Passende S/4HANA-Migrationsstrategie ist schwierig zu finden

Für 60 Prozent ist die größte Herausforderung bei der S/4HANA-Umstellung, die passende Migrationsstrategie (Greenfield, Brownfield, Selektiv) zu finden. Rund 40 Prozent der Befragten sehen eine temporäre Downtime der SAP-Systeme bei der S/4HANA-Umstellung kritisch.

Umfrage-S/4HANA-Herausforderungen-Downtime

 

Gefragt nach vorrangigen Zielen, gaben 64 Prozent der Teilnehmer an, eine Harmonisierung und Optimierung der Prozesse zu verfolgen. Gleichzeitig wünschen sich aber 60 Prozent eine rein technische Umstellung. Was zunächst wie ein Zielkonflikt wirkt, deutet darauf hin, dass Gestaltungspotentiale genutzt werden sollen – die Umsetzung aber möglichst automatisiert erfolgen sollte.

 

Herausforderungen bei S/4HANA-Umstellungen

Mit welchen Herausforderungen sich Unternehmen im Vorfeld eines Wechsels nach S/4HANA konfrontiert sehen, zeigen diese und weitere Umfrageergebnisse, die wir im Folgenden erläutern. Ende 2019 führte das IT-Onlinemagazin in Zusammenarbeit mit dem SAP-Partner SNP Schneider-Neureither & Partner SE eine Trendumfrage zur S/4HANA-Umstellung in der deutschsprachigen SAP-Community durch, an der 106 Personen online teilgenommen haben.

 

Migrationsstrategie ist wesentliche Weichenstellung

„Die Festlegung der Migrationsstrategie ist eine wesentliche Weichenstellung für S/4HANA-Projekte. ´Brownfield´ im Sinne der Datenkonvertierung mit SAP SUM/DMO ist attraktiv, wenn der Fokus der S/4HANA-Umstellung eher auf einem technischen Releasewechsel — mit möglichst geringen Auswirkungen auf die Fachabteilungen — liegen soll.

Bei inhaltlichen Änderungswünschen, wie beispielsweise Systemkonsolidierungen, Mandantenzusammenführungen oder signifikanten Prozessanpassungen, kommt dieser Ansatz schnell an seine Grenzen.

Es gibt mittlerweile flexible, softwareunterstützte S/4HANA-Einführungsmethoden, die die limitierenden Faktoren des Brownfield-Ansatzes vermeiden. Diese Methoden ermöglichen die Übernahme und Weiterverwendung bisher eingesetzter Lösungselemente. Gleichzeitig öffnen sie Gestaltungsspielräume zur Umsetzung gewünschter Veränderungen“, sagt Burkhard Schröder, Manager Consulting, SNP Transformations Deutschland GmbH.

 

Weitere Umfrageergebnisse in Kurzform

  • 25 Prozent wollen neue Funktionalitäten mit S/4HANA etablieren.
  • 21 Prozent wollen ihre SAP-Systemlandschaft im Zuge der S/4HANA-Umstellung massiv verändern.
  • Die von Fachabteilungen geforderte Downtime zu erreichen, fällt 30 Prozent schwer.
  • Weitere 10 Prozent diskutieren einen Greenfield-Ansatz ohne Datenübernahme, weil diese zu lange dauern würde.
  • 25 Prozent verkraften eine maximale Downtime von 8 Stunden.
  • Für 32 Prozent stellt es eine Herausforderung dar, einen geeigneten Partner für die technische Migration zu finden.

Lesen Sie alle Umfrageergebnisse im Detail:

 

Welche Ziele verfolgen Unternehmen mit dem Wechsel nach SAP S/4HANA?

64 Prozent der Unternehmen streben mit dem Umstieg eine Prozessharmonisierung und -optimierung an, 62 Prozent planen eine rein technische Umstellung auf die neue Technologie, 49 Prozent wollen Eigenentwicklungen in den SAP-Standard zurückführen, 25 Prozent neue Funktionalitäten (ML, KI, …) etablieren, 23 Prozent möchten SaaS- (SAP S/4HANA Cloud) oder PaaS-Angebote (SAP Cloud Platform) nutzen und 19 Prozent wollen Änderungen an der Stammdatenstruktur vornehmen.

Ziele-S/4HANA-Migration

 

Auffällig ist, dass die Ziele eher evolutionär ausgerichtet sind. Es reicht offenbar vielen Anwendern, den Status quo zu erhalten. Die revolutionäre Veränderung und das damit verbundene Innovationspotenzial scheinen derzeit eher sekundäre Bedeutung zu haben. Das zeigt sich auch bei der nächsten Frage, die sich um die Veränderung der technischen Basis dreht.

 

Herausforderungen bei der S/4HANA-Migration

Für 60 Prozent ist die größte Herausforderung bei der S/4HANA-Umstellung, die passende Migrationsstrategie (Greenfield, Brownfield, Selektiv) festzulegen. Die Komplexität der hybriden Systemlandschaften (Cloud, On-Premises, SAP, Non-SAP) bereitet 51 Prozent Kopfschmerzen.

Herausforderungen-S/4HANA-Migration

 

Fast ein Drittel der Unternehmen sieht eine Herausforderung darin, einen geeigneten Partner für die technische Migration zu finden. 17 Prozent haben Schwierigkeiten, Werkzeuge zur Downtime-Minimierung zu evaluieren. Eine weitere Herausforderung ist die Einbindung der Fachbereiche und deren Mehrfachbelastung: Sie betreuen das Projekt in der Regel parallel zum Tagesgeschäft, setzen sich mit fachlichen Fragestellungen auseinander und führen Funktions-, Integrations- und Akzeptanztests durch.

 

Wie verändern sich SAP-Systemlandschaften durch die S/4HANA-Migration?

Wir wollten wissen, ob SAP-Systeme im Kontext der S/4HANA-Transformationen beispielsweise zusammengeführt, zentralisiert oder aufgespalten werden sollen. Auch hier sind eher evolutionäre Veränderungen zu erwarten: 38 Prozent der Befragten wollen ihre SAP-Systemlandschaft im Zuge der S/4HANA-Aktivitäten nicht verändern, weitere 25 Prozent ein wenig verändern. Immerhin 21 Prozent planen massive Veränderungen was in diesen Fällen häufig mit der Komplexität hybrider Systemlandschaften zusammenhängt. Bei 16 Prozent der Unternehmen sind Art und Umfang der Veränderungen der SAP-Systemlandschaften noch unklar.

Veränderungen-SAP-Systemlandschaften

 

Welche Downtime ist für den Geschäftsbetrieb bei der S/4HANA-Migration verkraftbar?

Die Umstellung eines SAP-Systems auf SAP S/4HANA ist — technisch bedingt — mit einer temporären Nichtverfügbarkeit verbunden. 6 Prozent wollen nach der S/4HANA-Umstellung bereits nach einer Stunde weiterarbeiten können, 17 Prozent können acht Stunden auf das SAP-System verzichten.

verkraftbare-Downtime-SAP-Migration

19 Prozent geben der IT-Abteilung maximal 24 Stunden Zeit für die S/4HANA-Umstellung. 42 Prozent sehen eine Downtime von bis zu 48 Stunden als vertretbar an. Für 6 Prozent wären auch mehr als 48 Stunden akzeptabel. Für 10 Prozent ist noch unklar, wie lange Sie auf das SAP-System verzichten können.

 

40 Prozent sehen SAP-Downtime als kritisches Thema

54 Prozent geben an, dass die temporäre Nichtverfügbarkeit für sie kein Problem darstellt, 30 Prozent, dass es ihnen schwerfällt, die von den Fachabteilungen geforderte Downtime zu erreichen. 10 Prozent diskutieren gar eine Greenfield-Migration ohne Datenübernahme, weil diese zu lange dauern würde. Die restlichen Unternehmen können das nicht einschätzen.

SAP-Downtime-Herausforderung

 

Was kostet Nichtverfügbarkeit der SAP-Systeme?

Wir haben auch gefragt, mit welchen Opportunitätskosten (zum Beispiel entgangene Erlöse oder Vertragsstrafen bei fehlender Lieferfähigkeit) die Unternehmen rechnen, falls die maximal akzeptierte Downtime überschritten würde. 55 Prozent können das nicht einschätzen, 33 Prozent rechnen mit Kosten von weniger als 100.000 Euro pro Stunde Verzögerung, 12 Prozent kalkulieren bis 500.000 Euro pro Stunde Verzögerung.

Opportunitätskosten-SAP-Migration

 

SAP-Downtime kann projektentscheidend sein

Die Praxis zeigt, dass es SAP-Kunden mit ganz besonderen Implementierungs- und Downtime-Anforderungen geben kann: Eine besondere Herausforderung besteht zum Beispiel, wenn im Rahmen von S/4HANA-Einführungen Just-in-Time-Prozesse (JIT) in der Logistik unterstützt werden müssen. Verschärft werden diese Anforderungen durch die Verfolgung weiterer Ziele, wie System- oder Organisationszusammenführungen, wie in folgendem Projektbeispiel aus der SNP-Praxis:

  • Wellenbasierter Go-live (Wellen-Definition nach Buchungskreisen, mehrere Quell-Systeme)
  • Downtime von maximal ca. 8 Stunden für die Livesetzung einer Welle
  • Keine Akzeptanz einer Downtime für Organisationseinheiten auf den Quellsystemen und dem Zielsystem, die nicht Teil der Livesetzung einer Welle sind

 

Wann werden die meisten Systeme auf S/4HANA migriert?

Rund 8 Prozent der Umfrageteilnehmer haben die Umstellung auf S/4HANA bereits erledigt. 16 Prozent wollen den Schritt 2020, 13 Prozent 2021, 23 Prozent 2022 und 40 Prozent 2023 oder später gehen.

Wann-S/4HANA-Migration

 

Bewertung der Umfrageergebnisse

Burkhard Schröder, Manager Consulting bei SNP, entnimmt der Umfrage folgendes: „Nur 8 Prozent der Umfrageteilnehmer haben die Umstellung auf S/4HANA bereits erledigt. Knapp 30 Prozent der Umfrageteilnehmer planen den Schritt der Umstellung bis Ende 2021, über 60 Prozent erst 2022 oder später.

Die frühen S/4HANA-Einführungen deuten tendenziell auf einen ‘technischen Release-Wechsel‘ hin, häufig mit dem Ziel, Change-Management-Erfordernisse gering zu halten.

Nicht selten sollen mit der S/4HANA-Einführung jedoch Prozessoptimierungen, Rückführung von Kundenentwicklungen in den Standard und/oder System- und Mandantenkonso­lidierungen verbunden werden, um ‘strategische Plattformen‘ für zukünftige Technologiesprünge bereitzustellen. Mit solch einem breit angelegten Modernisierungsschub sollen mittel- und langfristige Konkurrenzvorteile erzielt werden.

In der Mitte bewegen sich Kunden, die pragmatische Ansätze verfolgen und die S/4HANA- Einführungen mit gezielten selektiven Verbesserungen verbinden wollen. Für beide Kundengruppen kommt ‘Brownfield‘ eher nicht in Frage. Sie müssen sich die Frage nach dem grundsätzlichen Projekt-Setup und der möglichen Einführungsmethode stellen.“

 

Downtime-Optimierung bei S/4HANA-Umstellung möglich

Joerg-KaschytzaJörg Kaschytza, Vice President of Business Consulting Germany SNP, empfiehlt: „Unabhängig ob ‚Brownfield‘ oder nicht, stellt sich die Frage nach der maximal zulässigen Downtime bei der Produktivsetzung. Für 40 Prozent der Umfrageteilnehmer ist dies ein wichtiges Thema.

Viele Kunden verbinden S/4HANA-Einführungen mit grundlegenden Transformationen (System-Merge, Harmonisierung, etc.), wie wir sie auch schon vor S/4HANA kannten und die unter zum Teil sehr ambitionierten Anforderungen an die zulässige Downtime umgesetzt werden mussten. SNP hat seine Transformationssoftware mittlerweile S/4HANA-fähig gemacht, sodass selbst sehr komplexe S/4HANA-Einführungsprojekte erfolgreich umgesetzt werden können.“

 

Stimmen von Umfrageteilnehmern

Wir baten Teilnehmer, diesen Satz zu vervollständigen: „Die S/4HANA-Umstellung wäre überhaupt kein Problem, wenn …

…der Custom Code nicht wäre.“

… wir all die Jahre vorher soweit wie möglich im SAP-Standard geblieben und uns mittels komplexer Z-Programmierungen das System nicht verbaut hätten.“

… eine Migration großer Datenmengen bei einem Brownfield-Ansatz ohne Downtime der Systeme gemeistert werden kann. Wir haben zwei Systeme und mehr als 30 TB zu migrieren.“

… es eine automatisierte Lösung mit minimaler Downtime und 100 Prozent Erfolgsgarantie gäbe.“

… die Migration so einfach wäre, wie zum Beispiel das Update von EHP5 auf EHP 8.“

… sie in Teilschritten, ohne gleichzeitige Prozess- und Funktionsumstellung, durchgeführt würde, wie zum Beispiel: Zunächst die vorhandenen Prozesse und Funktionen auf das neue System bringen, das neue System anschließend „Warmlaufen“ lassen, um in einem dritten Teilschritt die neuen Prozesse und Funktionen auf dem „neuen“ System zu nutzen.“

… man erfahrene Berater hätte und ein vollständig ausprogrammiertes, getestetes Produkt.“

… es kostenfrei wäre.“

… klar definierte Projektdauer und – Budget feststellbar wären.“

… es keine Lizenzthemen gäbe.“

 

DIE IT-ONLINEKONFERENZ IM JANUAR 2020:
Profitieren Sie vom Wissen und den Projekterfahrungen der Experten

Jörg Kaschytza und Burkhard Schröder von der SNP Schneider-Neureither & Partner SE werden uns anhand von Kundenbeispielen erläutern, wie andere Unternehmen die S/4HANA-Migration und die Downtime-Minimierung in den Griff bekommen haben. Interessierte können am 28. Januar 2020 um 14 Uhr an der Diskussion teilnehmen oder sich im Nachgang die Aufzeichnung dazu ansehen. Hier registrieren …

„Der S/4HANA-Umstieg ist facettenreich. Man muss viele Aspekte berücksichtigen und sollte sich unbedingt anschauen, wie andere Unternehmen diese Aufgaben gemeistert haben“, sagt Helge Sanden vom IT-Onlinemagazin. Er lädt alle Anwenderunternehmen zur Teilnahme an der IT-Onlinekonferenz ein, um aus den Erfahrungsberichten von mehr als 30 Unternehmen zu lernen und Schlussfolgerungen für das eigene Projekt zu ziehen.

 

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