheer GmbH).

„Bei der Wahl der Migrationsstrategie sollte man berücksichtigen, ob die SAP Best Practice Prozesse später tatsächlich genutzt werden können“, gibt Helge Sanden beim Blick auf die Zahlen aus der SAP-Community zu bedenken, denn sehr viele Unternehmen verfolgen den Brownfield- oder selektiven Ansatz.

 

Wenn Cloud, dann eher Private Cloud

Welches Cloud-Modell bevorzugen die SAP-Kunden? 33 Prozent der Teilnehmenden gaben an, SAP S/4HANA Cloud in der „Private Edition“ zu bevorzugen, die „Public Edition“ ist nur für 10 Prozent erste Wahl. 40 Prozent bevorzugen keins der beiden Cloud-Modelle — und sind demnach wohl weiterhin On-Premises-Sympathisanten. 17 Prozent sind sich noch unsicher bei der Cloud-Frage.

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„Auch auf dem diesjährigen DSAG-Jahreskongress in Bremen konnte man es wahrnehmen: Was SAP proklamiert, ist beim Thema Cloud nicht das, was sich alle Kunden schon vorstellen können – das ist noch ein Stück weiter weg“, gibt Christian Mohr zu bedenken.

Wenn sich SAP-Kunden für die SAP Cloud-Lösungen entscheiden, dann eher für die Private Cloud. Aus früheren Umfragen wissen wir, dass ein Großteil der SAP-Kunden hybride Szenarien bevorzugen dürfte, bei denen insbesondere das Kern-ERP On-Premises bleiben soll.

  

SAP BTP vorrangig Integrationsplattform

Welche Mehrwerte erwarten sich SAP-Kunden von der Nutzung der SAP Business Technology Platform (BTP)?

Vorrangig wird die SAP BTP als Integrationsplattform gesehen. Die Hälfte der Teilnehmenden erwartet sich diesen Nutzen. 37 Prozent erhoffen sich einen schnelleren Einsatz von Innovation durch Nutzung der Plattform. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, muss man nach den jüngsten Veröffentlichungen der SAP prüfen. Die SAP BTP wurde bisher als Innovationsplattform für On-Premises und Cloud-Kunden vermarktet. Zukünftig soll es hier Einschränkungen für On-Premises-Kunden geben.

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33 Prozent erwarten sich die Updatefähigkeit der Kernsysteme, 29 Prozent eine Side-by-Side Applikationsentwicklung und 23 Prozent die Nutzung von Daten und Analyse als Mehrwerte durch den SAP BTP Einsatz. Es waren mehrere Antworten erlaubt. 28 Prozent haben sich zu den Mehrwerten der SAP BTP noch keine Meinung gebildet.

 

Diese Meinungen haben SAP-Kunden

 Wir haben verschiedene Aussagen in den Raum gestellt und gefragt, welche Aussagen für die Teilnehmenden zutreffend sind. Mehrere Antworten waren möglich. Die Zahlen dürften für die SAP-Community besonders interessant sein:

  • Nur für 13 Prozent bietet Software-as-a-Service mehr Vor- als Nachteile
  • 39 Prozent bevorzugen SAP On-Premises-Lösungen
  • 36 Prozent möchten ECC-Investitionen sichern und ihre Individualisierungen beibehalten
  • 37 Prozent erwarten starken Gestaltungsspielraum bei individuellen Anpassungen
  • 39 Prozent möchten viele Prozesse neugestalten und Best-Practices nutzen
  • 41 Prozent möchten individuelle Anpassungen einfacher umsetzen können
  • 45 Prozent möchten freie Wahl beim IT-Infrastrukturanbieter
  • 59 Prozent möchten freie Wahl bei der Benutzeroberfläche (SAP GUI / FIORI)

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„Knapp die Hälfte der SAP-Kunden wünschen sich eine freie Wahl beim Infrastrukturanbieter. SAP hat jedoch angekündigt, S/4HANA-Innovationen nur noch für RISE- und GROW-Kunden auszuliefern. Wer direkt einen Hyperscaler beauftragt, wird Einschränkungen einkalkulieren müssen“, meint Maike Rose (IT-Onlinemagazin). Die Umfrage war bereits weitestgehend abgeschlossen, als die SAP-Ankündigung veröffentlicht wurde.

 

Ungenügende interne Ressourcen für S/4HANA-Umstieg

Wir haben gefragt, welchen Einfluss die Ressourcensituation auf den S/4HANA-Umstieg hat: 72 Prozent der Unternehmen gibt an, interne Ressourcenengpässe zu spüren. Für SAP und die SAP-Partner muss das ein Aufruf sein, die Kundenmitarbeitenden so weit wie möglich zu entlasten. Zusätzlich spüren 48 Prozent bereits externe Ressourcenengpässe bei den Beratungskapazitäten.

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Ein Viertel erwartet, nicht in Zeitnot bis zum Wartungsende zu geraten. Ein weiteres Viertel wartet noch bewusst mit dem Umstieg. „Man könnte diese Zahlen im Umkehrschluss so interpretieren und schätzen, dass rund die Hälfte der Kunden in Zeitnot geraten könnten oder es bereits sind“, vermutet Helge Sanden (IT-Onlinemagazin).

 

Fazit: S/4HANA-Migration beschleunigen

Der Zeit- und Ressourcendruck für die S/4HANA-Transformation wächst. Die toolgestützte Prozessanalyse wird offenbar von vielen SAP-Kunden als eine Möglichkeit zur Beschleunigung gesehen.

Auch die Nutzung der SAP Best Practice Prozesse hat eine hohe Relevanz. Gleichzeitig bleibt bei vielen Unternehmen weiterhin der Wunsch nach Individualität und Gestaltungsspielraum.

„Viele Unternehmen befinden sich bereits mitten in der SAP S/4HANA-Transformation. Wer jetzt beginnt, hat noch die freie Auswahl bei den Migrations-Optionen, ohne Schwierigkeiten mit der Projektlaufzeit vor dem Wartungsende zu bekommen. Die Innovationen von S/4HANA sind mittlerweile in sämtlichen Lines of Business signifikant“, sagt Christian Mohr.

Eine Aufbereitung der Ergebnisse als SAP S/4HANA-Studie kann man bei Scheer herunterladen (gegen Registrierung)

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