DSAG fordert API-first-Strategie von SAP

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Posted 18. Februar 2019 by Redaktion IT-Onlinemagazin in IT-Leiter

Steffen Pietsch DSAGErkenntnisse der DSAG-Technologietage 2019: Adressiert wurden die Themen Automatisierung, Integration sowie Qualität und Sicherheit in Bezug auf die SAP-Landschaften. Zwecks besserer Integrationsfähigkeit und Offenheit der SAP-Lösungen fordert die DSAG von der SAP eine API-first-Strategie. Ferner wurde die Frage diskutiert, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen mit Teilen ihrer Business-Anwendungen in die „Cloud“ gehen. Die geschäftskritischen Prozesse und Daten dürften auf absehbare Zeit On-Premise in den Unternehmen verbleiben, so die DSAG, während unkritische Prozesse und Daten in die Cloud verlagert werden.

Die Technologietage 2019 in Bonn waren laut DSAG (Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V.) mit 2.500 Teilnehmern bereits zwei Wochen vor dem Start ausverkauft. Steffen Pietsch, der neue DSAG-Vorstand Technologie, hielt eine sehr empfehlenswerte Antrittsrede und Key-Note zu aktuellen Herausforderungen in der SAP Tech-Community. Helge Sanden (IT-Onlinemagazin) fasst die Kernerkenntnisse aus Bonn folgendermaßen zusammen:

 

IT-Abteilungen müssen sich weiter verändern

Steffen Pietsch machte deutlich, dass die digitale Revolution (keine Evolution ist und) Unternehmen zu hoher Geschwindigkeit bezüglich Reaktionsfähigkeit und zur eigenen Veränderung zwingt. Technologie ist der Enabler des disruptiven Wandels, die Cloud spielt dabei eine zentrale Rolle und IT-Abteilungen müssen Antworten auf viele Fragen finden — und auch ihre Rolle verändert sich.

Unter anderem müssen IT-Abteilungen ihre Anwenderbereiche beraten, hybride Anwendungen orchestrieren und sich auf hohe fremdgesteuerte Taktraten für Release-Zyklen durch eine rapide steigende Zahl eingesetzter Cloud-Lösungen einstellen.

 

Automatisierung von IT-Prozessen — und zwar Ende-zu-Ende

Steffen Pietsch empfahl den IT-Verantwortlichen, nicht nur die betriebswirtschaftlichen Prozesse, sondern auch die IT- und Betriebsprozesse zu automatisieren. Es fehle bisher an durchgängigen Werkzeugen und best-practices für die Automatisierung von Tests, vom Konfigurationsmanagement, für Security-Checks und das Monitoring.

 

Steffen Pietsch: Dashboard sollte ganzheitlichen Handlungsbedarf signalisieren

„Meine Erwartungshaltung ist, dass ich mit Dashboards darauf hingewiesen werde, wo gegebenenfalls etwas zu tun ist. Manuell werden diese Aufgaben mit weiter steigender Komplexität nicht mehr zu bewältigen sein“, äußerte sich Steffen Pietsch im Gespräch mit Helge Sanden.

Bezüglich der SAP-Sicherheit forderte er „security-by-default“ – wenn ein SAP-System neu aufgesetzt ist, soll es von Haus aus sicher konfiguriert sein. „Erhöhte Sicherheitsanforderungen entstehen durch eine wachsende Gefährdung und eine zunehmende Abhängigkeit von SAP-Lösungen. Daher brauchen SAP-Anwenderunternehmen ausgereifte durchgängige Security Management Tools“, forderte Pietsch.

 

SAP muss Qualität und Verfügbarkeit sicherstellen

Durch die Cloud-Angebote verändert SAP sich laut DSAG-Technologievorstand vom Softwarehersteller zu einem Betreiber von Cloud-Software und Plattformen. Daraus ergeben sich neue Kunden-Anforderungen bezüglich Skalierbarkeit, Elastizität, Sicherheit, Stabilität, Verfügbarkeit, Self-Service-Möglichkeiten, Automatisierung, Schulungen und Enablement von Mitarbeitern.

Wie abhängig Anwender von einer Cloud-Lösung sind, merkt man, sobald sie nicht verfügbar ist. Ausfälle im Kernsystem eines Unternehmens bedeuten jedoch oft einen sofortigen Stillstand aller Aktivitäten. Vertrauen in die Zuverlässigkeit einer Cloud-Lösung oder Cloud-Plattform wird ein wichtiger weicher Faktor für deren Einsatz sein.

 

Cloud first: ja, Cloud only: nein

Kunden werden erst dann in die Cloud umziehen, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind und wenn mehr Funktionen oder Vorteile als beim jeweiligen vergleichbaren On-Premise-Angebot gegeben sind. „Cloud first: ja, Cloud only: nein“, fasste Steffen Pietsch die Position der DSAG zusammen.

 

Integration: API-first-Strategie

Die Digitalisierung erhöht die Komplexität der Systemlandschaften weiter, und die Integration unterschiedlichster On-Premise und Cloud-Lösungen wird zum Schlüsselfaktor der Digitalisierung, da Prozesse nicht an Applikations- oder Unternehmensgrenzen halt machen. Eine zentrale Forderung der DSAG an die SAP ist daher eine API-first-Strategie:

Der Zugriff auf sämtliche Funktionen einer Anwendung und auf relevante Daten soll über öffentliche, dokumentiert, standardisierte und gemanagte Schnittstellen erfolgen — und das On-Premise und in der Cloud. Einen ersten Ansatz in diese Richtung stellt der SAP API Business Hub dar. Steffen Pietsch forderte dessen konsequenten Ausbau durch die SAP und auch innerhalb der SAP-Anwendungen die ausschließliche Nutzung dieser dokumentierten Schnittstellen. Dies sei Voraussetzung für die notwendige technische und semantische Kompatibilität der Datenmodelle und Integrationsmöglichkeiten „out-of-the-box“ auch für Partnerlösungen und Drittanbieter.

 

Relevanz der SAP-Keynote für die Anwenderunternehmen?

Die SAP-Keynote — übrigens ohne Anwesenheit des SAP-C-Levels — blieb blass und ließ an vielen Stellen an Relevanz für die Tech-Community zu wünschen übrig. Einfache Analyse- und Abfragebeispiele bei einem fiktiven Longboard-Hersteller beeindruckten vergleichsweise wenig. Fragende Gesichter sah man insbesondere beim Beispiel, dass KI und ML mit SAP Leonardo helfen soll, den tropischen Regenwald zu schützen.

 

Fazit: Hohe Geschwindigkeit notwendig

Hohe Geschwindigkeit dürfte auf beiden Seiten, bei den SAP-Anwenderunternehmen, aber auch beim Hersteller SAP notwendig sein, wenn man die Dynamik der Veränderungen und deren Auswirkungen auf alle Unternehmen und alle Unternehmensbereiche erfolgreich managen will. Ob die eigene Geschwindigkeit bereits hoch genug ist, muss jeder für sich selbst beantworten.

 

 

Der DSAG-Jahreskongress 2019 findet vom 17.-19. September in Nürnberg statt. Die nächsten DSAG-Technologietage 2020 vom 11.-12. Februar in Mannheim.

 

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