Wie funktioniert SAP-Support für hybride Plattformen im digitalen Zeitalter und in Echtzeit?

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Posted 19. Oktober 2018 by Redaktion IT-Onlinemagazin in Geschäftsführer

Mit dem „Next-Generation Support“ verspricht SAP seinen Kunden Self-Service-Komponenten, digitale Interaktion mit dem Support in Echtzeit, eine besonders gute digitale Kundenerfahrung, zum Beispiel durch Built-in-Support mit Hilfe des SAP CoPilot, und die Nutzung von Innovationen, wie KI und Machine Learning. Ziel: Anfragen sollen möglichst in Echtzeit beantwortet werden, als Voraussetzung für Echtzeit-Geschäftsmodelle.

Von Andreas Heckmann, Head of SAP Support, wollte ich beim DSAG Jahreskongress 2018 wissen, welche Supportleistungen SAP-Kunden zukünftig benötigen, wie SAP digitale Ende-zu-Ende Prozesse in hybriden Systemen supporten will, wo die Unterschiede zwischen ECC- und SAP S/4HANA-Supportanfragen liegen und welchen Einfluss Innovationen (Machine Learning, KI, predictive Analytics, …) auf den SAP-Support haben.

 

Herr Heckmann, die Unternehmen, Prozesse und die IT-Landschaften ändern sich teilweise radikal. Welche Supportleistungen werden Kunden zukünftig erwarten?

Andreas Heckmann DSAGJK18

Andreas Heckmann (rechts) im Gespräch mit Helge Sanden beim DSAGJK18

Andreas Heckmann: Kunden möchten schnelle, qualifizierte Hilfe bei technischen Problemen – im Idealfall sogar schon, bevor ein Problem überhaupt auftritt, also keine reaktive, sondern vorausschauende Hilfe.

Mit Next-Generation Support bieten wir bereits heute intelligente Support-Services, die Kunden ganz nach ihren Präferenzen auswählen können. Wir geben unseren Kunden damit die Wahl, wie sie Antworten auf ihre technischen Fragen bekommen. Uns ist wichtig, dass unsere Kunden eine rundum gute Erfahrung in der Interaktion mit SAP Support haben – von Anfang bis Ende.

Die Mitarbeiter unserer Kunden, wie wir alle, sind in ihrer Rolle als Konsument von digitalen Angeboten schöne und einfach zu nutzende Anwendungen gewöhnt; dies berücksichtigen wir auch in der Interaktion mit unseren Kunden. Wir ermöglichen auf vielfältigen Wegen Zugriff auf unseren Wissenspool über Self-Services. Dies schließt Social Media wie Twitter oder Messenger-Dienste wie WhatsApp mit ein.

Geschäftskritische Prozesse finden heute mehr und mehr in Echtzeit statt. Konsequenterweise haben wir uns entschieden, fundamental neue Wege zu gehen: Wir bieten daher auch Support in Echtzeit an, in direkter Interaktion des Kunden mit unseren Support-Experten, per Chat oder Telefon. Rückmeldungen zu klassischen Meldungen können Kunden heute bereits in Echtzeit als SMS direkt auf ihr Mobiltelefon empfangen. Kunden wollen bei Fragen am liebsten Hilfe direkt in der Anwendung, die sie nutzen. Wir bauen daher Support direkt in unsere Produkte ein, mit Built-in Support.

Darüber hinaus hat künstliche Intelligenz das Potenzial, die Antwortzeit für technische Fragen weiter zu verkürzen. Wir arbeiten bereits an Szenarien, Machine Learning-Algorithmen im Support einzusetzen. Startpunkt für alle unsere Innovationen sind dabei stets Bedürfnisse und Feedback unserer Kunden. Wir beziehen Kunden auch in die Entwicklungs- und Pilot-Phasen mit ein.

 

Sie versprechen mehr Kundennähe, unter anderem durch den direkten Kontakt via Chat und Terminvereinbarungen mit Experten. Wo liegt der besondere Charme?

Mit Expert Chat und auch Schedule an Expert bieten wir zwei Live-Support-Kanäle, die Kunden direkt mit einem SAP Support-Experten in Kontakt bringen – derselben Person, die ein klassisches Ticket zu der jeweiligen Frage bearbeiten würde. Über Expert Chat bekommen Kunden so in zwei von drei Fällen eine Antwort direkt im Chat, bei einer durchschnittlichen Chatdauer von nur 30 Minuten. Kann die Frage im Chat nicht sofort gelöst werden, erstellt SAP für den Kunden automatisch ein Ticket, welches dann beantwortet wird. Zusätzlich bieten wir eine Art „Arzttermin“ für unsere Kundenfragen: Mit Schedule an Expert ist es möglich, einen Termin mit einem SAP Support-Experten zu vereinbaren und die Fragen direkt am Telefon zu besprechen. Dies bieten wir seit kurzem auch zur weiteren Bearbeitung von bestehenden Tickets an.

Der große Vorteil für unsere Kunden liegt kurz gesagt darin, direkt im Dialog mit den SAP Experten die Frage direkt und sehr schnell zu beantworten – mit allen Rückfragen, die dabei nötig sind, und dadurch das oftmals notwendige „Ticket-Ping-Pong“ zu vermeiden.

Die Rückmeldungen unserer Kunden, die unsere Live-Support-Kanäle nutzen, sind ausgesprochen positiv. Dass wir auch von externer Seite Anerkennung und Awards bekommen, hilft sicherlich der Bekanntmachung.

 

Wie intensiv wird das aktuell genutzt?

SAP Echtzeit Support

„Meine Hoffnung ist, dass zum nächsten Jahreskongress der Anteil an Realtime-Support aus dem deutschsprachigen Raum in deutlich zweistelligen Bereich liegen wird“, sagte Andreas Heckmann im Rahmen seines Keynote-Auftritts.

Wir haben in der vorletzten Woche den 200.000. Chat in diesem Jahr erfolgreich abgeschlossen. Pro Woche sprechen wir in über 5.000 Chats mit unseren Kunden. Wir gehen davon aus, dass sich dies noch erhöhen wird, denn viele unserer Kunden haben die Echtzeit-Support-Kanäle noch nicht für sich entdeckt. Darüber hinaus sind Auszeichnungen mit Awards ein guter Weg für Kunden, eine neutrale Bewertung zu bekommen. Wir sind stolz darauf, dass ASP, die Association of Support Professionals, uns den Top 10 Support Web Site Award verliehen hat.

Unser Schedule an Expert-Service steht noch am Anfang. Wir rechnen damit, dass Kunden diesen Service verstärkt in Anspruch nehmen.

Ein besonderer Vorteil für alle unsere Kunden ist, dass ihnen für die Next-Generation Support Services keine Zusatzkosten entstehen – sie sind automatisch Bestandteil des Supportvertrages.

 

Welchen Einfluss haben technologische Innovationen (wie Machine Learning, KI oder predictive analytics) auf die SAP-Supportangebote?

Die Möglichkeiten, die sich uns und unseren Kunden durch diese neuen Technologien bieten, stecken noch in den Kinderschuhen. Wir gehen davon aus, dass in diesem Bereich innerhalb der nächsten Jahre noch eine Menge passieren wird.

Wir zeigen bereits heute mit unserem Built-in Support, wohin die Reise geht. Der Support wird über SAP CoPilot in das Produkt integriert. Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass der Kunde sich mit dem System unterhalten kann – Stichwort Conversational AI. Im Hintergrund nutzt der digitale Support-Assistent den System-Kontext und weitere Daten, um schnell Antworten zu technischen Kundenfragen zu geben. In Zukunft werden sich manche Fragen gar nicht erst stellen, weil der Kunde in der Applikation bereits über seinen digitalen Assistenten die nötige Unterstützung und Hinweise bekommt, um mögliche Probleme zu vermeiden.

Für SAP S4/HANA Cloud Anwendungen bieten wir Built-in Support seit der diesjährigen SAPPHIRE an und bauen den Leistungsumfang nun weiter aus.

Wir haben schon eine ganze Reihe von Szenarien identifiziert, wo künstliche Intelligenz einen erheblichen Mehrwert bringen kann. Incident Solution Matching, eine Machine Learning-gestützte Suche nach Lösungen ist bereits heute SAP-intern im Betrieb und steht bald auch Kunden zur Verfügung.

 

Inwieweit können Sie digitale Ende-zu-Ende Prozesse supporten, die gegebenenfalls durch hybride Landschaften mit Cloud- und On-Premise-Komponenten und Non-SAP- und SAP-Systeme laufen?

SAP Support unterstützt alle Arten von Deployments, egal ob on-premise, cloud oder hybrid. Dabei ändern sich die Anforderungen unserer Kunden stetig – insbesondere was die End-to-End Support-Erfahrung betrifft. Wir haben dies frühzeitig erkannt und den SAP Support neu erfunden. Wie bereits gesagt: Mit diesem „Next-Generation Support“ ermöglichen wir unseren Kunden verstärkt Zugriff auf unseren Wissenspool über Self-Services. Kunden können mit uns bei Bedarf in Echtzeit ihre Fragen stellen, in direkter Interaktion mit unseren Support-Experten. Darüber hinaus arbeiten wir daran, den Support in unsere Lösungen zu integrieren. Und die Zeit von Frage bis Antwort mittels künstlicher Intelligenz und Machine Learning zu verkürzen.

Zudem unterstützen wir unsere Kunden auch im Application Lifecycle Management. Für on-premise fokussierte Kunden steht hierzu der SAP Solution Manager zur Verfügung. Für Kunden mit Cloud-Orientierung schaffen wir gerade eine zusätzliche Möglichkeit mit SAP Cloud ALM.

Mit SAP Cloud ALM plant SAP ein cloudbasiertes Angebot für das Management des Anwendungslebenszyklus, mit dem sich die Anforderungen von Kunden an ihre Cloud-Lösungen steuern lassen.

SAP Cloud ALM startet zunächst mit dem Implementierungsportal für SAP S/4HANA Cloud. Es soll im vierten Quartal 2018 mit dem nächsten Release von SAP S/4HANA Cloud verfügbar sein. SAP plant, SAP Cloud ALM über den Implementierungssupport für SAP S/4HANA Cloud hinaus mit einer Roadmap für den gesamten Anwendungslebenszyklus aller SAP-Cloudprodukte zu erweitern, die bis 2021 verfügbar sein soll.

Das Implementierungsportal für SAP S/4HANA Cloud unterstützt Kunden in der Festlegung des Implementierungsumfangs, mit Fit-to-Standard Workshops, der Konfiguration von SAP S/4HANA Cloud sowie der Verfolgung des Projektfortschritts.

SAP Cloud ALM soll SAP Solution Manager, die führende ALM-Lösung von SAP für On-Premise-Anwendungen, als Angebot ergänzen. Mit der Einführung von SAP Cloud ALM können Kunden die für sie am besten passende SAP-ALM-Lösung auswählen und so eine schnelle Implementierung und einen optimalen Betrieb ihrer SAP-Lösungen gewährleisten.

SAP Cloud ALM steht allen Enterprise Support Kunden basierend auf ihrem bestehenden Vertrag zur Verfügung.

 

Bei vielen SAP-Kunden steht der Umstieg auf SAP S/4HANA noch bevor. Welche Erfahrungen (in Bezug auf den Support) haben Anwenderunternehmen beim und nach dem SAP S/4HANA-Umstieg gemacht?

Viele namhafte Kunden haben den Wechsel bereits vollzogen. Es ist eine der erfolgreichsten Anwendungen in der Geschichte der SAP. Mit ihr können Kunden die Transformation zum intelligenten Unternehmen vollziehen. Wir unterstützen unsere Kunden sowohl in der Vorbereitung und Durchführung, als auch im Betrieb.

Der SAP Solution Manager ist für agile Implementierungen von SAP S/4HANA von zentraler Bedeutung. Über den SAP Solution Manager wird der SAP Activate Best Practice Content allen Kunden bereitgestellt. Mit Focused Build für den SAP Solution Manager unterstützt SAP die agile Einführung. Ab 2020 wird Focused Build und Focused Insights allen Kunden im Rahmen ihres Wartungsvertrags bereitgestellt – ohne weitere Lizensierungskosten.

Supportseitig haben wir uns frühzeitig vorbereitet und unsere Mitarbeiter ausgebildet – sowohl für On-Premise als auch Cloud, mit dedizierten globalen Teams. Gerade bei diesen Lösungen werden häufig unsere Echtzeit-Kanäle genutzt.

 

Können Sie aus Supportsicht best-practices weitergeben, um einen reibungslosen Übergang zu schaffen?

SAP bietet hier eine ganze Reihe von Services und Tools an. Der Umstieg auf SAP S/4HANA ist dabei eine Chance für Kunden zur weiteren Differenzierung, Optimierung und Innovation. Beispiele sind SAP S/4HANA Adoption Starter, Business Scenario Recommendations, der SAP Transformation Navigator, der SAP S/4HANA Readiness Check und umfangreiches Benchmarking mit Hilfe des SAP Innovation & Optimization Pathfinders. Im Rahmen unseres SAP Enterprise Supports bekommen unsere Kunden aktive Hilfe durch Experten und eine strukturierte Vorgehensweise mit Hilfe der SAP Value Maps.

Das SAP Mission Control Center hilft unseren Kunden bei komplexen Themen zur Integration unserer neuen Lösungen wie SAP S/4HANA. Es sammelt Erfahrungen von Early Adopters und Implementierungen bei den Kunden, wo komplexe Hybrid-Lösungen mit großen Datenvolumen gebaut werden. Mit dieser Projekterfahrung erweitern wir unser Wartungsangebot, beispielsweise mit Meet-the-Expert Sessions der SAP Enterprise Support Academy. Wir veröffentlichen auch Best Practices zur Analyse und schnellen Lösungen bei technischen Problemen in SAP Knowledge Base Articles.

 

Wo sehen Sie den SAP-Support im Jahr 2025?

Schon heute bieten wir KI- und Machine Learning-basierte Support-Tools wie Automatic Translation zur automatischen Übersetzung von SAP Notes und SAP Knowledge Base Articles an. Built-in Support und der digitale Support-Assistent werden ebenso immer mehr zum festen Bestandteil für unsere Anwender werden.

Kunden wollen nahtlose Unterstützung, egal wo und auf welchem Gerät, und egal in welchem „Kanal“. Die intelligente Verschmelzung aller Kanäle einschließlich Mobilgeräten und sozialer Medien wird Kunden vielfältige Möglichkeiten zum Zugriff auf Support geben. Unsere Vision ist ein Omnichannel-Zugang zu unserem Support, und in Co-Innovation mit unseren Kunden hierfür auch weiterhin neue Tools und wegweisende Lösungen zu entwickeln.

Support wird proaktiver werden und kritische Situationen frühzeitig erkennen – der Support kommt sozusagen zum Kunden, nicht umgekehrt. Künstliche Intelligenz und Machine Learning wird die Support-Erfahrung für Kunden weiter verbessern und vereinfachen und dabei die Antworten sowohl schneller als auch besser machen. Intelligente ALM-Tools werden vollautomatische Leistungen erbringen. Wir bleiben kontinuierlich am Ball – unsere Kunden können also auch in der Zukunft noch einiges an Innovation im SAP Support erwarten.

 

Was wird für Sie in den kommenden 12 Monaten das dominierende Thema in der SAP-Community?

Dominieren wird sicher, wie ich als Unternehmen am besten den Schritt zum intelligenten Unternehmen mit SAP S/4HANA gestalte.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins, beim DSAG Jahreskongress 2018 in Leipzig.

 

 

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