Cloud ist Basis für Geschäftsmodelle und Innovationen

„RISE with SAP“ kombiniert eine prozessorientierte SAP S/4HANA-Transformation mit dem Private-Cloud-Betriebsmodell – und ist damit eine weitere Option für SAP-Umsteiger.

Von Robert Müller und Karsten Günther (beide Scheer) wollte ich wissen, wo sie bei „RISE with SAP“ den Kundennutzen sehen, welche Rolle die prozessorientierte Sicht spielt und welche Relevanz die Azure-Cloud bei S/4HANA-Transformationen hat.

Als Gast eines Expert-Talks zur IT-Onlinekonferenz 2021 „Wie sich IT-Entscheider auf die SAP-Zukunft vorbereiten“ am 24. März zeigen beide anhand von Beispielen, wie Unternehmen ihre Transformationen und Veränderungen der IT-Organisation mit Scheer und Microsoft bereits erfolgreich umgesetzt haben, und was man daraus für eigene Projekte lernen kann.

 

Herr Müller, wo sehen Sie bei „RISE with SAP“ den besonderen Kundennutzen?

Robert Müller ScheerRobert Müller: SAP hat mit RISE ein umfassendes Angebot für Kunden geschaffen, die S/4HANA On-Premises als Subskription in einer Private-Cloud zu konsumieren. Dabei kombiniert SAP das Betriebsmodell „Cloud“ mit Erweiterungen wie Business Process Intelligence, der Business Technology Platform aber auch dem Zugang zu den Netzwerken wie Ariba und Co, sowie den Tools zur Migration nach S/4HANA.

Ziel ist, die Komplexität in den Lizenzen sowie dem Betrieb in einem Vertrag zu reduzieren und einen Ansprechpartner sowie Verantwortlichen, die SAP, zu haben — sowie die S/4HANA- und Cloud-Transformation zu beschleunigen.

Langfristig ist dies der Grundstein für ein prozessorientiertes Modell, ein standardisiertes ERP-System aus der Cloud zu nutzen und die Erweiterungen und Veränderungen in die Business-Technology-Plattform zu überführen. In Zukunft werden wir nicht mehr von Modulen oder Produkten sprechen, sondern welchen Business-Prozess der Kunde nutzt und darauf bezogen lizenzieren.

Da beide Varianten von SAP S/4HANA – als private oder public Cloud Version – angeboten werden, eignet sich RISE für heutige SAP-Anwender und auch für neue Nutzer.

 

RISE with SAP: S/4HANA- und Cloud-Transformation

Und wo beobachten Sie kundenseitig noch Fragezeichen zum RISE-Angebot, Herr Günther?

karsten_guentherKarsten Günther: Kunden fragen sich häufig, wie das kaufmännische Modell zu ihrer bestehenden Lizenz-Base aussieht und wie sie mit individuellen Entwicklungen und Modifikationen nach SAP RISE kommen. Auch Fragen zu Non-SAP-Extensions und -Systeme, die nahe am ERP-Kern sein müssen, sind noch ungeklärt.

Weiterhin haben Kunden Bedenken, sich so stark von einem Partner wie der SAP abhängig zu machen. Ferner stellen sie auch die TCO-Rechnung über fünf Jahre hinaus auf. Ihre Fragestellung ist: Rechnet sich RISE im Vergleich zu On-Premises?

Die meisten Fragezeichen sehen wir jedoch in der langfristigen Perspektive — und wie sich ein ERP-System in Zukunft darstellt. Wird es ein stark individuelles System mit einem Kern sein? Oder werden wir einen standardisierten Kern haben, der an den Rändern bzw. an den individuellen Geschäftsprozessen Micros-Services nutzt, die auf einer agilen und innovativen Plattform wie der Business-Technology-Plattform entwickelt werden? Und wie kann sich diese Strategie auch auf die Hyperscaler-Plattformen ausweiten und die Vorteile dort nutzen?

 

Cloud erzwingt Fokus auf Prozesse und Fachbereiche

ARIS und auch die prozessuale Denkweise sind im genetischen Code von Scheer verankert, was ist das Neue am SAP-Angebot?

Robert Müller: Scheer propagiert seit über 30 Jahren den prozessorientierten Ansatz bei der Einführung von IT-Systemen, im Speziellen natürlich SAP. ARIS ist für uns ein Software-Tool, welches unsere Prozess-IP über 10 Branchen und über 10.000 Beraterjahre dokumentiert. Es versetzt Kunden im Projekt in die Lage, nicht auf einem weißen Blatt Papier anzufangen, sondern aus einem Fundus an Wissen aus anderen Kundenprojekten zu partizipieren. Sie können sofort ermitteln, wie die Geschäftsprozesse in der eigenen Branche aussehen, wie man diese dem eigenen Geschäftsmodell anpasst — und was davon im S/4HANA- und SAP-Kontext schon vorhanden ist.

Durch die Übernahme von Signavio werden wir in Zukunft diese Vorgehensweise verstärkt in der Implementierung von SAP-Systemen sehen und das Lizenzmodell wird sich immer stärker in diese Richtung verändern. Im Rahmen von SucessFactors und HXM sehen wir schon erste Lösungen, die auf Basis von Prozessen lizenziert und eingeführt werden können. Somit verschwimmen die Grenzen zwischen den Produkten der SAP, was auch wiederum die nahtlose Integration zwischen den Produkten antreibt.

Durch den Process Mining Ansatz und die Integration von Signavio in die SAP-Produkte, können sich endlich unterschiedliche Kunden mit ihrem jeweiligen Branchendurchschnitt vergleichen, messen und den Geschäftsprozess optimieren.

 

Betrieb der Lösungen ausgelagern

Welche Relevanz hat die Cloud-Nutzung bei S/4HANA-Transformationen?

Robert Müller: Meiner Meinung nach stellt „Cloud“ die Basis für die zukünftigen Geschäftsmodelle und Innovationen dar. Cloud ist nicht nur ein Hype oder eine aktuelle Mode. Sie geht nicht mehr weg, sie bleibt und sie ist nur der Startpunkt einer langen Reise der eigenen Transformation.

Bei der Nutzung muss man zwischen IaaS, PaaS und SaaS unterscheiden.

Kunden, die heute schon ein SAP-System als On-Premises Lösung im Hosting haben, können durch die Nutzung von z.B. SAP on Azure sehr viel Geschwindigkeit, Flexibilität, Agilität und dadurch auch Kostenvorteile erzielen.

Wir sehen in komplexen Projekten, dass die IT-Infrastrukturabteilung teilweise Schwierigkeiten hat, dieser Agilität und Flexibilität gerecht zu werden. IT-Hardware und Rechenzentren sind, wenn sie nicht als Cloud Plattform konzipiert wurden, zunächst nicht in der Lage, dies gleichwertig zu liefern.

Man muss sich auch die Frage stellen, was mit der jeweiligen Hardware passiert, wenn sie in ein bis zwei Jahren doch nicht benutzt wird oder zu klein geworden ist. In der Cloud ist dieses Geld nicht verbrannt, sondern kann genutzt werden, um andere höherwertige Services zu buchen.

Wenn Kunden das IaaS-Modell verstanden und verinnerlicht haben, beobachten wir, dass sie schnell in Richtung Nutzung von PaaS und SaaS gehen. Und hier eröffnet sich der eigentliche Benefit: Die Kombination von Cloud-Services der Hyperscaler mit dem S/4HANA-System eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Die Schwierigkeit und Kunst ist es, diese zu sehen und den Benefit richtig einzuordnen. Hier hilft beispielsweise ein Cloud-Advisory, welches wir Kunden anbieten.

Und dann sind da noch die SaaS-Services, wie die S/4HANA Public Edition. Sie stellt das Bindeglied zwischen individuellen, komplexen sowie einfachen, standardisierten Prozessen dar und wird gerne von Neukunden sowie Konzerntöchtern bzw. Sales-Organisationen oder Landesgesellschaften genutzt.

 

Cloud liefert schnell Business-Innovationen

Was ändert sich aktuell für IT-Organisationen, und womit sollten sich IT-Verantwortliche beschäftigen?

Robert Müller: Zunächst ändert sich aktuell nichts, die bestehenden Modelle sind nach wie vor da und werden auch sehr gerne genutzt. Es gibt wie immer kein Schwarz oder Weiß, sondern viele unterschiedliche Grautöne und somit viele Varianten und Lösungsmöglichkeiten.

Wir sind der festen Überzeugung, dass man heute um eine Nutzung von Cloud-Services nicht herumkommt — und dies muss auch für eine SAP-Landschaft überlegt und überdacht werden.

Dies führt dazu, dass sich IT-Organisationen unbedingt mit den notwendigen Skills und dem Personal für die Zukunft beschäftigen müssen, sowie einer IT-Roadmap bzw. Transformation, die einen Horizont von mindesten drei Jahren haben sollte.

Viele IT-Leiter und CIO haben in der Pandemie extrem schnell und gut auf das Homeoffice und die Remote-Anforderungen reagiert. Dies weckt Begehrlichkeiten im Business, dass die IT nun auch mal schnell die anstehenden neuen Business-Anforderungen lösen kann.

Und genau hier sehen wir enormes Potential für Cloud-Plattformen und Services, diese Anforderungen tatsächlich auch umzusetzen. Es erfordert jedoch das Wissen um die Enterprise-Architecture, die Geschäftsprozesse, die Cloud-Services und ein gemeinsames starkes Miteinander zwischen Business und IT. Nicht zu vergessen ist ein starker Partner, der einem dem Rücken freihält und einen Weg aufzeigt.

 

Cloud-Beispiele von SAP-Kunden

Was erfahren wir von Ihnen bei der IT-Onlinekonferenz 2021?

Karsten Günther: Wir haben mit Kunden aus unterschiedlichen Branchen richtungsweisende Use-Cases in der Cloud umgesetzt. Diese Kunden sagen uns heute, dass sie mit den Projekten intern eine enorme Beschleunigung, Veränderung des Mindsets und Fokussierung erfahren haben.

Wir möchten gerne an zwei bis drei Beispiele aufzeigen, warum es für diese Kunden Sinn gemacht hat — und was nach den ersten 12 bis 24 Monaten passiert. Mehr Details in der Konferenz. Hier registrieren …

 

Was wird 2021 das dominierende Thema in der SAP-Community?

Karsten Günther: Anpassung der SAP-Strategie, auch der S/4HANA-Transformation, an wirtschaftliche Rahmenbedingungen und an das neue RISE-Angebot.

Robert Müller: Cloud und Cloud-Transformation.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

Cloud-Transformation bei der IT-Onlinekonferenz

Sie können den Erfahrungsbericht von Robert Müller und Karsten Günther bei der #ITOK21 live (22.03. – 25.03.) oder als Aufzeichnung verfolgen und eigene Fragen an die Experten stellen.

Bei der IT-Onlinekonferenz geben IT-Entscheider vier Tage lang Erfahrungsberichte, wie sie sich auf die SAP-Zukunft vorbereiten, die IT-Automatisierung, die SAP-Sicherheit, die Cloud-Transformation, das Management hybrider Multi-Cloud-Umgebungen und den S/4HANA-Umstieg meistern. Zusätzlich gibt es vielfältige Interaktions- und Networking-Möglichkeiten.

ITOK21-SAP-S/4HANA

 

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