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Wie bereite ich Eigenentwicklungen und SAP Add-on auf S/4HANA vor?

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Posted 9. Juli 2018 by Redaktion IT-Onlinemagazin in IT-Leiter

Über viele Jahre gewachsene Eigenentwicklungen und Add-Ons sind bei einer S/4HANA-Migration auf den Prüfstand zu stellen. Ein praktikables Vorgehen kann sein, diese zu kategorisieren und zu bewerten, ob Funktionalitäten in S/4HANA weiter benötigt werden.

Wir fragten Oliver Schreiber, Geschäftsführer von OSconomy, wie man die später noch benötigten Add-On und Eigenentwicklungen vorab aus dem SAP ERP herauslösen und damit den Umstieg entzerren kann.

Oliver Schreiber ist Gast eines Expert-Talks während der Onlinekonferenz „Ihr Weg nach SAP S/4HANA“. Er berichtet dort ausführlich zu diesem Themengebiet. Im Rahmen der Onlinekonferenz werden viele verschiedene grundlegende Fragestellungen (Strategie, Sicherheit, Compliance, Schulungen, Orchestrierung, Betrieb, Backup & Recovery, Testmanagement, Eigenentwicklungen, Stammdatenmanagement u.v.m.) zur Vorbereitung und Durchführung einer SAP S/4HANA Migration behandelt.

 

Herr Schreiber, warum stellen massive Eigenentwicklungen und die Nutzung vieler Add-On ein Risiko für die S/4HANA Migration dar?

Oliver SchreiberDie bisherige Entwicklungs-Philosophie für die Erweiterung von ERP-Systemen bei vielen Kunden und Partnern, die möglichst nah am jeweiligen Prozess und integriert in die Datenstrukturen und Oberflächen des ERPs entwickelt wurden, führt dazu, dass man jede Zusatzentwicklung im Hinblick auf die Migration vorab prüfen muss.

Es gibt viele Entwicklungen, die durch S/4HANA im Standard entfallen können, weil sie ggf. durch bessere Usability, neue Funktionen, Cockpits oder Auswertungen, etc. ersetzbar oder einfach durch Nicht-Nutzung obsolet sind.

Problematisch sind die Add-On’s, die weiterhin funktional benötigt werden und nicht durch S/4HANA abgedeckt sind. Diese werden voraussichtlich auch in S/4HANA als Add-On wieder benötigt und sind an veränderte Funktionen, Stammdaten- und Tabellen-Strukturen im Rahmen des Migrationsprojektes anzupassen und zu testen. Die toolbasierte Vorab-Analyse gibt schon gute Indikationen, wo ich ggf. technische Probleme in der Lauffähigkeit erwarten kann, aber gibt mir wenig Hinweise, wo ich inhaltlich oder strukturell größere Anpassungsaufwände erwarten kann und in welchem Umfang.

Insofern sind diese Eigenentwicklungen ein zeitliches und kostenmäßiges Risiko für den Migrations-Zeitplan und die benötigten Projekt-Kapazitäten aus den Fachbereichen und der Entwicklung.

 

… und welche Antwortmöglichkeiten sehen Sie?

Wir teilen diese notwendigen Eigenentwicklungen und Add-On‘s weiter in solche Add-On’s auf, die sehr eng im Prozess und den Standard-Datenstrukturen integriert sind, wie viele User-Exit-Entwicklungen und Zusatzfelder. Diese sollten in einer Migration erstmal nur auf ihre Lauffähigkeit überprüft und ggf. angepasst werden und können dann langfristig eventuell noch optimiert werden.

Und dann gibt es die größeren Zusatzentwicklungen und Add-On -Produkte und -Module, die eine umfassende zusätzliche Funktionalität bereitstellen. Damit wir die Migration von diesen großen Zusatzentwicklungen entlasten, bieten wir den Kunden an, diese zu überprüfen und alternativ als eigenständigen Service auf der SAP Cloud Platform zu realisieren und damit von der Migration zu entkoppeln.

 

Welche Vorteile bringt die Nutzung der SAP Cloud Plattform? Man könnte ja auch eine andere Plattform-as-a-Service nutzen?

In der Tat könnte man viele Apps und Webservices auf den verschiedenen PaaS -Plattformen am Markt mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen realisieren. Wir sprechen hier aber von Applikationen und Prozessen, die bisher im ERP abgebildet waren und genutzt wurden und die in Zukunft von gleichen oder erweiterten Nutzergruppen integriert mit ERP und später S/4HANA-Systemen und deren Kernprozessen und Datenstrukturen genutzt werden. Insofern ist eine einfache und enge Integration zu den SAP Backend-Systemen, die Verfügbarkeit von Fiori Templates und SAP Entwicklungsumgebungen, eine Zukunftsfähigkeit in Sinne von gewarteten APIs und Standards sowie der einfachen Nutzung der neuen Data Management Services ein sehr starkes Argument für die SAP Cloud Platform.

 

Wie hoch ist der Aufwand, eine Eigenentwicklung in einen Webservice umzuwandeln?

Das kann man leider nicht mit einer klaren Aussage beantworten, da es von sehr einfachen UIs oder Dashboards bis zu sehr komplexen Zusatz-Modulen die ganze Bandbreite an bestehenden Add-On Entwicklungen gibt. Daher kann die Bandbreite je nach Komplexität tatsächlich von wenigen Tagen bis zu 2-3 Monaten für eine große Anwendung reichen.
In jedem Fall macht es Sinn jetzt die ersten Schritte auf der Plattform zu gehen, um diese Einschätzungen selbst oder mit einem erfahrenen Partner vornehmen zu können.

 

Wie lange vor der produktiven S/4HANA-Nutzung sollte man sich zu seinen Eigenentwicklungen und Add-on Gedanken machen?

Der Zeitraum ist natürlich abhängig von Art und Umfang der Eigenentwicklungen und kann zwischen 0 und 12 Monaten liegen. Generell würde ich jetzt möglichst zeitnah eine Analyse und Einordnung vornehmen, um basierend auf den Ergebnissen überhaupt eine sinnvolle Zeitplanung für die Migration vornehmen zu können. Und ich kann nur empfehlen, auch ab sofort die Regeln für die Beurteilung von allen neuen Eigenentwicklungen anzupassen, um damit möglichst keine weiteren Problem-Kandidaten für eine spätere Migration entstehen zu lassen.

 

Was wird für Sie in den kommenden 12 Monaten das dominierende Thema in der SAP-Community?

Bei vielen Kunden wird das die Realisierung erster Anwendungen und Webservices auf der SAP Cloud Platform als erste Schritte in die Digitalisierung oder als Vorbereitung auf die S/4HANA Migration sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

 

 

In einem Expert-Talk zur Onlinekonferenz „Ihr Weg nach SAP S/4HANA“ berichtet Oliver Schreiber (OSconomy) wie man Altentwicklungen vergleichsweise einfach auf einen Webservice umstellen kann, der sowohl mit SAP ECC und S/4HANA harmoniert und diskutiert mit Helge Sanden (IT-Onlinemagazin) wie man mit der SAP Cloud Platform die Komplexität der S/4HANA-Migration reduzieren kann. Er bringt auch ein Praxisbeispiel mit.

Sie können kostenfrei an dieser Onlinekonferenz mit diversen „Expert-Talks“ rund um S/4HANA-Migrationen teilnehmen und alle Beiträge live (10.09. – 12.09.18) oder als Aufzeichnung verfolgen:

Programm-Onlinekonferenz-2018

Sie haben eine Frage an den Experten zu diesem Thema?
Senden Sie diese an die Redaktion, dann bauen wir Ihre Frage gerne in den Expert-Talk ein.

 

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