LMU München wird GS-H Pilotkunde und löst SAP IS-H ab

Markus M. Lerch (Physician-in-Chief und CEO), Kurt Kruber (Leiter MIT | beide LMU München), Wilken Möller (Vorstand | GITG) (vlnr.)

Das LMU München hat einen wichtigen Schritt zur notwendig gewordenen SAP IS-H Ablösung geschafft: Mit dem Healthcare-Softwareanbieter GITG wurde eine Entwicklungspartnerschaft und Pilotierung für dessen IS-H Nachfolger vereinbart.

Der Produktname der neuen GITG-Lösung wird GS-H lauten. Eine erste Version soll bereits im Jahr 2023 interessierten Krankenhäusern gezeigt werden können. Der Leistungsumfang wird dann nach und nach erweitert und soll 2025 für die produktive Nutzung zur Verfügung stehen.

„Wir kommen sehr schnell mit der GS-H-Entwicklung voran und sind froh, mit dem LMU ein renommiertes Universitätsklinikum als Entwicklungspartner und Pilotkunden gefunden zu haben“, sagt GITG-Vorstand Wilken Möller.

Wir fragten Dr. Kurt Kruber, der seit über 10 Jahren Leiter der MIT (Medizintechnik und IT) am LMU Klinikum in München ist, nach seinen aktuellen Herausforderungen, Beweggründen für die Partnerschaft und Erwartungen an die zukünftige Lösung.

 

Herr Dr. Kruber, welche Herausforderungen haben Sie durch die Abkündigung von IS-H durch SAP?

Kurt Kruber: Nach dem verkündeten „SAP-Healthcare-Exit“ am 24. Oktober 2022 laufen die Planungen zum Masterprojekt „KIS / KAS der Zukunft“ in der MIT auf Hochtouren. Für das IS-H bleibt zwar derzeit die Wartungszusage der SAP bis 2027, plus gegebenenfalls drei Jahre Wartungsverlängerung. Parallel muss aber auch die HANA DB für alle SAP ERP Produkte eingeführt werden. Dazu hat parallel nun auch Oracle Cerner für die KAS-Lösung i.s.h.med angekündigt, dass diese nicht mehr auf S/4HANA laufen wird.

Dies zusammen und die damit verbundene Marktrecherche – nebst Personalsuche zur Umsetzung – stellt die MIT vor enorme Herausforderungen. Für das LMU Klinikum bedeutet das vor allem eine essentielle finanzielle Belastung, die auch den bayerischen Staatshaushalt tangieren wird.

In der Digitalisierung des LMU Klinikums wird sich dadurch Vieles grundlegend, gleichzeitig und unter Zeitdruck ändern. Allein der Aufwand der Ablösung von IS-H wird rund zwei Jahre dauern, unter der Voraussetzung, dass ein adäquates System gefunden würde.

Betroffen sind durch die Abkündigung des IS-H die Patientenaufnahme, -abrechnung und Entlassungsmanagement, interne Leistungsverrechnung und -abrechnung zu SAP CO, alle klinischen Auswertungen und gesetzlichen Statistiken (wie Bettenbelegungen und Bettenauslastungen, …), DRG- und BG-Abrechnung, sowie speziell bei uns als Universitätsklinikum die HSA-Abrechnung mit derzeitigem Umfang.

Dazu kommen die Kommunikation mit MDK und Krankenkassen, die IS-H Ausfallsysteme (KONAS und Kölliker Switch Framework) und schließlich die Telematik-Infrastruktur als zentrale Module im KAS (derzeit i.s.h.med).

 

GITG GS-H ist SAP IS-H Nachfolger

Was sind Ihre Gründe und Entscheidungskriterien, Pilotkunde für die IS-H-Nachfolgelösung GS-H von GITG zu werden?

LMU Kurt KruberUnsere erste Marktrecherche ergab im Frühjahr, dass derzeit kein vergleichbares Produkt wie IS-H auf dem Markt existiert und wir daher die Gelegenheit ergriffen haben eine Entwicklungspartnerschaft mit der GITG zu bilden.

Das schafft uns die Möglichkeit des aktiven Mitgestaltens des IS-H Nachfolgers GS-H durch Einbringung von fachlichen Vorgaben und die Übernahme sinnvoller Kundenerweiterungen in den Standard. So haben wir bereits heute zahlreiche Eigenentwicklungen in IS-H in Form von 80 BAdI´s, Enhancements und Reports/Includes.

Darüber hinaus erscheint uns dadurch eine Optimierung der Prozesse des LMU Klinikums möglich. Ganz wichtig: Wir entzerren unsere Herausforderungen im KIS/KAS Projekt der Zukunft, indem unser Partner IS-H intensiv kennt und die bestehenden Schnittstellen erst sukzessive abgelöst werden müssen.

Bei welchen Themen erwarten Sie die größten Hürden bei der Umstellung von IS-H auf GS-H?

Wie eingangs geschildert sind die personellen Ressourcen für das GS-H Projekt bei uns im MIT-Team derzeit noch gravierend, da wir natürlich nebenbei noch die laufenden gesetzlichen Vorgaben der Projekte im Rahmen des KHZG und der TI abwickeln müssen.

Natürlich haben wir zusätzlich noch klinikumsinterne Digitalisierungsprojekte und unser laufendes Tagesgeschäft für den Betrieb und die jährlichen Anpassungen im IS-H Umfeld.

 

LMU wird GS-H Entwicklungspartner und Pilotkunde

Welche Verbesserungen erhoffen Sie sich langfristig durch den GS-H-Einsatz?

Da die GITG mit professionellen Partnern die Entwicklung mit uns angeht, erwarten wir für unsere Anwender ein künftig geradezu optimiertes und zukunftssicheres Softwarepaket. Dies, da wir ja auch den oben bereits geschilderten Herausforderungen eines Wechsels des KAS gegenüberstehen.

Welche Relevanz werden SAP-Lösungen zukünftig noch in Ihrem Haus haben?

Die Relevanz der SAP Lösungen bleibt für das LMU Klinikum unverändert. Während das IS-H wegfällt, steigt gleichzeig mit der HANA DB der Datenbankanteil – und alle anderen ERP-Produkte im S/4HANA-Umfeld werden modernisiert und versucht, damit Mehrwerte für die Anwender im LMU Klinikum zu generieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

Dr. Kurt Kruber verfügt über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung in IT und Technik. Er ist seit über 10 Jahren Leiter der MIT (Medizintechnik und IT) am LMU Klinikum in München. Die MIT erbringt mit ihren sieben Referaten, 30 Sachgebieten und fast 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alle Dienstleistungen der Informationstechnologie und Medizintechnik für das gesamte Klinikum.

Das LMU Klinikum ist eines der größten und leistungsfähigsten Universitätsklinika in Deutschland und Europa. 101 Kliniken, Abteilungen, Institute und Zentren mit einer exzellenten Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Hieran sind rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den verschiedenen Berufsgruppen beteiligt.

 

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