Vision? Nein: SAP S/4HANA Public Cloud ist eine echte Chance!

Thomas-Pasquale-Gambit„Wer SAP S/4HANA nicht nur einführen, sondern wirklich davon profitieren will, sollte sich die Public Cloud im Vorfeld in jedem Fall mit anschauen“, sagt Thomas Pasquale von GAMBIT Consulting und stellt ein Betriebsmodell vor, für das es aus seiner Sicht immer mehr gute Gründe gibt — und das daher auf jede Entscheidungsagenda gehört.

In seinem Gastbeitrag erläutert Thomas Pasquale, warum S/4HANA Public Cloud eine echte Chance für Unternehmen ist.

 

Gründe für SAP S/4HANA Public Cloud

Vor einigen Jahren war die SAP S/4HANA Public Cloud für die meisten Unternehmen noch kaum ein Thema. Die Möglichkeiten waren begrenzt, die Menschen skeptisch. Skeptisch sind einige heute immer noch, aber die Offenheit gegenüber der Public Cloud ist deutlich größer geworden. Sie ist keine Vision mehr, sondern für viele Unternehmen eine ernstzunehmende Option. Dass dies so ist, hat vor allem zwei Gründe:

Erstens hat SAP den Funktionsumfang der SAP S/4HANA Public Cloud in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und die Möglichkeiten zur Erweiterung vergrößert. Und dieser Wandel geht weiter.

Zweitens gibt es derzeit kein anderes Betriebsmodell, das so umfassende Antworten auf alle relevanten Zukunftsfragen liefert, mit denen Unternehmen sich auseinandersetzen müssen.

 

S/4HANA Cloud läuft On-Premise den Rang ab

Die Public Cloud ist damit einer der interessantesten Wege für Unternehmen, die alles aus SAP S/4HANA herausholen wollen. Früher war On-Premise das beste SAP S/4HANA. Und die Entscheidung für dieses Betriebsmodell war lange Zeit auch völlig richtig.

Aber die Zeiten haben sich geändert: Mittlerweile haben die Cloud-Modelle – und hier aus meiner Sicht eben nicht nur die SAP S/4HANA Private Cloud, sondern auch die SAP S/4HANA Public Cloud – dem klassischen On-Premise-System den Rang abgelaufen.

Die Public Cloud ist keine Spar- oder Sonderversion für wenige, sondern ein vollständiges ERP-System für viele. Sie bietet bereits vielen Unternehmen alles, was sie brauchen – und eröffnet ihnen aus meiner Sicht daher die größten Chancen für die Zukunft.

 

S/4HANA Public Cloud reduziert Komplexität

SAP liefert das Public-Cloud-Paket als „Software as a Service“. Das bedeutet, dass SAP die Public Cloud hostet und betreibt, sich um alle Updates, Innovationen und Security kümmert und die Wartung und den Service erledigt. Bedeutet alles auch: Weit weniger Aufwand für Unternehmen und weniger Komplexität!

Die Public Cloud besticht vor allem durch ihre Einfachheit. Das weitgehend vorkonfigurierte ERP-System ist schneller betriebsbereit als jedes andere Betriebsmodell. Die Einführungsprojekte sind somit kürzer, die Kosten für die Implementierung geringer. Und Unternehmen können sich schneller wieder mit vollem Fokus um das kümmern, worum es wirklich geht: das eigene Business!

 

Geschäftsprozesse „To-Go“

Durch die strikte Nutzung der SAP-Best-Practices-Standards lassen sich viele Prozesse mit der Public Cloud vereinfachen und beschleunigen. Die Prozesse stehen per Plug & Play sofort zur Verfügung, laufen stabil und in Echtzeit. Es gibt dabei nicht nur ein paar wenige dieser vorkonfigurierten Best Practices. Vielmehr stehen sie heute bereits für eine Vielzahl von Branchen und Industrien zur Verfügung – und die Zahl wächst, weil SAP das Angebot kontinuierlich ausbaut.

Die Public Cloud hat die Private Cloud bei den SAP Best Practices sogar schon deutlich überholt. Es steht hier aktuell 650 zu 410 – und die Lücke vergrößert sich weiter zu Gunsten der SAP S/4HANA Public Cloud!

 

SAP Best Practices bieten Gelegenheit zum Neustart

Eine Systemarchitektur auf Basis der SAP Best Practices ist im Übrigen auch genau das, was ich vielen unserer Kunden nun schon seit einigen Jahren empfehle, wenn es um die strategische Zielerreichung mit SAP S/4HANA geht. Denn die Einführung von SAP S/4HANA ist ja nicht nur eine technische Aktualisierung vorhandener Systeme. Sondern es geht um strategische Weichenstellungen, um eine Neuausrichtung des gesamten Geschäftsmodells von Unternehmen.

SAP S/4HANA ist die Gelegenheit zum Neustart, die sich nicht oft in dieser Form bietet.

Das Herzstück eines solchen digitalen Architekturmodells mit SAP S/4HANA ist der digitale ERP-Kern, der bereits alle zentralen Funktionen und die vorkonfigurierten Prozesse enthält und dauerhaft weitgehend „clean“ bleibt. Der Ausbau und die Individualisierung der Systemlandschaft erfolgt um den SAP-S/4HANA-Standard-Kern herum – genauer gesagt über separate Software-Komponenten, die über API-Schnittstellen an den Kern angebunden werden.

 

Auch SAP Cloud-Lösungen sind erweiterbar

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, was und in welcher Form andockbar ist. Zur Verfügung stehen durch SAP freigegebene Erweiterungen über das Extensibility Framework, aber auch Business Cloud Apps oder unternehmenseigene Apps. Ohne Cloud-Lösungen ist ein solches Modell demnach nicht umsetzbar.

Der riesige Vorteil: Eine derartige digitale Architektur sorgt für mehr Flexibilität und Schnelligkeit und erhöht damit die Reaktionsgeschwindigkeit von Unternehmen – essenziell in einer Welt, die bei vielzähligen und komplexen Fragestellungen immer schnellere Antworten erfordert.

 

SAP Cloud-Lösungen individuell zuschneiden

Die vorgestellten Prinzipien einer zeitgemäßen Architektur mit SAP S/4HANA gelten – und damit bin ich wieder bei der Public Cloud – exakt auch für dieses Modell. So lassen sich in der Public Cloud bereits eine ganze Reihe von Cloud-Applikationen nutzen, die sich – als Software-as-a-Service-Dienste von der SAP oder von Drittanbietern – nahtlos über passende Schnittstellen an den „Clean Core“ der Public Cloud anbinden lassen. Die Anbindung solcher Apps bietet Unternehmen viele Möglichkeiten, individuelle Anforderungen auch mit der Public Cloud flexibel abzubilden.

Ein Unternehmen benötigt eine bestimmte Anwendung nach einigen Jahren nicht mehr? Dann wird die App einfach zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt und abgeschaltet.

Es ergibt sich plötzlich eine neue Anforderung? Entweder gibt es bereits eine geeignete App, das Unternehmen erwirbt eine passende Lösung im App Store der SAP oder entwickelt die benötigte Funktionalität einfach selbst oder mit einem SAP-Partner.

Darüber hinaus können Unternehmen auch Cloud-Apps nutzen, die sie in den App Stores der großen Softwaredienstleister finden – zum Beispiel ein Kunden-Dashboard der SAP für iPhone und iPad im Apple App Store, mit dem sich Kontaktdaten von Kunden und die Verkaufs- und Zahlungshistorie einfach von unterwegs abrufen lassen.

 

Keine funktionalen Lücken bei S/4HANA Public Cloud

Und selbst da, wo es bei der Public Cloud noch White Spots gibt, bleiben heute in der Regel keine funktionalen Lücken. Schließlich gibt es gerade für die größten White Spots bereits starke Cloud-Produkte wie zum Beispiel Ariba oder Success-Factors.

Nicht zuletzt: Selbst Entwicklungen in der Public Cloud sind mittlerweile möglich, wenn die Cloud-Spielregeln einhalten und saubere Schnittstellen genutzt werden. Seit dem letzten Release von Mitte 2022 lassen sich Entwicklungen mit Embedded Steampunk umsetzen. Embedded Steampunk ist die SAP S/4HANA Cloud ABAP Umgebung, mit der Entwickler benutzerdefinierten ABAP-Code direkt in der Public Cloud Edition erstellen können.

Das alles bedeutet: Eine der größten Sorgen von Unternehmen – „Die Public Cloud reicht für unsere komplexen Prozesse und Anforderungen nicht aus“ – ist somit in vielen Fällen unbegründet. Die eigenen Prozesse abzudecken, ist mit dem Schritt in die Public Cloud in der Regel kein Problem mehr – es geht nichts verloren beim Umstieg, sondern wird nur mit anderen Werkzeugen gelöst und an anderen Stellen platziert.

 

Die Zukunft im Blick

Aber SAP S/4HANA Public Cloud – das heißt heute nicht nur umfassende Funktionalität, das heißt auch unschlagbare Zukunftsorientierung. Ich kenne kein anderes Betriebsmodell, das zu jedem der wichtigsten strategischen Treiber der Digitalisierung bereits eine Lösung bietet – ob für die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung über die Digitalisierung der Arbeitswelt bis zur End-to-End-Optimierung von Prozessen.

 

S/4HANA Public Cloud hat viele Vorteile

Ein einfacher Aufbau der Systemlandschaft und die Wartung direkt über SAP – das ist eine Lösung für die knappen Ressourcen auf dem Markt für Fachkräfte oder den Abgang von Know-how-Trägern. Eine standardisierte Systemlandschaft auf der Basis der SAP Best Practices – das ist eine Lösung für den Wunsch nach mehr Einfachheit und weniger Komplexität und damit für mehr Agilität im Wettbewerb mit anderen Unternehmen.

Eine Vielzahl von SAP Business Cloud Apps für verschiedenste Anforderungen, die sich nahtlos mit dem Public-Cloud-System verbinden lassen – das ist eine Lösung für mehr Dynamik und Flexibilität, um schneller auf neue Anforderungen reagieren zu können. Jedes noch so kleine Puzzlestück der Digitalisierung hin zu mehr Automatisierung, Flexibilität und Agilität, zu mehr Standardnähe, Einfachheit und Innovation – in der SAP S/4HANA Public Cloud findet es eine Entsprechung.

Das alles zeigt aber auch: Die Fragestellungen, mit denen sich Unternehmen heute beschäftigen, beantwortet SAP schon heute mit passenden Cloud-Lösungen und hier insbesondere auch mit der SAP S/4HANA Public Cloud. Die Strategie der SAP jedenfalls kennt keine andere Richtung.

 

Composable SAP ERP gehört die Zukunft

Die Reise geht klar vom monolithischen Kern-ERP-System früherer Tage über das Core-ERP mit Cloud-Komponenten der Gegenwart hin zur sogenannten Composable Suite, also einer hochflexiblen und modularen Cloud-Netzwerk-Architektur.

Schon heute entwickelt SAP neue und innovative Prozesse und Funktionen nur noch als Cloud Apps – für mich ein klares Zeichen für den Fokus auf die SAP S/4HANA Public Cloud als das Modell mit dem größten Zukunftspotenzial.

 

Für wen ist SAP S/4HANA Public Cloud geeignet?

Geeignet ist die Public Cloud zum einen für agile und stark wachsende Unternehmen, die bisher noch kein SAP-System nutzen und mithilfe von standardisierten Prozessen schnell skalierbare Strukturen aufbauen wollen. Hier bietet sie sich fast zwingend an.

Aber das ist eben längst nicht mehr alles: Die Public Cloud kann zum anderen heute auch für diejenigen SAP-Bestandkunden eine passende Lösung sein, die ihre Systemlandschaft komplett neu aufbauen wollen, zurück zum SAP-Standard möchten und bereits über ein starkes „Cloud-Mindset“ verfügen. Ich würde jedenfalls nie eine vorschnelle Grenze ziehen, für welches Unternehmen sich die Public Cloud eignet – und für welches nicht. Dazu sind ihre Vorteile zu überzeugend.

 

Eigene Roadmap: Alle Kriterien müssen auf den Tisch

Am Ende einer Vorstudie kommt heraus, dass die SAP S/4HANA Private Cloud für die individuellen Anforderungen eines Unternehmens besser geeignet ist? Ja, das wird auch in Zukunft noch sehr häufig der Fall sein.

Jedes Unternehmen muss meiner Ansicht nach allerdings wirklich gute Gründe haben, wenn es die Public Cloud im Rahmen einer Voruntersuchung als mögliches Betriebsmodell für SAP S/4HANA von vornherein ausblendet — und gar nicht erst mit untersucht.

Gibt es diese guten Gründe nicht – und das dürfte meiner Erfahrung nach in den meisten Unternehmen der Fall sein –, dann gehört das Thema Public Cloud seit spätestens 2023 in jedes Roadmap-Programm und auf jede Entscheidungsagenda.

 

Thomas Pasquale ist CEO der Gambit Consulting GmbH, die er 1995 gründete. Er verantwortet den Bereich Top Management Beratung und Strategische IT und ist in vielen Projekten noch operativ involviert und kennt die relevanten Themen in digitalen Transformationsprojekten für die Unternehmen.

 

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