Selective Data Transition beim S/4HANA-Umstieg favorisiert

Kein S/4HANA-Projekt ist wie das andere: Die Anforderungen sind so unterschiedlich wie die Unternehmen und ihre Strukturen. Individuelle Vorbereitung, Blueprints entwickeln, Daten aufräumen, das Projekt sicher planen – all das ist die Basis für eine erfolgreiche Transformation.

Von Ben McDermott und Götz Lessmann (beide Datavard) wollte ich wissen, was sie bei der S/4HANA-Einführung empfehlen, welche Transformationsstrategie sie favorisieren und was man unbedingt vermeiden sollte.

Beide sind Gast eines Expert-Talks zur IT-Onlinekonferenz 2021 „SAP S/4HANA, SAP-Optimierung, Effizienzsteigerung und Digitale Transformation“ und berichtet dort aus Transformationsprojekten.

 

Herr Lessmann, was sollten Unternehmen bei der S/4HANA-Einführung unbedingt beachten — und was vermeiden?

Götz Lessmann: Es gibt zwei wichtige Aspekte:

  • Welche Vorarbeiten sind notwendig? Z.B. Datenharmonisierung als Vorbereitung für CVI, …
  • Welcher Ansatz ist der Richtige? Greenfield, Brownfield – oder selektiv? Das wird primär durch den Umgang mit historischen Daten bestimmt.

Abschließend müssen der Zeitplan und die Integration von Vorarbeiten, Nacharbeiten (wie z.B. Systemstillegung) und die eigentliche Migration koordiniert werden.

 

Herr McDermott, was sind die Herausforderungen, wenn man S/4HANA-Projekte ohne Toolunterstützung angeht?

Ben McDermott: Ein S/4HANA -Migrationsprojekt ohne den Einsatz irgendeines Tools würde einen extremen manuellen Aufwand bedeuten, der das Projekt von vornherein unrealisierbar macht. Die eigentliche Frage ist, was die Herausforderungen wären, wenn man versuchen würde, ein S/4HANA-Migrationsprojekt nur mit SAP-Standardbordmitteln (z.B. Migration Cockpit, SUM, etc.) durchzuführen.

Wenn das vorgeschlagene Migrationsprojekt in eine der Standardformen „Brown-“ oder „Greenfield“ passt, kann das Projekt mit den SAP-Standardwerkzeugen ohne Probleme abgeschlossen werden. Angepasste Toolsets können einen Mehrwert bieten, indem sie entweder den Prozess beschleunigen, die damit verbundenen Ausfallzeiten reduzieren oder andere Vorteile im Vergleich zu den Standardtools bieten.

Die wirklichen Herausforderungen werden jedoch bei Projekten auftreten, die nicht zu den Standardmigrationsarten passen. Zum Beispiel, wenn ein Kunde eine selektive Datenmigration durchführen möchte, oder wenn die Systemkonsolidierung ein notwendiger Schritt im Projekt ist.

Wenn so ein Projekt ohne ein geeignetes Toolset durchgeführt wird, können erheblicher zusätzlicher Zeit- und Arbeitsaufwand bis hin zu den weitaus größeren Risken wie Datenintegritätsprobleme entstehen. ERP-Systeme sind heutzutage so komplex, dass der Versuch, grundlegende Änderungen an den Datenstrukturen oder Objekten vorzunehmen, ohne die Sicherheit eines sorgfältig entwickelten und getesteten Toolsets ein erhebliches Risiko für den Erfolg des Projekts und die Stabilität des ERP-Systems selbst darstellt.

 

Welche Transformationsansätze präferieren Sie?

Götz Lessmann: SDT natürlich — Selective Data Transition. Der selektive Ansatz verbindet die Vorteile von Greenfield und Brownfield, und bietet damit die größte Flexibilität bei gleichzeitig beschleunigter Projektdurchführung. Darüber hinaus sogar noch mit der zusätzlichen Möglichkeit, Harmonisierung und andere Transformationen mit zu integrieren.

 

Welche Fehleinschätzungen beobachten Sie in S/4HANA-Projekten?

Goetz_LessmannGötz Lessmann: Der Mehrwert von Harmonisierungen und Vereinfachungen VOR der eigentlichen S/4HANA-Migration wird oft unterschätzt, z.B. das Konsolidieren von Systemen, Verbessern der Datenqualität, …

Ferner wird Wichtigkeit von Altdaten untereschätzt. Diese Daten sind scheinbar alt, und werden nicht benötigt… aber eben nur scheinbar. Einerseits braucht man die Daten zuweilen für das Reporting, und selbst wenn nicht – man muss ein Archivierungs- und Decommissioning-Konzept erstellen.

Ben McDermott: Die Fehleinschätzung, die am häufigsten vorkommt, ist eine Unterschätzung der Komplexität des Projekts. Es ist wichtig, nicht zu vergessen, wie kritisch ERP-Systeme für die Geschäftsprozessen sind, die sie unterstützen, und wie sehr sie daher mit dem täglichen Betrieb des Unternehmens verbunden sind. Diese Komplexität im Geschäftsbetrieb führt zu einer Komplexität im Projekt, die in allen Aspekten des Designs, der Implementierung und vor allem der Tests eingeplant werden muss.

 

Was erfahren wir von Ihnen bei der IT-Onlinekonferenz 2021?

Ben McDermott: Wir werden zeigen, wie Unternehmen ihre S/4HANA-Migrationsprojekte smarter angehen können. Dazu haben wir fünf verschiedene Bereiche identifiziert, in denen Vorbereitung, Planung und geeignete Toolsets helfen können, den maximalen Mehrwert aus einem solch komplexen Projekt zu erzeugen.

 

Was wird 2021 das dominierende Thema in der SAP-Community?

Ben McDermott: Die Bedeutung von Cloud-basierten Services wird weiter zunehmen, da Unternehmen versuchen werden, ihre Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit zu erhöhen und gleichzeitig Kosten zu senken, um die neuen Arbeitsmethoden zu unterstützen, die durch die globale Pandemie ausgelöst wurden.

Götz Lessmann: Cloud und Integration mit Cloud, z.B. Data Lakes und Non-SAP-Reporting.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Helge Sanden, Chefredakteur des IT-Onlinemagazins.

 

 

Ausführliche Informationen bei der IT-Onlinekonferenz 2021:

Sie können diesen und alle Beiträge der #ITOK21 live (25.01. – 28.01.) oder als Aufzeichnung verfolgen und eigene Fragen an die Experten stellen.

Bei der IT-Onlinekonferenz geben SAP-Kunden vier Tage lang Erfahrungsberichte aus S/4HANA-Projekten und SAP-Optimierungen. Zusätzlich gibt es vielfältige Interaktions- und Networking-Möglichkeiten.

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