AIOps – Wunderwaffe für SAP-Landschaften?

Bernd-EngistLässt sich Künstliche Intelligenz für den SAP-Betrieb nutzen? In einem Gastbeitrag erläutert Bernd Engist (CTO von Avantra) seine Perspektive und sieht insbesondere Potenziale in der Betriebsüberwachung und Automatisierung von SAP-Betriebsaufgaben. An beispielhaften Herausforderungen im SAP-Betrieb macht er deutlich, warum man mit AIOps zu mehr Effizienz kommen kann.

 

Herausforderungen im Betrieb moderner SAP-Umgebungen

Der Betrieb von SAP-Landschaften ist in den letzten Jahren immer einfacher und zugleich komplexer geworden. Grund für diesen vermeintlichen Widerspruch ist die zunehmende Hybridisierung dieser Umgebungen: zu Mischformen aus On-Premises, Public Cloud und SaaS. Ob diese hybriden Szenarien nur temporär im Rahmen der Transformation existieren oder langfristig konzipiert sind, ist hierbei unbedeutend, denn so oder so ist ein verlässlicher SAP-Systembetrieb für jedes Unternehmen von vitalem Interesse. Schließlich haben Fehler in den SAP-Komponenten oftmals fatale Auswirkungen auf den gesamten Geschäftsbetrieb. Die Folge sind finanzielle Einbußen in einer Höhe, die in der Regel gar nicht nach außen kommuniziert werden.

 

SAP-Störungen haben weitreichende Folgen

Drei Beispiele solcher Komponenten illustrieren diese Abhängigkeiten. IDocs sorgen für die Kommunikation zwischen Produktionsstraßen, über die SAP Cloud Platform Integration werden wichtige Informationen mit Kunden, Lieferanten oder Steuerbehörden ausgetauscht und SAP-Druckaufträge steuern den Etikettendruck bei Drittfirmen.

Diese vermeintlich einfachen Betriebsprozesse haben eines gemeinsam: hier auftretende Störungen können Geschäftsprozesse zum Stillstand bringen oder sogar eine gesamte Produktionslinie lahmlegen.

 

SAP-Wartungsarbeiten benötigen Expertenwissen

Aber auch im Hintergrund stellen SAP-Landschaften Unternehmen vor immense Herausforderungen. Beispielsweise ist ein regelmäßiges Patchen der Betriebssysteme für jedes sicherheitsbewusste Unternehmen selbstverständlich. Üblicherweise finden solche Aktionen in Wartungsfenstern am Wochenende oder nachts statt. Läuft auf den On-Premises- bzw. Off-Premises-Servern jedoch ein SAP-System, muss dieses vor dem Patchen herunter- und anschließend wieder hochgefahren werden. Hierzu wird nicht einfach ein Prozess gestoppt und gestartet, sondern es erfordert kompetente Mitglieder des SAP-Basis-Teams, die diese zum Teil komplexen Aktionen durchführen.

Diese spezialisierten Fachleute außerhalb der normalen Arbeitszeiten im Rahmen der Wartungsarbeiten zu solchen Routinemaßnahmen heranzuziehen, ist nicht gerade wirtschaftlich — zumal es ohnehin immer schwieriger wird, entsprechend qualifizierte Mitarbeitende zu finden. An dieser Stelle wäre somit ein höherer Automatisierungsgrad der SAP-Landschaft wünschenswert.

 

Mit künstlicher Intelligenz zu mehr Effizienz

Die Lösung für die oben genannten Herausforderungen – Schutz vor Ausfällen durch intelligentes Monitoring einerseits und Automatisierung des SAP-Normalbetriebs andererseits – steckt möglicherweise im relativ neuen Begriff „AIOps“ für „Artificial Intelligence for IT Operations“, also die Nutzung Künstlicher Intelligenz für den IT-Betrieb. Mit ihren beiden Ansatzpunkten decken AIOps-Plattformen beide Forderungsbereiche ab.

 

Automatisierte SAP-Betriebsüberwachung

Zum einen bieten sie eine umfassende, proaktive Überwachung und Optimierung aller relevanten Komponenten einer SAP-Landschaft, einschließlich aller internen und externen Kommunikationskanäle. Hierzu nutzen die Plattformen, neben der Künstlichen Intelligenz, Maschinelles Lernen, Big Data und komplexe Analysen. Damit halten sie dem SAP-Basis-Team im Tagesgeschäft den Rücken frei, da die manuelle Betriebsüberwachung weitgehend entfällt, die Resilienz, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit der SAP-Systeme aber dennoch gewährleistet bleibt. Zudem lassen sich auf diesen Plattformen schnell und einfach Spezialroutinen erstellen – sei es, um die erwähnten IDocs im Blick zu behalten, die Kommunikation mit dedizierten, cloudbasierten Schnittstellen sicherzustellen oder individuell angepasste Druckwarteschlangen zu realisieren.

Der zweite Ansatz liegt in der Automatisierung von SAP-Betriebsaufgaben. So kann das BS-Wartungsteam im Idealfall ganze SAP-Landschaften – ohne spezielle SAP-Kenntnisse mit einem simplen Mausklick – in der Automatisierungsplattform herunter- und wieder hochfahren. Darüber hinaus gibt es weiteres Automatisierungspotential, wie beispielsweise beim Austausch/Upgrade von SAP- oder HANA-Kernels. Hier können Skalierungseffekte für erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen sorgen.

 

Fazit: AIOps-Plattformen haben Potenzial

Unterm Strich lässt sich somit konstatieren, dass AIOps-Plattformen tatsächlich eine Revolution im Betrieb von SAP-Landschaften versprechen, wenn sie dediziert und in der Tiefe auf die SAP-Besonderheiten ausgerichtet sind. Insbesondere die Automatisierungsmöglichkeiten bergen — sinnvoll eingesetzt — ein hohes Gewinnpotenzial.

 

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