Individualisierte Testsysteme bei der R+V Allgemeine Versicherung AG

Sensible personenbezogene Daten erfordern bei Management von Testsystemen und Testdaten besondere Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen. Insbesondere in hybriden IT-Landschaften, mit vielen Schnittstellen zu spezialisierten Subsystemen, ist die Datenanonymisierung nicht trivial.

Von Günter Graf, Consultant – Chefentwickler bei der R+V Allgemeine Versicherung AG, wollten wir wissen, wie ein Versicherungsunternehmen seine hybriden IT-Landschaften übergreifend testet und gleichzeitig die gesetzlichen Vorgaben einhält.

 

Welche Herausforderungen haben Sie als Versicherungsunternehmen im Bereich Testdaten und -systeme?

SAP TestGünter Graf: Uns begegnen zahlreiche Herausforderungen beim Testdatenmanagement. Als Versicherungsunternehmen speichern wir viele sensible Daten und müssen diese gemäß den Vorgaben unseres CoC (Code of Conduct) verfremden. Hinzu kommt die seit vergangenem Jahr wirksam gewordene EU-Datenschutz Grundverordnung (DSGVO), die das Thema Datenverfremdung nicht leichter macht.

Für Testzwecke benötigen wir immer wieder die Möglichkeit, kleine Mandanten aufzubauen. Neben dem HCM-Modul gilt das auch für die weiteren eingesetzten SAP-Module (FS-BP, FI, CML, und CFM).

 

Wie wurden die Herausforderungen im Testdatenmanagement umgesetzt und welche Erfolgskriterien waren für Sie relevant?

Uns war schnell bewusst, dass wir für die Umsetzung der genannten Herausforderung eine integrierte SAP-Lösung benötigen. Wichtig war uns, dass die Kopier- und Verfremdungslösung Datenkonsistenz, vor allem gegenüber dem Mainframe und dem Zusammenspiel von Partner- und Bestandsanwendungen, gewährleistet.

Wir nutzen jetzt eine Lösung namens „Data Sync Manager Suite“ vom SAP-Partner EPI-USE Labs, mit der wir unsere Anforderungen umsetzen können. Größter Vorteil ist, dass die Lösung flexibel an unsere branchenspezifischen Anforderungen angepasst werden kann.

 

Wurden auch individuelle Anforderungen realisiert und welche waren das?

Ja, es wurde beispielsweise ein Carve-Out eines Mandanten mit nicht-versicherungstechnischen Modulen vorgenommen. Eine Schnittstelle zum Mainframe war dabei nicht notwendig. Aufgrund des hohen Datenverbrauchs der Module HCM, CFM, CML und FI ist hier ein sehr kurzer Aufbaurhythmus der Systeme notwendig.

Weiterhin wurden für die Objektkopie kundeneigene Szenarien wie Darlehen, Provisionsvertrag, Maklermeldung und Besicherungsanhang erstellt. Für das Objekt-Szenario Versicherungsobjekt gibt es mittlerweile einen kundeneigenen Webservice, der die Kopierprozesse automatisiert laufen lässt.

Für die Verfremdung konnten wir unser eigenes Anonymisierungsset erstellen, nach unseren definierten Regeln und Anforderungen, beispielsweise auch die ZÜRS Geolokation.

 

Welche Einsparungen wurden durch die Maßnahmen im Testdatenmanagement erwirkt und können Sie diese betriebswirtschaftlich beziffern?

Die wohl größte Einsparung nach Einführung der Lösung war der zeitliche Faktor. Gerade bei der Bereitstellung von verfremdeten Testdaten sind wir schneller und effizienter geworden.

Zum Beispiel wird der HCM Carve-Out (inklusive Kostenstellen und Business Partner) innerhalb einer automatisierten Nachtverarbeitung erstellt.

 

Welche Bedeutung haben die Automatisierung und die Nutzung von Robotic Process Automation (RPA) in Ihrem Umfeld?

Die R+V hat hierfür ein selbstprogrammiertes Tool namens „TAD“ im Einsatz. Dieses Tool kann — unabhängig von der eingesetzten Plattform (SAP, Host oder Web) — aufgrund einer Excel-Tabelle automatisiert Oberflächen füllen und somit Regressionstests durchführen.

 

Vielen Dank. Die Fragen stellte Helge Sanden von IT-Onlinemagazin.

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