RISE with SAP | SAP-Community Executive Summary | März 2021

Wir stellten wichtigen Branchenvertretern die Frage, wie sie „RISE with SAP“ bewerten und wollen damit Diskussionsstoff und Impulse liefern. Vertreter von SAP, SAP-Kunden und SAP-Partnern kommen zu Wort.

Im IT-Onlinemagazin „SAP-Community Executive Summary“ (hier abonnieren) fassen wir regelmäßig kompakt Ereignisse, Aufreger und Trends der SAP-Community zusammen.

 

Was tut sich bei SAP?

Der Qualtrics-Börsengang Ende Januar 2021 hat SAP in einem günstigen Marktumfeld (nach Angaben von Luca Mucic) rund 2 Milliarden Euro Erlös erzielt. Wenige Tage später kaufte SAP mit diesem Geld den Process-Mining Spezialisten Signavio. „Business Process Management“ ist auch ein Bestandteil des im Januar neu angekündigten SAP-Angebots „RISE with SAP“: Damit will SAP den Unternehmen helfen, einfacher und schneller Cloud-Technologie nutzen zu können, um zum „intelligent enterprise“ zu werden, wie SAP es nennt.

Die virtuellen DSAG-Technologietage zeigten, dass SAP und DSAG im Allgemeinen in enger Abstimmung arbeiten, was gut zu bewerten ist. Inhaltlich brachten die Keynotes wenig neue Erkenntnisse. Die DSAG fordert Vorlagen und Migrationspfade für datengetriebene Unternehmen von der SAP. SAP berichtete, dass die Vereinheitlichungsmaßnahmen plangemäß verlaufen und für erste Objekte mit der Veröffentlichung im „One Domain Model“ abgeschlossen sind.

Überraschend kaufte SAP mit AppGyver im Februar einen weiteren No-Code / Low-Code Anbieter, obwohl man mit dem hauseigenen Ruum und der Partnerlösung Mendix bereits zwei derartige Lösungen im Angebot hat. Bleibt zu wünschen, dass es (auch hier) schnell SAP-Empfehlungen gibt, welche Lösungen zukunftssicher und für welche Szenarien zu präferieren sind, damit Anwender in diesem wichtigen Zukunftsthema Investitionssicherheit bekommen.

 

Was tut sich bei SAP-Kunden?

Der Informationsbedarf zum S/4HANA-Umstieg ist weiterhin riesengroß: Bei der IT-Onlinekonferenz zu diesem Thema im Januar haben sich knapp 3.000 Interessierte registriert. Vergleicht man DSAG-Analysen und unsere eigenen Trendumfrage wird klar, dass 2021-2024 rund 50 Prozent der Anwenderunternehmen ihren Umstieg planen.

Ob es tatsächlich so kommt, muss man abwarten: Die Vorhaben dauern in der Regel länger als ursprünglich gedacht. Das erkennt man, wenn man die alten Planungen aus den Vorjahren anschaut. Demnach wollten bereits sehr viel mehr SAP-Kunden umgestellt haben, als tatsächlich geschehen.

 

Langfristige Entwicklung von Unternehmen in der SAP-Community

Wir wollen langfristig die Entwicklung börsennotierter Unternehmen verfolgen, die ihr Geschäft vorrangig mit SAP bestreiten. Deshalb haben wir am 01.06.2020 – rein virtuell – je 100 Euro in folgende Aktien investiert und verfolgen langfristig deren weitere Entwicklung. Das wäre bis jetzt aus den 100 Euro geworden:

Q.BEYOND AG 163,08 Euro
ALL FOR ONE STEEB AG 152,97 Euro
SNP Schneider-Neureither & Partner SE 122,68 Euro
REALTECH AG 111,73Euro
SAP SE 88,73 Euro
KPS AG 87,96 Euro

(Stand 28.02.2021 14:28 Uhr)

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieser Aktien dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen. Fehlt eine wichtige Aktie? Bitte senden Sie uns eine Nachricht.

 

RISE with SAP: Vorteile, Nutzen und Bewertungen

 

SAP-Community-Executive-Summary-März21

Mit „RISE with SAP“ will SAP den Weg in die Cloud und zum intelligenten Unternehmen für SAP-Kunden einfacher und attraktiver machen. Das SAP-Angebot wurde Ende Januar veröffentlicht. Wie bewerten Sie „RISE with SAP“? Welchen Nutzen sehen Sie für SAP-Kunden? Welche Chancen ergeben sich für SAP-Partner? Welche Relevanz hat „RISE with SAP“ für das SAP-Ökosystem?

Wer mehr über RISE with SAP erfahren möchte, ist herzlich zur IT-Onlinekonferenz #ITOK21 (22. – 25.03.) eingeladen. Dort können Sie Ihr Wissen ausbauen und erste Konkretisierungen von SAP und SAP-Partnern bekommen.

S/4HANA Private Cloud als Subskription

Axel Vetter (Head of SAP S/4HANA Customer Advisory in Middle & Eastern Europe | SAP):

Axel-Vetter-SAPSeit 2015 hat SAP mit SAP S/4HANA eine neue Generation von ERP-Software an den Markt gebracht. Mittlerweile schätzen über 6.600 Live-Kunden weltweit, dass dieses ERP System nicht nur Transaktionen hochautomatisiert und schnell verarbeitet, sondern auch als Warnsystem fungiert, um in Echtzeit das Unternehmen zu steuern. Doch die Kunden haben zwei weitere Anforderungen an SAP:

Erstens wollen Kunden mit S/4HANA zugleich weitere Komponenten nutzen und dies in einem Vertrag erwerben. So wird mit der Einführung von S/4HANA häufig beispielsweise auch die SAP Business Technology Platform benötigt. Zum anderen wollen SAP-Kunden von der Business Suite selektiv, gleichsam „evolutionär“ auf S/4HANA gehen — und gleichzeitig in die Public Cloud mit IaaS-Nutzung.

Mit RISE with SAP erfüllt die SAP nun diese beiden weiteren Anforderungen. RISE with SAP stellt eine Kombination von komplementären Lösungen mit S/4HANA – entweder als Public Cloud oder als Private Cloud – in einem Subskriptionsangebot dar. Mit der neuen S/4HANA Cloud Private Edition kann man ferner in der vollen Flexibilität, die bisher aus der On-Premises-Welt gewohnt ist, in die Cloud gehen. Hier bestehen nun zusätzlich interessante Möglichkeiten die Total Cost of Ownership von SAP weiter zu senken.

Aufbruch in neue Epoche

Marcus Sommer (Business Lead SAP on Azure & Cloud Scale Analytics | Microsoft Deutschland):

Marcus-Sommer-MicrosoftSAP setzt einen klaren Fokus auf die Cloud als ihre strategische Plattform und stellt somit den Kompass für die Zukunft. Die Abkehr vom klassischen Lizenzmodell hin zur Subskription ist dabei ein wichtiger Schritt für die SAP-Kunden, die heute schon in vielen Bereichen Cloud-Modelle nutzen. RISE ermöglicht im Kern eine ganzheitliche und konsistente Betrachtung im Kontext der Cloud. Auch wenn aktuell noch einige Fragen offenbleiben, ist hier eine wichtige und richtige Entscheidung getroffen worden.

SAP-Kunden stehen aktuell vor großen Herausforderungen und benötigen einen gut aufgestellten Partner, der die Business Transformation innerhalb der Branchen mit S/4HANA begleitet. RISE sollte vor allem als Aufbruch in eine neue Epoche verstanden werden, sowohl für Kunden als auch für Partnerfirmen. Der Zukauf von Signavio unterstricht den veränderten Fokus auf den „Prozess“ und stärkt damit direkt die Bedeutung von S/4HANA.

Reine Infrastrukturprojekte sind stark vergleichbar und werden sich immer stärker über den Preis entscheiden. Dieser sollte aber auf keinen Fall in den Vordergrund gestellt werden. Langfristige Potenziale sollten den Schwerpunkt bilde. Denn Cloud hat nichts mit Hosting zu tun, sondern ermöglicht neue Chancen, die genutzt werden müssen. Jeder sollte diesen Baukasten also bestmöglich in großer Bandbreite beherrschen.

Langfristig werden Themen wie Automatisierung, Erweiterung und Integration mehr Relevanz haben. Nachhaltige und umfängliche Kundenbeziehungen bilden sich am Ende über gute Branchenkenntnisse und den Sinn für maßbegliche Innovationsfelder. Und diese werden zunehmend über die Möglichkeiten einer umfassenden Cloud-Strategie und vor allem mit einem kompetenten Partner gebildet, der die langfristigen und innovativen Möglichkeiten im Blick hat und diese umzusetzen vermag.

Mit S/4HANA Brownfield in die Cloud

Marcel Deichmann (Managing Consultant S/4HANA Cloud | valantic):

Marcel-DeichmannWir betrachten die „RISE with SAP“ Initiative als eine sehr positive Marktentwicklung. Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, auch mit einem Brownfield-Ansatz in die Cloud zu wechseln. Zudem stehen jetzt alle Funktionen in der Cloud zur Verfügung, welche man von einem On-Premises-System kannte. Zusätzlich erhält der Kunde weitere Leistungen, beispielsweise ein Starterpack für das SAP Business Network, mit dem er Zugang zum Ariba Network, dem Asset Intelligence Network und dem Logistics Business Network erhält. Das Starterpack enthält erst einmal nur eine geringe Anzahl an austauschbaren Dokumenten, ist aber ein erster Schritt in Richtung intelligentes Unternehmen der Zukunft.

Für SAP-Partner ist „RISE with SAP“ eine Chance, aber auch eine Herausforderung. Zukünftig sollen Kunden nur noch von zwei starken Partnern betreut werden: von SAP als Herstellerunternehmen und einem SAP-Partner. Dabei übernimmt der Partner die Implementierung, soweit es sich um einen Greenfield-Ansatz handelt, sowie das Application Management. Entscheidet sich der Kunde für eine System-Conversion, übernehmen das wiederum SAP und der SAP-Partner gemeinsam. Dem Kunden soll so der bestmögliche Service geboten werden, um in die S/4HANA Cloud zu wechseln. Im weiteren Sinne kann man hier auch von Transformation-as-a-Service sprechen.

Aktuell sehen wir ein großes Interesse an den S/4HANA Cloud-Produkten, insbesondere bei der neuen Private Cloud. Partner, die aktuell noch kein Application Management im Beratungsportfolio haben, sollten daher darüber nachdenken, dieses nun aufzubauen, um zukünftig ihren Kunden auch die Private Cloud anbieten zu können.

S/4HANA bewusst klassisch On-Premises

Thomas Henzler (CIO | Piller Blowers & Compressors):

Mit „Rise“ untermauert SAP den Anspruch, sich zu einer Cloud Company zu transformieren. Die Frage für uns als SAP-Kunde ist jedoch, welchen Mehrwert ziehen wir aus Rise bzw. dem Drang der SAP sich zu einer Cloud Company zu wandeln? Generell stehen wir als PILLER Cloud Anwendungen offen gegenüber und sehen grundsätzlich einige Mehrwerte für uns. So setzen wir bereits Systeme wie die Sales & Service Cloud, Success Factors oder auch das SAP Field Service Management aus der Cloud ein. Hinzu kommen „Innovations“-Technologien wie IoT.

Im SAP S/4HANA-Kontext sind wir jedoch noch bewusst klassisch On-Premises unterwegs. Die Gründe liegen hierfür in der Flexibilität, was Erweiterungen angeht, besonders bei eigenentwickelten Programmen oder auch der Anbindung von produktionsnahen Systemen, wie unsere Hochregalläger.

Rise ist für uns in erster Linie eine kommerzielle Aufbereitung der bisherigen SAP-Produkte in ein Paket. Die ursprünglichen Stärken und Schwächen der Systeme und Lizenz-Metriken bleiben dabei unverändert. Ein Cloud Platform Enterprise Agreement mag vielleicht die Grundlage für eine einfachere Abrechnung sein, es löst aber nicht die Herausforderungen der Lizensierung innerhalb der einzelnen Produkte.

Wo also sehen wir für uns mögliches Potential in Rise? Mit der Einführung von S/4HANA mussten wir feststellen, dass die Möglichkeiten einen Prozess abzubilden, sehr breit möglich sind. Als Kunde, der mit dem Release 1610 gestartet ist, leben wir heute zwischen zwei Welten. Der Welt der ECC Transaktionen, welche nach wie vor das machen, wofür sie entwickelt wurden — und den neuen Fioris, von welchen wir uns sehr viel erhoffen, aber welche erst mit den Jahren immer weiter gereift sind. So stehen wir heute im Jahr 2021 mit dem Release 2020 an dem Punkt, dass wir ein viel weiter gereiftes S/4HANA im Einsatz haben, aber nach wie vor auf viele alte ECC-Funktionen setzen.

Mit der versprochenen Transformation innerhalb von Rise erhoffe ich mir ganz klar ein starkes Führen der SAP, nach festen Standards und klaren Wegen, wie Prozesse vollumfänglich mit S/4HANA-Mitteln umgesetzt werden können, um die Power des Systems auch auf die Straße zu bringen. Dabei erwarten wir, dass die SAP sich nicht hinter den Rise-Partnern versteckt, sondern klare Wege aufzeigt — mit oder ohne Partner!

Selbst wenn dies erfüllt ist, stellt sich für uns die Frage, welche Reichweite wir innerhalb einer Service-Organisation der SAP als „kleiner“ Kunde haben. Heute haben wir unsere Systeme bei einem größeren mittelständischen SAP-Partner im Betrieb. Hier kennt man sich und hat mal mehr oder weniger kurze Wege. Mit Rise gebe ich mich voll und ganz in die Hände der SAP. Hier erwarte ich auch schnelle Reaktion und auch einmal kurzfristiges Reagieren im Notfall, sowie direkte Ansprechpartner. Dementsprechend muss Rise auch eine entsprechende Service-Organisation mit sich ziehen, bei der die Größe des Kunden keine Rolle spielt, wenn es um Reaktionszeiten und ähnliches geht.

Begleitung zum intelligenten Unternehmen

Dr. Michael Fuchs (CEO dr. Fuchs Senior Advisors/ dr. Fuchs Personalberatung):

Michael Fuchs

„RISE with SAP“ trifft den Nerv – in vielerlei Hinsicht! Wohl kaum ein Unternehmen entkommt der fortschreitenden Digitalisierung. Im Gegenteil, um agil und flexibel auf den immer schneller sich ändernden Märkten (re-) agieren zu können, müssen Unternehmens-Prozesse und die darunterliegenden System-Architekturen dies auch zulassen. Fest „verdrahtete“ und individuell angepasste ERP-Monolithen hindern hierbei mehr, als dass sie unterstützen. Kein Wunder also, dass das cloud-basierte ERP der klassischen zentralen (SAP-) ERP-Philosophie den Rang abläuft. Nur wann soll man starten und wie?

Geht es allein nach der SAP, so ist mit RISE die Antwort gegeben: sofort! Nicht ganz selbstlos betrachtet, muss man sich die aktuelle Situation der SAP dazu vor Augen halten. Selbst bei den treuesten Kunden haben die Hyperscaler mittlerweile mindestens ein Bein in der Tür und bieten ihre bis dato überlegene Technologie als Basis für die Digitalisierung in der Cloud an. SAP-Bestandskunden migrieren aufgrund komplexer Alt-Systeme dagegen nur langsam auf S/4HANA Cloud. SAP droht also die „Hoheit“ über die Prozesse, Daten und somit den „Move-to-Cloud“ bei ihren Kunden zu verlieren. So verstanden, ist RISE with SAP ein cleverer Ansatz, die Kunden da abzuholen, wo sie heute ERP-technisch stehen und mit dem Ziel der Begleitung zum intelligenten Unternehmen die Schaltzentrale für die digitale Transformation der Kunden zu besetzen. Das ist nicht verwerflich, funktioniert aber nur in einer Win-win-Situation mit den Kunden.

Wo liegen also die Chancen für die Kunden? Die Ankündigung eines einzigen Vertrages mit einer Cloud-Subskription, flexibleren Abrechnungsmetriken und atmende Lizenzmodelle sind in der Tat ein Segen. Sie begründen aber noch keine Migration in die ERP-Cloud. Auch ein nahendes Wartungsende für SAP ECC-Systeme regt zwar Diskussionen über S/4HANA an, schafft aber nicht wirklich Vertrauen in einen dauerhaften Partner SAP. Umso wichtiger also, dass die unter RISE gebündelten Vertragskonstrukte, Tools und Methoden zur intelligenten Unternehmens-Transformation, die nun entfachte Erwartungshaltung der Kunden zu schnellen und kostengünstigeren Migrations-Projekten in die Cloud erfüllt.

SAP muss mit RISE sein Wissen über Branchen, Prozesse und Daten für Kunden so anbieten, dass für diese auch ein kaufmännischer Business-Case auf dem Weg zum intelligenten Unternehmen entsteht. Echte Mehrwerte in Form von nutzbaren Best Practices, integrierten Prozessen, einheitlichen Daten und innovativer Technologie entscheiden. Mit dem Kauf von Signavio und dem betriebswirtschaft­lichen Wissen aus über 400.000 Kunden-Situationen hat SAP die Trümpfe in der Hand. Jetzt müssen Taten folgen!

Über eigene Architektur Gedanken machen

Otto Schell (CEO / Founder | Institute für Global Digital Creativity and Relevance):

Wenn Bestandskunden nicht auf On-Premises verzichten wollen und man mittelfristig keinen Weg findet sie (auch im SAP-eigenen Interesse) wieder zu standardisieren, kommt der Ruf nach Digitalisierung gerade Recht. Parallel x-Releases zu pflegen nimmt Kraft für Innovation, der berechtigte Ruf nach SAP-interner Lösungsharmonisierung lenkt vielleicht sogar von der eigentlichen Kapazität der Lösung ab. „RISE with SAP“ kann Kunden einen Anreiz geben, sich über ihre eigene Architektur Gedanken zu machen. Gerade in Zeiten, wo Netzwerke mehr Verantwortlichkeiten haben werden, ist Andersdenken von Prozessen und Modellen mehr als überfällig.

Nach der Ankündigung ist vor dem Liefern. Hier gilt es schnellstmöglich klare und belastbare Abstimmungen zwischen den Beteiligten, insbesondere den Partnern, zu Tätigkeiten. Zuverlässige Aussagen gegenüber dem Kunden, der momentan aufgrund COVID bereits mehr aus verunsichert ist, sind hier unumgänglich. Daten sind „Commodity“, das „Muss“ der Zukunft ist der angemessene und durchgängige Umgang mit Software. Das bedingt verlässliche Partner im Eco-System bezüglich Qualität und Kosten. In der Vergangenheit gab es verschiedenste Versuche über additive Service-Angebote eine engere Bindung zu den Kunden zubekommen, allein die Skalierbarkeit war nicht gegeben, das auch umzusetzen.

„RISE with SAP“ muss bei den Kunden mit dem Verständnis anfangen, dass es nicht mehr darum geht, von Release zu Release zu gehen und zu denken. Es bedeutet vor allem, sich Gedanken über neue automatisierte Prozesse und damit Veränderung in gefestigten Ablaufstrukturen — nicht nur horizontal in der Optimierung, sondern auch vertikal mit Vertrauen ins Netzwerk — zu erlauben.

„RISE with SAP“ bedeutet ein erstes Loslassen in eine nicht mehr scheinbare eigengesteuerte Umgebung, die noch mehr Standardisierung erwartet. RISE kann eine erste Möglichkeit geben, darüber hinaus in intelligenten Netzwerken zu agieren. Austauschbarkeit bedeutet auch Geschwindigkeit. Das bedingt Vertrauen in Zusagen und realistische Szenarien in Zusammenarbeit mit dem erweiterten Ökosystem.

Anrechnung bestehender Lizenzwerte nötig

Holger Wüsthoff (Global Head of IT | Lohmann):

Holger Wüsthoff

Als mittelständisches Unternehmen (mit über 20 Standorten weltweit) haben wir uns schon früh der „Cloud-First-Strategie“ verschrieben: Mit der Idealvorstellung, alle Gesellschaften mit SAP als vollständig gewarteten Service, vergleichbar mit dem Office-365-Dienst, versorgen zu können.

Für den aktuell anstehenden Rollout von kleineren, produzierenden Landesgesellschaften könnte das „RISE“-Angebot also eine Alternative zum Ausbau des bestehenden S/4HANA On-Premises Systems sein.

Traditionsgemäß ist auch das neue Angebot umfangreich und inhaltlich oftmals recht vage gehalten. Somit wären wir auch schon beim ersten Punkt: Die Frage nach der Erfüllung unserer Kernanforderungen lässt sich anhand der Produktinformationen aus unserer Sicht nicht beantworten. Nur intensive Beratungsgespräche und das Studium von mehreren hundert Zeilen Scope-Item Beschreibungen geben hier Aufschluss.

Die im Angebot enthaltenen Dienste zum Prozess-Management und der Anschluss an ein Business Netzwerk sind für Neukunden sicher interessant. In unserem Fall mussten wir diese Themen schon bei der S/4HANA-Erstimplementierung vor drei Jahren behandeln, somit ergibt sich hier nur ein inkrementeller Mehrwert.

Im Kern haben wir für uns, neben dem bestehenden Public Cloud Betrieb, die Private Cloud Edition als weitere Option identifiziert. Somit bestehen mehr Möglichkeiten, für uns Funktionalitäten zu ergänzen und in ein hybrides Modell einzusteigen.

Die Private Cloud Edition, als Zwischenlösung vom On-Premises zum Public-Cloud Betrieb stellte für uns keinen Mehrwert dar, weil wir im Vergleich zu dem bestehenden System lediglich auf einem Hyperscaler operieren würden. Somit macht für uns die „Essential Cloud Edition“ das Rennen.

Leider wurden aber alle Fragen zur technischen Machbarkeit schnell von dem aktuell bestehenden Preismodell überschattet. Wir haben keine Möglichkeit gefunden, die bestehenden TCO zu unterbieten oder mit diesen gleich zu ziehen. Eine Anrechnung bestehender Lizenzwerte, zur Vermeidung von Remanenz-Kosten beim Wechsel zur Cloud Umgebung, ist leider auch nicht vorgesehen.

Das Fazit zu RISE ist vor diesem Hintergrund leider ernüchternd. Der Weg in Richtung Cloud Service stimmt, aber das Preismodell, die fehlende Anrechnung von Bestandslizenzen und der noch nicht ausreichende Funktionsumfang lässt die Entscheidung pro „RISE“ nicht zu.

Neue Option — aber kein Cloud Game-Changer

Meine Meinung:

Helge Sanden IT-OnlinemagazinBei „RISE with SAP“ handelt es sich um eine Bündelung von Leistungen, die SAP größtenteils bereits heute anbietet. SAP packt sie in ein großes Paket und schreibt einen Namen drüber. Das ist Marketing. Ob und wie SAP-Kunden es annehmen, wird die Zeit zeigen. Es wird bestimmt Kunden geben, die dieses „all-inclusive“ Service-Angebot prüfen und nutzen werden. Ich erwarte jedoch nicht, dass RISE der Game-Changer für die Cloud-Adoption der SAP wird — und es dadurch eine riesige Abwanderungswelle von SAP-On-Premises-Kunden in die SAP Cloud Private Edition geben wird. Warum?

Neu an RISE (gegenüber SAP Hosting (HEC)) ist: Man kann jetzt neben der Infrastruktur der SAP alternativ einen beliebigen Hyperscalers nutzen — und bekommt Managed Services von SAP on top. Billiger als der direkte Einkauf von IaaS beim Hyperscaler wird das für SAP-Kunden sicher nicht. Und ob der zwangsläufig notwendige Aufpreis des Wiederverkäufers zu einer besseren Leistung führt, muss SAP erst nachweisen — und den Preis nennen.

Ich beobachte im IT-Markt einen Trend Richtung Best-of-Breed. Eine Subskription für „Business-Transformation-as-a-Service“ würde die Abhängigkeit von einem Anbieter erhöhen. Sind Kunden beispielsweise bereit, alle aktuell eingesetzten Dritt-Anwendungen über eine SAP-Integrationsplattform in der Cloud, die Business Technology Platform, anzubinden? Die zusätzlich fälligen Transaktionskosten müssten sich irgendwo anders amortisieren oder zu einem Business-Mehrwert führen. Gelingt SAP eine betriebswirtschaftlich vernünftige und technisch einfache E2E-Integration als Service, dann wäre das so ein Mehrwert.

Die Vielfalt an SAP-Partnern und deren Spezial-Expertisen machen das SAP-Ökosystem aus — und stark! Bei RISE soll ein Vertragsverhältnis mit SAP und einem Partner geschlossen werden. Ich frage mich, ob SAP-Kunden einen dominanten Partner für eine unternehmenskritische Transformation installieren wollen, mit dem sie möglicherweise noch keine Kundenbeziehung oder vertrauensbildende Historie pflegen? Oder macht schon jeder Partner bei „RISE with SAP“ mit — oder führt das zu einer Fokussierung auf die Großen?

Bei allen Fragezeichen ist die Zielrichtung von SAP zu begrüßen: Process Mining kann Optimierungsimpulse bringen, wenn die schnelle Signavio-Integration gelingt. Es ist gut, mit der„SAP Private Cloud“ eine neue Option zur Cloud-Transformation zu haben. Einen empfohlenen Weg aufzuzeigen, wie man zum datengetriebene Unternehmen werden kann, ist wünschenswert. Wenn man den gemeinsam mit Partnern umsetzt und die ganzheitliche Integration schafft, wäre das ein Traum. Wie attraktiv „RISE with SAP“ wirklich für Kunden sein kann, wird man an den ersten Umsetzungen, Konkretisierungen durch SAP und SAP-Partner und den Weiterentwicklungen des RISE-Ansatzes sehen. Ein Anfang ist gemacht — und SAP-Kunden haben eine Option mehr.

Herzliche Grüße!

Ihr Helge Sanden (Herausgeber IT-Onlinemagazin)

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ITOK21-SAP-S/4HANA

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