Die Digitalisierung und Vernetzung der Geschäftswelt, Cloud-Angebote und der SAP-Technologiewechsel bewegen SAP-Anwenderunternehmen und deren Entscheider auf dem Weg in ein neues Zeitalter. Bestehende Lösungen müssen weiter funktionieren und es kommt darauf an, den richtigen Zeitpunkt für Veränderungen zu finden.
Wir fragten Ralf Peters, den DSAG-Vorstand Technologie, nach seinen Erwartungen an die SAP-Technologie, nach Empfehlungen für CIO´s und für wen sich ein Besuch der DSAG-Technologietage 2017 in Mannheim besonders lohnt.
Herr Peters, worauf sollten Führungskräfte und Unternehmen bei Digitalisierungsmaßnahmen besonders achten?
Ralf Peters: Der digitale Wandel wird aktuell sehr stark technisch diskutiert. Man redet hauptsächlich darüber, wie gewisse Maschinen an die IT angebunden werden können. Es geht aber vorrangig darum, wie bewährte Geschäftsmodelle verbessert, aber auch neue etabliert werden können.
Der CIO hat in diesem Szenario die Aufgabe, den Business-Bezug herzustellen und jeweils den Vorteil für das Unternehmen aufzuzeigen. Er muss das wirkliche Potenzial einer Lösung kommunizieren und argumentieren – verständlich für den CFO und den CEO.
Welche Empfehlung geben Sie hierzu für Technologie-Entscheidungen? Wann ist es Zeit für HANA, Fiori, S/4HANA oder Cloud-Lösungen?
Genau genommen geht es hier um zwei Dinge. Zum einen um die Technologie mit HANA, Fiori, S/4HANA usw., und zum anderen darum, zu ermitteln, wie sich die teilweise neuen Benutzeroberflächen im Unternehmen so verankern lassen, dass sie Mitarbeiter befähigen, ihre Aufgaben besser zu erledigen.
Eine konkrete Empfehlung wäre, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ich beispielsweise Fiori über die HANA Cloud Platform entwickeln kann. Das könnte ein wichtiger Technologieschritt sein. Denn so lassen sich konkrete Erfahrungen sammeln, wie SAP Fiori und die HANA Cloud Platform funktionieren, um dann in Projekten zu realisieren, was notwendig ist.
Bei S/4HANA ist es sinnvoll zunächst zu evaluieren, in welchem Bereich die Technologie einen konkreten Nutzen bringt. Auf diesen Business Case würde ich warten und dann die nächsten Schritte gehen.
Die DSAG betonte beim Jahreskongress 2016, dass SAP die Weiterentwicklung der Bestandslösungen nicht vergessen solle. Wo befürchten Sie möglicherweise den Anschluss zu verlieren? Was können Unternehmen bei Digitalisierungsvorhaben aktuell nicht mit SAP ERP umsetzen, sondern nur mit S/4HANA?
In den Bereichen, wo Digitalisierung möglich ist, können sich mit S/4HANA bei einzelnen Funktionen erhebliche Verkürzungen der Laufzeit ergeben. Also überall da, wo ich die Frage beantworten kann, was ich verbessern und wo ich es verbessern kann. Oder anders ausgedrückt, wo sich entsprechende Funktionalitäten in S/4HANA nutzen lassen, um eine Digitalisierungsidee zu realisieren, die vorher nicht denkbar war. Um ein Beispiel zu nennen: Eine Analyse der bewerteten Lagerbestände online in Echtzeit abzurufen, war früher nur zum Monatsende möglich.
Sie wünschen sich Planungs- und Investitionssicherheit von der SAP, besonders in den Bereichen, wo es durch Zukäufe mehrere vergleichbare Angebote im Lösungsportfolio gibt. Gibt es hier schon Antworten oder Empfehlungen?
Die SAP hat bereits zu allen wichtigen Themen und diverse Applikationen sehr gute und nützliche Roadmaps aufgestellt, die bei der Planung gute Orientierungshilfen geben können und einen Blick auf die Zukunft der Applikationen erlauben.
Das ist insofern wichtig, da durch die Möglichkeiten der neuen Produkte auch neue Konstellationen entstehen was die Funktionalitäten betrifft, die teilweise über die On-premise- und Cloud-Systeme verteilt werden. Hier für das eigene Unternehmen den gewünschten Überblick zu gewinnen ist schwierig und aufwendig. Da bedarf es der Unterstützung von erfahrenen SAP-Kollegen, um detaillierte und zielführende Informationen zu erhalten.
Die Konsolidierung und Vereinfachung der IT-Landschaft ist eines der dominierenden Dauerthemen für SAP-IT-Abteilungen. Welche Aspekte betrachten Sie dazu bei den Technologietagen?
Nicht nur aufgrund der Zukäufe durch SAP ist die Konsolidierung der IT-Landschaften für die DSAG-Mitglieder nicht einfacher geworden. Sie benötigen vor allem Informationen, um die zugekauften Produkte, die Neuentwicklungen aber auch die Bestandssoftware schnell einordnen und für den Einsatz in ihren Unternehmen bewerten zu können.
Besonders durch die SAP-Cloud-Strategie müssen bestehende IT-Landschaften neu bewertet werden. Für die daraus resultierenden hybriden Landschaften sind entsprechende Tools, Referenzlandschaften und Best Practices wichtig.
Im Rahmen der Enterprise Architecture-Slots bei den Technologietagen steht ein großes Portfolio an Informationen zu diversen Tools, Vorgehensweisen um die Komplexität der Landschaft zu reduzieren, oder auch aus der alten in die neue digitalisierte IT-Welt zu migrieren, auf der Agenda.
Welche weiteren Themen werden Sie während der DSAG-Technologietage beleuchten? Für wen lohnt sich ein Besuch in Mannheim besonders?
In 28 Themenbereichen vom Application Lifecycle Management, Business Intelligence und Portale, über BI & Analytics, Cloud Management sowie Identity Management bis hin zum Solution Manager und dem SAP-Betrieb, um nur einige zu nennen, werden in rund 150 Vorträgen nahezu alle Themen beleuchtet, die im Rahmen der gesamten Technologiewelt rund um SAP wichtig sind.
Jeder der sich darüber Gedanken macht, Geschäftsprozesse zu verbessern oder zu vereinfachen oder Anregungen sucht, die Sicherheit der Systeme oder die Performance zu verbessern, ist bei den Technologietagen gut aufgehoben. Hier findet der Besucher vom allgemeinen Überblick bis zur Detailinformation eine ganze Bandbreite an Informationen.
Mit einem Wort ausgedrückt: Was wird aus Ihrer Sicht das dominierende Thema für SAP-Entscheider im Jahr 2017?
Heterogenität. Im Sinne von „wie gestalte ich meinen Weg in die heterogene Zukunft?“
Vielen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.