SAP-Community Executive Summary | Ausgabe 6 | Dezember 2020

„Was erwartet uns rund um SAP im Jahr 2021?“ Diese Frage stellten wir wichtigen Branchenvertretern und wollen damit Diskussionsstoff und Impulse liefern. Vertreter von SAP-Anwenderunternehmen und SAP-Partnern kommen zu Wort.

Im IT-Onlinemagazin „SAP-Community Executive Summary“ fassen wir einmal im Monat kompakt Ereignisse, Aufreger und Trends der SAP-Community zusammen. (hier abonnieren)

 

Was tut sich bei SAP?

Die Message der SAP zum S/4HANA-Umstieg hat sich in den letzten fünf Jahren verändert: Anfänglich wurde Greenfield (=Neustart) in den Vordergrund gestellt, dann Brownfield (=Alles wie gehabt), um jetzt bei der individuellen Mischform aus „alt“ und „neu“ zu landen. „Selective Data Transition“ heißt die industrialisierte Methode.

SAP will Bestandskunden Möglichkeiten geben, S/4HANA oder die hauseigenen Cloud-Lösungen nur für Teilprozesse der oft langen Ende-zu-Ende Ketten zu nutzen. Wenn man zukünftig modularer umsteigen und Vorteile der neuen SAP-Welt einfacher nutzen kann, hilft das sicher auch bei der Priorisierung unter den aktuellen Rahmenbedingungen.

 

Was tut sich bei SAP-Kunden?

Der Durchbruch bei den Corona-Impfstoffen wurde an der Börse gefeiert. Bis die Unternehmen in den Krisenbranchen davon profitieren, wird vermutlich noch mindestens ein halbes Jahr bis Jahr vergehen, bei manchen geht es vielleicht schneller.

Die Mutigen werden mit dieser Aussicht investieren, sofern sie es sich erlauben können. Effizienzsteigerung und Optimierungen werden laut DSAG-Umfrage im Vordergrund stehen. Ob das reicht, thematisieren wir später weiter unten noch.

 

Was tut sich bei SAP-Partnern?

SAP-Partner tun sich aufgrund der Pandemiefolgen mit Prognosen besonders schwer. Viele ihrer Kunden „fahren auf Sicht“ und die Volatilität der Entscheidungsträger ist entsprechend hoch. Erste Partner ordnen für Mitarbeiter Kurzarbeit an, wenn die Planbarkeit und die Aufträge fehlen. Insbesondere schnell gewachsene SAP-Partner müssen dann schnell reagieren. Partner mit einem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze sind im Vorteil gegenüber reinen Beratungsunternehmen.

Positiv wirkt sich indes die Remote-Arbeit aus: Aufgrund geringer (bis keiner) Reisezeiten steigt der Anteil der fakturierbaren Leistungen und die Reisekosten sind rückläufig. Laut unserer Umfrage funktionieren „Remote-Projekte“ für rund 80 Prozent der Unternehmen gut oder sehr gut.

 

Glücksmoment des Monats: Teil-Analogisierung

Viele — ich gehöre dazu — vermissen den Austausch mit Gleichgesinnten bei den vielen interessanten SAP-Community Events, auf denen wir uns alle regelmäßig getroffen haben. Bei unserem ersten virtuellen Networking-Event konnte man die Sehnsucht nach „Analogisierung“, also endlich wieder echten Treffen, spüren.

Es ist uns wunderbar gelungen, eine Teil-Analogisierung zu erreichen: Zufällig Bekannte treffen, kurz plaudern, sich für später zum Austausch verabreden, sich dazustellen, neue Menschen aus der SAP-Community absichtslos kennenlernen. Wie das gelungen ist? Kommen Sie selbst einmal vorbei: Am 09.12. ist es wieder so weit, danach am 25.01. zur Eröffnung der vierten IT-Onlinekonferenz. Wir sehen uns!

 

Langfristige Entwicklung von Unternehmen in der SAP-Community

Wir wollen langfristig die Entwicklung börsennotierter Unternehmen verfolgen, die ihr Geschäft vorrangig mit SAP bestreiten. Deshalb haben wir am 01. Juni 2020 – rein virtuell – je 100 Euro in folgende Aktien investiert und verfolgen langfristig deren weitere Entwicklung. Das wäre bis jetzt aus den 100 Euro geworden:

ALL FOR ONE STEEB AG 133,17 Euro
Q.BEYOND AG (ehemals QSC) 125,85 Euro
SNP Schneider-Neureither & Partner SE 119,55 Euro
REALTECH AG 101,23 Euro
SAP SE 87,51 Euro
KPS AG 72,74 Euro

(Stand: 03.12.2020 18:24 Uhr)

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieser Aktien dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen. Fehlt eine wichtige Aktie? Bitte senden Sie uns eine Nachricht.

 

Was wird 2021 in der SAP-Community wichtig?

Das Jahr 2020 hat für die SAP-Community sowohl im privaten und geschäftlichen Umfeld viele Veränderungen und Herausforderungen mit sich gebracht. Zum Jahresende wollen wir natürlich wissen, was 2021 für die Mitglieder der SAP-Community wichtig wird. Was sollte man vermeiden? Worauf muss man unbedingt achten? Was sollte man nicht vernachlässigen? Welche Weichen muss man kurz-, mittel- und langfristig stellen?

SAP-Community Executive-Summary-06

Dr. Kerstin Borgards (S/4HANA Deployment Lead: Pharma Technical Operations |Roche Diagnostics):

2020 hat neben Veränderungen, Herausforderungen auch viele Chancen mit sich gebracht. Die Corona-Pandemie wird mittel- und langfristige Auswirkungen auf unserer Arbeitswelt und Arbeitsweise haben. In vielen Unternehmen ist für einen Großteil der Mitarbeitenden das virtuelle Arbeiten von Zuhause zum „neuen Normal“ geworden.

Damit einhergehend hat sich die digitale Kompetenz der Mitarbeitenden signifikant weiterentwickelt. Ferner ist für viele Unternehmen der Stellenwert integrierter digitaler Lösungen für interne Prozesse und für die Interaktion mit Kunden stark angestiegen.

Damit ist die Corona-Pandemie mit zum Katalysator der Digitalisierung geworden, denn viele Menschen haben persönlich erlebt, welche Vorteile diese mit sich bringt. Ich bin überzeugt, dass davon auch die digitale Transformation in vielen Unternehmen profitieren wird.

Darüber hinaus haben wir in der Corona-Pandemie erkannt, wie essenziell Datenanalysen in Echtzeit sind, um die richtigen Geschäftsentscheidungen treffen zu können. Dies wird mittelfristig sicherlich eine Standardanforderung von Unternehmen sein. Langfristig steht nun für viele Unternehmen der Aufbau resilienter Wertschöpfungsketten im Vordergrund.

Peter Nickel, Leiter IT & Organisation bei Baier & Schneider:

Nickel Peter

Leider muss auch ich meinen Beitrag mit dem Verweis auf die allgegenwärtige Corona-Pandemie beginnen. Corona wird uns auch im Jahr 2021 beschäftigen: Drängende Fragen nach Umsatzverlusten und deren Ausgleich, Fortführung von Kurzarbeit, Wiedererlangen wirtschaftlicher Stabilität müssen offen diskutiert und beantwortet werden. Eigentlich ist die Lösung banal: Nur das Geld ausgeben, was notwendig ist, dabei „first things first“ und die Prioritäten richtig setzen.

In der Realität wird es schon spannender: Ist der am lautesten „schreiende“ Fachbereich der wichtigste oder der mit der ältesten Anforderung? Die Antwort kann durchaus lauten: Die Karten sind in 2021 neu gemischt – wir müssen mit den nun eingeschränkten Ressourcen sinnvoller und wertschöpfender umgehen als je zuvor. Viele Fachbereiche sind in meinen Augen nur deshalb mit der IT unzufrieden, weil in der Vergangenheit zu viele Aufgaben gleichzeitig die IT-Bereiche gelähmt haben: Alles dauerte zu lange.

Aktuell lähmen uns aber hauptsächlich Kurzarbeit, Lockdown und vor allem die Zurückhaltung der Kunden (die auch das Gehalt der IT-Abteilung bezahlen). Warum sollten wir diese veränderte Situation nicht nutzen und (Achtung Buzzword:) „Achtsamkeit“ üben? Achtsamkeit in Bezug auf „was wollen wir wirklich tun, was bringt am meisten, um die wirtschaftliche Stabilität zu sichern“. Bitte nicht falsch verstehen, denn diese Überlegungen sind natürlich vorher auch schon gelaufen. Heute müssen wir aber noch genauer hinsehen, und davon könnte im Mittelstand das ein oder andere Firmenschicksal abhängen. Das gilt im Übrigen nicht nur in Bezug auf IT-Entscheidungen.

Achtsamkeit wünsche ich mir aber auch von SAP und damit 2021 die Rückbesinnung auf den Mittelstand: Keine abschreckenden Mondpreise und dann folgende Rabattschlachten — wir sind ja nicht im Möbelhaus. Stattdessen gut skalierende Preise, die dem Produkt angemessen sind und den Mittelstand nicht gleich abschrecken. Weiterhin keine Prestige-Zukäufe, von denen der Kunde nicht profitiert, sondern solide Verbesserung der ERP-Basis mit echter Innovation.

S/4HANA sollte nicht nur viel kosten, sondern dafür auch etwas bringen. Und dann wäre noch der letzte Stoßseufzer in Richtung Walldorf: Bitte seht den Mittelstandskunden als Partner — und nicht als Cashcow. Denn sonst sucht sich die Cashcow einen anderen ERP-Lieferanten.

Markus Rebbert (Head of Architecture | REWE digital GmbH):

Markus Rebbert

Die Coronapandemie als „Black Swan“-Ereignis hat uns lehrreich gezeigt, wie wichtig es ist, sich so flexibel wie möglich auch auf das Unvorhersehbare einzustellen. In der Zeit von erheblichen Einschränkungen haben genau die Geschäftsmodelle Probleme, die einer eher singulären Strategie folgen. Anschaulich ist dies derzeit am stationären Handel zu erkennen. Hier hat es die Wettbewerber am härtesten getroffen, die noch nicht über digitale Absatzkanäle verfügen oder nicht in der Lage sind, die sprunghaft gestiegene Nachfrage zu bedienen.

Resiliente Unternehmen sind in der Lage, in Zeiten einer Ausnahmesituation zumindest eine Zeit lang zu überleben. Antifragile Unternehmen jedoch schöpfen aus der Krise proaktiv die Innovationskraft, die es benötigt, um sogar gestärkt aus einer solchen Situation heraus zu kommen.

Dies bedarf allerdings eine Abkehr von langwierigen und schwerfälligen Planungsprozessen — hin zu mehr Pioniergeist und agilen Vorgehensweisen: Beispielsweise cross-funktionale Organisationen, die sich durch hypothesenbasiertes Testen iterativ dem richtigen Geschäftsmodell oder Produkt nähern, flankiert durch eine modernisierte Fehlerkultur. Wir müssen bereit sein, liebgewonnene Strukturen zu hinterfragen und unsere Komfortzone verlassen. Denn Not macht eben doch erfinderisch.

Technologien wie Hybrid-/Distributed Cloud Computing oder ML-unterstützte Data Analytics sind wichtige Faktoren in der (Weiter-)Entwicklung der Geschäftsmodelle. Entscheidend allerdings wird die Art der Anwendung dieser Technologien sein. Denn nur der Einsatz dieser Technologien macht Händler XY noch nicht zum neuen Amazon. Neben den neuen Technologien werden auch neue Arbeitsweisen, wie Remote Work, einen großen Einfluss auf die Chancen auf dem hart umkämpften Talentmarkt haben. Nicht nur hier führt der Weg zurück zum „alten Normal“ garantiert aufs Abstellgleis.

Thomas Henzler (CIO | Piller Blowers & Compressors):

2020 hat uns gelehrt, wie volatil unser Umfeld ist, und wie wichtig es ist, sich flexibel und schnell auf geänderte Rahmenbedingung einzustellen. Damit ist nicht nur das Home-Office als häufiges Pseudonym für Digitalisierung gemeint. Das VUCA-Prinzip hat plötzlich ein Gesicht bekommen — in Form von Covid-19.

Doch was lernen wir für das kommende und die folgenden Jahre daraus? Digitalisierung ist kein Selbstzweck der IT und kein technischer Hype, der morgen wieder geht. Wir müssen uns alle weiterhin flexibel und konsequent auf den Markt und dessen Bedürfnisse einstellen. Dies gilt auch für die SAP.

Neue Vertriebswege, neue vielleicht auch disruptive Geschäftsmodelle, unterstützt durch effiziente Ende-zu-Ende Prozesse auf Basis eines digitalen Kernes werden diskutiert. Sehr viele sprechen von „customer centricity“ – jetzt heißt es machen, damit wir am Ende nicht „Bummelletzter“ sind. Natürlich dürfen wir bei all dem Digitalisierungsschub nicht vergessen, dass es auch Unternehmen gibt, die momentan ganz andere Sorgen durch die Corona-Auswirkungen haben.

Für 2021 sehe ich viele Themen, die uns auch heute schon als SAP-Anwender begleiten: Weitere Transformation in Richtung S/4HANA, zunehmende Bedeutung von Cloud und hybriden Landschaften beziehungsweise Prozessen oder auch innovative Geschäftsmodelle auf z.B. IoT-Basis. Was am Ende für alles gilt, ist eine durchgängige Integration entlang der Ende-zu-Ende Prozesse, weil erst das wirkliche Innovationen ermöglicht. Silodenken sollte endlich der Vergangenheit angehören.

Neben all den Technologien, wird das IT-Knowhow in den Fachbereichen immer wichtiger. Fachbereiche sollten die Mehrwerte von Technologien verstehen und damit umgehen können, um selbst — von Innen getrieben — eigene digitale Transformationen anzugehen. Hier gilt es clevere Strategien für das Vermitteln von Wissen zu entwickeln. Gleiches gilt auch für IT-Organisationen und IT-Systemhäuser. Wir müssen uns besser auf hybride Szenarien und integrierte Ende-zu-Ende Prozesse einstellen und das Modul-Denken unterlassen.

Zu guter Letzt muss auch SAP sich besser und flexibler auf die Bedürfnisse der Kunden einstellen. Man sollte den Kunden beim Wandel zu einer Cloud-Company nicht vergessen. Bevor wir vielleicht in die Wolke aufsteigen gilt es, alle Kunden sicher und fair in die neue S/4HANA-Welt zu überführen. Die Ankündigungen von Christian Klein in den letzten Wochen stimmen mich da positiv. Und ich hoffe persönlich, dass diese noch mehr Bedeutung im Umgang mit Kunden findet.

Meik Brand (SAP Business Development Manager | q.beyond):

Meik_BrandBevor wir auf 2021 schauen, zunächst ein Blick zurück auf ein Jahr 2020 der beschleunigten Digitalisierung über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg. Als Kunden im Einzelhandel freuen wir uns auf die breite Möglichkeit digital (z. B. mit dem Smartphone) zu bezahlen. Selbst viele Backshops und Kioske bieten es an.

Auch der Weg in die Cloud hat im Mittelstand Fahrt aufgenommen: Im Wesentlichen geht es um die konkrete Umsetzung, aber nicht mehr um das „ob“. Das ist eine spannende Entwicklung, die insbesondere durch Covid-19 beschleunigt wurde. Gerade im Handel bemerken wir eine verstärkte Nachfrage nach neuen und vor allem digitalen Lösungen: Beispielsweise die Zählung von Kunden mittels Sensoren, die ein Geschäft betreten oder verlassen, um die wechselnden Covid-19 Auflagen zu erfüllen. Oder auch die Ausspielung von Preisen auf elektronischen Preisschildern in Echtzeit, um die mühevolle manuelle Preisänderung zu eliminieren. Personal ist knapp und die Automatisierung von Geschäftsprozessen wird auch im Jahr 2021 wichtig sein.

Mein SAP Top-Thema für das Jahr 2021 ist allerdings … Trommelwirbel … die „Industry Cloud“. Es ist nicht weniger als eine Revolution, die SAP hier gemeinsam mit dem Partner-Ökosystem umsetzen möchte. Die Idee, Branchenlösungen der Partner (die auf der SAP Cloud Platform laufen) mit dem S/4HANA-System zu verbinden — und so dem Kunden einen größeren Funktionsumfang zu bieten — ist nur folgerichtig und zu begrüßen.

SAP nutzt die Branchenexpertise der SAP-Partner, um schneller und mehr Geschäftsprozesse zum Kunden zu liefern und erhöht damit die Relevanz der SAP-Plattform. Gleichzeitig unterstützt es den „Fit-to-Standard“ Ansatz, der im Rahmen von S/4HANA Migrationen immer wichtiger wird. Der Kunde soll weniger individuelle Funktionen ins System bringen und mehr auf Partnerlösungen setzen. Die Harmonisierung der Partnerlösungen mit dem S/4HANA-Kern könnte für die Kunden die Simplifizierung bedeuten, auf die diese schon lang gewartet haben.

Was sind die Vorteile? Kunden profitieren insbesondere von der verbesserten Upgrade-Fähigkeit ihres ERP-Systems, in dem möglichst keine Erweiterungen mehr im S/4 HANA Core Systems als Z-Entwicklung umgesetzt werden. Stattdessen sollen vermehrt Partner-Add-ons genutzt werden.

Die „SAP Industry Cloud“ bedeutet für uns als Partner ganz praktisch, dass beispielsweise unsere Lösung für Einzelhändler schon bald Bestandteil einer solchen Industry Cloud werden könnte.

Kunden können dann unsere Services, die auf der SAP Cloud Platform bereitstehen, einfacher nutzen. Aktuell sind zwar noch einige Fragen offen: Wie wird das Preismodell aussehen? Wem gehört das geistige Eigentum derartiger Lösungen? Wie stellen wir sicher, dass Partnerlösungen mit den Versionsständen des S/4HANA-Kerns reibungslos funktionieren? Ich freue mich auf das Jahr 2021, denn es bleibt spannend.

Otto Schell (CEO / Founder | Institute für Global Digital Creativity and Relevance):

„Altlasten angehen!“ Viele technische Infrastrukturen sind heterogen aufgestellt. Wo auf der einen Seite Optimierungen mit SAP durchgeführt wurden, bleiben Alt-System unverändert, weil sie als eigenes unveränderbares und damit unverzichtbares Know-How gesehen werden. Damit versperrt man den Weg in eine „real-time“ und damit vertikale digitale Welt, in der tatsächlich Geschäftsmodelle angegangen werden.

Daraus ergibt sich zwangsläufig der Bedarf „nach vorne Denken“ und sich Gedanken über eine vor-haltige Architektur zu machen. Hierzu gehört es auch, bestehende Programme zu hinterfragen. Am Beispiel einer S/4HANA-Implementierung sollte man verifizieren, ob es ausreicht, Programme wie bisher anzugehen, oder ob durch Themen wie Machine Learning auch direkt Organisationen verschlankt werden können. Im Vordergrund sollte der Gedanke der „Übernächsten Generation“ stehen — also wo sehe ich mich im ECO-System in x Jahren, und bin ich dann adäquat aufgestellt?

Folglich ergibt sich, dass wir in Veränderungen investieren müssen, die über eine reine SAP-Diskussion hinausgehen. Kurzfristig nur in SAP-Programme zu investieren, wird nicht ausreichen, da Altlasten bleiben. Flexibilität in Geschäftsmodellen bedingt darüber hinaus gehend flexible Architekturen. Speziell in einer Zeit, in der Budgets immer wieder in Frage gestellt werden, lohnt sich die ganzheitliche Sicht, um den Weg in die tatsächliche digitale Welt nicht zu verbauen.

Dr. Michael Fuchs (CEO dr. Fuchs Senior Advisors/ dr. Fuchs Personalberatung):

Michael Fuchs

So vielfältig die SAP-Community mit ihren SAP-Kunden, SAP-Partnern, SAP-Usergroups oder der SAP selbst ist, so vielfältig sind die Themen, die die Community bewegen und teilweise auch schlecht schlafen lassen. Was sicherlich alle für 2021 umtreibt, ist die signifikante Veränderung in unserem Implementierungs-Alltag. Unser aller Bestreben muss es mehr denn je sein, die aktuell laufenden SAP-Projekte auch remote erfolgreich zu liefern.

Warum auch nicht? Natürlich fehlt uns der — gerade in Projekten so wichtige — informelle Austausch und die soziale Begegnung. Das ist unbestritten. Aber dennoch bleiben viele der entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Projekte unberührt. Spürbares Commitment des Top-Managements, klare Projekt-Ziele und Rollout-Pläne, effiziente Methodik, Integration der Fachbereiche waren und bleiben der Schlüssel. Daran wird sich auch 2021 nichts ändern.

Andererseits bringt Remote-Projetarbeit auch klare Vorteile: Unsere aktuellen Projekte zeigen, dass die Erreichbarkeit von Team-Mitgliedern und Entscheidern deutlich gestiegen ist. Experten können situativ besser eingebunden werden, Meetings laufen effizienter und das viel zitierte Phänomen „wir müssen schieben, es ist kein Meeting-Raum mehr frei“, ist virtuell nicht wirklich haltbar. Selbst die so wichtige Kommunikation in den Projekten ist nicht schlechter — nur eben anders.

Zugegeben, alles hat sein Für und Wider, aber jammern gilt nicht. Wer glaubt, nach dem „new normal“ geht es zurück ins „old normal“, der wird sich nicht nur für 2021 täuschen. Remote-Projektarbeit wird sich seinen Weg bahnen und mithilfe immer besserer Co-working Tools und einem veränderten Sozial- und Kommunikations-Verhalten zu kürzeren, effizienteren und kostengünstigeren Projekten führen. Langfristig hilft uns das im Hinblick auf immer schwerer zu rechnende Business-Cases auf jeden Fall.

Auf dass – nach 2021 – Corona nicht als Ausrede für ineffiziente Projekte, sondern als Booster für ein neues Zeitalter der (SAP-) Projektarbeit steht!

Meine Meinung:

Helge SandenDie Welt stellt sich mir aktuell diametral dar: Ich kenne viele Menschen (und Unternehmen), die wissen aktuell vor Arbeitslast nicht, wo sie zuerst anfangen sollen – und es gibt genau das Gegenteil. Grautöne sehe ich derzeit fast nicht, nur schwarz oder weiß. Überstunden oder Zukunftssorgen.

„Es ist nicht wichtig, wie langsam du gehst, sofern du nicht stehen bleibst“, wird dem Philosophen Konfuzius zugeschrieben. Diese Weisheit kann man auf S/4HANA-Transformationen und Innovationsprojekte direkt anwenden. Auch wenn die Budgets eng sind, muss man jetzt investieren, denn nur das kann man später ernten. Und wer weiß, wie aufwändig und gefährlich ein Re-Start eines gestoppten Projekts ist, wird es mindestens mit verminderter Geschwindigkeit weiterlaufen lassen, wenn das finanziell irgendwie realisierbar ist.

These von Konfuzius muss ich jedoch völlig widersprechen, wenn es um die Veränderung von veralteten Geschäftsmodellen, Hierarchien und Strukturen – und auch verstaubten IT-Organisationen geht. Hier reicht es nicht, nicht stehen zu bleiben, sondern hier muss die aktuelle Krise der ultimative Weckruf sein — und es müssen schnell massive Veränderungen folgen, will man nicht in der Belanglosigkeit verschwinden, vielleicht sogar schon 2021.

Ein Beispiel von vielen: Mir wird immer klarer, dass SAP-Kunden — zunächst eher selektiv, aber — schon mittelfristig viele Teile der IT auf die Dienste vieler Cloudanbieter (IaaS, PaaS, SaaS) aufteilen werden, selbst wenn ein Nukleus noch im eigenen Haus bleiben sollte. Ich behaupte: Die hybride Multi-Cloud-Welt lässt sich mit vielen bestehenden, veralteten Organisationen, Strukturen und Prozessen nicht managen. Cloud-Lösungen werden aus meiner Sicht auch 2021 weiteren Rückenwind bekommen.

Doch kommen wir zurück zu Konfuzius: Man kann in der aktuellen Situation natürlich nicht alles auf einmal machen, man braucht einen Plan und eine klare Priorisierung. Meine Wette lautet daher: Das Wort des Jahres 2021 in der SAP-Community wird „selektiv“ heißen. Wir werden selektiv investieren, selektiv digitalisieren, selektiv mit ausgewählten Prozessen nach S/4HANA wechseln, selektiv in die Cloud gehen, selektiv Veränderungen vornehmen und so weiter. Denken Sie daran, manchmal könnte „selektiv“ vielleicht nicht genug sein! Aber: Eine Wahl zu haben, ist ein Privileg.

Weihnachtliche Grüße – und bleiben Sie gesund und fröhlich!

Helge Sanden (Herausgeber IT-Onlinemagazin)

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